CHAP IX . ST. V incent, ST. L ucia, M artinique, Dominica, Les Saintes und Guadalupe, Und Antigua
CHAP X. Antigua - Guadeloupe - Les Saintes - Dominica - Martinique
CHAP XII. Canouan - Tobago Cays - Union Island - Palm Island
CHAP XIII. Carriacou - Grenada - Los Testigos - Margarita - Coche
CHAP LXXII F a h r t v o n G A L L E , S R I L A N K A to S A L A L A H , O M A N
Am
17.Oktober gegen Mittag beginnt die Ragnar ihre Reise um die Welt. Wir sind fünf
an Bord: Skip der Skipper, Barbara der Maat und Dani der Schiffsjunge als
Kerncrew. Ausserdem Jaime und Rosa, Danis Eltern, die uns auf unserem ersten
Abschnitt begleiten.
Die
Vorbereitungen waren gewaltig, und wir empfinden es als eine Erleichterung,
endlich aufzubrechen und den Stress der letzten Wochen von uns abzuschütteln.
Vor zwei Wochen war Ringu Tulku Rimpoche aus Sikkim an Bord, um uns und dem Boot
ein Blessing zu geben. Un zusammen mit den guten Wünschen von Lama Yeshe
Rimpoche, dem Abt und guten Freund aus Samyeling in Schottland, fühlen wir uns
bestens gerüstet für die Reise.
Nach
tränenreichem Abschied von Jule und Alfonso und Lola und Kathleen und Klaus
fahren wir langsam aus dem Varadero von Palma de Mallorca hinaus, bis auch die
Klorolle zwischen Dani und seiner Schwester
Monica zerreisst…
Es
ist warm, die See glatt wie ein Spiegel, der Himmel etwas verhangen, ab und zu
bricht die Sonne durch. Wind und Flauten wechseln sich ab. Nachts Vollmond.
Wir
segeln südöstlich an
Jaime
und Skip fangen ihren ersten Fisch, einen etwa drei Kilo schweren Tunfisch,der
uns ein köstliches Abendessen beschert.
Ab
und zu begleiten uns Schwärme von Delphinen und kleine gelb-grünliche Vögel,
die auf dem Deck oder in Danis Haarschopf landen.
Jaime
und Dani haben das Kochen übernommen. Mit dem, was wir fischen, und unseren
Vorräten sind wir bestens versorgt: jede Menge Reis, Hülsenfrüchte,
Trockenobst, Orangen aus Soller, eine riesige Sobrasada von Jaimes Mutter,
tomates de ranillete, ein grosser Eimer voller frischer Eier, etc.
Am
Donnerstag, 2o.10., gehen wir in
Wir
gönnen uns eine ruhige Nacht vor Anker in einer stillen Bucht auf der Leeseite
des Kaps und schaffen es am Samstagmorgen (22.10.) endlich, es zu umrunden. Kurz
danach finden wir einen herrenlosen ca. 5 Meter langen Zodiac und nehmen ihn in
Schlepp. Offensichtlich eine “patera”, mit der Flüchtlinge aus Afrika die
Meerenge von
Am
Montag machen wir Halt in Motril, am Dienstag in Benalmádena bei
Palmeira, Ilha do Sal
Cabo Verde, 23.11.o5
Es tut mir leid, dass ihr so lange nichts vo uns gehoert habt. Danis
second-hand laptop hat den Geist aufgegeben, was bedeutet, dass wir die
Texte nicht vorbereiten koennen auf deutsch, englisch und spanisch- was viel
Zeit in Anspruch nimmt. Ausserdem sind im Laptop unsere Digitalphotos
gespeichert, zu denen wir jetzt auch keinen Zugang haben. Danis neue Kamera
funktioniert im Augenblick auch nicht und der Kontakt mit Danis Vater, der
die Website macht, verlief auch nicht reibungslos.Elektronik kann schon
total frustrierend sein. Unser Autopilot tuts auch nicht mehr richtig nach
dem Sturm bei Tarifa und wir hoffen, dass wir ihn wieder reparieren koennen,
denn ohne ihn ist die Steuerei doch sehr muehsam. Bitte habt Geduld mit uns.
Wir haben uns also in Benalmadena (Málaga) von Danis Eltern verabschiedet
und sind zu dritt weitergesegelt. Die Fahrt nach Gibraltar verlief ruhig,
bis wir the Rock in Sichtweite bekamen: ueber dem enormen Felsen steht eine
riesige schwarze Wolke. Und als wir in den Hafen einlaufen, stuermt es aus
allen Himmelsrichtungen.Zu allem Uebel bekommen wir auch in keiner der
Marinas einen Liegeplatz, da die Boote von der Blue Water Ralley und der
Transatlantik-ARC-Regatta alles in Beschlag genommen haben.Also ankern wir
direkt na der Landebahn dês Flughafens. Am naechsten Morgen koennen wir dann
am Queen Ann's Quarry anlegen.
Die naechsten 3 Tage bleiben wir in G., einer Stadt von 30000 Einwohnern
sehr gemischter Herkunft: Araber, Juden, Englaender, Inder z.B. Und dabei
sehr, sehr britisch. Die Haeuser eine Mischung aus englisch, spanisch und
arabisch, sehr bunt. Die Leute sind alle mindestens zweisprachig: sehr
englisches Englisch und sehr andalusisches Spanisch, was eine kuriose
Mischung ergibt. Sie wollen aber auf gar keinen Fall zu Spanien gehoeren,
sondern britisch bleiben.
Wir nehmen ein Táxi und fahren auf den Felsen hoch, der seit 1704 zu England
gehoert und eisern verteidigt wurde. In der Antike war es der Platz der
Saeulen dês Herkules, das Ende der Welt und der Eingang zum Hades, das non
plus ultra. Oben auf dem Felsen leben 2oo Affen, die aufs Autodach steigen
und mit ihren langen Armen ins Innere greifen; draussen ziehen sie einen na
der Hand und springen einem auf die Schulter, richtig frech. Der Blick vom
Grat dês Felsens ist atemberaubend: im Osten das Mittelmeer, im Westen
Algeciras und der Atlantuik.
Am Sonntagmorgen d. 30.Okt. segeln wir in einer leichten suedoestl. Brise
Richtung Kanaren ab. Wir machen nicht viel Fahrt, denn in den ersten Stunden
(bis zur Flut) ist die Stroemung noch gegen uns, und als wir auf der Hoehe
von Tarifa sind und durchs Wasser 4.5 Knoten machen, fahren wir in
Wirklichkeit ueber Grund 0.5 Knoten rueckwaerts.. Das Wasser sprudelt wie in
einem Jacuzzi. Wir starten den Motor und versuchen soschnell wie moeglich
aus der Meerenge hinauszukommen. Ueber Tarifa haengen dicke schwarze Wolken.
Als es schon dunkel ist, dreht der Wind innerhalb von Minuten von SO
Windstaerke 2-3 nach SW Windstaerke 8 oder mehr und bringt uns fast zum
Kentern. Mit Mueh und Not holen wir die Jib ein, die ins Wasser faellt und
die wir nur unter gruosser Kraftanstrengung wieder na Deck festmachen
koennen. Dabei verletzt sich Skip schlimm na der rechten Handflaeche: eine
scheussliche, tiefe grosse zerrissene Wunde in Form eibnes Kreuzes. Es
regnet wie aus Kuebeln, der Wind heult orkanartig, wir koennen
uns im
Cockpit gegenseitig fast nicht mehr sehen. Dani haelt das Ruder so fest,dass
es ihm fast den Arm bricht, waehrend ich Skips Hand verbinde. Nach etwa 45
Minuten ist der Spuk vorbei, und es ist wieder ruhig, Flaute. Was fuer ein
Empfang im Atlantik! Und Skip hatte uns so vorgeschwaermt vom beautiful
swell und den konstanten, wunderbaren Passatwinden.
Die naechsten 3 Tage auf dem Ozean verlaufen ruhig. Wir haben
wunderschoenes Wetter, eine leichte Brise aus NW, lange Wellen. Wir fangen
Tunfisch und geniessen Sonnenauf- und untergaenge und den naechtlichen
Sternenhimmel und Vollmond. Einmal kommt im Morgengrauenein anderes
Segelschiff ganz dicht na uns vorbei; Leute na Deck, aber kein Winken, kein
Gruss,nichts. In der Nacht dês 4. Tages kommt ein Sturm auf, Windstaerke
8-9, aus N. Wir fahren nur noch mit dem gerefften Vorsegel und dem
zerfetzten Topsegel, das sich mit der Ragnarfahne verheddert hat, und rasen
3 Naechte und 2 Tage mit 6-8 Knoten dahin, heftig von Seite zu Seite
rollend. Wir koennen nicht mehr kochen, nicht einmal mehr Tee machen; essen
nur noch Kekse, Mandeln, Aepfel und Miesmuscheln aus der Buechse.
Im Morgengrauen dês Sonntag 6.11. sichten wir schliesslich Tenerife und
legen etwas spaeter am Kai der Marina del Atlântico in Santa Cruz de
Tenerife na. Scott und Torsten warten dort schon auf uns und helfen uns ,
Segel und Flagge herunterzuholen. Wir sind voellig ausgelaugt und machen
einen schwankenden Spaziergang durch die huebsche Altstadt von Sra. Cruz mit
ihren gruenen, schattigen Plaetzen und Strassen und der ueppigen
subtropischen Baeumen und Blumen. Am naechsten Tag mieten wir ein Auto und
fahren durch die steile Berglandschaft Tenerifes hoch zum Teide (fast 3800m
hoch), dem hoechsten Berg und einzigen aktiven Vulkan Spaniens. Durch
riesige, wollig aussehende Pinienwaelder, die man aufgeforstet hat. Und dann
durch eine Mondlandschaft: nur noch Felsen, Steine, Lava, Sand,
Salbeibuesche, Lava, Steine. Wunderschoene Farben: ocker, ziegelrot,
schwarz, creme, braun, violett. Eine Gegend heisst la tarta, die Torte: man
sieht die Sedimente der verschiedenen Eruptionen dês Vulkans, alle in
verschiedenen Farben. Daneben die montana mostaza, der Senfberg.
Na der Drahtseilbahnstation hinauf bis fast zum Gipfel ein Gedraengel:
hauptsaechlich Deutsche und Englaender, die Letzteren gern auch in Badehose,
mit hohen Absaetzen und Burberry baseball Kappen und sehr weiss- und
gaensehaeutig. Die letzten 200 Meter bis zum Gipfel kann man nur mit
Genehm8igung erklimmen, die wir aus Zeitmangel nicht einholen konnten. Es
ist irrsinnig kalt da oben und zieht wie Hechtsuppe, aber der Blick ist
atemberaubend.
Danach fahren wir durch das Oratava-Tal zurueck. Es soll das huebscheste
sein, liegt aber unter einer dichten Wolkendecke verborgen, so dass wir
nicht viel davon sehen koennen. In einem kleinen Laden an der Strasse
kaufen wir Wein aus eigener
Herstellung. Der Besitzer raet uns veraechtlich von einem machinell
produzierten ab und preist de naus seinem eigenen Anbau: dessen Trauben
wurden von den Fuessen seiner Familie zerquetsch! Wir kaufen etwas zoegernd,
aber neugioerig. Abends machen wir eine Gemuesesuppe mit unserem neuen
Mixstab und trinken den Wein dazu. Beides ist exzellent und wir muessen viel
lachen. Magie der Fuesse?
Am naechsten Tag besichtigen wir den Botanischen Garten von Puerto de la
Cruz mit seiner unglaublichen Vielfalt na exotischen Baeumen aus
aller
Welt. Am Freitag, 11.Nov., fahren wir Richtung Kapverden ab. Wir wollen noch
in Radazul suedlich von Sta. Cruz Diesel und Wasser tanken, koennen aber
nicht na der Tankstelle anlegen, weil alles voller Boote ist. Das kommt uns
spanisch vor. Also wieder zurueck nach Sta.Cruz, wo wir ueber Nacht im
Boatyard vom Puerto Pesquero bleiben duerfen, um dann endlich am
Samstagmorgen nach Sueden aufzubrechen. Es hat sich mal wieder bewahrheitet,
dass man na einem Freitag nicht abfahren sollte.
Torsten ist nun doch nicht mit dabei, er hat sich anders entschieden. Also
sind wir nun vier mit Scott.Mit 8.5 bis 9 Knoten rasen wir die We4stkueste
Teneriffas entlang, nuir mit stay und main stay Segeln. Die PASSAGE ZWISCHEN
Teneriffa und Gran Canaria hat einen Trichtereffekt. Die naechsten 7 Tage
angenehmes Segeln die ganze Strecke bis Ilha do Sal, der noerdlichsten der
Kapverdischen Inseln. Wir fangen Tunfisch, Goldmakrelen, sehen viele
Delphine, die um den Bug herum spielen, und ganze Schwaerme von fliegenden
Fischen, von denen einer auf dem Deck landet. Seine Flossen sehen aus wie
grosse Fluegel. Die Naechte sind zauberhaft. Meist sind wir ganz allein auf
hoher See, nur wenige Male sehen wir in der Ferne ein Frachtschiff oder ein
anderes Segelboot. Die Luft ist warm, der Himmel klar bis auf ein paar
freundliche Haufenwolken gegen Abend. Nachts sehen wir den Widerschein von
Rabat, Casablanca. Bei Sonnenaufgang am Sonntag d.20.Nov. sichten wir die
kleinen Vulkankegel von Ilha do Sal und laufen gegen Nachmittag im Hafen von
Palmeira ein.
Wir segeln die vulkanische, voellig oede braune Kueste von Ilha do Sal
hinunter auf der suche nach der Hafeneinfahrt von Palmeira. Ein grosser
Oeltanker weist uns schliesslich den Weg und dann sehen wir auch etwa 40
weitere Segelschiffe in der Bucht liegen. Nach ein paar Versuchen fasst der
Anker schliesslich, aber dann verschindet die Kette in einem Loch zwischen
den Felsbloecken und reisst das Boot so boes hin und her, dass die
Ankerrollen voellig verbogen werden...
Vom Hafen her droehnt afrikanische Diskomusik. Wir rudern an Land und
treffen Grilo, einen jungen Kapverder, der uns in der naechsten Woche hilft
und uns erklaert, dass Sonntags die Leute vom Dorf ordentlich feiern und die
Capricornio-Bar zur Disko umfunktioniert wird. Palmeira, ein kleiner Ort von
etwa 1500 Einwohnern, macht einen huebschen und froehlichen Eindruck: bunte,
meist einstoeckige Haeuser, kleine Plaetze mit Akazien, gepflasterte
Strassen, kaum ein Auto, viele, viele Kinder (70% der Bevoelkerung der
Kapverden sind unter 20!), Musik. Es ist schon Afrika hier; es ist arm, aber
die Leute sehr freundlich und froehlich. Die jungen Leute versuchen, mit den
Bootsleuten etwas Geld zu verdienen und bieten ihre Dienste an: Muell
abholen, Waesche waschen, Sachen transportieren etc. Es gibt ausser einer
Hummerfabrik, der Entsalzungsanlage, dem Hafen nicht viel mehr, wo man
Arbeit finden koennte.
Grilo fuehrt uns in ein kleines Restaurant am Dorfrand, wo wir eine
koestliche soada de langosta essen and Dani und Scott "caracas",
Muscheln in
Lavagestein, die man mit langen Ndeln herauspulen muss. Sie sind nicht
sonderlich begeistert von ihrem exotischen Mahl...
Am naechsten Tag besorgt uns Carlos con Trans Ocean einen Taucher, der die
Ankerkette wieder freilegt. Thomas von der "Gades" leiht uns seine
Flexmaschine, damit wir die Ankerrollen durchschneiden und zum Geradebiegen
in die Hummerfabrik bringen koennen. Dort arbeitet Toxa, der beste
Mechaniker von Sal, der nebenher alles Moegliche repariert: mit primitivsten
Mitteln, immenser Kraft und viel Improvisationstalent zerschneidet er das
Teil komplett, biegt und haemmert es zurecht und schweisst es schliesslich
wieder zusammen. Dankbar ziehen wir mit unserer heilen Ankerrolle wieder
Richtung Hafen. Beim Baecker gibt es Campinggas, am Dorfbrunnen leckere
Tunfischkroketten, die wir waehrend des Auffuellens unserer 20
5Liter-Flaschen verzehren. Wir muessen unseren Wassertank auffuellen. Per
Schlauch und Hahn geht das in Palmeira aber nicht; also muessen wir die Tour
zum Dorfbrunnen 5x machen; Grilos "Taxi", eine Schubkarre, erleichtert
die
Sache etwas. Trotzdem sind wir hinterher erschoepft und gehen frueh zu Bett.
Da wir dringend Essen einkaufen muessen, fahren wir mit einem Kollektivtaxi
(Pick-up) auf der Ladeflaeche in den Hauptort Espargos, wo man alles
bekommen koenne. Wir finden Bananen, ein paar Paprika, Karotten und ein
vakuumverpacktes gebackenes Huhn aus Valencia. Die Sorge um das Schiff in
der Brandung treibt uns dann schnell wieder nach Palmeira.
An einem Tag fahren wir in den Sueden der Insel nach Sta. Maria, ein kleiner
aufstrebender touristischer Ort mit einer traumhaft schoenen Bucht mit
makellosem und fast leeren Strand. Ein Surfparadies! Es gibt ein paar kleine
Hotels, Bars, Restaurants und Souvenirlaeden, aber es ist auch ein echt
kapverdisches Dorf geblieben. Wir sehen Scharen von adrett und sauber
gekleideten Schulkindern auf dem Nachhauseweg. Wir essen leckeren gegrillten
Fisch zu Mittag, trinken danach einige Caipirinhas in einer Strandbar mit
Blick auf das tuerkisblaue Meer und fuehlen uns wie im siebten Himmel.
Im Pick-up zurueck sitzen Skip und ich vorn im Fahrerhaus und Scott und Dani
hinten auf der Ldeflaeche. Es faengt an, in Stroemen zu regnen und die
beiden werden nass bis auf die Haut. Der erste Regen seit 2002. Skip hatte
am Abend vorher im Hafen aus Spass einen Regentanz aufgefuehrt und war nun
etwas erschrocken ueber die Folgen, die das anscheinend bewirkt hatte...
Scott und Dani machen einen Ausflug zu dem Felsenpool an der Kueste und am
Fuss eines der kleinen Vulkane. Sie muessen 45 Minuten zu Fuss durch die
Wueste wandern und treffen dabei auf zwei kleine Jungens, mit denen sie sich
muehelos unterhalten koennen, da sich Mallorquin und Portugiesisch aehnlich
sind. Am Weg sehen sie eine melonenaehnliche Frucht in der Groesse eines
Apfels. Einer der Jungs sagt, man koenne sie nicht essen. Er nimmt sie in
die Hand, sieht einen Spatz, zielt und toetet den Vogel mit einem Wurf.
Scott versucht es ihm nachzumachen und verrenkt sich dabei die Schulter
ziemlich schlimm... Der Felsenpool besteht aus zwei Baedern: einem Pool in
einer Hoehle und einem zweiten im Freien mit tiefem, kuehlen tuerkisen
Wasser- eine Wohltat nach dem langen und staubigen Weg.
Am Sonntag fuehrt uns Grilo in eine kleine Wochenendbar: ein winziger
Hinterhof, ueberdacht mit Wellblech, ein paar Holzbaenke, eine Kuehltruhe,
ein Grill. 4o bis 50 Leute draengeln sich hier und bis auf die Strasse, um
kleine Schweinefleisch- Kebabs fuer 50 cents zu essen. Dazu trinkt man
ponche (Rum m. Zitronenscheiben und Honig) oder "cortao" (Rum m.
Fruechten),
beides "bestial", aber billg.
Nach einer Woche in Palmeira segeln wir weietr Richtung Tarafal auf Sao
Nicolao. Die Ankerrollen sind wieder in Ordnung, ebenso der Autopilot. Aber
die Brandung im Hafen wurde schliesslich zu gefaehrlich. Wir hoffen in
Tarafal Proviant fuer die Atlantikueberquerung bunkern zu koennen.
Eigentlich waere Mindelo auf Sao Vicente der geeignetere weil groessere Ort,
aber alle raten davon ab, weil es in Mindelo so viel Kriminalitaet gibt.
Nach einem rauhen 23stunden Trip kommen wir in Tarafal an, einem malerisch
vor schroffen Felswaenden gelegenen kleinen Dorf. Aber die Geschaefte bieten
fast noch weniger an als in Sal und im Shell-Laden finden wir noch das
Beste: Pasta, Joghurt, Lorbeerblaetter und Marsriegel... Wior nehmen ein
Taxi nach Ribeira Brava im Inselinnern, dem Hauptort. Da gibt es zwar eine
grosse Markthalle, aber kaum Gemuese und Obst. Trotzdem ist die Fahrt es
wert gewesen: 25 km ueber gepflasterte enge, kurvige, steile Strassen,
bergauf, bergab mit Blick auf grandiose Landschaften: wuestenaehnliche Berge
und gruene terrassierte Taeler und wilde Kueste.
An Skips Geburtstag, 29. Nov., kaufen wir einen 5kg schweren Tunfisch von
einem Fischer und laden Thomas und Anke von der Gades zum Abendessen auf
unserm Deck ein. Am 30. Nov. segeln wir nun doch, trotz aller Bedenken, nach
Mindelo ab.
Und es gefaellt uns sehr gut!! Das erste Mal, dass wir uns voellig sicher
vor Anker und in dem Hafen fuehlen! Kurz nach unserer Ankunft naehern sich
die zwei Brueder Umberto und Eric mit ihrem Dinghy unserm Schiff und bieten
ihre Dienste an. Und sie erweisen sich als absolut vertrauenswuerdig und
hilfsbereit. Sie helfen uns mit Wasser und Treibstoff und zeigen uns, wo wir
Dinge kaufen koennen, z.B. 25-Liter Wasserkanister in einer Baeckerei- na
klar! Sie fuellen unsere Wassertanks auf, sind unser Wassertaxi, bewachen
und waschen unser Dinghy. Wir fuehlen uns sehr wohl und sicher mit ihnen. In
Mindelo bekommen wir auch genuegend Proviant fuer die Reise ueber den
grossen Teich, die wir dann am Sonntagmorgen, 14.Dez. starten.
CHAP. IV Cabo Verde - Barbados
Schoenes Wetter, ein gutter Passat aus NO, Kurs 280 Grad, 6.3 Knoten und
2000 Seemeilen vor uns. Keiner spricht viel, wir sind nachdenklich, uns
allen ist leicht mulmig zumute; alle hoffen und beten, dass alles gut geht.
In den ersten Tagen sehen wir noch ein paar andere Segelboote am Horizont,
die auch in Richtung Westen fahren, aber dann sind wir tagelang
mutterseelenallein. Wunderschoene, Sonnenauf- und untergaenge, Unmengen von
fliegenden Fischen, von denen ab und zu einer auf dem Deck landet. Delfine
spiuelen um unseren Bug herum. Die Tage vergehen mit Waschen, Kochen,
Reparieren, Saubermachen, Steuern, Schreiben. Das Wetter ist bestaendig-
tagsueber klarer Himmel, Wolken und Regenschauer nachts. Im Durchschnitt
segeln wir 120 Meilen am Tag (216 km).
Am 9. Dez., einem sonnigen wolkenlosen Tag, kommen wir in eine totale
Flaute. Das Wasser sieht wie Oel aus,und Dani und Scott springen in den
tintenblauen 5000 m tiefen Ozean und schwimmen ein bisschen. Aber die Flaute
macht uns auch Sorgen- was machen wir, wenn sie 14 Tage oder laenger dauert?
Haben wir genug Wasser und Proviant an Bord? Wir fangen an, unser
Trinkwasser zu rationieren, waschen und kochen von nun an meist mit
Salzwasser. Unsere Gemuese- und Obstvorraete faulen schnell dahin, aber wir
haben ja viele Konserven, Getreide und Huelsenfruechte an Bord. Am 12. Dez.
Faengt Scott den groessten Fisch seines Lebens- einen grossen wunderschoenen
Mahi-Mahi, der uns ein leckeres Essen beschert. Jetzt haben wir auch wieder
Wind.
Am 13. Dez. Habenwir noch 970 Seemeilen zu segeln, etwa die Haelfte. Wir
feiern das mit einem Schokoladenkuchen mit Sahne! 2 Tage spaeter treffen wir
Salt Whistle, eine deutsche Yacht auf ihrem Weg nach Martinique. Sie sind am
29. Nov. in Tenerife gestartet und in den Hurrikan gekommen, dessen
suedlichen Rand wir von den Kapverden sehen konnten: 71 knoten Wind!!!
Am 14. Tag koennen wir endlich Radio Barbados empfangen; sie spielen lauter
Weihnachtslieder im Calypso- Rhythmus, mit Steelbands; wir finden das
irrsinnig komisch- Gott sei Dank, denn wir denken schon oft an zuhause und
es wird uns dann etwas komisch zumute.Noch 240 Seemeilen bis Port St.
Charles in Barbados. Wir wollen endlich ankommen! Manchmal sind wir ziemlich
erschoepft; die Stimmung wechselt, manchmal sind wir eher meditative
gestimmt, manchmal etwas genervt und manchmal aufgeregt und gespannt auf die
Karibik. Wenn die See rauh ist und die Wellen von allen Richtungen kommen,
rollt das Boot wild von einer Seite auf die andere und wir stolpern wie
betrunkene Seeleute umher. Wasserkessel, Messer, Porridge fliegen durch die
Luft, Kaffee, wird verschuettet, wir sind voller blauer Flecken. Dann fragen
wir uns manchmal, WARUM mache ich das eigentlich alles?? Gott sei Dank wird
keener seekrank
Frueh morgens am 19. Dez. Sehen wir einen riesigen doppelten Regenbogen vor
unserem Bug- ein gutes Omen! Alles wird gut gehen! 2o. Dez.: noch 110
Seemeilen! Am Mittwoch, 21. Dez.,m gg. 9 Uhr, umrunden wir endlich die
Nordspitze von Barbados. Die Insel ist nicht sehr hoch und deshalb nicht
leicht zu sichtwen. (Frueher warfen die Seeleute, wenn sie sich der Insel
naeherten, Schweine ins Wasser; die haben einen sehr ausgepraegten
Geruchssinn und witterten das Land schon, wenn man es noch nicht sehen
konnte. Die Schiffe folgten dann der Richtung, in die die Schweine
schwammen) Wir geraten in einen fuerchterlichen Regen, so dass wir die
Kueste nicht mehr ausmachen koennen. Gott sei Dank haben wir GPS! Wir stehen
dick vermummt in unseren Schlechtwetteranzuegen an Deck, als wir kurz danach
in Port St. Charles ankommen, wo es sonnig und heiss ist, und muessen einen
seltsamen Anblick geboten haben!
Vor der Einfahrt nach Port St. Charles, einem der wenigen Haefen von
Barbados, muessen wir warten: der Zollbeamte ist noch nicht in seinem Buero.
Nach einer Stunde kontaktieren wir die Behoerde noch mal ueber Funk und
bekommen die Erlaubnis, an einer Boje festzumachen. Nach einer weiteren
Stunde duertfen wir dann in den Hafen hinein. Die Beamten von Zoll-, Hafen-,
Einwanderungs- und Gesundheitsbehoerden sind sehr freundlich, die Prozedur
geht schnell und glatt. Port St, Charles hat nur ein Dock fuer 6 Yachten,
und der Hafenmeister eroeffnet uns, dass unser Schiff zu klein ist dafuer
(sie sind nur fuer Megayachten gebaut). Aber wir duerfen zurueck an die
stabile Boje ausserhalb und fuehlen uns da auch sehr sicher und wohl. Nach
den wuestenartigen Kapverden und den endlosen Weiten des graublauen Atlantik
kommen wir uns in Port St. Charles vor wie im Garten Eden.
Am Nachmittag laufen wir ins nahegelegene Speightstown um zu sehen, was wir
hier an Essen, Wasser und Ersatzteilen bekommen koennen. Wir finden
exotische Gemuese und Fruechte zuhauf - Brotfrucht, Taro, Yams, gruene
Kokosnuesse, Papayas etc.- mit denen zu kochen wir erst mal
Am Nachmittag laufen wir ins nahegelegene Speightstown um zu sehen, was wir
hier an Essen, Wasser und Ersatzteilen bekommen koennen. Wir finden
exotische Gemuese und Fruechte zuhauf - Brotfrucht, Taro, Yams, gruene
Kokosnuesse, Papayas etc.- mit denen zu kochen wir erst malnen muesen. Am
Tag darauf nehmen wir den Bus nach Bridgetown, der Hauptstadt im Sueden, um
uns etwas in der Yactszene umzugucken. Wir sind enttaeuscht, dass wir kein
gutes Geschaeft fuer Schiffszubehoer finden. Der sogenannte Boatyard ist
mehr eine Stranddisko als ein Boatyard, und wir sollen 20 Barbados-Dollar
(etwa 10 US$) bezahlen, nur um ein paar Auskuenfte zu bekommen. Nicht sehr
angenehm. Jetzt verstehen wir, warum die meisten anderen Boote sich andere
Ziele in der Karibik aussuchen: Barbados ist definitive nicht der Ort, der
an Weltumseglern interessiert ist.
Wir sind froh, dass wir in Port St. Charles liegen. Dort ist es ruhig,
sicher und sauber und freundlich und die gepflegten tropischen
Gartyenanlagen sind hinreissend! Ausserdem liegen gleich nebenan
Speightstown mit seinem quirligen karibischen Leben und Little Harbor, ein
kleines Fischerdorf, wo man an Staenden filettierte fliegende Fische kaufen
und wo man abends an einer Strandbude billig und gut essen und ein Banks
Bier trinken kann.
Wir fahren mit dem Bus quer durchs Inselinnere nach Bathsheba an der
Atlantikkueste, die wohl noch so ist wie vor 20 Jahren. Es ist steil hier
und rauh, und deshalb hat sich hier kaum Tourismus entwickelt. Bathsheba ist
ein pittoreskes kleines Dorf an einem Sandstrand mit Kokospalmen; viele
Surfer kommen hierher wegen der hohen Wellen. Bizarre moosbewachasene Felsen
ragen aus dem Wasser. Wir verbringen den Morgen auf der Terrasse eines
kleinen chattel house (cottage) mit zwei amerikanischen Freunden, die mit
Dani an Bass und Mundharmonika zusammen jammen. Auf dem Rueckweg steigen wir
auf einen Huegel mit grandioser Aussicht ueber die Taeler und die
Atlantikkueste und gucken uns die riesigen Mahagonnybaeume und Affen an.
Die Inselbusse sind ein Kapitel fuer sich eine Fahrt kostet 1.50 BB$, etwa
70 cents, egal wie weit man faehrt, Besonders in den gelben fuehlt man sich
wie im Irrenhaus: wilde Hiphop/ Reggae/ Steelband-Musik, wahnsinnig schnell,
man muss sich mit beiden Haenden festhalten! Wildes Gehupe im Rhythmus der
Musik jedesmal, wenn es durch eine der engen und scharfen Kurven geht! Wir
fuerchten um unser Leben, denn die Strassen sind sehr eng und der Verkehr
sehr dicht. Wir denken, wir sollten es mal per Anhalter versuchen: nach noch
nicht einer Minute haelt schon ein Auto (trotz -oder wegen?- Skips
inzwischen wildem Rasta-Look.)und wieder befinden wir uns auf einer
Achterbahn mit Hiphop und wildem Gehupe Richtung Holetown, dem hotsytotsy
Einkaufs-zentrum der Insel.
Am 24. Dez. Schlendern wir den Strand entlang und bleiben in einer Strandbar
an der Mullins Beach, wo eine tolle Steelband Weihnachtslieder auf
karibische Art spielt. Wir trinken - was sonst hier? -Rumpunsch und tanzen
ein bisschen und ab und zu ueberkommt mich das Heimweh. und dann rauschen
wir mit einem Hobycat wieder zum Schiff - ich das erste Mal auf einem
Katamaran und voellig durchnaesst, aber was fuer ein Toern! Spaeter leisten
wir uns im Fish Pot in Little Harbor ein Weihnachtsessen. Scott und Skip
nehmen Alligatorspiesse als ersten Gang (ich ziehe Jakobsmuscheln vor, zu
Recht, wie sich herausstellt) und dann gibt es eine sagenhafte Fischplatte.
Wir beobachten den Sonnenuntergang von der Terrasse aus und tatsaechlich da
ist der beruehmte green flash: kurz nachdem die Sonne am Horizont versunken
ist, blitzt sekundenlang ein blaugruener Lichtstrahl auf!
Am 29. Dez. Werden wir von unseren Nachbarn Gina und Peter auf ihrem
Katamaran zu einem typischen Bajan dinner eingeladen. Gina hat breadfruit
gemacht, cuckoo (aus Maismael und Okra), fish sauce, fliegenden Fisch,
Christophene und Karotten, alles koestlich! Am 31. Dez. Segeln wir von Port
St. Charles ab die Westkueste entlang und gucken uns all die Feuerwerke an,
die die grossen Hotels veranstalten. Dann nehmen wir Kurs Richtung Grenada
im Suedwesten etwa 200 Seemeilen. Anfangs ist das Wetter wunderbar,
Sternenhimmel, eine leichte Brise. Aber dann geraten wir in einen Sturm von
Windstaerke 8. Wir werden kraeftig hin- und hergeschuettelt, lassen nur noch
das staysail stehen und machen trotzdem noch etwa 7 Knoten und das im
Stockfinstern und in sintflutartigem Regen. Hohe Wellen schwappen staendig
ueber das Deck und sogar ueber das Doghouse! Die Jungs stehen angeschnallt
im Cockpit , damit sie nicht ueber Bord gespuelt werden, sie sind nass bis
auf die Haut trotz der Anzuege. Und ich liege/rolle im Bett und bete. Im
Morgengrauen des zweiten Tages hat der Spuk ein Ende als wir schon in
Sichtweite von St.Georges, Grenada sind. Alle sind voellig uebernaechtigt,
keener hat seit 48 Stunden geschlafen. Wir fahren in die Prickly Bay und
machen nach erfolglosen Versuchen zu ankern dort an einer Boje fest.
Wir moechten uns hier bei allen bedanken, die uns SMS (mein Telefon geht
wieder!) und e-mails geschickt haben und uns entschuldegen, dass wir uns
noch nicht im einzelnen gemeldet habern!Unser Computer an Bord ist ja kaput
und es ist auch nicht immer einffach, ein Internetcafe zu finden.Wir
wuenschen allen unseren Freunden ein gklueckliches neues Jahr und danken
Euch allen fuer das griosse Interesse an unserer Website. Es ist fuer uns
ein tolles Gefuehl zu wissen, dass Ihr uns auf unserer Reise begleitet! Ich
vermisse Euch alle!!!
Gegen 10 Uhr abens am 31. Dez. Segeln wir von Port St. Charles auf Barbados ab die Westkueste hinunter bis Sandy Lane, um uns all die Feuerwerke
anzugucken, um uns herum noch mehrere andere Yachten mit Parties an Bord.
Nach dem grandiosen Schauspiel nehmen wir Kurs auf Grenada, die erste “wirklich” karibische Insel, denn Barbados liegt ja etwas abseits und
gehoert eigentlich noch mehr zum Atlantik.
Wir segeln durch die lauwarme, sternenklare Nacht bis wir aus dem Windschatten der Insel heraus sind, nur mit Grosssegel und Fock, um unsere Geschwindigkeit niedrig zu halten; denn wir wollen bei Tageslicht in Grenada ankommen, nach etwa 36 Stunden. (Es ist nicht ratsam, in der Karibik nachts in einen Hafen einzulaufen wegen der zahllosen Riffe, Wracks, Untiefen, fehlenden Markierungen etc.)
Waehrend des Tages kommt immer mehr Wind auf, die Wellen werden immer hoeher und wir reffen beide Segel, nur um nicht so schnell vorwaerts zu
kommen. Nach dem Sonnenuntergang haben wir Windstaerke 8 erreicht, von achtern, und jede zweite Welle spuelt ueber das Deck. Eine Nacht mit Wasser
von oben und Wasser von unten: die Wellen stuerzen sogar ueber das Doghouse und ueberfluten das Cockpit, unglaublich! Wenn wir nicht angeschnallt
gewesen waeren, waren wir alle ueber Bord gespuelt worden!
Wir kommen nach nur 24 Stunden an der SW-Stpitzevon Grenada an und warten auf den Sonnenaufgang. Bei Tageslicht segeln wir zurueck nach Osten zur
Prickly Bay und versuchen dort vergebens zu ankern. Schliesslich mmachen wir an einer Boje fest und schlafen bis mittags, voellig erschoepft von der
anstrengenden Nacht.
Dann fahren Skip und ich mit dem Dinghy zur Prickly Bay Marina um die Zoll- und Einwanderungsformalitaeten zu erledigen. Der
Beamte ist sehr freundlich, problemlos, und erzaehlt uns vom Hurrikan Ivan, der 2004 die Insel zu 90% “zerkaut” hat )chewed up).Danach gehen wir
etwas einkaufen, essen eine tolle Pizza in der Marina und trinken an der Bar in der “happy hour” – nicht Rumpunsch, sondern Lambrusco…
Am naechsten Tag fahren wi r zur Budget Marine Chandlery und flippen ueber das riesige Angebot an Schiffszubehoer fast aus! Spaeter nimmt uns
Henry von den Safari Tours mit nach St. George’s zum Grenada Yachtclub, wo wir einen Spezialpreis fuer 6 Tage aushandeln: wir bezahlen nur fuer 4 Tage,
die restlichen 2 sind frei. Super! Nach zwei Naechten in Prickly Bay segeln wir also in die Lagune von St. George’s, machen am Dock fest, stecken unser
Stromkabel in die Steckdose und erholen uns.
Seit Gibraltar haben wir nicht mehr so tief und fest und ruhig geschlafen wie hier, ohne Sorgen um Anker, Brandung, Gezeiten und Wind und Wetter!!Am 6. Januar treffen wir uns in der Frueh mit Campbell, einem von Henry’s Leuten, um mit ihm eine Tour ueber die Insel zu machen.Wir fahren dien Westkueste hoch nach Concord Falls, ueber engste und kurvige Strassen voller Schlagloecher und “schlafender Polizisten” (Bodenschwellen!), durch kleine bunte Doerfer mit ueppigen Blumen- und Gemuesegaerten, durch Regenwald und ueber Bergbaeche.
Danach fahren wir weiter nach Guayava, einem Fischerdorf im Nordwesten, mit weissem Sandstrand voller froehlich bemalter Boote und
Netze.
Dann fahren wir weiter ins Innere. Manchmal sind die Strassen so steil, dass man es fuer unmoeglich haelt, da hinauf zu kommen: der Wagen steht fast
still, avber im letzten Augenblick schafft er es doch noch…Die
Immortellenbaeume fangen gerade an knallgelb zu bluehen, die Korallenbaeume feuerrot; riesige Farne ueberall, Kletterpflanzen ueberwuchern ganze
Landschaften. Aber bei all der gruenen Ueppigkeit sieht man auch noch viele Spuren von Ivan: abgebrochene Baumwipfel, kopflose Palmen, duerre braune
Aeste. Der Hurrikan hat sogar den Grossteil der Fauna ausradiert; naja, wenigstens hat man seither keine Schlangen mehr gesichtet…
Wir klettern hinunter zu den Sieben Schwestern-Faellen. Der Pfad ist lehmig, schlammig und besteht zum Grossteil aus glitschigen steilen Stufen . Wir
stuetzen uns auf unsern Wanderstock und krallen uns an Lianen und Aesten fest.
Unterwegs erklaert uns Campbell die Pflanzen: wir sehen Muskatnussbaeume und Zimtbaeume und eine Menge exotischer Blumen, die ich
sonst nur in Blumenlaeden gesehen habe. Man nennt Grenada auch die
Gewuerzinsel. Sie bauen Vanille an, Kakao Ingwer und vieles andere. Der Markt von St. George’s ist eine Symphonie von Geruechen und Farben!
Nach einem letzten besonders steilen und muehsamen Stueck des Pfades kommen wir endlich an den Wasserfall. Wir springen in das kuehle kristallklare
Wasser und Dani und Scott klettern ueber die fast senkrechte Felswand auf die obere Kante und stuerzen sich die 15 Meter hinunter in das 6 Meter tiefe
Becken!
An einem anderen Tag fahren wir mit dem Bus nach Grand Anse Beach, einem makellosen weissen menschenleeren Sandstrand, gesaeumt von Kokospalmen und
Seagrape- Bueschen. Vor uns das karibische Meer, tuerkis und tintenblau.
Am 10. Januar mieten wir uns einen Jeep und fahren all die Buchten im Sueden ab (man muss sich immer in tropischen Gewaessern ueber
Hurrikanloecher informieren, d.h. Stellen , wo man Zuflucht nehmen kann).
Dann fahren wir hoch nach Grenville im Osten auf der Atlantikseite. Wir essen zu Mittag im Ebony. Kein Schild weist auf dieses Lokal hin, und man
findet es nur, wenn man sich durchfragt: man geht durch eine winzige dunkle
Gasse, durch einen Hinterhof, eine wacklige Stiege hinauf und betritt dann ein Haus aus dem 17. Jh. mit einem grossen Speisesaal, einfach aber
sauber.Das Restaurant soll eines der besten der Insel sein.. Und wir sind
auch wirklich sehr angetan von dem Essen: Conch curry ( conch ist eine riesige Muschel, deren Fleisch koestlich schmeckt), Kingfish, Reis, Kuerbis,
gruene Bohnen, callalou (Wie Spinat) und Brotfrucht.
Heute ist der 12. Januar mund wir haben beschlossen, noch 4 weitere Tage in Grenada zu bleiben und dann weiter zu segeln nach Carriacou , einer anderen
Insel noerdlich von hier. Eigentlich wollten wir schon einen Tag frueher los; da das aber ein Freitag, der 13., ist und wir inzwischen sehr
aberglaeubisch sind was Freitage angeht, haben wir die Abfahrt auf den Samstag verschoben.
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Am 13. Februar segeln wir morgens um 9 Uhr von St. George's. Grenada Richtung
Carriacou ab; die Insel gehoert zu Grenada und liegt etwa 35 Seemeilen /63
km)nordoestlich. Bei schoenstem Wetter segeln wir gemaechlich
nahe der Kueste lang im Wiondschatten der Insel. Ab und zu weht eine Boe aus
einem der Taeler hinunter. Wir fahren mit allen Segeln, haben aber auch
noch den Motor an, damit wir bei Tageslicht in Carriacou ankommen. Es wird gegen
18 Uhr dunkel- schlecht, wenn man die Riffe nicht mehr erkennen kann und die
sandigen Stellen, an denen man ankern muss, um die Korallen nicht zu
beschaedigen. Wir fahren vorbei an der gruenen Kueste von Grenada, den dicht
bewaldeten Bergen, Gouyave- dem kleinen Fischerdorf; ab und zu bunte Haeuser,
ein Kokospalmenhain mit einer Huette.
Am Nordzipfel der Insel faengt es an zu blasen, die Wellen werden hoeher, vor
uns liegen viele kleine unbewohnte Inseln: Sisters, les Tantes, Zuckerhut,,
London Bridge (sieht aus einem bestimmten Winkel wirklich so aus!), Kick 'em
Jenny. Der Wind weht nun stark aus Osten, und wir beschliessen, westlich an Kick
'em Jenny vorbei zu fahren-was man eigentlich nicht tun sollte, weil in dieser
Gegend ein aktiver unterirdischer Vulkan
liegt, der 1989 zum letzten Mal ausgebrochen ist. Auf Hoehe der Inseln wird es
ziemlich rauh, 3 bis 4 m hohe Wellen. Es macht Spass an Deck, und die mRagnar
ist in ihrem Element. Je naeher wir Tyrell Bay kommen, um so ruhiger wird die
See wieder.
Gegen 16 Uhr segeln wir in die Tyrell Bay hinein. Es liegen etwa 50 Segelschiffe
dort. Wir ankern problemlos an einer sandigen Stelle- es gelingt auf nAnhieb!
Sofort kommen ein paar Einheimische mit Dinghies herbei und wollen uns
Hummer, Limetten und Wein verkaufen und ein Restaurant empfehlen. Wir bedanken
uns und vertroesten alle auf morgen, kochen eine herzhafte orange Linsensuppe
mit Knoblauch und Ingwer und gehen beim Klang von Steeldrums und Dschembe-Trommeln
und Windraedern schlafen, nachdem wir im Cockpit noch ein Glas Wein im hellen
Vollmondschein getrunken haben.
Am naechsten Morgen fahren wir mit dem Dinghy in den Mangroventeil der Buch -ein
gutes 'hurricane hole', das sich ziemlich tief ins Land erstreckt. Es liegen
drei Wracks da, ansonsten sind wir die einzigen. Es ist heiss, die
Luft flimmert, Voegel kreischen, die Mangroven mit ihren tausenden von Wurzeln
erscheinen uns undurchdringlich. Man kann sich gut vorstellen, dass sie einem
guten Schutz vor einem Hurrikan bieten.
Hinterher lassen wir das Dinghy am Strand von Tyrell Bay liegen, festgebunden an
einen Baum(in Carriacou gibt es so gut wie keine Kriminalitaet), und erkunden
das Dorf. Ein paar Supermaerkte (in denen es aber nur das Allernoetigste gibt),
ein paar rum shops (ganz einfache Bars), eine Segelmacherei, ein paar
Restaurants, ein boat yard, den Yacht Club und eine echte italienische Pizzeria.
Danach nehmen wir den Bus nach Hillsborough, dem Hauptort der Insel, die
insgesamt nur 20000 Einwohner hat. Es ist Sonntagmorgen, alle Geschaefte
geschlossen, sogar die Bars, kein Verkehr. Nur in der Naehe der vielen
Kirchen sieht man viele Leute im besten Sonntagsstaat. Die Haeuser wirken
sehr gepflegt, bunt gestrichen, kaum Spuren vom Hurrikan Emily zu sehen, der 10
Monate nach Ivan Carriacou heimsuchte. Entlang der Hillsborough Bay ein sauberer
weisser Sandstrand, tuerkises Meer, und am westlichen Rand Sandy Island, nur
weisser Sand mit ein paar Palmen drauf. In der Bucht einige froehlich bemalte
Boote. Whow! Gegen Mittag erwacht der Ort zum Leben. Wir gehen in eine Bar an
der Hauptstrasse, die nach hinten eine Verandah direct am Strand hat.Aus den
glaslosen Fenstern sehen wir Schwaerme von Pelikanen ueber das Wasser rauschen
und sich dann ins Meer stuerzen und mit einem Fisch im Schnabel wieder
auftauchen. Der Besitzer der Bar sitzt auf einem Stuhl am Tisch neben uns und
haelt mit der Kappe ueber dem Gesicht ein Nickerchen. Wir gehen, sagen good-bye,
aber er ruehrt sich nicht. Draussen erinnert sich Skip, dass er nicht bezahlt
hat. Er geht zurueck, weckt den Mann und bezahlt. Der haette gar nichts gemerkt,
es waere ihm wohl auch egal gewesen.
Carriacou gefaellt uns jeden Tag besser. Wir bleiben zwei Wochen und waeren noch
laenger geblieben, wenn wir nicht nach Grenada haetten zurueckkehren muessen. Es
gibt praktisch keinen Tourismus ausser den Seglern und den paar Leuten, die mit
der Faehre ankommen und einige Stunden hier verbringen. Jeder kennt jeden, jeder
scheint jede Menge Zeit zu haben, keine Eile, viel Geduld; viel Gescherze und
Gelaechter.
Wir gucken uns per Bus die ganze Insel an. Jede Fahrt kostet 1 Euro, egal wie
weit man faehrt. Man sitzt eingequetscht zwischen riesigen Pos und Busen, Kisten
und Kanistern, bei Calypso und Reggae-Musik; es geht wild durch die Kurven, und
dann wieder wird bruesk gestoppt wegen einem 'sleeping policeman' (Bodenschwelle).
Wir wandern auf den Mount Chapeau-Carre, den hoechsten Berg von Carriacou, den
wir vom Schiff aus sehen koennen (etwa 350m). Zuerst ist der Weg bequem und
breit, sauber gehalten von Ziegen und Kuehen, die dort grasen. Wir kommen an
einem Haus vorbei und frage nach dem Weg zum Gipfel. Ein etwa 8-Jaehriger,
Darell, begleitet uns ueber einen kaum zu erkennenden Pfad hiauf. Er springt
selbst wie eine Ziege den steilen Berg hinauf, wir keuchend hinterher. Durch
Gebuesch, an verlassenen ueberwucherten Huetten vorbei. Schlingpflanzen,
stacheliger Spargel, poison ivy,praechtige rot und gelb bluehende Baeume. Oben
ein wunderbarer Rundblick ueber die Insel, die Kueste, bis Grenada, Union
Island,Petite Martinique, Petit St. Vincent.
Riffe,weisse Brandung an ihren Raendern, tuerkises Meer. Darell verzieht das
Gesicht vor Schmerz: er wollte eine schoene Muschel aufheben- und der
Einsiedlerkrebs innendrin beisst ihn in den Finger, und es dauert eine
Weile, bis wir ihn aus ihrer Umklammerung befreit haben!
Wir machen eine andere Wanderung von SixCrossRoads (Hillsborough) aus nach
Dumfries an der Ostkueste zu einem schoenen Sandstrand, wo ein Mann manchineel-Stuempfe
verbrennt /diese schoenen aber giftigen Baeume waren vom Hurrikan entwurzelt
worden). Wir suchen den Weg nach Mount Pleasant und erfahren, dass auch er von
Emily 'zerkaut' (chewed up) wurde. Der Mann meint aber, wir koennten ihn
vielleicht finden. Also klettern wir ein Stueck den steilen Hang am Strand hoch,
ueber Reihen von umgestuerzten Baeumen, durch Dornengestruepp. Dann lichtet sich
der Pfad, und wir befinden uns hoch oben an der Steilkueste inmitten von
wogendem Gras mit Kuehen. Duftende Frangipani-Baeume wachsen aus den Ritzen
zwischen den Felsen und der Blick auf die Riffe zwischen Carriacou und
Martinique ist einfach atemberaubend- sie schimmern fast psychedelisch in
allen Schattierungen von blau, gruen und tuerkis! Zauberhaft!
Wir klettern auf den Berg oberhalb von Grand Bay: steil, steil! Viele neue
Haeuser in lindgruen, knallrot, rosa, lila und gelb mit rotten, gruenen oder
blauen Daechern; dazwischen ueppige Vegetation, Bougainvilleas in violet,
rot und weiss, Schlingpflanzen mit glaenzenden Blaettern und rosa und blauen
Blueten. Eine einzige Farbsymphonie. Wir klettern den Berg auf der anderen Seite
wieder hinunter zum Meer, aber der Strand ist voller Abfall und Algen- also
wieder hoch kraxeln.
Es ist sehr heiss, also gehen wir in einen rum shop, um was Kaltes zu trinken,
und da bietet sich eine ire Szene: der Besitzer ist da, ein junger, cooler Typ;
ein aelterer Betrunkener, der auf Dani (der nichts versteht) einredet und von
Abenteuern labert, die man in der Jugend suchen muesse; und ein 'demonio' mit
vielen Zahnluecken, einer loechrigen Hose mit einem Bein bis zum Knie und
dem andern bis auf den Boden und diabolischem Gelaechter
wegen Skips dreadlocks (Rasta-Frisur). Die Frau des Betrunkenen vor der Huette
schreit drohend: Komm sofort da raus! Er ruehrt sich nicht, kriegt aber nix mehr
ausgeschenkt. Dazwischen kommen Kinder rein, kaufen Kaese,
Eier und Chips und starren uns wie Ausserirdische an.
Danach laufen wir zurueck zum Paradise Beach, um uns abzukuehlen und im Schatten
der Mangroven auszuruhen. Der Rastamann von der Bar uebt am Strand Schattenboxen,
nicht gut, aber anhaltend und beeindruckend. Wir holen uns das Bier selbst aus
dem Kuehlschrank und legen ihm das Geld auf die Theke.
Alles OK, man.
Wenn wir nicht die Insel erkunden, arbeiten wir auf dem Schiff: schleifen,
lackieren, schleifen, lackieren, bis wir 6 Schichten drauf haben. Die anderen
boaters und die Einheimischen beobachten uns genau und sind immer
auf dem neuesten Stand.
Wir fuehlen uns richtig wohl in Carriacou und ueberlegen, ob man sich hier nicht
ein Haeuschen bauen sollte. Aber es gibt hier z.b. keine Buchlaeden, keine
Presse,; Essen einzukaufen ist schwierig, weil es wenig Gemuese und Obst, fast
kein Fleisch oder Milchprodukte gibt. Nur die Pampelmusen sind die besten auf
der Welt!
Am Mittwoch, d. 1.2., fahren wir morgens wieder Richtung Grenada zurueck.
Das Wetter wear tagelang regnerisch und windig und der Schwell gross. Jetzt ist
2 Tage lang gutes Wetter angesagt. Mit perfektem NO-Wind und unter blauem Himmel
segeln wir mit 5-6 Knoten Richtung Sueden, ein wunderschoener Toern.
Am 7. Februar ist Unabhaengigkeitstag. Grenada ist seit 1974 keine englische
Kolonie mehr. In seiner kurzen Geschichte ist es turbulent zugegangen. 1979
uebernahm der beliebte Fidel Castro-Fan Maurice Bishop die Regierung ; unter ihm
gab es einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung, der aber durch die
US-Intervention und seine Exekution 1983 abrupt beendet wurde. Der
Hurrikan Ivan zerstoerte 2004 zwei Drittel aller Gebaeude und die gesamte
Landwirtschaft, und seither ist Grenada voellig abhaengig von internationaler
Hilfe. Man versucht nun, wieder eine eigenstaendige Wirtschaftsstruktur
aufzubauen, aber die Muehlen malen sehr langsam.
Die 90000 Menschen hier sind sehr stolz auf ihr Land. Fast jeder traegt zur Zeit
eine Kappe, ein T-shirt, ein Tuch in den Landesfarben, die Kinder
gruen,gelb,rote Baender in ihren vielen Zoepfchen. Die Staemme der
Strassenbaeume werden angemalt, Gebaeude,Autos und Schiffe geflaggt. Die
Strassen sind blitzsauber gefegt, und bis nachts werden die Rasen gemaeht.
Venezolanische, englische und franzoesische Kriegsschiffe liegen im Hafen.
Polizei und Militaer marschieren zur Uebung im Calypso-Rhythmus durch die
Strassen. Am 7.Februar nachts um 1.30 Uhr gehen wir zum Freiheitsfest am
Flughafen, einem Reggaekonzert mit grenadischen und jamaikanischen
Musikern, das gegen 5.30 endet.
T O B A G O
Am 26. Februar gegen 16 Uhr segeln wir von Grenada ab in suedoestlicher
Richtung nach Tobago, wo wir unsere Freunde Pit und Anni treffen wollen. Es
sind 90 Seemeilen (162 km), und wir wollen bei Tageslicht ankommen. Schoenes
Wetter und eine gute Brise aus NO, Kurs 120-130 Grad. Der Atlantik in dieser
Gegend ist eher flach und die Wellen daher steil, so dass das Schiff arg
rollt. Morgens sehen wir Tobago und suedlich davon Trinidad vor uns
auftauchen. Nach langen 21 Stunden umrunden wir Crown Point, die SW-Spitze
Tobagos, und segeln mit Motor Richtung Scarborough, wegen der 4 Knoten
starken Stroemung. Wir brauchen 3 Stunden fuer die 8 Seemeilen, mit dem
Motor auf Hochtouren, und muessen hoellisch aufpassen, dass wir in dem
engen, nur 5 m tiefen Kanal bleiben und nicht auf ein Riff auflaufen. Nahe
Scarborough erstreckt sich das Riff etwa 2 Seemeilen ins Meer hinaus, und es
gibt nur eine einzige Markierung dafuer. Also muessen wir die Augen offen
halten und staendig beobachten, wo sich die Wellen brechen, denn die starke
Stroemung schiebt uns in die Richtung des Riffs. Nachmittags um 4 Uhr haben
wir es geschafft und ankern im Fischerhafen von Scarborough. Dort finden wir
nur noch ein anderes Segelschiff vor.
Wir rudern mit dem Dinghy an den Steg und klarieren beim Zoll ein. Die Lady
dort ist sehr nett und erklaert uns, dass wir am naechsten Tag auch noch bei
Immigration einklarieren muessen (es ist ja Sonntag). Ausserdem gibt sie uns
Auskunft ueber die Karnevalsaktivitaeten in den naechsten zwei Tagen und
warnt uns vor zwielichtigen Elementen- es ist eine wilde Zeit.
In der Strasse entlang dem Hafen wummert aus riesigen Lautsprechern
Karnevalsmusik. Die Strassen sind voller Geschaefte, Staende, Bars,
Pizzerias. Ein riesiges Kreuzfahrtschiff liegt hochhaushoch direkt hinter
den Hafengebaeuden. Es wimmelt von Leuten. Wir finden eine kleine coole Bar
an einer Kreuzung etwas oberhalb des Hafens und beobachten von dort aus das
abendliche Treiben.
Am naechsten Morgen wachen wir auf von laermender Musik und Geschrei. Es ist
Karnevalsmontag, Jouvert genannt. Um 7 Uhr gehen wir mit unseren Papieren
rueber zu Immigration, vorbei an mit Schlamm und Farbe beschmierten
Gestalten mit glasigen Augen. Waehrend wir 2 Stunden lang Crewlisten,
Gesundheitsformulare etc ausfuellen, beobachten wir aus dem ersten Stock die
Riesenmasse von jungen Leuten, die seit 4 Uhr morgens sich mit Schlamm und
Farben beschmieren und trinken und tanzen bis zum Umfallen. Riesige
Lastwagen, vollgestopft mit Lautsprechern, plaerren irrsinnig laute
Soca-Musik: immer wieder dieselben Ohrwuermer, shake it, shake it, shake it!
Zur Erholung gehen wir in unsere Bar, die die Leute das watering hole
nennen, die Wasserstelle. Von da haben wir einen guten Ueberblick. Manchmal
steht der ExPremier von Tobago hinterm Tresen, manchmal eine indisch
aussehende Frau mit goldenen Vorderzaehnen.
Danach machen wir einen Spaziergang durch den Botanischen Garten. Dort
machen wir Bekanntschaft mit einem sehr netten Mann, der uns ein Stueck
begleitet und uns Baeume erklaert. Er hebt eine braune Schote auf, sagt wir
sollten sie schaelen und probieren: es ist eine Tamarinde, sauer, aber gut.
Er zeigt uns Sapodilla-, Balsam-, feuerrote Korallenbaeume, riesige Ceibas
(silk cotton trees) etc. Oben im Park spielt ein Mann sehr einfuehlsam auf
einer sehr feinen steelpan.
Dann wandern wir durch Upper Scarborough. Das wirkt im Gegensatz zum Hafen
verschlafen, sauber und ordentlich. Wir entdecken eine Baeckerei, die einen
unglaublich leckeren Karottenkuchen verkauft. Danach wandern wir noch weiter
die steile Strasse hinauf nach Fort George; um das alte Fort herum grosse
Rasenflaechen mit uralten weit ausladenden Baeumen voller bluehender
Schmarotzerpflanzen; unter den Baeumen picknicken Familien.
In der Zwischenzeit haben sich unten am Hafen und Markt die Leute
versammelt, um den Kinderkarneval anzuschauen. Wir stehen am Endpunkt des
farbenfrohen und froehlichen Umzugs, und die Kinder sind nach dem
stundenlangen Tanzen etwas groggy. Wir auch. In der Bar treffen wir zwei
freundiche Tobager, die uns ueber die unterschiedlichen Musikstile
aufklaeren, die unter dem Begriff Calypso firmieren. Es gibt zwei grosse
Gruppen: Kaiso und Soca. Kaiso ist der traditionelle Calypso, er ist
langsamer und der Text ist wichtig: er ist z.B. sozialkritisch oder macht
sich ueber Politiker lustig. Soca ist modern, schnell, diskoartig, er
scheint inhaltsleer und simple (auch musikalisch), aber er bringt die Leute
zum Tanzen! Karnevalsmusik ist Soca, je ohrrenbetaeubender, umso besser. Wir
erholen uns davon, indem wir dismal die Reling des Schiffes abschleifen (ein
niemals endender Job).
Bevor wir am Dienstag den Umzug der Erwachsenen angucken, essen wir bei
Rasta Ma zu Mittag. Rastas sind gute Koeche, pieksauber. Sie kochen Fisch-
und Fleischgerichte, aber auch viel Gemuese und Reis und sehr leckere
Bohnen- und Maissuppen.
Der Umzug dauert Stunden: phantasievolle Kostueme in buntesten Farben, die
Frauen alle in Bikinis, wildes Getanze. Mud-people, ueber und ueber mit
Schlamm beschmiert; Teufel mit Mistgabeln. Nicht alle der Teilnehmer haben
die Traumfiguren, die wir von Bildern kennen; es ist alles vertreten: Kleine
und Runde, Grosse und Alte, Junge und Fette- manche mehr als man sich
vorstellen kann. Alle tanzen bis zur Erschoepfung, und darueber hinaus. Man
spuert eine ungeheuere Lebensfreude.
Nach dem Umzug zum Ausruhen ins watering hole. Die Szene dort koennte aus
einem Fellini-Film stammen. Roemische Soldaten, Bauchtaenzerinnen,
Schlamm-Leute, weisse Leute (=Schwarze, mit Kreide beschmiert und mie Masken
auf)- alle kommen den Huegel hinauf, manche voellig ausgelaugt, manche
taufrisch. Maedchen in glitzernden Bikinis mit Fransen; dicke Mamas mit
Tangas und Glitzerschmuck stapfen heimwaerts mit einem Regenschirm unterm
Arm, ohne jegliche Komplexe, inmitten der voellig normal angezogenen Leute
der Stadt. Besonders spektakulaer: ein bildschoenes 2 Meter-Maedchen im
weiss-goldenen Bikini-Kostuem und langen Federn als Kopfschmuck beugt sich
nieder, um in ein Taxi einzusteigen.
Am 2. Maerz besuchen uns Pit und Anni und fahren mit uns nach Castara Bay.
Unterwegs halten wir an einer Bar, wo die Wirtin ein 2-Wochen altes Zicklein
mit der Babyflasche fuettert. Jeden Sommer besucht sie eine andere
karibische Insel. Wir fragen sie, welche ihr am besten gefallen hat, und sie
sagt: Oh, Grenada- ich liebe Grenada! Oh, St. Vincent- ich liebe
St.Vincent! St. Lucia-oh, I love St. Lucia!Oberhalb von Castara befindet sich ein grandioser Aussichtspunkt inmitten
eines kleinen Parks mit Rasen und Seemandelbaeumen. Ganz weit unten sieht
man Castara Bay mit seinem weissen Sandstrand und die bewaldete
buchtenreiche Westkueste Tobagos.
Tobago ist ausser Trinidad, mit dem zusammen es einen Staat bildet, die
einzige karibische Insel, die frueher mit dem suedamerikanischen Festland
verbunden war, sich davon jedoch schon vor 11 mio. Jahren geloest hat
(Trinidad erst vor 11 000 Jahren). Deshalb gibt es hier Pflanzen, Voegel und
Eidechsen, die man auf anderen Inseln nicht findet. Tobago hat 210
verschiedene Vogelarten,viel mehr als jede andere Insel. Der Regenwald ist
der ueppigste von allen, die wir gesehen haben.
Als wir unterwegs anhalten, um einen Wasserfall zu suchen, laufen wir durch
ein Gebirgsbachbett, an dessen Ufern rotbluehender Ingwer und wilde Anturien
und Heliconias und Callalou wachsen.
Zwei Tage spaeter verabreden wir uns mit Pit und Anni in Charlotteville an
der NW-Spitze der Insel.Wir fahren mit dem Bus die Ostkueste entlang: enge
Strasse, oefter mal eine Erdrutschstelle, Buchten, Straende. Zum Schluss
noch mal einen so steilen Berg hinauf, dass der Motor ueberhitzt, und dann
durch Haarnadelkurven hinunter nach Charlotteville. Unsere Freunde haben auf
wundersame Weise die Lageskizze von einem Schatz bekommen. Diesen Schatz
wollen wir jetzt bergen! Wir fahren ueber eine elendige Holperstrasse voller
Schlagloecher einen steilen Berg hinauf und lassen das Auto stehen. Danach
beginnt ein 15-minuetiger Abstieg durch den Regenwald: riesenhohe Baeume mit
Philodendren, die sich bis oben um den Stamm ranken, Riesenbambus,
Riesenfarne, Pflanzen mit so grossen Blaettern dass man sich damit bedecken
koennte. Bunte Voegel. Wir waten durch einen klaren Bach und sehen durch das
Laubwerk einen sandigen leeren Strand mit Kokospalmen, die Brandung und das
Meer. Der Garten Eden.
Pit findet den Schatz schnell, die Skizze ist genau; am Fuss eines Baumes,
an den ein "Betreten verboten!- Schild genagelt ist, in einer Kokosnuss,
alles bester pflanzlicher Natur. Wir sitzen im Schatten eines Seemandelbaums
auf ein paar Bambushoelzern und geniessen das Paradies. Nachher fahren wir
zum Hotel, wo Pit und Anni uns zur besten Piña colada unseres Lebens
einladen. Die Voegel auf dem Verandahgelaender sind so zahm, dass man sie
anfassen koennte.
Pit und Anni setzen uns dann in Speyside ab,von wo wir den Bus zurueck nach
Scarborough nehen wollen. Da treffen wir eine gute Seele namens Joseph, der
uns zeigt, wo wir die Fahrkarten kaufen koennen und auch ein paar
Flachmaenner mit Rum, um uns mit noch zwei Freunden von ihm die Zeit bis zur
Abfahrt zu vertreiben. Waehrend wir alle auf den Bus warten, gesellt sich
auch noch die Pastorin dazu und klagt mir ihr Leid ueber schwer
kontrollierbare Schaefchen und wie sie alles mit viel Liebe und Respekt (ein
sehr wichtiger Begriff hier) in Griff bekommt. Der Bus kommt irgendwann
tatsaechlich an, und alle verabschieden uns herzlich. Die Rueckfahrt durch
die fruehe dunkle Tropennacht ist ein kurviges Abenteuer. Eigentlich ist es
besser als bei Tag, weil man die Abgruende nicht sehen kann.
Am 4. Maerz fruehmorgens lichten wir den Anker und segeln ab nach Plymouth,
wieder vorsichtig durch die Riffs, aber dismal MIT der Stroemung und fast 6
Knoten! Es ist ein wunderschoener Toern mit 20 Knoten Wind aus Ost und
vorbei an den schoensten Straenden Tobagos um Pigeon Point herum. Gegen 13
Uhr kommen wir in der Courland Bay an. Wir sind das einzige Segelschiff
hier. Nach einem Spaziergang durch Plymouth gehen wir den wunderbaren Strand
entlang: Turtle Beach. Hier kommen in dieser Jahreszeit nachts die
Schildkroeten an Land , um ihre Eier im Sand zu verbuddeln. Es gibt Hunderte
von Voegeln hier, in der Luft, auf dem Wasser und auf den Fischerbooten. Die
Pelikane sind die witzigsten.Sie ziehen ihre Krreise ueber dem Wasser und
stuerzen sich dann ins Meer, um einen Fisch zu schnappen. Normalerweise
kommen sie mit dem Fisch im Schnabel heraus und verschlingen ihn dann. Hier
aber setzen sich die Lachmoewen auf ihre Koepfe, um ihnen den Fisch zu
rauben. Frech! Aber die Pelikane sind schlauer: sie nehmen den Fisch schon
unter Wasser ganz in ihren Schnabel und verschlingen ihn dann, wenn sie
herauskommen, so dass die Lachmoewen keine Chance haben. Die grosse rote
Sonne geht langsam unter und die Mondsichel steht schon hell am Himmel.
Karibische Abendstimmung.
Am Sonntag, dem 5. Maerz, segeln wir mit Pit und Anni von Plymouth nach
Charlotteville. Es ist der erste Segeltoern fuer Anni ueberhaupt. Wir segeln
nahe der Kueste, entlang an Englishman's Bay, Parlatuvier Bay und Bloody Bay
und den Sisters Rocks. Anni moechte unbedingt Delphine sehen. Also schlage
ich gegen die Bordwand, und Anni macht Delphingeraeusche. Und tatsaechlich-
wie von Zauberhand erscheinen sie ploetzlich, viele viele, und viel groesser
und heller als die, die wir bisher gesehen haben.Ein Baby ist dabei. Sie
spielen, tauchen unter dem Schiff und kommen auf der anderen Seite wieder
zum Vorschein. Anni ist entzueckt! Dann verschwinden sie, kommen aber
spaeter noch mal wieder. Schliesslich kreuzen wir in die Man of War Bay
hinein und gehen vor Charlotteville vor Anker und springen ins Wasser. Skip
schrubbt gerade entlang der Wasserlinie der Ragnar, als ich einen grossen
hellen Fisch entdecke, der um ihn herum schwimmt. Anni schreit:Ein Hai!!!
Worauf Skip schnell an Bord klettert . Im selben Moment springt Dani auf
der anderen Seite ins Wasser.Als wir ihm zurufen, da ist ein Hai!, hechtet
er mit affenartiger Geschwindigkeit an Bord.(Spaeter erfahren wir, dass der
Fisch kein Hai war, sondern ein Pilotfish, der sich an andere Fische heftet
und sie von Plagegeistern befreit. Er blieb die ganze Zeit bei uns, und wir
fuetterten ihn, Salat mochte er am liebsten, Tomaten weniger.)Am naechsten Tag holen uns Pit und Anni mit dem Mietauto ab, und wir fahren
zu den Argylle Wasserfaellen bei Roxborough. Wir schlendern durch die
Kakaoplantagen und dann durch den Regenwald entlang dem Flussbett zu den
atemberaubenden Faellen. Wir steigen in das untere Becken und klettern dann
die Wurzelstufen hoch zum zweiten und dritten Becken, der "Rastadusche".
Steht man darunter und scheint die Sonne, kann man einen kreisrunden
Regenbogen sehen. Man kann ihn in der Hand halten! Auf dem Weg zurueck
kommen wir vorbei an Rastas, die entlang dem Weg Lampenschirme aus
Kalabasse verkaufen, Bambus-Aschenbecher, Kakaobaelle, und anderes.
Spaeter finden wir nach vielem Fragen das Richmond Plantation House. Pit
faehrt in die Einfahrt und blockiert sie, als ein anderer Wagen auch hinein
will. Er hupt und wartet dann sehr geduldig, bis Pit gewendet und sich an
die Seite gestellt hat. Was fuer ein glueckliches Zusammentreffen! Der
Fahrer ist Arthur Jemmotte, der Leiter der Restaurierung des 300 Jahre alten
Hauses . Er sagt, sie arbeiteten noch daran, aber er wuerde uns gerne
erlauben, einen Blick ins Innere des Hauses zu werfen., wenn wir unsere
Schuhe ausziehen. Unglaublich! Das Haus selbst und die Sammlung von
afrikanischen Skulpturen und Holzarbeiten darin muss man sich ansehen!
Danke, Arthur, fuer die freundliche Einladung und die interessanten
Erklaerungen!
Auf dem Weg zurueck zum Blue Waters Inn koennen wir natuerlich einer Piña
colada nicht widerstehen. Hmmm!!
Am naechsten Tag fahren wir alle mit dem Glasbottom- Boot nach Petit Tobago,
der kleinen Insel gegenueber vom Hotel. Die Insel ist Naturschutzgebiet, und
dort finden wir auch endlich die Voegel, die uns ueber den ganzen Atlantik
begleitet haben. Es sind Tropicbirds, die hier ihre Nester unter grossen
Anturiumpflanzen bauen. Ihre Jungen sind vor ein paar Tagen geschluepft. Sie
haben ueberhaupt keine Angst vor uns. Nach dem Spaziergang ueber die Insel
schnorcheln wir auf dem Riff und beenden den Ausflug mit einer--- klar,
Piña colada.
Am Freitag klarieren wir aus Charlotteville, wobei wir herausfinden, dass
man in jedem Hafen von Trinidad und Tobago ein- UND ausklarieren muss.
Am Samstagmorgen beobachten wir ganz relaxed, wie die Fischer ihre Netze an
den Strand ziehen, setzen dann die Segel, waehrend wir noch vor Anker liegen
und segeln dann nach NW ab. Was fuer eine Fahrt!! Fuer uns ein Rekord: 90
Seemeilen in 12 Stunden! Jetzt sind wir wieder "zuhause", in St. George's,
Grenada, liegen am Dock, haben gut gegessen und gehen zu Bett.
CHAP VIII Bequia, ST. Vincent
B E Q U I A
Wir sind zur Antigua Classics Regatta eingeladen worden, die vom 20 bis 25.
April stattfindet. Deshalb muessen wir nun die Inselkette hoch segeln, um
rechtzeitig dort anzukommen. Am Samstag, d. 18. Maerz um 12 Uhr segeln wir
von Grenada ab Richtung Bequia, einer kleinen Grenadinen-Insel suedlich von
St. Vincent, 70 Seemeilen von St. George's, bei nordoestlichem Wind. Wir
halten uns so nahe an der Kueste wie moeglich, um die Fallwinde, die die
Taeler hinunterwehen, zu erwischen.Nach Einbruch der Dunkelheit kreuzen wir
bis etwa 12 Seemeilen westlich von Union Island und dann zurueck bis 2
Seemeilen vor der Kueste. Dann wieder kreuzen bis 10 Seemeilen vor Bequia
und von dort in den Hafen von Admiralty Bay, wo wir gegen Mittag
ankommen.Ein Einheimischer kommt uns mit seinem Boot entgegen und hilft uns,
an einer Boje festzumachen. Um 15 Uhr klarieren wir bei Zoll und Immigration
ein und sind 10 Minuten spaeter schon fertig. Rekord!
Admiralty Bay mit dem Fischerdorf Port Elizabeth ist eine grosse Bucht mit
hellem Sandstrand fast rundum.Es ist ein Platz fuer Segelyachten- wir
zaehlen etwa 170- , aber auch beliebt bei Megayachten und
Kreuzfahrtschiffen. Es gibt viel zu beobachten, vor allem die grossen
Segelschiffe mit 3,4 und sogar 5 Masten sind eine Augenweide. Entlang der
Bucht verlaeuft ein Gehweg, bepflanzt mit Palmen, Zedern, Frangipanis und
Blumen. Kleine bunte Haeuser saeumen das Ufer- Bars, Restaurants, Boutiquen,
Internet-Cafés, Supermaerkte, Delikatessen, Markt, alles da, was das Herz
begehrt.
Wir schlendern die Bucht entlang; die Einheimischen sitzen angezogen im
Wasser und geniessen die Kuehle. Haendler bieten unter den einladenden
Schattenbaeumen Bootsmodelle aus Kokosnussschalen an. Wir trinken ein
Smoothie- Saft aus Mangos, Papayas und soursop. Hmmm! Danach essen wir die
in der ganzen Karibik geruehmte lobster (Hummer)-Pizza im Mac's, eine
wirkliche Gaumenfreude!! Und so viel, dass wir den Rest im doggy-bag
mitnehmen fuer den naechsten Tag.
Am Montagmorgen, ganz frueh, bevor die Invasion von den Kreuzfahrtschiffen
anfaengt, gehen wir auf den Markt, einer der besten der Karibik bisher. Die
Haendler sind fast alle Rastas, wie immer unglaublich nett; sie lassen uns
die Fruechte probieren, die wir nicht kennen- Passionsfrucht, Sternfrucht,
golden apples usw.
Danach wandern wir ueber den Berg nach Friendship Bay. Das letzte Stueck der
Strasse ist so steil wie eine Sprungschanze, und Dani und ich breiten unsere
Fluegel aus und fliegen hinunter! Unten biegen wir an einem Telefonmast
rechts ab, schlagen uns ein Stueck durch die Buesche und geraten wieder mal
an eine traumhafte Bucht. Wir waten durch das kuehle Wasser, bis wir an die
Mosquito Bar kommen: dort verbringen wir die naechsten Stunden schaukelnd in
den Stuehlen, die um die Bar herum von der Decke haengen! Natuerlich bei
piña coladas- anders als die in Tobago, aber auch sehr lecker!! Nach einem
wunderbaren Lunch mit Kuerbis und Suesskartoffeln nehmen wir ein Taxi und
fahren die Ostkueste von Bequia ab, so weit die Strasse reicht. Wir kommen
vorbei anwunderschoenen leeren Sandstraenden, dahinter Kokosnussplantagen
und weidende Kuehe.
Am Montag machen wir das Schiff sauber, schleifen und lackieren. Wir wollen
in Antigua ja einen guten Eindruck machen!
In Admiralty Bay zu liegen ist wie in einem 5-Sterne Hotel zu wohnen. Um 7
Uhr morgens kommt der Brotmann mit seinem Boot vorbei und bietet frische
Baguettes und banana bread an; dann kommt der Gemuesemann, dann der mit
Wasser und Diesel, dann das Maedchen von der Waescherei, und wenn man zu
traege is t,das Dinghy zu nehmen, kann man das Wassertaxi herbeiwinken.
Gerade sitzen Skip und ich im Internet-Café und beobachten das Treiben im
Hafen ; wir sind hin und weg von der Musik, die gerade gespielt wird:
tollste afrikanische Trommeln, nur Trommeln, sonst nichts, unglaublich der
Rhythmus und die Exaktheit der Musiker . Wir haetten die CD gern, aber
leider ist es ein altes Band, das die E·x-Frau von jemandem zurueckgelassen
hat...Not available.
ST. V I N C E N T
Am Donnerstag, 23.3., fahren wir weiter nach Wallilabou, St. Vincent, mit
durchschnittlich 7.5 Knoten! Wieder mal eine Rauschefahrt, da macht das
Herz einen Huepfer! Wallilabou ist eine sehr malerische Bucht, und im
wahrsten Sinne wie aus Hollywood, denn hier wurde Pirates of the Caribbean
gedreht, mit Johnny Depp. Sie haben die Kulissen stehen gelassen, und wenn
man in die Bucht hineinfaehrt, hat man den Eindruck, dass man ein altes
karibisches Fischerdorf vor sich sieht, mit alten Gemaeuern und
palmwedelgedeckten Daechern, grossen Holzfaessern, einigen alten Saergen(
?). Bei naeherem Hinschauen entdeckt man dann, dass die Steine aus Styropor
sind und die Haeuser nur aus Fassaden bestehen- dahinter befindet sich nur
Gestaenge und Sperrholz.Aber es hat trotzdem was, es wirkt ganz gemuetlich.
Und zwischen diesen Kulissen leben ja auch ganz normal die Leute.
Als wir in die Bucht hineinfahren, kommt uns Smiley entgegen und hilft uns
mit der Boje. Ausserdem muessen wir das Schiff auch mit einer Heckleine
vertaeuen, die er an einer 50 m entfernten Palme festmacht. Er hilft uns
auch , den folgenden Tag zu organisieren, denn wir wollen den Vulkan
besteigen!
Am naechsten Morgen um 6.30 Uhr holt uns "Brother" mit seinem Wassertaxi ab.
Wir muessen eine Stunde bis zur Richmond Bay hinauffahren, von wo der Trail
zum Soufriere-Vulkan abgeht. Wir fahren ganz nah an der Kueste lang,
haarscharf vorbei an den Riffs und Felsen; in Cumberland Bay holen wir
unseren guide (Fuehrer) ab, Dannyman. Als wir ankommen, gucken wir hoch zum
Kraterrand - ueber 1000 m steil hoch...Eine 2 ½ bis 3-stuendige Kletterei,
zuerst durch ein ausgetrocknetes Flussbett mit schwarzem Sand (und Dannyman
barfuss.), dann durch eine stellenweise, 70cm breite Schlucht, und dann hoch
und immer hoeher, ohne ebene Stellen., durch dichtesten Regenwald mit 10m
hohen Riesenfarnen. Teilweise ist der schmale Pfad entlang dem Grat so
schmal, dass, wenn man auf die Fuesse guckt, man beide Seiten des nahezu
vertikalen Hangs sieht. Und diese Haenge sind bewirtschaftet- Rastas haben
saubere Furchen gezogen und mit Auberginen, Paprika und anderem bepflanzt.
Nach einem zermuerbenden feuchten und heissen Aufstieg durch den Wald
lichtet sich ploetzlich die Landschaft und wird vulkanisch oede, nur ein
paar Graeser gedeihen hier, und wir muessen unsere Jacken anziehen, weil es
auf einmal kalt und windig ist. Und dann gelangen wir an den Kraterrand- ein
Riesenkrater, etwa 400 m tief. Wir muessen gebueckt laufen und hoellisch
aufpassen, dass wir nicht hinunter geweht werden. Ab und zu wehen
Wolkenfetzen an uns vorbei. Wir machen ein kurzes Picknick und dann geht's
wieder bergab, mit grandiosem Blick ueber die spitzen Berge und die Kueste
von St. Vincent. Aber unsere armen Knie!! Auf halbem Weg erkennt Skip
richtig, weshalb der Vulkan Soufriere heisst: er laesst dich leiden /suffer!
Am naechsten Tag haben wir so einen Muskelkater, dass wir nicht wie geplant
weitersegeln, sondern uns erst mal auskurieren, bevor wir weiter nach St.
Lucia fahren.
CHAP IX. ST. V incent, ST. L ucia, M artinique, Dominica, Les Saintes und Guadalupe, Und Antigua
ST. V I N C E N T
Am Donnerstag, 23.3., fahren wir weiter nach Wallilabou, St. Vincent, mit
durchschnittlich 7.5 Knoten! Wieder mal eine Rauschefahrt, da macht das Herz
einen Huepfer! Wallilabou ist eine sehr malerische Bucht, und im wahrsten Sinne
wie aus Hollywood, denn hier wurde Pirates of the Caribbean gedreht, mit Johnny
Depp. Sie haben die Kulissen stehen gelassen, und wenn man in die Bucht
hineinfaehrt, hat man den Eindruck, dass man ein altes karibisches Fischerdorf
vor sich sieht, mit alten Gemaeuern und
palmwedelgedeckten Daechern, grossen Holzfaessern, einigen alten Saergen( ?).
Bei naeherem Hinschauen entdeckt man dann, dass die Steine aus Styropor sind und
die Haeuser nur aus Fassaden bestehen- dahinter befindet sich nur Gestaenge und
Sperrholz.Aber es hat trotzdem was, es wirkt ganz gemuetlich.
Und zwischen diesen Kulissen leben ja auch ganz normal die Leute.
Als wir in die Bucht hineinfahren, kommt uns Smiley entgegen und hilft uns mit
der Boje. Ausserdem muessen wir das Schiff auch mit einer Heckleine vertaeuen,
die er an einer 50 m entfernten Palme festmacht. Er hilft uns auch , den
folgenden Tag zu organisieren, denn wir wollen den Vulkan
besteigen!
Am naechsten Morgen um 6.30 Uhr holt uns "Brother" mit seinem Wassertaxi ab.
Wir muessen eine Stunde bis zur Richmond Bay hinauffahren, von wo der Trail zum
Soufriere-Vulkan abgeht. Wir fahren ganz nah an der Kueste lang, haarscharf
vorbei an den Riffs und Felsen; in Cumberland Bay holen wir unseren guide (Fuehrer)
ab, Dannyman. Als wir ankommen, gucken wir hoch zum Kraterrand - ueber 1000 m
steil hoch...Eine 2 ½ bis 3-stuendige Kletterei, zuerst durch ein
ausgetrocknetes Flussbett mit schwarzem Sand (und Dannyman barfuss.), dann durch
eine stellenweise, 70cm breite Schlucht, und dann hoch und immer hoeher, ohne
ebene Stellen., durch dichtesten Regenwald mit 10m hohen Riesenfarnen. Teilweise
ist der schmale Pfad entlang dem Grat so schmal, dass, wenn man auf die Fuesse
guckt, man beide Seiten des nahezu vertikalen Hangs sieht. Und diese Haenge
sind bewirtschaftet- Rastas haben saubere Furchen gezogen und mit Auberginen,
Paprika und anderem bepflanzt.
Nach einem zermuerbenden feuchten und heissen Aufstieg durch den Wald lichtet
sich ploetzlich die Landschaft und wird vulkanisch oede, nur ein paar Graeser
gedeihen hier, und wir muessen unsere Jacken anziehen, weil es auf einmal kalt
und windig ist. Und dann gelangen wir an den Kraterrand- ein
Riesenkrater, etwa 400 m tief. Wir muessen gebueckt laufen und hoellisch
aufpassen, dass wir nicht hinunter geweht werden. Ab und zu wehen Wolkenfetzen
an uns vorbei. Wir machen ein kurzes Picknick und dann geht's wieder bergab, mit
grandiosem Blick ueber die spitzen Berge und die Kueste von St. Vincent. Aber
unsere armen Knie!! Auf halbem Weg erkennt Skip richtig, weshalb der Vulkan
Soufriere heisst: er laesst dich leiden /suffer!
Am naechsten Tag haben wir so einen Muskelkater, dass wir nicht wie geplant
weitersegeln, sondern uns erst mal auskurieren, bevor wir weiter nach St. Lucia
fahren.
ST. L U C I A
Am Sonntag, den 26. Maerz, segeln wir weiter nach Norden, nach St. Lucia.
Mit Hilfe von Pancho machen wir in Benny's Haemony Beach an einer Boje fest und
zur Sicherheit auch an einem Baum. Ausser uns sind noch etwa 3 andere Yachten
hier, direkt am Fuss des kleinen Piton, einem von zwei zuckerhutaehnlichen ueber
700m steilen Bergen suedlich vom Fischeerdorf Soufriere, die eine der
Hauptattraktionen von St. Lucia sind. Das Wasser ist kristallklar, so dass wir
vom Deck aus die bunten Fische und Korallen sehen koennen.
Abends rudern wir die weite Strecke bis zu Benny's Restaurant. Seine Frau
Marcelene ist eine exzellente Koechin, und das kreolische Abendessen lecker.
Wir fuehlen uns wie zu Hause mit dieser Familie!
Am naechsten Tag zeigt uns Junior, der Taxifahrer aus Soufriere, interesssante
Orte in dieser Gegend: die tolle Aussicht, die man von La Haute Plantation auf
die Pitons hat;die Fahrt durch den Vulkankrater, wo Schwefeldaempfe aus
kochenden schwarzen Tuempeln wabern; das Dasheene Restaurant auf einem
Bergsattel direkt zwischen den beiden Pitons. Der Blick raubt Skip buchstaeblich
den Atem, er fuehlt sich wie erdrueckt von dieser spitzen
Bergmasse.Anschliessend zur Kakaoplantage Le Fond Doux Estate.
Theodora unsere huebsche junge und gut ausgebildete Begleiterin erklaert uns die
verschiedenen Stadien der Kakaoproduktion: Pfluecken, Schaelen, Gaeren, Trocknen,
Entfernen der aeusseren Schale (durch Tanzen auf den Bohnen in einem grossen
eisernen Bottisch) , Mahlen ( mit einem Moerser, per Hand,15 Tonnen jedes Jahr).Dann
wandern wir mit ihr durch den Park. Sie pflueckt
eine grosse reife gelbe Kakaofrucht vom Baum, oeffnet sie und sagt, wir sollten
die weissen glibbrigen Samen lutschen und wieder ausspucken - nicht kauen oder
schlucken. Wir sind ueberrascht, dass diese Dchungel-M&Ms, wie sie sie hier
nennen,ueberhaupt nicht wie Kakao aussehen oder schmecken,
sondern eher wie unsere spanischen Cherimoyas, suess und sauer zugleich.Sehr
lecker und erfrischend.
Bevor wir am naechsten Morgen weiter noerdlich nach der beruehmten Marigot Bay
segeln, fahren wir noch um den kleineren Piton herum in die Bucht zwischen den
Pitons. Zuerst gucken wir uns Bang an, eine kleine Ansammlung von Villen,
Restaurants und Geschaeften, erbaut unter der Leitung eines
englischen Lords fuer die internationale crème de la crème. Um diese Uhrzeit ist
noch nichts offen, aber alles ist mit viel Geschmack und Understatement gemacht.
Nebenan gibt es ein luxurioeses Hotel inmitten von Rasenflaechen und
Palmenhainen. Wir trinken Kaffee auf der Terrasse und kommen uns vor wie in
einer Kunstwelt- der Kontrast zum Nachbardorf Soufriere ist krass. Sie haben
sogar den schneeweissen Sand aus Guayana importiert. Wir verlassen den Ort
fluchtartig /unfreundliches Personal, arrogantes Publikum). Am Rand des Areals
sprechen wir mit einer Waerterin, die verhindert, dass ihresgleichen den
Sandstrand betritt. Sie fragt uns, was unser naechstes Ziel ist, und auf unsere
Antwort "Marigot Bay" sagt sie "Warum wollt ihr denn da hin?"
Als wir einige Stunden spaeter in Marigot Bay ankommen, fragen wir uns das auch.
Die Bucht , die mal eine der schoenssten der Karibik gewesen sein muss, ist in
die Haende von Investoren geraten, die kraeftig dabei sind, ihre Einzigartigkeit
und ihren Charme zu zerstoeren. Obwohl sie beste Absichten haben: Umwelt
schuetzen, naturgemaess bauen, Arbeit beschaffen etc.Die Einheimischen sehen
diese Entwicklung auch mit sehr gemischten Gefuehlen: ihr alter Lebensstil geht
verloren- im Austausch fuer was, fragen sie sich.
Wir fluechten am naechsten Tag nach Rodney Bay und geraten in eine Marina, die
genauso gut irgendwo in Florida sein koennte. Wir schaetzen, dass wir mal wieder
an Strom und Wasser angeschlossen sind und das Beiboot an Bord lassen koennen,
aber die Resort-artige Umgebung und die Malls gefallen uns weniger.
Wir mieten ein Auto, um von dieser Kueste wegzukommen, auf der Suche nach dem
karibischen St. Lucia. Im Inneren der Insel finden wir Labisab Plantation, einen
Bauernhof, der schon seit Generationen in den Haenden einer Familie ist. Dieser
Hof liegt sehr idyllisch zwischen zwei Bergbaechen, von denen der eine ein
Becken bildet, in dem die Baptisten ihre Taufen abhalten.
Alles auf dieser Farm ist selbst hergestellt, sogar die Bretter fuer den Hausbau
werden mit der Hand gesaegt. Die Staemme werden auf ein etwa 2.5m hohes Geruest
gelegt. Ein Mann steht oben, ein anderer unten, und beide saegen gleichzeitig
mit der langen Saege, der eine schiebt, der andere
zieht. Um die Arbeit zu erleichtern und unterhaltsamer zu machen, wird dabei
gesungen und getrommelt. Der Hof ist vollkommen autark und produziert genug, um
den Ueberschuss auf dem Markt von Castries zu verkaufen. Reich beschenkt mit
goldenen Aepfeln, Mangos, Papayas und Kokosnuessen verabschieden wir uns von
dieser freundlichen Familie. Auch sie haben Konzessionen an die neue Zeit
gemacht; ab und zu veranstalten sie Besichtigungen fuer Touristen von
Kreuzfahrtschiffen und demonstrieren z.B. Cassava-Brotbacken. Aber sie moechten
auch gerne ihren eigenen Lebensstil beibehalten.
St. Lucia ist eine traumhafte Insel mit Hotelanlagen, die zu den schoensten der
Welt zaehlen, ideal fuer ein paar Tage Ferien im Paradies. Vielen Einheimischen
sind diese Anlagen jedoch suspekt. Sicher, sie schaffen Arbeitsplaetze, aber
gleichzeitig auch Abhaengigkeit. Die traditionelle Familienstruktur droht zu
zerfallen, wie uns der Bauer erzaehlt: frueher kamen alle Familienmitglieder des
grossen Klans oefter an den Wochenenden zusammen, um sich gegenseitig beim
Hausbau und der schweren Feldarbeit zu
helfen. Jetzt aber wollen einige nur noch gegen Bezahlung mitmachen. Viele
fragen sich, ob Autos, Sofas, Mikrowelle und Computer den Verlust alter Werte
lohnen. Und was passiert, wenn ein Hurrikan die Hotels zerstoert?
Wir haben den Eindruck, dass die neuen Jobs im Tourismusbereich entfernt der
Arbeit aehneln, die die Leute frueher auf den Pflanzungen der reichen Weissen
verrichteten. Sie sind wieder die Dienstleister fuer die wenigen, die sich in
ihren "gated ghettos" einigeln. Nur ganz wenige Einheimische partizipieren an
dem neuen Reichtum.
Die Menschen, die wir in nicht vom Tourismus befallenen Gegenden treffen,
scheinen viel freundlicher zu sein, voller Selbstvertrauen und Wuerde. Sie
moegen in einfachen Holzhaeusern auf Stelzen leben, ohne Luxus, aber direkt am
Meer oder an einem Bergbach mit kristallklarem Wasser. Das Klima ist das ganze
Jahr ueber mild, es gibt einen Ueberfluss an wilden essbaren Pflanzen und Tieren,
keiner hungert.
M A R T I N I Q U E
Am Samstag, 1.April, segeln wir rueber nach Martinique und gehen vor Fort de
France, der Hauptstadt, vor Anker. Wir machen uns auf die Suche nach Zoll und
Polizei, es ist sehr heiss entlang den breiten leeren Strassen. Die Polizei gibt
uns unsere Stempel, aber da das zollbuero geschlossen ist, muessen wir am Montag
noch mal hin. Das tun wir, aber wieder Fehlanzeige: Yachties muessen jetzt in
einem Geschaeft fuer Schiffszubehoer am anderen Ende der Stadt einklarieren.
Auch am Montag wirkt Fort de France noch ziemlich leblos. Das liegt wohl an den
rieigen Einkaufszentren nahe dem Flughafen, die die Stadtzentren veroeden wie
auvh ueberall in den USA.Nachts wirkt die Stadt wie tot, ohne Bars und
Restaurants, deprimierend.
Wir bleiben auf dem Schiff und schleifen und lackieren den Mast. Am Dienstag
nehmen wir die Faehre nach Anse Mitan auf der anderen Seite der Bucht. Und
geraten wieder in eine sterile Urbanisation, die genauso gut irgendwo im
Mittelmeer liegen koennte. Es haelt uns nichts in Fort de France, und so
machen wir uns auf den Weg nach St. Pierre weiter im Norden.
Im 19. Jahrhundert nannte man St. Pierre das Paris der Karibik. Ed liegt
malerisch am Fuss der Montagne Pelee, einem Vulkan, der 1902 ausbrach und die
Stadt vollstaendig verwuestete. 30 000 Menschen kamen um, und auch heute sieht
man noch viele Spuren dieser Katastrophe. Wir fuehlen uns nicht ganz wohl an
diesem wunderschoenen, aber melancholischen Ort.
Etwas ausserhalb von St. Pierre befindet sich der Schmetterlingsgarten. Wir
wollen uns unbedingt die Scmetterlinge dort ansehen.Leider koennen wir nur einen
einzigen erspaehen, denn alle anderen sind einer Anti-Moskito-Spruehaktion vom
Flugzeug aus zum Opfer gefallen. Auch die Voegel hat es erwischt. Trotzdem
gefaellt uns dieser Garten, denn eine Gruppe von jungen idealistischen Leuten
hat eine ganze Reihe von einzigartigen Musikinstrumenten aus Bambus gebaut und
im Park aufgestellt,
damit die Besucher damit spielen koennen. Am Wochenende veranstalten sie
Konzerte, und wir moechten auf dem Rueckweg deshalb noch mal hier Halt machen.
D O M I N I C A
Am Donnerstag, dem 6. April, weiter nach Dominica, bei schoenstem Segelwetter
und einer guten Brise aus Suedost.Wie schoen, wieder auf einer echten
karibischen Insel zu sein! Unsere erste Station ist Roseau, die Hauptstadt, eine
quicklebendige bunte Stadt- das sieht man schon von weitem!
Nachdem Pancho uns geholfen hat, en einer Boje festzumachen, wandern wir die
anderthalb Kilometer am Meer entlang bis zum Zentrum um einzuklarieren. Dann auf
ein kuehles Bier in eine Kellerbar (Keller gibt es sonst nicht in der Karibik)
und wieder zurueck zum Schiff. Es wird schon dunkel (gegen 18.30)
und ueberall sitzen die Leute vor ihren Haeusern, redden, trommeln, spielen,
lachen. Es gibt auch wieder Rastas, besonders liebenswuerdig und respektvoll.
Fast jeder gruesst. Eine andere Welt.
Wir laufen durch den Botanischen Garten und die Stufen von Jack's Walk hinauf.
Oben jede Menge Busse mit Touristen. Skip kauft fuer 5 EC $ 2 Coca Colas von
einer der Ladies an den Souvenirstaenden. Nach einer Weile kommt sie zu uns
hinueber und gibt uns 2 $ zurueck. Sie sagt, sie haette uns faelschlicherweise
fuer Touristen gehalten.
Nach zwei Tagen segeln wir weiter nach Prince Rupert Bay und Portsmouth.
Wieder ein sehr schoener Trip mit genau dem richtigen Wind! Portsmouth ist ein
kleines Fischerdorf, das noch pittoresker wirkt mit den riesigen rostigen Wracks,
die der Hurrikan Lenny an den Strand gespuelt hat. Keiner hier hat das Geld,
diese Wracks wegraeumen zu lassen.
Kurz nachdem wir geankert haben, kommt Martin, ein Freund von Pancho, mit seinem
Boot Providence vorbei und bringt uns zum Indian River.
In Dominica, mehr als auf anderen karibischen Inseln, versuchen sie ihr
kulturelles Erbe zu bewahren. Man sagt, dass, wenn Kolumbus jetzt zurueck in die
Karibik kaeme, er nur noch Dominica wiedererkennen wuerde. Der Indian River ist
einer von 365 Fluessen, die von den hohen Bergen herabkommen und einen Sumpf
bilden, bevor sie ins Meer muenden. An der Muendung ist er etwa
50m breit und wird dann immer schmaler, bis die Aeste der Baeume und die Lianen
einen Tunnel bilden. Die Wurzeln der bloodwood-Baeume entlang dem Ufer sind in
Jahrhunderten zu bizarren skulpturen verwachsen. Wilder Hibiskus waechst in
dichten Bueschen am Ufer, Kokospalmen, Farne. Es herrscht absolute Stille,
unterbrochen nur von Vogelstimmen und dem Platschen der Paddel. Ein
verwunschener Ort.
Am naechsten Tag nehmen wir auf's Geratewohl einen Bus, der uns irgendwo an der
Strasse absetzt, als er abbiegen will. Es wuerde bald ein anderer kommen, der
uns mitnehmen koennte nach Calabishie an der Nordost-Kueste.
Nach einer halben Stunde des Wartens in der Gluthitze machen wir uns zu Fuss auf
den Weg und versuchen zu trampen. Wir laufen eine Schlucht entlang und sehen an
einigen Stellen tief tief unten den Fluss durch die dichte tropische Vegetation
schimmern.
Nach einer Weile haelt ein Auto und nimmt uns mit. Der Fahrer, Moise, und seine
haitische franzoesischsprachige Frau Alexandrine fragen nach unserem Ziel. Auf
unsere Antwort, dass wir uns ihre wunderschoene Insel angucken moechten, bieten
sie uns an,eine Rundfahrt mit ihnen zu machen.
Zuerst fahren wir die Atlantikkueste hinunter. Auf dem Weg trinken wir etwas in
einer Strandbar, danach stoppen wir an einer Huehnerfarm und kaufen Eier (die
billigsten auf der Insel), danach Zitronen (limes) von einem Stand an der
Strasse (der Besitzer selbst ist nicht da, wir lassen das Geld unterm
Topf). Ab und zu nimmt Moise einen Bauern mit Machete oder ein paar Arbeiter ein
Stueck mit, gratis. Dann moechte Moise unbedingt zum Emerald Pool Wasserfall
fahren, denn Alexandrine kennt den auch noch nicht. Wir haben inzwischen so
viele Wasserfaelle gesehen, dass wir wahrscheinlich nicht
hingegangen waeren. Aber das waere ein grosser Fehler gewesen, denn dieser ist
sicher einer der schoensten! 15 Minuten muessen wir im Regen durch den Regenwald
laufen, aber wir werden nicht nass, denn die Baeume bilden ein schuetzendes Dach.
Dieser Regenwald sieht ganz anders aus als die
bisherigen, denn das Klima ist hier oben viel kuehler und alle Staemme sind
dicht bemoost. Es sieht maerchenhaft aus, wie eine Hobbitlandschaft.
Danach fahren wir das Layou-Tal hinab zum Meer. Auf dem Weg halten wir wieder
ab und zu an und kaufen Zuckerrohrsaft, gegrillte Bananen und Mangosaft. Es ist
wie ein entspannter Familienausflug mit Reggaemusik. Was fuer ein Vergnuegen!!
LES S A I N T E S und G U A D E L O U P E
Wir haben keine besonders grosse Lust auf noch eine franzoesische Karibikinsel,
aber als wir in Bourg en Saintes ankommen, dem Hauptort einer kleinen
Inselgruppe noerdlich von Dominica, sind wir angenehm ueberrascht.
Bourg en Saintes iswt ein winziges, gemuetliches Fischerdorf mit einer voellig
gemischten Bevoelkerung aus Bretagne und Karibik. Ein bezubernder Ort, wo wir
gerne spaeter noch mal Halt machen wollen.
Da man hier nicht einklarieren kann, muessen wir am naechsten Tag weiter nach
Guadeloupe, ein paar Seemeilen weiter noerdlich.
Wir ankern vor Basse-Terre, der Hauptstadt von Guadeloupe, und paddeln zum Zoll.
Gott sei Dank bleibt Dani an Bord, denn waehrend wir an Land sind, schleift der
Anker und Ragnar waere ohne uns hinaus auf's Meer oder auf die Felsen getrieben.
Da Basse-Terre kein sehr einladender Ort zu sein scheint und keinen guten
Ankerplatz bietet, fahren wir weiter die Kueste hinauf bis Deshaies and der
Nordspitze.
Die Bucht ist vollgepackt mit Schiffen, aber der kleine Ort ist voller Charme.
Im L'Amer Restaurant feiern wir den 7. Vollmond seit unserer Absreise mit einem
absolut koestlichen Abendessen.
Es waere schoen, wenn die franzoesischen Behoerden sich etwas mehr fuer die
beduerfnisse der Yachties interessieren wuerden und Bojen installieerten, an
denen man festmachen kann. Die Bucht von Deshaies ist ein guter Ankerplatz, aber
nachts fegen die Thermowinde unter Umstaenden fast in Orkanstaerke die Berge
hinunter. Wir ankern in 6m tiefem Wasser, mit 40m Kette, und nachts
ist die Kette fast horizontal gespannt von der Wucht des Windes. Nicht gerade
ein Plaetzchen zum Ausruhen.
A N T I G U A
Am Samstag, d. 15. April, segeln wir von Guadeloupe nach Antigua. Auf dem Weg
sehen wir unsere ersten (Buckel)Wale im Atlantik!!! Zuerst sieht man kleine
Springbrunnen, und dann springen diese kolossalen Tiere in einem eleganten
Bogen aus dem Wasser und tauchen wieder unter. Sie schwimmen unter unserem Kiel
durch und verschwinden auf der anderen Seite in der Ferne.Lange
bevor wir Antigua ausmachen koennen, sehen wir Monserrat mit seinem rauchenden
Vulkan am Horizont.
Am fruehen Nachmittag kommen wir in FLMOUTH Harbour an und machen in der Antigua
Yacht Club Marina am Dock fest. Jeden Tag mehr fuellt sich der Steg mit
wunderschoenen alten klassischen Booten, eins toller als das andere. Als wir
sehen wie sie glaenzen und schimmern, greifen auch wir zum Lappen und "Nevr Dull"
- Messing- u. Bronzepolitur) und schreiben uns ein fuer den Concours d'elegance.
Man kann ja nie wissen.
Am Freitagmorgen sitzen wir adrett gekleidet im Cockpit , darauf bedacht ,
nichts mehr zu beruehren, und warten auf die Preisrichter. Und tatsaechlich:
abends bei der Preisverteilung gewinnen wir den 3. Platz in unserer Kategorie (persoenliche
Instandhaltung). Hurra!!!
Am Samstag, d. 22. April, ist der erste Regattatag. Um 10 Uhr started die
Klassik-Klasse A (unsere), und dann alle 15 Minuten der Start der
naechstschnellsten Klasse. Aber es herrscht absolute Flaute, und schliesslich
duempeln alle 55+ Boote um die Startlinie herum auf dem Wasser; die Segel
flattern, man unterhaelt sich von Boot zu Boot, etwa eine Stunde lang bis eine
leichte Brise die Flotte auseinander weht.
Die zweite Regatta , die Schmetterlingsregatta, findet am Sonntag statt.
Dieser Tag faengt gut an mit einer kraeftigen Brise, genau richtig fuer Ragnar.
Wir umrunden die erste Boje direkt hinter der beruehmten Eleonora of London und
knapp vor Ranger- den beiden beeindruckendsten Schiffen der Klassiker. Nachdem
wir die Ziellinie durchfahren haben, segeln wir nach English Harbour zur Parade.
Am Eingang der Bucht stellt sich Dani als Gallionsfigur auf den Bugspriet. Als
wir an Cathrines Café mit den vielen Zuschauern vorbeifahren und der Sprecher
unser Boot beschreibt und unsere Namen nennt, kriegen wir donnernden Applaus.
Am Montag, die Kanonen-Regatta. Eine Gerade von 6 Seemeilen, dann um eine Boje
herum und wieder zurueck zur Startlinie und das Ganze noch mal. Da die kleinen
Schiffe eine Stunde vor den Groessten starten, koennen wir die erste Boje
umrunden bevor die Grossen uns eingeholt haben. Auf dem Weg zurueck rauscht
Eleonora backbord an uns vorbei und Ranger kommt uns steuerbord
entgegen. So viele der schoensten Schiffe der Welt koennen wir hier bestaunen,
dass wir nicht wissen, wohin wir zuerst gucken sollen. Diese Regatta ist der
absolute Hoehepunkt, sheer bliss!!
Jeden Tag nach den Regatten gibt es Feste im Club, in Nelson's Dockyard in
English Harbour, an Bord von Jambalaya (ein in Carriacou gebauter neuer Schooner)
und last but not least- die Champagner-Party auf Eleonora. Die Atmosphaere
dieser Regatta ist einzigartig, denn es geht hier in allererster
Linie nicht um Wettkampf, sondern um sportsmanship. Alle Teilnehmer bilden eine
Gemeinschaft, man gruesst sich, besucht sich, hilft sich gegenseitig, egal ob
jemand von einer Luxusyacht ist oder vom Carriacou-Kanu mit quadratischem Segel.
Abends wird auf dem Steg gegrillt und getrommelt und
getanzt.
Und noch eine Ueberraschung erwartet uns am letzten Abend, dem Abend der
Preisverteilung: wir kriegen die Trophaee fuer den 2. Platz ueber die verkuerzte
Regattastrecke!!
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CHAP X. Antigua - Guadeloupe - Les Saintes - Dominica - Martinique
Am 27.April kommen Skips Schwester April, ihr Mann Pieter und Sohn
Bart in Antigua an Bord, sie wollen 8 Tage lang mit uns segeln. Da wir waehrend
der Hurricane-Saison (von Mai bis November)nach Venezuela
ausweichen wollen, muessen wir wieder nach Sueden segeln und haben beschlossen,
ihnen Dominica zu zeigen.Das ist eine englischsprachige karibische Insel, die
noch sehr urspruenglich und nicht amerikanisiert bzw.
Europaeisiert sit wie die franzoesischen.
Von Antigua segeln wir nach Deshaies, Guadeloupe, wo wir im Dunkeln und
stroemenden Regen ankommen und ankern. Am naechsten Tag die kurze Strecke
hinueber nach Les Saintes, ud am folgenden Tag nach Portsmouth, Dominica.
Martin, unser Begleiter vom letzten Mal, rudert uns wieder den Indian River
hinauf, dismal im Regen, was aber auch seinen Reiz hat.
Am Nachmittag wandern wir mit unserem Brot-Mann den Berg oberhalb der Prince
Rupert Bay hoch. Es ist einfach schoen, an Orte zurueckzukommen, wo wir schon
Leute kennen! Breadman erklaert uns Pflanzen, die den Weg entlang wachsen:
Zimtbaeume, Allspice-Baeume, karibische Aprikosenbaeume mit ihren riesigen,
runden braunen Fruechten und die seltsamen Cashewnuss-Baeume, bei denen die
Nuesse aus dem unteren Ende von einem rotten Apfel wachsen, den man auch essen
kann. Brot-Mann pflueckt uns Guaven und Passionsfruechte und
erzaehlt uns, dass es in Dominica viele Boa constrictor gibt, harmlose
Riesenschlangen, denen all diese Leckerbissen auch sehr gut schmecken. Von da an
fassen wir unsere Umgebung auf Wanderungen etwas schaerfer ins Auge.
Nach einer sehr lauten Nacht , mit Trommeln und Soca-Musik aus Big Papa's Bar
bis ins Morgengrauen (1. Mai "jump up") segeln wir nach Roseau im Sueden der
Insel. Wir gehen wieder am suedlichen Ende der Stadt an eine Boje, nahe dem
Tauchzentrum, von wo wir leicht einen Minibus ins Zentrum nehmen koennen. Noch
schoener aber ist es, die Meile in die Stadt zu Fuss zu gehen,denn die Strasse
ist gesaeumt mit Huetten und kleinen Buden, in denen alles angeboten wird, was
man sich denken kann, und das Leben der Leute spielt sich am Strassenrand ab:
kochen, essen, schwaetzen, duschen, spielen.
In der Stadt gehen wir durch die engen lebhaften Gassen mit ihren bunten
Haeusern, kaufen ein paar Souvenirs und essen dann am Hafen im Cocorico ein
leckeres karibisches Mal und trinken eine piña colada und denken dabei an Pit
und Anni, die uns auf den Geschmack gebracht haben.
Unser Freund Pancho hat eine Rundfahrt im Kleinbus und eine Wanderung zum
Victoria Wasserfall im Sueden Dominicas fuer uns organisiert. Auch dieser
Teilder Insel ist dicht bewaldet und die feuerroten Flamboyant-Baeume stehen in
voller Bluete. Unser junger Begleiter Christopher pflueckt uns verschiedene
Fruechte und Nuesse von Baeumen am Weg- man kann fast ueberall anhalten und sich
den Bauch fuellen, es ist wie im Schlaraffenland.
Ueber enge, steile und kurvige Strassen fahren wir zu Panchos Onkel Moses.
Er hat einen etwa 50 000 qm grossen Bauernhof in einem kuehlen Tal am Victoria
Fluss. Moses ist ein etwa 50 Jahre alter Rasta mit Dreadlocks bis zu den Knieen,
eine beeindruckende Gestalt. Er lebt hier allein, seinem
Bruder gehoert der Nachbarshof. Sein Hof ist komplett oekologisch
bewirtschaftet, er erntet nur, was er fuer einen Tag braucht. Nichts liegt in
Saecken herum, nichts wird faul oder schimmelig. Moses ist zu 95% autark;
das wenige Geld, das er braucht, verdient er sich mit Kursen in Kraeutermedizin
und der Herstellung von Bay-Oel (eine Art Lorbeer, aber aromatischer und mit
grosser Heilwirkung bei Hautkrankheiten).
Christopher fuehrt uns zum Wassrfall. Da es gestern arg geregnet hat, ist der
Fluss heftig angeschwollen. Wir muessen ih 5mal durchqueren.
Normalerweise kann man ueber Steine trockenen Fusses das andere Ufer erreichen,
aber dismal muessen wir manchmal fast bis zur Huefte durch's Wasser. Die Felsen
sind sehr glitschig und gross, so dass wir uns hochziehen oder hochgezogen
werden und auf der anderen Seite wieder auf dem Hosenboden hinunterrutschen
muessen.
Als wir schliesslich an dem Wasserfall ankommen, wagen nur Skip und Bart in den
Pool;er ist wie ein Hexenkessel, der orkanartige Wind und das herabfallende
Wasser peitschen ihnen ins Gesicht, sie koennen sich kaum auf den Beinen halten
und wir sie kaum mehr sehen. Der Weg zurueck faellt uns viel leichter, denn
jetzt kennen wir uns ja schon ein bisschen aus.
Als eir zurueck zum Hof kommen, hat Moses schon das Mittagessen vorbereitet und
den Tisch unter einem Dach aus Palmwedeln gedeckt: weisses Tischtuch, fuer jeden
eine Kalabasse und einen Loeffel aus Kalabasse. Moses stellt eine grosse
Schuessel mit dampfender Calalou-Suppe auf den Tisch. Alles was sein Garten an
dem Tag hergibt, befindet sich in dieser Suppe, die er mit Basilikum, Thymian,
Zimt, Allspice, Schnittlauch und Milch aus frisch geraspelter Kokosnuss gewuerzt
hat. Koestlich!
Nach dem Essen redden wir eine Weile ueber die Situation Dominicas und das Leben
im allgemeinen, bedanken uns fuer seine Gastfreundschaft und verabschieden uns
von diesem weisen und freundlichen Mann. Es war ein
einmaliges Erlebnis, von ihm eingeladen zu werden.Am naechsten Morgen segeln wir
weiter nach Martinique, wo wir vor Sain Pierre ankern. Wir gucken uns die Stadt
an, kaufen auf dem Markt Obst und Gemuese und finden nach langer Suche endlich
Gasflaschen fuer den Herd.
Danach laufen wir zum Schmetterlingsgarten, wo wir wieder eine Menge Spass mit
allden Bambusinstrumenten haben, die ueberall im Park aufgestellt sind.
Bart steppt auf Holzboxen in verschiedenen Groessen, die verschiedene Toene
erzeugen; April gibt ein kleines Konzert auf dem Bambus-Klavier, wir drehen das
riesige Regenmacher-Rad und Bambus-Mann spielt uns etwas auf den vielen
Bambus-Instrumenten vor, die er gebaut hat und die klingen wie ein Bass, ein
Saxophon, ein Banjo. Der Garten hat etwas Magisches, diesmal ist alles
blitzsauber und in Zen-Manier gerecht. Ausser uns sind nur eine Handvoll anderer
Leute da und wir entdecken sogar Schmetterlinge! (Das letzte Mal gab es keine,
weil sie bei einer Spruehaktion mit Flugzeugen alle getoetet worden waren)Am
folgenden Tag, Samstag, segeln wir mit Motor nach Fort de France und ankern vor
der Altstadt. Wir gehen in die Stadt, die an diesem Morgen voller
Leben ist. Auf dem Markt kaufen wir ein paar Mitbringsel, Gemuese und Gewuerze.
Die Auswahl ist riesig und gut, die exotischen Gerueche machen einen fast
benommen.
Nachmittags verabschieden wir uns von April, Pieter und Bart, die wieder zurueck
nach Holland fliegen. Wir haben schoene Tage zusammen verbracht, obwohl das
Wetter nicht immer ideal zum Segeln war und wir oefter als uns lieb war das
"eiserne Segel" (Motor) benutzen mussten, weil der Wind genau aus der Richtung
blies, in die wir fahren wollten.
CHAP XI. ST. Lucia - ST. Vincent - Bequia - Mustique
Nach ein paar Tagen schrubben, wienern und relaxen in Martinique fahren wir
am 9. Mai weiter nach Sueden. Da jetzt im Juni ernsthaft die Hurrikan-Saison
anfaengt, muessen wir uns suedlich von 12 Grad Nord begeben. Grenada liegt auf
12 Grad N und ist in den letzten Jahren zweimal boese erwischt worden von den
Hurrikanen Ivan und Emily, so dass wir noch weiter suedlich wollen, nach
Venezuela.
Zuerst stoppen wir in Rodney Bay, St. Lucia, und geniessen ein paar Tage lang
den Luxus, an Wasser und Strom angeschlossen zu sein. Was fuer ein Gefuehl, so
lange duschen zu koennen wie man will, mal abends alle Lichter
brennen zu lassen, den Foen und die grosse Kuehlbox benutzen und das Laptop
anschliessen zu koennen. Obwohl wir uns nicht beklagen koennen: mit unseren 4
Solarplatten kommen wir gut ueber die RundenIn Rodney Bay explodiert ein
Feuerzeug in Skips Hose: er kommt ziemlich blass zurueck, dankbar, dass alles
noch heil ist.
Nach 3 Tagen ankern wir dann in der Pigeon Bay (am Eingang von Rodney Bay), um
uns vom Schiff aus das Jazz Festival anzuhoeren. Leider haben viele andere auch
diese gute Idee, denn der sonst ruhige und idyllische Platz
fuellt sich mit -zig Charter-Katamaranen und Motorbooten aus Martinique und
Guadeloupe, und der Laerm und die gefaehrlichen Manoever dieser Spezies von
Fahrzeugen und jungen Crews geht uns ganz schoen auf die Nerven.
Am Montag, 15.5., fahren wir die kurze Strecke runter nach Soufriere, entlang
der wunderschoenen huegeligen gruenen Kueste von St. Lucia. Wir gehen in
Soufriere einkaufen und viele Leute begruessen Skip mit "White
Rasta! How you doing, mon? Where you been?" Wir essen wieder bei Benny fish
Creole auf der Terrasse mit dem spektakulaeren Blick auf Palmen, Strand und
Sonenuntergang, halten ein Schwaetzchen mit Marcelene und tuckern dann mit dem
Dinghy zurueck zum Schiff.
Am naechsten Tag weiter nach St. Vincent, vorbei an den Pitons und dann in
Rauschefahrt (z.T. 9 Knoten!) hinueber nach Wallilabou. Vor der Cumberland Bay
treffen wir Brother mit seinem Boot, und um die Ecke kommt uns Smiley entgegen,
hilft beim Festmachen an der Boje und der Palme. Der Obst-Mann kommt mit
frischen Avocados, Ananas und Manos, der FischMann mit frisch gefangenem red
snapper.
Am 17.5. segeln wir ein paar Meilen weiter nach Petit Byahaut Bay.Wir sind das
einzige Boot hier. Nachts ist es pechschwarz um uns herum, das einzige Licht
kommt von Gluehwuermchen und den Sternen.
Tags darauf weiter nach Bequia. Eigentlich wollten wir in Kingstown, der
Hauptstadt von St. Vincent Halt machen, aber der Hafen ist nichts fuer Yachten.
Admiralty Bay in Bequia ist wie immer ziemlich voll, rund 70
Schiffe. Bequia ist eines der beliebsten Segelziele in der Karibik. Es ist
idyllisch, freundlich, ganz auf Yachties eingestellt. Man kann hier gut
einkaufen, sie haben einen richtig guten Markt, ein tolles
Delikatessengeschaeft, gute Restaurants, gute Internetbars und einen
fantastischen Boot-Service.
Am Samstag machen wir einen Ausflug zum Moonhole. Ein amerikanisches Ehepaar hat
dort vor 45 Jahren eine kleine felsige Halbinsel gekauft und 19 Haeuser darauf
gebaut. Sie wollten etwas Neues machen, nur mit Materialien der Gegend, alles
offen, nichts eckig, aber ohne eine Ahnung vom Bauen. Das Ergebnis ist
entsprechend schoen-schaurig, einige Ecken sind sehr reizvoll, andere
grauenvoll, und insgesamt scheint sich alles in Aufloesung zu befinden.
Am 23.5. segeln wir weiter nach Mustique, einer kleinen privaten Insel in
Sichtweite von Bequia. Etwa 80 Haeuser /Palaeste fuer die haute haute volee gibt
es hier. Die ganze Insel ist wie ein riesiger Park, makellos gepflegt, die Wege
werden jeden Tag gefegt und gerecht, alle Leitungen verlaufen unterirdisch. Von
den Besitzern sieht man fast nichts, sie halten sich hier fast nur im Dezember
und Januar auf. Die Angestellten, etwa 1000 Personen, fahren in Golf-Carts herum
und halten alles in Schuss. Es gibt ein Dorf fuer sie, eine Schule, eine Kirche.
Es gibt keine Vebrechen, Wachmaenner beobachten die Kueste mit Argusaugen, es
ist ein sicherer Ort.
In Britannia Bay gibt es ein kleines Fischerdorf und etwa 30 Moorings fuer
Yachten. Man kann hier drei Tage lang bleiben.Basil's Bar auf Stelzen ueber dem
Wasser ist beruehmt fuer ihrBlues Festival im Januar, wenn die besten Musiker
sich hier versammeln und auch Mick Jagger oefter mal spontan was singt. (Er hat
auf Mustique auch ein Haus).
Die Insel ist wunderschoen, ein Ort des Friedens und der Ordnung, mit langen
weissen, von Palmen umsaeumten Straenden, Mangroven, kristallklarem Wasser- ein
Paradies, ohne die Probleme, aber auch das pusierende Leben der anderen Inseln.
Am zweiten Tag haben wir das Privileg, den Polizeichef kennenzulernen, als wir
naemlich Dani ausloesen muessen, der sich aufgemacht hatte, eine Nacht unter
freiem Himmel zu verbringen, bepackt mit Rucksack und selbstgemachter
Haengematte. Sie nahmen ihn am Strand fest, weil er in seinem grunge-look
(ausgefranste Jeans und loechriges Hemd) so gar nicht ins Schema der Insel
passte und sie ihn fuer einen Terroristen hielten.
CHAP XII. Canouan - Tobago Cays - Union Island - Palm Island
Nach 3 Tagen in Mustique fahren wir die 14 Seemeilen weiter nach Canouan. Es ist
eine sehr zerklueftete Insel mit vielen weissen Straenden und kegelfoermigen
Bergen. Die Insel ist zweigeteilt. Die noerdliche Haelfte
gehoert einer amerikanischen Firma (Trump), die hier einen Supergolfplatz und
einige Luxushaeuser gebaut hat, alles sehr dezent und praktisch vom Meer her
kaum sichtbar. Als wir uns das Gelaende ansehen wollen, geraten wir an einen
Schlagbaum wie Checkpoint Charlie, und man erklaert uns, dass wir 100 US$ pro
Tag und Person bezahlen muessen, um hineingelassen zu werden. Wir erwidern, dass
die Mauer in Berlin schon lange nicht mehr existiert und kehren um. Noch nicht
mal die Einheimischen duerfen in dieses Areal hinein (es umfasst eine
Naturschutzzone) ohne zu bezahlen- der Gerechtigkeit halber muss man sagen,
dass man fueer den Preis auch ein Golf-Cart benutzen darf und Lunch bekommt.
Der Rest der Insel, das Dorf Charlestown, versucht vom Luxus dieses Raffles
Resort zu profitieren. Es ist ein Bau-Boom zu beobachten, ueberall werden
Haeuser hochgezogen, ohne dass aber erst eine Infrastruktur geschaffen worden zu
sein scheint. Viele Strassen sind nicht geteert, und ueberall liegen Tonnen und
Tonnen vonMuell herum. Wenn jeder, der etwas wegwirft, 100 US$ Strafe zahlen
muesste (wie im Resort), waere die Insel reich.
Wir gehen vor dem luxurioesen und in balinesischem Stil gehaltenen Tamarind
Beach Hotel an eine Boje. Sobald wir aus dem Hotel-Komplex hinauskommen,
erscheint die Insel arm. In den "Supermaerkten" gibt es fast nur Dosen,noch
nicht einmal Frischmilch; auf dem "Markt" noch nicht einmal Bananen. Man sieht
keine Gaerten, das Land liegt brach und ist entweder voll Muell und Unkraut oder
nackt und erodiert. Erst als am Samstag das Frachtschiff aus St. Vincent
ankommt, gibt es einige Tomaten und Mangos.
Wir wandern entlang dem Kamm der Huegel und sehen im Osten den Atlantik und im
Westen die Karibik und im Sueden - atemberaubend!- die Tobago Cays und Union
Island. Nahe dem kleinen Flughafen hat Trump einen neuen Fischerhafen gebaut und
eine Entsalzungsanlage. Aber insgesamt ist unser Eindruck von Canouan eher
deprimierend.
Am Sonntag, 28.5., segeln wir schon frueh ab nach den Tobago Cays, einer Gruppe
von 4 winzigen unbewohnten Inseln oestlich von Union Island. Sie sind vom
Atlantik geschuetzt durch zwei Riffe: das aeussere End of the World Reef und das
innere Horseshoe Reef. Das Wasser um die Lagune, in die wir vorsichtig (auf GPS
sollte man sich hier nicht verlassen) durch einen engen Kanal hineinsegeln, ist
ein Kaleidoskop vongruen, tuerkis, blau und aquamarin. Es ist maerchenhaft.
Wir fahren mit dem Dinghy an den Riffrand, wo es kleine Bojen gibt, an denen man
festmachen kann, ohne das Riff zu beschaedigen. Die Korallen wachsen sehr, sehr
langsam, zwischen 30 und 60 cm in 100 Jahren! Dani schnorchelt und ist voellig
begeistert. Das Wasser ist kristallklar und nur 2m tief, und schon vom Boot aus
sieht man die Korallen in ihren vielen Formen, bunte Fische, Seeigel, Seesterne.
In der Lagune liegen etwa 30 Schiffe, aber es ist still und von den anderen
sieht und hoert man wenig. Die Bilderbuchstraende der Inselchen sind leer, nur
ein paar Leguane huschen durch das Kakteengestruepp.
Wir bleiben ueber Nacht. Von ferne sieht man die Lichter von Canouan und Union
Island. Am Himmel die schmale Mondsichel und das Kreuz des Suedens.
Am 29 Mai fahren wir sehr vorsichtig durch die Suedpassage der Cayds nach
Clifton auf Union Island. Mit Hilfe von Tiger machen wir an einer Boje sehr
dicht am Strand fest. Wir haben kaum eine Handbreit Wasser unterm Kiel, und es
ist ein Glueck, dass der Wind auf der Ostseite der Insel konstant aus O oder SO
weht und nie aus SW, sonst saessen wir bald auf dem Strand.
Von weitem sieht Union Island viel grosser aus als es ist. Es gibt nur zwei
Orte, Clifton und Ashton, beide im Sueden, aber sehr verschieden. Clifton hat
einen Hafen und die entsprechende quirlige Atmosphaere. In Ashton sollte ein
grosser Hafen von den Amerikanern gebaut werden, aber das Projekt wurde aus
irgendwelchen Gruenden eingestellt, und so ueberlebt das Dorf auf Sparflamme.
Das Wasser wird in Eimern vom Brunnen nach Hause transportiert.Weil es so
wahnsinnig heiss ist, nehmen wir ein Taxi und fahren in einer Stunde alle
Strassen der Insel ab. Der Grossteil der Insel ist unberuehrt, und einige
Gebiete scheinen nur darauf zu erwarten, dass jemand sie erschliesst.
An einem Nachmittag nehmen wir ein Wasser-Taxi hinueber nach Palm Island.
Als wir an Land gehen wollen, gibt es drei Wege und an jedem steht ein Schild
"Privat! Nur fuer Hotelgaeste."Wir stehen etwas ratlos da, als ein
blauuniformierter Waechter herankommt und uns erklaert, dass wir den Strand
entlang gehen koennen, aber an Land nur bis zur ersten Baumreihe.
Wir laufen also durch makellosen puderigen Sand, links kristallklares Wasser,
rechts die strohgedeckten Luxusbungalows in Palmenhainen und tropischen
Gartenanlagen. Das ideale Versteck fuer jemand, der sich von
allem zurueckziehen will. Alles inclusive 1000 US$ pro Tag. Weiter im Norden der
Insel ein paar private Haeuser und ein etwas ungepflegter Golfplatz.
Als wir zum Steg zurueckkommen, moechten wir in der Bar etwas trinken, aber
leider, leider sind nur Hotelgaeste erwuenscht. Im Souvenirladen kann man etwas
Kaltes kaufen, und wir setzen uns unter einen Seemandelbaum und warten auf die
Faehre, die die Angestellten zurueckbringt nach Clifton.
Noch ein Beispiel, was man aus einer karibischen Insel alles machen kann.
CHAP XIII. Carriacou - Grenada - Los Testigos
- Margarita - Coche
Am 1. Juni segeln wir ab von Palm Island hinueber nach Carriacou, ein
Katzensprung, denn zwei Stunden spaeter sind wir schon in der Hillsborough Bay.
Um 10.30 Uhr haben wir einklariert, eingekauft und halten ein
Schwaetzchen mit dem Friedensrichter in seiner Bar. Danach fahren wir um die
Ecke in die Tyrell Bay, ankern und lueften und reinigen das Schiff.
Vom 1. bis 8. Juni bleiben wir in Carriacou, unserer Lieblingsinsel. In Antigua
haben wir Dave Goldhill kennengelernt, der sich in Windward an der Ostkueste ein
gemuetliches Anwesen in einem grossen Garten direkt am Strand gebaut hat. Sogar
die Moebel hat er selbst gebaut und alles in kraeftigen karibischen Farben
angemalt. Er hat uns fuer Pfingstmontag eingeladen zur Segelregatta auf der
kleinen Insel Petite Martinique, die man von seiner Terrasse aus sehen kann.
Mit 18 Leuten fahren wir auf seinem Motorboot hinueber und fuehlen uns wie auf
einem Familienausflug. Seine drei beeindruckenden Kinder sind dabei und einige
Freunde aus Carriacou. Auf dem Weg schleppen wir ein havariertes Regattaboot ab,
gehen etwas essen und gucken uns die robusten Holzschiffe an, die in
traditioneller Weise am Strand gebaut werden.
Kurz vor Dunkelwerden fahren wir zurueck nach Carriacou und sitzen auf der
Terrasse bei Rumpunsch und Eistee mit Pfefferminz, schwarzem Salbei und
Zitronengras.
Am letzten Abend auf der Insel essen wir im Twilight am Hafen Lambi (conch),
als sich neben uns eine Gruppe von Frauen versammelt um Gospels zu singen.
Ein Junge flitzt auf dem Skateboard vorbei, und eine Kuh trottet
am Strand gemaechlich heimwaerts. Tyrell Bay.
Am 8. Juni fahren wir von Carriacou bei schoenstem Segelwetter wieder Richtung
Grenada, vorbei an Kick 'em Jenny, den Sisters, London Bridge und Zuckerhut:
eine Rauschefahrt bis fast hinein nach St. George's. Die
Hurrikansaison rueckt naeher und ganz Grenada bereitet sich vor; Bachbetten
werden gereinigt, Daecher und Terrassen verstaerkt, Baeume von trockenen Aesten
befreit.
Wir reparieren, flicken das Dinghy, waschen, kaufen Proviant, gehen zum Markt,
treffen Freunde und gucken Fussballweltmeisterschaft im Grenada Yacht Club.Beim
Spiel Trinidad/Tobago erscheint Skip im Club mit der Tobago-Flagge im Nacken,
unter Beifall aller Einheimischen. Sie wollen nur eins- England besiegen. Leider
klappt es nicht.
Es regnet viel, und die Moskitos plagen uns und auch die Schwaerme von
rainflies, die wie grosse Motten aussehen, nur bei Regen auftauchen und danach
wieder spurlos ver-schwinden.
Wir warten auf ein weather-window zwischen all den tropical waves, die von Osten
auf und zu kommen, um nach Isla Margarita, Venezuela, zu segeln. Obwohl wir uns
in Grenada wie zu Hause fuehlen, moechten wir doch alle jetzt mal wieder zu
neuen Zielen aufbrechen.
Am Sonntag, 25.6.06, bei leichter Bewoelkung, 20 Knoten Wind aus SO und 2 Knoten
westlicher Stroemung, fahren wir gegen 17.30 aus der Lagune von St. George's
hinaus. Wir sind nicht allein, vier andere Segelschiffe fahren in dieselbe
Richtung. Bis Los Testigos sind es 90 Seemeilen, und dort kommen wir nach einer
Rauschefahrt am naechsten Morgen gegen halb neun an. Wir ankern an der Playa
Tamarindo von Testigo Grande. Es sind noch 15 andere Yachten da, davon 5 mit
deutscher Flagge.
Wir sind sehr muede und wollen gerade alle etwas schlafen, als Pieter und Gina,
die wir aus Barbados kennen, mit dem Dinghy herankommen- was fuer eine
Ueberraschung! Sie sind auf dem Weg nach Trinidad und sagen, wir muessten uns
bei der Kuestenwache melden. Wir kontaktieren sie auf Kanal 16, und sie wollen,
dass wir zu ihnen hinueberkommen. Also den Anker wieder lichten und hinueber
nach Iguana Grande. Wir ankern, lassen das Dinghy ins Wasser, paddeln zum
blendendweissen Sandstrand und klettern den Huegel zum Buero
hinauf.
Jesús, der Chef, ein freundlicher junger Typ mit graublauen Augen, traegt uns in
ein dickes Buch ein. Im Schnitt kommen hier taeglich 10 Yachten an! Alles geht
problemlos vor sich. Eigentlich duerfen wir nur 2 Tage bleiben,
aber drei ist auch OK. Einklarieren muessen wir dann spaeter in Isla Margarita.
Jesus ist froh, dass wir spanisch sprechen. Neulich kam eine tuerkische Yacht an
und die Besatzung sprach nur tuerkisch.Er musste sich
mit Gesten und Skizzen verstaendigen, und es dauerte endlos, bis er alle
Informationen hatte.
Danach fahren wir zurueck nach Testigo Grande und ankern neben Gina und
Pieter.Auf dem Weg sehen wir die fantastische Playa Real von Testigo Pequeño,
ueber uns die riesigen Fregattenvoegel und Pelikane. Wir schlafen
bis halb sechs, als zwei Franzosen im Dinghy herankommen und uns kleine Bonitos
anbieten, gratis und frisch gefangen. Dann kommt Pieter und laedt uns zum
Abendessen ein, sie haben auch Fische bekommen.Gina braet sie alle und wir essen
sie mit Salat. Lecker!
Am naechsten Morgen gehen wir an Land. Am weissen Sandstrand liegt eine Flotte
von bunten Fischerbooten mit hohem und sehr spitzem Bug. Den Strand entlang
stehen etwa 10 Holzhuetten, umgeben von Palmen, Tamarinden und
Flamboyantbaeumen. Der Rest der huegeligen Landschaft ist sehr karg,
wuestenartig, nur bewachsen mit stacheligen Straeuchern und Kakteen. Ab und zu
sieht man grasgruene und giftgelbe Eidechsen und Leguane vorueberhuschen.
Wir laufen auf die Ostseite der Insel; starke Brandung, viel angeschwemmtes
ausgebleichtes Holz und die breite Spur (wie von einem Lastwagen) von einer
Schildkroete, die da ihre Eier abgelegt hat.
In der Bar erzaehlt uns die Wirtin, dass ihre Familie schon seit Generationen
hier lebt. Es gibt etwa 250 Personen auf den Testigos. Das Leben hier ist nicht
einfach, sie vergleicht es mit dem Leben auf einem
Schiff, man muss mit dem haushalten, was man hat. Wasser ist ein Problem: seit 5
Monaten hat es nicht geregnet, und sie hat einen Riesenberg Waesche, den sie
nicht waschen kann. Ab und zu fahren sie nach Margarita zum
Einkaufen, hauptsaechlich Reis und Huelsenfruechte. Sie leben von Fischen;
Gaerten gibt es nciht, es ist zu trocken.
Skip und Dani gucken sich das Spiel Brasilien-Ghana im Wohnzimmer ihrer Huette
an, der Fernseher ist an eine grosse Autobatterie angeschlossen. Ich fluechte
vor den Moskitos wieder in die ueberdachte Bar am Strand , neben mir im
Tamarindenbaum ein Affe an einer langen Schnur. Ich unterhalte mich mit Sohn
Daniel, der mir die 3 Tage alten, huebsch schwarz und weiss gepanzerten
Schildkroeten zeigt, die er im Dunkeln von der Playa Guzman geholt hat: 175
Stueck!
Die Schildkroeten legen pro Tier etwa 200 Eier. Wenn es heiss ist, schluepfen
sie nach 72 Stunden aus; wenn es regnet und kuehler ist, kann es auch Wochen
dauern. Die Kleinen laufen dann zum Meer und werden tagsueber
sofort von den Fregattenvoegeln gefressen. Deshalb holt Daniel sie zu sich,
fuettert sie mit Fischstueckchen, bis sie groesser sind, und setzt sie dann am
selben Strand ins Wasser. Nach 5-6 Monaten sind sie 500-600 kg schwer und kommen
Jahre spaeter zum Eierlegen wieder an denselben Strand zurueck.
Daniel und auch seine Mutter sagen, dass ihnen das Leben hier sehr gefaellt. Sie
koennen in Ruhe und Frieden leben, sie koennen alles offen lassen, hier klaut
niemand etwas. Was fuer ein Unterschied zum restlichen Venezuela!
Nachmittags stellen sie den Fernseher ins chiringuito. Damit es nicht blendet,
haben sie Wolldecken gegen die Strand- und Sonnenseite gehaengt. 12 Franzosen
und wir sind da, um das Soiel Frankreich- Spanien anzugucken. Am Ende gewinnen
die Franzosen, unterdruecken aber ihren Jubel,weil Danials einziger Spanier
schwer geknickt ist. Danach laden wir, Dani, Gina, Pieter und Rob (ihren Freund
aus Doninica) zum Essen ein: leckere Fischfrikadellen, Reis, Gemuese, Salat, 20
Bier, Kaffee - und das alles fuer 15 Euro.
Am 28. Juni ist der Himmel morgens frueh voller schwarzer Wolken, es sieht aus,
als waere die Sintflut nahe.Aber nach einer Stunde hat sich alles verzogen, und
wir fahren ab nach Margarita. Im ersten Drittel machen wir gute Fahrt, 6 Knoten,
und haben die Stroemung mit uns. Danach muessen wir das eiserne Segel hissen.
Das Meer ist glatt, und bald koennen wir die Testigos und Margarita sehen.
Fregattenvoegel und Pelikane begleiten uns, und auch ein grosser knallgelber
Schmetterling.
Um sechs Uhr abends ankern wir in der Bucht von Porlamar, wo schon um die 60
Yachten liegen.Ueber den Bergen der Insel ballen sich bedrohliche Wolken, es
muss da oben viel regnen. Die Kueste aber ist knochentrocken. Der Himmel bietet
ein dramatisches Schauspiel inglutrot, blauschwarz, hellblau und
schwefelgelb. In den Hochhaeusern von Porlamar gehen die Lichter an.
Wir bleiben bis zum 13. Juli in Porlamar. Isla Margarita ist das groesste
Touristenzentrum von Venezuela und Freihafen, d.h. man kann hier besonders gut
und guenstig einkaufen. Ein Liter Diesel kostet 8 cents, die Fischer
kriegen es umsonst.
Die Innenstadt ist eine typisch suedamerikansiche Stadt mit tausenden von
kleinen und kleinsten Geschaeften aller Art, Hunderten von Areperias (arepas
sind kleine Maisfladen, gefuellt mit Huhn, Fisch oder Kaese), Geldwechslern (der
offizielle Kurs ist viel zu niedrig),Gemuese- und Obststaenden; Gutbewachte und
ultramoderne Apartment-Hochhaeuser befinden sich direkt neben Slums. An der
Peripherie werden grosse Malls gebaut und unzaehlige Hochhaeuser und Villen;
dazwischen gibt es auch viele Bauruinen, die in der chaotischen Administration
steckengeblieben sind.
Wir laufen kreuz und quer durch die Stadt, um sie zu entdecken, ab und zu nehmen
wir auch ein Taxi, oft uralte amerikansiche Strassenkreuzer, die aussehen, als
wenn sie gleeich auseinanderfallen wuerden. Einmal fahren wir
in einem ramponierten Lada, der nicht mehr richtig zu steuern ist und keine
Bremse hat. Einen Fuehrerschein braucht man hier nicht, eine Versicherung auch
nicht und es dauert mindestens zwei Jahre, um ein Kennzeichen fuer ein neues
Auto zu bekommen. Sehr haeufig werden Taxifahrer mit neuen Autos mit der Waffe
bedroht und gezwungen, ihren Wagen herzugeben.
Das Einklarieren in Porlamar ist ein langwieriges und raetselhaftes Geschaeft,
das eine Woche dauert, obwohl wir alle drei schon in Grenada ein
Ein-Jahres-Visum bekommen haben.
Nachts holen wir das Dinghy an Deck, denn man hat uns gewarnt. Manchmal fahren
im Dunkeln zwielichtige Gestalten in Booten herum, und man muss staendig auf der
Hut sein, aber auch wiederum nicht in Paranoia verfallen wie viele Leute. Auf
alle Faelle haben wir eine Keule und den Handstrahler bereitliegen.
Wir gucken uns die letzten Weltmeisterschaftsspiele in einer Bar in Sambil an,
dem modernsten Einkaufszentrum. Dort ist eine unglaubliche Stimmung, vor allem
beim Finale Italien gegen Frankreich, denn ein Grossteil der
Venezolaner hier ist italienischer Abstammung, und das Riesengebaeude hallt
wider vom Jubel und den Tarantellas, die ueberall gesungen und getanzt werden.
An einem Sonntag fahren wir mit Arturo, unserem Fahrer, in seinem 30 Jahre alten
Chevrolet (sein neues Taxi ist ihm geeraubt worden) einmal um den oestlichen
Teil der Insel. Margarita ist in den Kuestenzonen wuestenaehnlich, hat aber
einige sehr schoene Straende. Wir fahren nach La Asuncion, der Hauptstadt im
Inneren, in einem gruenen Tal gelegen, und von da nach El Valle, einer anderen
alten Stadt im Kolonialstil und mit der
beruehmten Kirche der Virgen del Valle, Patronin der Fischer. Hier gibt es
riesige Mangobaeume und Parks - eine Augenweide nach all der trockenen
Kakteenlandschaft.
Ein paar Tage spaeter faehrt und Veronica, eine Chilenin, die hier seit ueber 30
Jahren lebt, mit ihrem Auto in den westlichen Teil der Insel, die Peninsula de
Macanao, die mit dem oestliche Teil nur durch einen schmalen
Sandstreifen verbunden ist. In Boca del Rio besichtigen wir das hochinteressante
Meeresmuseum mit vielen Modellen von Fischerbooten (Margarita ist beruehmt fuer
seine Sardinenfischerei), beeindruckenden Wal-
und Fischskeletten, Muschelsammlungen etc. Auf dem Rueckweg geraten wir in einen
sintflutartigen Regen und sehen einen Gaucho auf einem Pferd; beiden macht es
offensichtlich viel Vergnuegen, durch den Regen zu reiten.
Es gibt keine Fluesse auf Margarita, und an der Kueste regnet es nur sehr
selten. Das Wasser kommt ueber eine dicke Pipeline vom Festland.
Die Provinz Margarita heisst Nueva Esparta, und wir haben uns lange gewundert,
warum. Die Ureinwohner liessen sich nicht gerne von den Spaniern kolonisieren
und versklaven (Spanien holte im 16. Jh. jaehrlich bis zu 15 Tonnen Perlen aus
den Austernbaenken hier; deshalb auch Isla Margarita, die Perleninsel) und
leisteten heroisch Widerstand - wie die Spartaner. Die meisten Einheimischen
sind eine Mischung aus Indiandern, Afrikanern (die Spanier holten afrikanische
Sklaven hierher, um nach Perlen zu tauchen) und Europaeern. Auf den Doerfern
ueberwiegt klar das indianische Element.
Es ist noch nicht lange her, dass Margarita sich zum internationalen
Tourismusziel entwickelt hat. Noch vor wenigen Jahren war es eine abgelegene,
verschlafene Insel und muss auf einmal mit all den negativen
Seiten des Tourismus fertigwerden (mangelhafte Infrastruktur, Verbrechen etc.).
Man denkt nun sogar allen Ernstes daran, es ueber eine Bruecke mit Puerto La
Cruz auf dem Festland zu verbinden - 70 km...
Nachdem wir noch einmal kraeftig Proviant in einem gigantischen Supermarkt
eingekauft haben, fahren wir am 13. Juli ab nach Coche, einer kleinen Insel
suedwestlich von Margarita. Kein Wind, das Meer wie ein Spiegel. Wir hissen nur
das main stay-Segel und motoren.
Rechts von uns sehen wir rechts die gruenen Bergspitzen von Margarita, dann
Cubagua, die Perleninsel, heute unbewohnt; links den Gebirgszug der
Araya-Halbinsel auf dem Festland und dann die Nordkueste von Coche mit ihren
bizarren Sandsteinfelsen.
Nachdem wir die NW-Spitze von Coche mit ihrer gefaehrlichen, nur 1.80 m tiefen
Sandbank , die 1.5 Meilen ins Meer hineinragt, umschifft haben, kommen wir gegen
Mittag bei San Pedro, dem Hauptort von Coche an. Wir fahren vorsichtig durch das
seichte Wasser, umrunden all die Fischerboote und ihre Netze und ankern
schliesslich vor dem Paradise Resort noerdlich von San Pedro, das in der
wuestenartigen Landschaft wie eine Oase wirkt: palmengedeckte Haeuser liegen
versteckt zwischen Palmen und lila Bougainvilleas am pudrigen weissen Strand,
der sich kilometerlang entlang der Kueste erstreckt. Es liegen schon 9 andere
Yachten hier, alles Deutsche, die wir schon aus Margarita kennen.
Leider sind auch 3 Touristenkatamarane aus Porlamar hier, deren Gaesten es einen
Mordsspass macht, mit Jetskis um die Boote zu rasen und einen Hoellenlaerm zu
machen. Ganz toll finden sie es, dabei rueckwaerts auf dem
Sitz zu hocken. Skip stehen die Haare zu Berge; wie leicht koennen sie uns
rammen oder sich in der Ankerkette verheddern. Gott sei Dank hoert der Spass um
16 Uhr auf, als sie alle zurueckfahren. Paradiesische Ruhe, bis um 19 Uhr - im
Dunkeln - Hubschrauber tief und ohne Licht zwei Stunden lang ueber unsere
Mastspitzen knattern.
Am naechsten Tag lassen wir das Dinghy in der Obhut von 2 Jungens am Strand und
nehmen ein uraltes Chevrolet-Taxi mit enormen Lausprecherboxen nach San Pedro,
kostet einen Euro. San Pedro ist ein sehr weitlaeufiger Ort mit bunten
einstoeckigen Haeusern und breiten Strassen, alles ist sehr ordentlich und
sauber. Sie haben neuerdings auch Kanalisation und eine Klaeranlage, auf die sie
sehr stolz sind. Wir kaufen
Eier, Kuerbis und Brot und machen dann eine Inselrundfahrt: alles ist trocken
und wuest, nur die Kakteen gedeihen hier. Ueber uns kreisen die Geier.
Zuerst fahren wir an die Playa El Amor, wo uns eine Horde Kinder empfaengt, die
uns Muscheln schenken und uns die Sandsteinfelsen hinunter zum Strand fuehren,
um uns den Elefant zu zeigen.Wind und Wetter haben das weiche Gestein
ausgehoehlt und Skulpturen geschaffen in ocker, rot, braun und gelb.
Die Leute hier brechen sich kleine Stuecke heraus und reiben sich den Koerper
damit ab, um die Haut geschmeidig zu machen. Die Kinder sind sehr gut erzogen,
neugierig und helle. Sie nennen uns die Namen von all den vielen Muscheln, mit
denen der Strand uebersaet ist. Es macht grossen Spass, mit ihnen zusammen zu
sein.
Wir fahren durch Bichar, ein anderes Dorf, wo die Kommunionskinder in weiss
durchs Dorf ziehen - es ist das Fest der Virgen del Valle. Im Schatten der
Baeume vor ihren Haeusern doesen die Menschen in ihren Haengematten. Ein paar
Kilometer weiter zeigt uns der Taxifahrer den Muschelfriedhof: Berge von
Muscheln, die die Leute verzehrt haben. Von den Muschelhuegeln aus bietet sich
uns ein grossartiger Blick auf El Saco, eine grosse Mangrovenbucht, die einen
guten Schutz vor einem Hurrikan bietet. Als Segler sollte man sich immer
beizeiten nach solchen hurrican-holes umsehen, fuer den Fall eines Falles.
Zum Schluss fahren wir an den ausgedehnten Salinen vorbei, am kleinen Flughafen
und der Eisfabrik. Das sind mit den drei Hotels und der Fischerei (das Meer
brodelt hier buchstaeblich mit Fischen) die einzigen
Einkommensquellen der Menschen hier. 12000 leben auf der Insel, noch, denn die
Geburtenrate ist sehr hoch. Wie ueberall in der Karibik sticht einem der enorme
Anteil junger Leute ins Auge, und wir fragen uns, wie deren Zukunft wohl
aussehen wird.
Am 20 Juli hissen wir alle Segel und fahren nach Cumana, der Stadt am Eingang
zum Golfo de Cariaco suedwestlich von Coche auf dem Festland. Es ist sonnig,
wolkenlos, das Meer glatt, eine gute Brise. Wir werfen die Angel aus, und schon
nach wenigen Minuten zappelt ein ziemlich grosser Fisch an der Leine, ein
ladyfish. Dani sprayt ihm Gin in die Kiemen, bis er einigermassen sanft
entschlaeft. Leider ist er nicht so schmackhaft, wie wir uns das gewuenscht
haetten.
Uf der Ueberfahrt halten wir staendig Ausschau nach verdaechtigen Booten, denn
wir befinden uns ja mitten im Piratenland. Aber wir sehen nur kleine
Frachtschiffe, Fischerboote und Faehren. Einmal kommt ein Fischkutter in
voller Fahrt auf uns zu, wir weichen aus, er manoevriert auch und kommt wieder
direkt auf uns zu; an Bord kein Mensch zu sehen. Skip blaest ein paarmal
kraeftig ins Nebelhorn; daraufhin springt eine Gestalt hinters
Steuer und dreht endlich ab.
Nachmittags kommen wir bei kraeftigem Wind in Cumana an und finden nach einigem
Suchen die sehr schmale und erst auf den allerletzten Metern markierte Einfahrt
in die Marina Cumanagoto, wo wir am Dock festmachen,
direkt neben einem Kuestenwacheboot. 9 Euro pro Tag, Wasser und Strom inclusive,
gut bewacht und mit einem grossen modernen Einkaufszentrum direkt nebenan.
Unser erstes Ziel am naechsten Morgen ist der gigantische Markt mit einem
breiten Angebot an Obst und Gemuese. Cumana, die Hauptstadt der Provinz Sucre,
ist im Zentrum eine ganz huebsche Stadt mit zwei lebhaften
Einkaufsstrassen, schattigen Baeumen und einem Spazierweg am Fluss Manzanares
entlang.
An der Peripherie gibt es sehr arme und anscheinend gefaehrliche Viertel, aber
auch ein barrio alto mit luxurioesen Villen, die rund um die Uhr bewacht werden.
Wenn man durch die Stadt laeuft, ist es ratsam, nichts
Wertvolles dabei zu haben, also keinerlei Schmuck, Uhr, Kamera, Handy, Tasche.
Wir fuehlen uns OK, vielleicht auch weil wir spanisch sprechen und die Leute
sehr freundlich und hilfsbereit sind. Man muss halt staendig auf
dem qui vive sein und seine Umgebung genau beobachten.
Die Leute leiden selber sehr unter der Armut, Unsicherheit und Kriminalitaet ,
die nicht sein muessten, denn Venezuela ist ein sehr reicher Oelstaat.
Allerdings kommt der Reichtum beim kleinen Mann nicht an. Unter dem linken
Regime von Chavez hat sich ein Staatskapitalismus mit ueblen Folgen etabliert:
schwerfaellige bis unfaehige Verwaltung, Korruption,
Vetternwirtschaft, Zusammenbruch von privaten Unternehmen, Einschraenkung der
Pressefreiheit, parteiische Justiz, korrupte Polizei und Militaer usw.usf.
Ueberall muessen die Leute Schlange stehen, in der Bank, in den
Behoerden, an der Fleischtheke etc.
Das Klima hier ist tropisch und sehr feucht, aber abends weht meist ein frischer
kraeftiger Ostwind. Im Schiff ist alles feucht, Matratzen, Kissen und Kleidung
sind klamm, und wenn wir sie nicht alle paar Tage zum Trocknen
in die Sonne legen, schimmeln sie.
Wir schleifen und lackieren mal wieder Reling, Deckhaus und Masten. Skip sucht
die boatyards, Schreinereien und Nautikgeschaefte ab nach notwendigen
Ersatzteilen- was jedesmal eine interessante Tour durch das Labyrinth der
Stadt wird. Er kommt immer ganz zufrieden mit seinen Entdeckungen zurueck.
CHAP XIV. Puerto Real und Laguna Chica
PUERTO REAL und LAGUNA CHICA (Araya-Halbinsel, Golf von Cariaco)
10º 33.8 N 10º 34.0 N
64º 07.6 W 64º 04.6 W
Nach zwei Wochen in Cumaná beschliessen wir, am Donnerstag, 3. August
weiterzufahren, so dass wir nicht noch ein Wochenende die miese und laute Live-Musik
aus der Retro-Bar mit anhoeren muessen.
Um 10.30 segeln wir also Richtung Puerto Real auf der Nordseite des Golfs auf
der Araya-Halbinsel. Es ist fast windstill, und wir setzen das "eiserne Segel",
um die acht Meilen hinueberzufahren. Um die Einfahrt in die Bucht
von Puerto Real befinden sich ausgedehnte Untiefen, die sich viel weiter ins
Meer erstrecken als auf den Karten ver-zeichnet, wie wir spaeter herausfinden.
Die Bucht selber geht tief ins Land hinein und endet an einem weissen sandigen
Strand mit einer riesigen graugruenen Palme, deren Wedel steif nach oben ragen.
Das winzige Fischerdorf sitzt auf einer schmalen Landzunge direkt am Eingang.
Wir drehen eine Runde durch die Bucht und fahren dann weiter Richtung Laguna
Chica, die kleine Lagune.
Auf dem Weg aus der Bucht heraus wird es auf einmal so flach, dass wir sanft auf
Grund laufen.. Auf der Karte ist diese Stelle nicht markiert, und Dani, der am
Bug Ausschau hielt, hat es auch erst im allerletzten Augenblick
gesehen und nicht verhindern koennen. Aber wunderbarer Weise beschaedigen wir
den Kiel nicht- im Gegenteil: der leichte Druck auf den Kiel beseitigt die
kleine Lekage, die wir hatten, und seither muessen wir kein Wasser mehr aus der
Bilge pumpen!
Wir fahren 3 Meilen weiter nach Osten, bis wir die versteckte Einfahrt in die
Laguna Chica finden, eine Bucht etwa eine ¾ Meile lang und 1/8 Meile breit. Wir
ankern auf der oestlichen Seite in etwa 8 Metern Tiefe.
Wir sind die einzige Yacht hier in dieser traumhaften Bucht, deren Kueste ueppig
gruen bewachsen ist. Dieses Gruen hebt sich lebhaft ab von dem Blau des Meeres
und dem Rostrot und Grau der kahlen Huegel im Hintergrund. Es ist ein
prachtvolles Farbspiel, besonders am fruehen Morgen, spaeten Nachmittag und nach
Regen.
Am Ende der Bucht liegt ein kleines Fischerdorf mit einigen verstreuten Haeusern,
die umgeben sind von Kokospalmen, riesigen Mangobaeumen und allen moeglichen
Arten von tropischen Obstbaeumen, in deren Schatten sich die Leute in
Haengematten erholen. Es gibt eine winzige Kapelle fuer die Virgen de El Valle,
Patronin der Fischer, zwei ebenso winzige Laedchen mit dem Allernoetigsten und
eine kleine Bootswerft, wo sie die typischen Fischerboote mit dem hohen spitzen
Bug bauen. Und natuerlich gibt es auch eine Bar, wo sich ganz
selbstverstaendlich Ziegen, Schweine, Haehne und Hunde unter die Gaeste mischen.
Nach ein paar Stunden kommen ein paar Kinder angerudert und bringen uns einen
grossen Eimer voller Mangos und Icacas (kleine weisse, champignonartige Fruechte).
Wir unsererseits schenken ihnen Buntstifte und
etwas Zucker, denn sie erzaehlen uns, dass es im Augenblick in Venezuela keinen
Zucker gibt und dass sie morgens ihren Kaffee bitter trinken muessen.
Nach Sonnenuntergang hoeren wir das Lachen und Singen der Kinder ueber das
Wasser hallen; sie tanzen vor ihren Haeusern, springen ab und zu ins Wasser und
scheinen sich koestlich zu amuesieren.
Am Sonntagmorgen rudern wir an Land und wandern ueber die rote, staubige Strasse
ueber den Huegel nach Langoleta, das Hauptdorf in dieser Gegend.Die Strassen
sind eng und gesaeumt von riesigen schattigen Baeumen. Die Leute sitzen auf
kleinen Stuehlen vor den bunten einstoeckigen Haeusern und starren uns an, als
ob wir von einem anderen Planeten gefallen waeren. Aber dann, nach dem ersten
Schreck, sind sie sehr freundlich, gruessen und sprechen mit uns und wollen,
dass wir sie fotografieren. Langoleta ist ein gemuetliches Dorf mit einem
ziemlich grossen Dorfplatz und einer kleinen Kirche, vielen bunten Fischerbooten
am Strand, Netzen entlang dem Wasser, kleinen Werften, und ueberall Huehner,
Schweine und Hunde.
Als wir zurueck auf dem Schiff sind, rudern ein paar Jungs heran und fragen, ob
wir ihnen eine Tauchermaske leihen koennen. Nach ein paar Stunden kommen sie
zurueck mit einem Eimer voll Muscheln, die sie uns schenken wollen, aber wir
ueberlassen sie ihnen, weil wir denken, dass sie sie fuer ihre Familien brauchen.
Nach etwa einer Woche gehen uns einige Lebensmittel aus, und es ist fast
unmoeglich, etwas zu kaufen. Man muss auch wissen, wann man z.B. an einem
bestimmten Ort sein muss, um den Lastwagen zu erwischen, der Gemuese
verkauft. Der Wagen rollt langsam vorbei, waehrend der Lautsprecher droehnt "Zwiebeln,
Gemuese, kauft eure Vitamine!" und die Leute aus ihren Haeusern stuerzen und ihn
anhalten. Unter diesen Umstaenden beschliessen wir, nach Cumaná zurueckzufahren
und uns fuer unser naechstes Ziel zu ruesten.
Am Dienstag, den 8. August, nach einem spektakulaeren Sonnenaufgang mit einem
doppelten Regenbogen ueber der Kueste von Cumaná machen wir uns auf den Weg.
Fast die ganze Strecke begleiten uns etwa 30 Delphine, die mit uns spielen, von
einer Seite des Schiffs zur anderen tauchen und hoch aus dem Wasser springen.
Das macht ihnen so viel Spass, dass sie noch nicht einmal die Schwaerme von
Sardinen, die das Wasser unweit des Schiffs brodeln lassen, beachten.
Um 10.30 machen sind wir in Marina Cumanagoto am Dock, angeschlossen an Wasser
und Strom, bringen die Waesche weg, duschen und gehen einkaufen.
L A G U N A G R A N D E 10º 34 N 64º03 W
Von Cumanà aus fahren wir am Montagmorgen, 14.8., frueh mit einem "por puesto"
Taxi nach Puerto La Cruz, ca. 80 km westlich Richtung Caracas, fuer 3.50 Euros.
Im uralten klapprigen Strassenkreuzer - vorn Skip und ich,
hinten eine dreikoepfige einheimische Familie - schaukeln wir die steile kurvige
Kuestenstrasse entlang ueber gruene Berge mit Regenwald und atemberaubenden
Blick auf Buchten und Inseln vom Mochima Nationalpark und
das karibische Meer.
Kurz vor Puerto La Cruz streikt unser Vehikel. Kurz darauf haelt ein anderes
Taxi vor uns - der Elekriker! Was fuer ein Glueck! Er improvisiert irgendetwas
mit den Draehten und Isolierband, und tatsaechlich schaffen wir
es bis zum Busbahnhof.
Wir erledigen einige Sachen in der Stadt und gucken uns dann die Marina Bahìa
Redonda an - ein Treffpunkt fuer Yachties aus der ganzen Karibik in der Hurrikan-Saison.
Es ist eine huebsche parkartige Anlage mit riesigem
Pool, gemuetlicher Bar (wo wie wild Domino gespielt wird), Geschaeften,
Restaurant, aber auch ein "gated ghetto", rigoros gesichert mit Zaeunen und
Wachen, denn sie liegt direkt neben einem sehr unsicheren Viertel, und ab und zu
gibt es Ueberfaelle und Schiessereien. Die Marina in Cumaná ist zwar auch streng
bewacht, aber immerhin koennen wir zu Fuss in die Stadt laufen, waehrend man
sich in Bahìa Redonda eigentlich nur per Taxi bewegen kann.
Als wir zum Busbahnhof zurueckkommen, erfahren wir, dass die Strasse nach Cumanà
wegen Bauarbeiten total gesperrt ist. Wir warten und warten und nehmen
schliesslich einen hochkomfortablen Bus mit Klimaanlage, der nach 3 Stunden in
der Schlange fahren in Cumanà ankommt.
Am 15.8. ueberqueren wir wieder den Golf von Cariaco, um diesmal in der Laguna
Grande zu ankern. Die Delphine begleiten uns wieder fast die ganze Strecke. Wir
motoren, denn es ist windstill.
Laguna Grande ist ein riesiges Areal mit vielen kleinen Buchten, an deren Ufern
gruene Mangroven wachsen. Sie ist das ideale Hurricane-hole und ein
maerchenhafter Ort mit menschenleeren hohen roten Bergen, die nur mit
einigen Dornbueschen und Kakteen bewachsen sind. Die Taeler dagegen sind ueppig
gruen, und einige Buesche bluehen jetzt eidottergelb.
Wir fahren die ganze Lagune ab und ankern schliesslich in einem schmalen Kanal
zwischen einer Insel und dem Festland. Gegenueber von uns sehen wir in einem
Kaktus ein Adlernest. Es ist wie eine Haengematte gebaut und darin sitzen 2
kleine Adler, die ununterbrochen von ihren Eltern gefuettert werden. Drumherum
flitzen grasgruene Papageien. Wir hoeren einen Specht und sehen den Pelikanen zu,
wie sie kopfueber ins Wasser plumpsen, um sich einen Fisch zu ergattern,
unermuedlich, bis es zu dunkel wird.
Wir koennen die ganze Lagune ueberblicken und sehen hinter der schmalen Einfahrt
die Berge vom Festland und abends ein paar Lichter vonCumanà. Bei Sonnenauf- und
untergang, bei Regen und Sonne bietet sich uns ein
phantastisches Schauspiel: die wuestenartige Landschaft aendert staendig ihre
Farben und spiegelt diese im Wasser wider. Ab und zu kommen Fischer vorbei, um
in den Mangroven Muscheln zu suchen. Die Leute der Gegend kennen uns inzwischen
und moegen uns, denn wir haben von einigen Fotos gemacht und sie ihnen mit der
Faehre geschickt.
Am Wochenende kommt ein Pulk von 9 amerikanischen Yachten an. Sie ankern alle in
unserer Naehe, machen einen Besuch mit ihren Dinghies und laden uns zur happy
hour ein. Nette Leute, alles Ehepaare, die nach ihrer
Pensionierung auf dem Schiff leben.Viele sind schon jahrelang in der Karibik
unterwegs. Sie sind alle etwas aengstlich, weil sie wenig spanisch sprechen,
weil die politische Situation zwischen Venezuela und den USA z.Zt. nicht so gut
ist und weil sie die Piraten fuerchten. Nach 2 Tagen sind wir wieder allein. Es
ist wieder ruhig, nur die Tauben gurren, Adler ziehen ihre Kreise und grosse
gelbgruene und rotbrraune Schmetterlinge landen auf dem Deck.
Nachts glitzert das Wasser wie die Milchstrasse. Wenn man es mit dem Paddel
aufwuehlt, leuchtet es wie ein Lichtschweif! Wenn die kleinen Wellen ans Ufer
schwappen, funkeln sie wie Phosphorkissen.
Am schoensten ist die Morgendaemmerung bevor die Sonne aufgeht. Das Wasser ist
silbern und glatt wie ein Spiegel, es ist absolut still. Die Huegel sind schwarz,
und man sieht gerade noch einen Hauch vom abnehmenden Mond.
Wir wollen auf einen Berg wandern, aber im Tal auf dem Weg dorthin sehen wir
uns vor einer absolut undurchdringlichen Wand von Dornenbueschen und Kakteen. Es
gibt hiere keine Wege, nur Ziegenpfade, und sogar die Ziegen koennen nicht durch
diese Vegetation hindurch. Man kann nur auf dem hoeheren Teil der Berge laufen,
wo es zu trocken wird fuer die meisten Pflanzen. Aber man kann nicht durch die
Taeler! Wir versuchen es an verschiedenen Stellen und geben dann auf.
Am 22.8. fahren wir zurueck nach Cumanà um Obst und Gemuese einzukaufen, diesmal
fuer ein paar Wochen auf Vorrat. U.a. erstehen wir gruene Kochbananen, gruene
Ananas, unreife Avokados und eine riesige Wassermelone
von 10 kg in Form einer grossen Gurke. Im Augenblick sitze ich zwischen zwei
Buescheln von unreifen Bananen und neben mir in der Kiste liegen die Mangas (=grosse
Mangos) und reifen, hoffentlich.
Der Wetterbericht hoert sich z.Zt etwas bedrohlich an. Von den Kapverden naehert
sich ein Hurrikan den ostkaribischen Inseln, und von Trinidad bewegt sich ein
Zyklon auf unsere Kueste zu. Fuer alle Faelle haben wir die Jib (Vorsegel)
geborgen, das Bimini und das Verdeck ueber dem Deckhaus abmontiert und das
Schiff mit noch mehr Tauen gesichert.
CHAP XVI. Peninsula de Araya
M E D R E G A L V I LL A G E ( Península de Araya)
10º 32.00 N 63º 48.20 W
25.9.06
Vor einem Monat sind wir in oestlicher Richtung von Cumaná abgesegelt. Unser
Nachbar Eduardo, Nachfahre von einem Piraten aus der Clique von Stoertebecker,
hatte uns ein paar Tips gegeben, wo wir im Golf von Cariaco sicher ankern
koennen. Die Kueste ist fast menschenleer, nur ab und zu sieht man einige
Fischerhuetten und Fischerboote.Die winzigen Buchten erschienen uns alle
entweder zu wenig geschuetzt oder zu riskant in der Nacht, wir haetten dort
nicht ruhig schlafen koennen.
Also fuhren wir weiter bis Medregal Village, ein Treffpunkt fuer Segler nicht
weit vom oestlichen Ende des Golfs. Ein Belgier, Jean-Marc, hat da vor einigen
Jahren ein kleines Hotel gebaut; es ist eine huebsche Anlage mit palmengedeckten
Bungalows, gepflegten Gartenanlagen, Pool, Restaurant, Bar und - wichtig fuer
die Boaties- Duschen. Viele Segler lassen ihr Boot hier vor Anker liegen und
reisen monatelang durch Suedamerika oder nach Hause, waehrend sich Jean-Marc um
das Schiff kuemmert. Er ist auch gerade dabei, einen Boatyard zu installieren,
wo die Leute ihr Schiff aus dem Wasser holen und Reparaturen ausfuehren (lassen)
koennen. Nachts patroullieren bewaffnete Wachen durch die Gegend. Es ist ein
sicherer, beliebter Ort in einer ansonsten sehr unsicheren Gegend.
Ausserdem ist die Landschaft schoen: spitze gruene Berge, wie auf einer
Kinderzeichnung, und ein schmaler ebener Kuestenstreifen, leider mit vielen
Sumpfgebieten, wo es wunderschoene scharlachrote Ibisse gibt , aber auch viele
Moskitos, die widerlich stechen. Gott sei Dank kommen sie nicht bis zum Schiff,
wenn man weit genug draussen ankert.Aber wenn ich abends an Land gehe, dann nur
mit Jeans, Stiefeln und langaermeligem Hemd.
Der Nachteil von Medregal ist, dass es buchstaeblich am Ende der Welt liegt.
Die Strasse von Cariaco bis hierhin ist zunaechst gut, wird dann aber immer
schlechter, und die letzten Kilometer sind ein Slalom vorbei an Riesenkratern
und ein vorsichtiges Durchfahren von Graeben.
Das naechste Dorf liegt etwa 10 km entfernt, und es gibt weder Busse noch Taxis.
Die Strassen im Dorf sind nur Wege, die meisten unpassierbar fuer Fahrzeuge. Im
Dorf findet man fast nichts, es ist sehr sehr arm. Aber Strom
haben sie, auch eine Kirche und eine Schule, aber kein fliessendes Wasser.
Das muss in Tonnen per Fischerboot von weither geholt werden.
Jean-Marc faehrt seine Gaeste in seinem Toyota Landcruiser mittwochs nach
Cumaná, freitags nach Carúpano und samstags nach Cariaco.
Nachdem wir uns so lange in Cumaná und dem wuestenaehnlichen westlichen Teil der
Araya-Halbinsel aufgehalten haben, ist es ein Vergnuegen, durch die ueppige
tropische Landschaft nach Carúpano am karibischen Meer zu fahren.
Leider koennen wir nicht an dieser schoenen Kueste entlang segeln, weil sie eine
der gefaehrlichsten in der Karibik ist.
Carúpano ist eine kleine, quicklebendige Stadt, vor allem am 1. und 15. jeden
Monats, wenn die Leute ihren Lohn kriegen und einkaufen koennen.
Nachdem wir schon nach einer Stunde Warten (30 Personen vor uns) unser Geld in
der Bank bekommen haben (normalerweise steht man mindestens 4 Stunden in der
Schlange), schlendern wir durch die Stadt, d.h. schlendern kann man hier nicht.
Alle Buergersteige sind voller Staende, man faedelt sich zwischen ihnen durch.
Die Trottoirs haben oft tiefe Loecher und sind manchmal einen halben Meter hoch,
so dass man eher von einem Hindernislauf sprechen koennte.
Wir laufen bis zum Meer, von da zum Markt an der Peripherie und zurueck zur
Plaza Cristóbal, wo wir uns in den Schatten der Baeume setzen und den
Schuhputzern zugucken, wie sie Wanderstiefel mit Buerste und Seife
bearbeiten.
Es gibt erstaunlich gute Supermaerkte hier, Eisenwaren- und
Nautikgeschaefte.Sogar einen Flughafen haben sie, wo an diesem Morgen auch
Rosales angekommen ist, der Praesidentschaftskandidat der Opposition. Der
hat hier allerdings keine Chance, hier sind fast alle stramme Chavistas.
Klar, fuer die ganz Armen tut Chavez einiges, und das wollen sie nicht
verlieren.
Carúpano war vor noch nicht allzulanger Zeit eine sehr unsichere Stadt. Das hat
sich dann aber radikal geaendert, nachdem sich die beiden Mafia-Clans
gegenseitig ausgemerzt haben. Seither ist Ruhe.
Was auffaellt sind die vielen arbeitslosen Jugendlichen (40% der Bevoelkerung
unter 20 Jahre) und die elenden Ranchos (Huetten) besonders am Rand der Stadt.
Auf dem Rueckweg muessen wir nicht nur 9 Leute, sondern auch noch all die
Tueten, Taschen und Kisten zwischen unseren Beinen und auf den Baenken
verstauen. Wir sitzen wie die Sardinen in der Buechse, und das bei einer
unertraeglichen Hitze. Jedes Mal, wenn wir ueber eine Bodenschwelle hopsen,
stoehnen alle im Kollektiv und halten Eierkartons, Bierkisten, Holzbretter und
Benzinkanister in Schach. Die Eiskisten fangen an zu lecken, das Fleisch
faengt an zu stinken.
VieleLeute fragen sich, was wir mit unserer Zeit machen; z.B. in Carúpano
einkaufen zu gehen ist ein 12stuendiger Ausflug, 2 Stunden Fahrt hin und 2
Stunden Fahrt zurueck. Es kann sich noch viel laenger hinziehen, wenn man an
einer der vielen Polizeikontrollstellen angehalten wird.
An einem Samstagmorgen fahren wir die paar Kilometer nach Cariaco auf den
Markt, 45 Minuten. Der Markt ist riesig fuer das kleine Dorf, und vollgepackt.
Die Leute schieben sich durch die dunklen, ueberdachten Gaenge.
Gerade haben wir als letztes rote Paprika gekauft und bezahlt, als ein aelterer
Mann neben Skip seine Tuete mit kleinen Paprika fallen laesst.
Waehrend Skip sich bueckt, um sie aufheben zu helfen, klaut ihm der Komplice von
hinten sein ganzes Geld aus der vorderen Hosentasche- keine kleine Summe. Eine
perfeckte Falle. Als Skip sich umsieht und nach dem Dieb sucht, ist der und auch
der alte Mann schon ueber alle Berge, in Sekundenschnelle.
Das war eine Lektion fuer uns: zeig nie, wieviel Geld du dabei hast, und lass
es nie los, auch nicht, um jemandem zu helfen.
Um diese Zeit im Sommer feiern die Leute im Golf von Cariaco die Virgen del
Valle, die Patronin der Fischer. Sie kleiden sie staendig neu ein und fahren sie
auf den geschmueckten Kuestenwacheschiffen von einem Dorf zum anderen.
Fischerboote begleiten die Prozession, Bands spielen Musik und an Land wird
abends getanzt bis spaet in der Nacht.In Medregal Village hatten wir eine gute
Zeit. Es waren etwa 20 Yachten da, aus Kanada, USA, Schweden, Belgien,
Frankreich, England, Neuseeland etc.etc.
Wir haben Barbecues gemacht, und Potlucks, wo jeder ein Gericht mitbringt. Viele
der Segler sind schon seit Jahren in der Karibik und haben natuerlich
ungezaehlte Geschichten auf Lager. Es hat uns gut gefallen, aber man muss auch
aufpassen, dass man nicht zu laidback wird und der "port rot" einsetzt.
Ein Paar ist vor 11 Jahren von Florida zu einer Weltumsegelung aufgebrochen und
hat es bisher bis Venezuela geschafft.
Jetzt sind wir also wieder in Cumaná, nur fuer ein paar Tage, und dann geht es
Richtung Kolumbien und Panama. Die Hurrikane haben dies Jahr die Karibik
verschont, Gott sei Dank. Wir hoffen, dass auch die letzten beiden Monate
Oktober und November glimpflich ablaufen.
CHAP XVII. Mochima, El Oculto, Puerto la Cruz
M O C H I M A , E L O C U L T O 10º 20.95 N 64º 20.35 W
P U E R T O L A C R U Z 10º 12.80 N 64º 40.20 W
Am 29. Sept. Motoren wir von Cumaná ab Richtung Westen, 12 Seemeilen bis zum
Mochima Nationalpark, einem Naturschutzgebiet mit vielen Inseln, geschuetzten
Buchten und Straenden. Es darf hier nicht gebaut werden, nur
die Fischer koennen die schon vorhanndenen Camps nutzen. Der suedliche (Festland-)
teil des Parks ist dicht bewaldet, weil es dort nachmittags regnet; aber bis zu
den Inseln kommt der Regen nicht, und sie sind deshalb
trocken und spaerlich bewachsen mit Kakteen und Dornengestraeuch.
Um 11 Uhr umrunden wir die bizarren Felsformationen am Eingang zur Bucht von
Mochima, und 1 Stunde spaeter ankern wir vor Puerto Viejo de Mochima, einem
kleinen Fischerdorf . D.h. es sieht aus wie ein Fischerdorf, aber seit sie vor
einigen Jahren eine Strasse dorthin gebaut haben, leben die Leute hier eher vom
Tourismus. Die Fischerboote werden als Wassertaxis benutzt und bringen die
Touristen an die Straende in den vielen Buchten.
Das Dorf selbst besteht aus anderthalb Strassen und ein paar Haeusern, in denen
man Zimmer mieten kann. Es gibt zwei Obst- und Gemuesebuden - eine mit
halbverfaulten Waren und die andere mit Oeffnungszeiten je nach Bedarf: wenn die
Señora genug eingenommen hat fuer den Tag, macht sie zu; ein paar Restaurants,
ein paar Arepa-Staende, keine wirkliche Bar - jeder kauft sich die Getraenke im
Geschaeft und trinkt auf der Strasse.
Die Leute versuchen, das Dorf sauber zu halten, das ist etwas Unerhoertes hier.
(Generell ist Venezuela ein Riesendreckhaufen) Man sieht, dass sie sich Muehe
geben; sie pflanzen Baeume und Straeucher, kehren die Wege,
streichen die Gebaeude in bunten Farben.
Am Ende des Dorfes stossen wir auf das "Haus im Tal" (auf deutsch), ueber und
ueber bemalt mit Alpenszenen , Indianern am grossen Fluss etc. Der Besitzer ist
offenbar deutscher Abstammung, sein Name ist Hans.
Es liegen sechs Boote vor Anker, die Bucht ist wunderschoen, umgeben von
Mangroven und gruenen Huegeln. Wir fuehlen uns wie auf einem grossen See, denn
das offene Meer koennen wir von hier aus nicht sehen. Unter der Woche ist es
hier ziemlich ruhig, aber am Wochenende ist die Hoelle los.
Ununterbrochen rasen die Fischerboote ueber die Bucht, und vom Dorf her schallt
bis in die fruehen Morgenstunden Reggaeton, wie sie hier die karibische
Diskomusik nennen.
Um diesem Laerm zu entgehen, fahren wir am Freitag ein bisschen weiter westlich
um die Manare-Halbinsel herum in die El Oculto- Bucht. Wir sind dort eigentlich
nur 2 km weg von Puerto Viejo, aber es ist das andere
Extrem; es gibt nur ein Fischercamp hier, und es herrscht absolute Stille.
Ausser uns liegt noch eine englische Yacht hier, sonst gibt es keinen Verkehr.
Abends geht der Vollmond ueber den Huegeln auf und es ist, als haetten wir das
ganze Land fuer uns allein.
Nach einer friedlichen Nacht machen wir uns am naechsten Morgen auf nach Chimaná
Secunda, einer anderen Insel des Parks. Es soll da ein Restaurant geben, wo auch
Baumboas zum Essen hingehen (?) - das wollen wir doch unbedingt sehen. Da es
windstill ist, motoren wir 3 Stunden durch die Inselgruppe; wir sind das einzige
Schiff weit und breit.
Als wir uns Chimaná naehern, sehen wir schon von weitem die vielen Schiffe in
der Bucht (es ist Samstag) und beschliessen, bis Puerto La Cruz durchzufahren.
Ausserhalb von Puerto La Cruz gibt es den El Morro- Komplex, wo sie aus einem
Sumpfgebiet ein Areal mit Marinas und Urbanisationen gemacht haben.
Wir kontaktieren die Maremares-Marina ueber VHF, und am Eingang des Kanals
wartet auch schon Dinghy mit einem Lotsen auf uns.
Verglichen mit El Oculto sind wir wirklich auf einem anderen Planeten gelandet!
So eine marine Urbanisation haben wir noch nie irgendwo gesehen: Kanaele ueber
eine Strecke von 10 oder mehr Kilometern, flankiert von bunten 2-stoeckigen
Haeusern mit Terrassen davor und privaten Docks und Yachten.
Ein Gemisch von Stilen, von venezianisch (Venezuela bedeutet ja Klein-Venedig.)bis
ultramodern, aber insgesamt nicht uebel und voller Leben.
Staunend fahren wir an all dieser Pracht vorbei - je weiter wir vordringen, umso
luxurioeser wird es: grosszuegige Anwesen mit tropischen Gaerten, ein Golfplatz.
Und schliesslich unsere Marina, die ein Teil des 5-Sterne Hotels Maremares ist.
Das Lotsendinghy gibt unserem Schiff noch einen letzten Schubs, und wir sind an
unserem Platz.
Um uns anzumelden, gehen wir den Steg entlang, ueber eine schwindelerregende
Haengebruecke, die den Pool (4 Mio Liter.) ueberspannt, durch den Garten voller
bluehender und duftender Frangipanibaeume in die gigantische kuehle Lobby. Whow!
Der Service ist komplett: man kann sich das Fruehstueck aufs Boot/ ans Bett
bringen lassen, wenn man es bezahlen will. Wir begnuegen uns lieber mit dem
Sondertarif fuer Yachties.
Puerto La Cruz ist eine wohlhabende Stadt (Oel!), und viele reiche Venezolanerhaben
hier ein Haus und Schiff. Es sit auch ein bevorzugtes Touristenziel fuer
Einheimische, und Segler aus der ganzen Karibik kommen waehrend der
Hurrikansaison hierher.
Maremares ist nur eine von vielen Marinas. Sie haben etwa 60 Plaetze, von denen
die meisten von US-Schiffen belegt sind.Die Amerikaner bilden eine Gemeinschaft
mit regem sozialen Leben; sofort werden wir zu einem Potluck eingeladen, zu
Barbecues und Parties.
Das gute an Maremare ist, dass man ausserhalb des Hotelgelaendes zur Caribbean
Mall laufen kann, und dass es sichere Strassen mit Geschaeften, Restaurants und
Bars in der Naehe gibt. Zur Plaza Mayor Mall kann man mit
dem Dinghy fahren, man sollte es aber immer und ueberall mit Ketten und
Schloessern sichern. Insgesamt erscheint diese Gegend ziemlich sicher,
verglichen mit dem Rest des Landes. Alles ist bewacht hier, rund um die Uhr.
Wir sind mal wieder froh ueber Strom, Waschmaschine, Duschen , Internetanschluss.
Am 11. Okt. muessen wir aber leider weichen, weil unser Platz reserviert ist
fuer ein anderes Schiff. Am 12. Okt. ist Kolumbustag,
und viele Gaeste kommen fuer ein langes Wochenende - und zum doppelten Preis.
Wir wollen dann weiter die Kueste entlang nach Westen segeln statt wie geplant
zu den Inseln Tortuga, Los Roques und Las Aves. Letzte Woche gab es in einer
Posada (kleines Hotel) in Los Roques einen schrecklichen Mord, der das ganze
Land schockiert hat. Eine junge Italienerin auf Hochzeitsreise wurde im Bett mit
einem Kabel stranguliert. Die Moerder entwischten mit einer Kamera. Seither
haben wir keine groessere Lust mehr auf paradiesische venezolanische Inseln.
C A R E N E R O , P U E R T O C A B E L L O , C H I C H I R I V I C H E
10º 31.65 N
10º 28.9 N
10º 56.0 N
66º 05.9 W
68º
01.0 W
68º.14.5 W
Am 11.
Oktober nachmittags segeln wir mit sehr gutem Wind ab von Puerto La Cruz, aber
ab 22 Uhr muessen wir wieder motoren, weil es vollkommen windstill ist. Kurz vor
Sonnenaufgang naehern wir uns der Kueste von Carenero und muessen langsamer
fahren und das Tageslicht abwarten, um die Hafeneinfahrt zu finden, denn die
Leuchtbojen funktionieren nicht. Ueber 20 groessere Motorboote kommen uns
entgegen, sind wohl auf dem Weg nach Tortuga ueber das lange Wochenende. Wir
denken, dass der Hafen wohl ziemlich leer sein muss.
Nach
einer Meile durch die Einfahrt der Mangrovenbucht ankern wir vor dem Hotel- und
Marina-Komplex. Zu unserer Ueberraschung liegen dort noch Hunderte von
Motoryachten an den Stegen, entlang der Kaimauer und gestapelt auf em Trockenen.
Noch nie haben wir so viele Yachten mit Aussenbordmotoren zusammen an einem Ort
gesehen. E s kommt uns so vor, als ankerten wir an einer Bootsautobahn. Aber ab
18 Uhr, als es dunkel wird, ist es sehr ruhig und wir verbringen eine geruhsame
Nacht.
Das
Hotel und die Marina gehoeren einem wohlhabenden privaten Yachtclub, dessen
Mitglieder hauptsaechlich aus Caracas kommen. Die Stadt Carenero selbst besteht
aus vielen baufaelligen Haeusern, es gibt einige Bars, ein paar Gemuese- und
Lebensmittelgeschaefte fast ohne Waren, ein paar Hamburgerstaende und nicht viel
mehr. Alles ist heruntergekommen, die Leute sind offensichtlich sehr arm. Der
Unterschied zwischen Yachtclub und
Dorf ist krass. Am Tag zuvor haben sie 2 Maenner gelyncht, die versuchten, ein
Dinghy zu stehlen.
Mit dem
Dinghy erkunden wir die Mangrovenkanaele, die Carenero mit dem groesseren und
wohlhabenderen Higuerote weiter suedlich verbinden. Die Gegend ist ein weites,
etwa 6 Seemeilen grosses Labyrinth
aus Kanaelen und Inseln, wo tausende von Voegeln wie in einem Paradies leben:
Pelikane, Kormorane, Kraniche, Fregattvoegel und die wundervollen scharlachroten
Ibisse.
Wir
motoren etwa die Haelfte der Strecke, setzen Dani an Land ab, so dass er einen
Bus nach Higuerote nehmen kann, und beschliessen, umzukehren , damit wir es mit
dem wenigen Diesel zurueck zum Schiff schaffen. Aber nach 2 Meilen geht uns der
Treibstoff aus und wir muessen den Rest des Wegs paddeln, in drueckender Hitze
und gegen die hereinkommende Flut.
Ein
anderes Mal fahren wir in der anderen Richtung in die Mangroven, dismal aber mit
vollem Kanister. In den Mangroven kann man wunderbar Voegel beobachten, vor
allem am spaeten Nachmittag, wenn sie alle an ihre Nistplaetze zurueckfliegen.
Wir versuchen gute Bilder vom rotten Ibis zu machen, aber irgendwie – nachdem
wir es endlich geschafft haben- gehen sie auf dem Weg von der Kamera in den PC
verloren. Der Ibis laesst sich nicht so einfach fangen…
Nach
einem Wochenende in Carenero machen wir uns auf den Weg nach Puert Cabello, und,
typisch fuer diese Kueste, es ist wieder voellig windstill, und wir muessen
motoren, 24 Stunden lang… Um Mittag herum, Dani macht die Wache, Skip schlaeft
und Barbara sitzt auf dem Klo, hoeren und fuehlen wir einen Riesenkrach. Wir
rasen an Deck und gucken nach achtern und sehen, dass wir einen riesigen
Baumstamm gerammt haben, ungefaehr ein Meter im Durchmesser und 7 m lang. Wir
schrauben wie wild die Bodenbretter auf, um zu sehen, ob wir einen
Wassereinbruch haben. Gott sei Dank sehen wir keinen Schaden,
haben aber seither wieder Wasser in der Bilge. Irgendwas ist etwas aus
der Form gegangen, vielleicht eine Naht?
Nachts
sind wir umgeben von schweren Gewittern mit riesigen Blitzen, denen wir
auszuweichen versuchen. Schliesslich aber geraten wir doch in eins, und es
giesst so arg, dass wir unter dem Bimini die Hand nicht mehr vor Augen sehen
koennen. Gluecklicherweise haben wir nur das main staysail oben; mit mehr
Segelflaeche waeren wir sicher gekentert.
Bei
Sonnenaufgang haben wir einen so starken Westwind, dass wir selbst mit Motor
nicht mehr vorwaerts kommen. Wir hissen also die Segel und kreuzen langsam die
Kueste entlang westwaerts, bis wir am spaeten Nachmittag Ensa Cata erreichen, 14
Seemeilen oestlich von Puerto Cabello. Die Bucht ist sehr malerisch und zu
dieser Jahreszeit Gott sei Dank vollkommen leer. Wir springen ins Wasser und
schlafen dann sehr ruhig. Am naechsten Morgen, wieder totale Flaute, motoren wir
die restlichen Meilen bis Puerto Cabello, dem groessten
Naturhafen in Venezuela, letzte Bastion der Spanier.
Die
Kueste von Carenero bis Puerto Cabello ist wunderschoen, tropisch gruen, steil,
mit bis zu 3000m hohen Bergen dahinter, tiefen Taelern und vereinzelten Buchten
mit weissem Sand. Der alte koloniale Teil von Puerto Cabello ist sehr pittoresk,
sie haben die Gebaeude in bunten karibischen Farben angestrichen, aber wenn man in die Haeuser hineinschaut,
sieht man, dass die meisten Ruinen sind. Sehr symbolisch fuer den Zustand des
Landes, aussen hui und innen verrottet.
In
Puerto Cabello muessen wir ausklarieren und finden raus, dass unser
ein-Jahres-Visum, das wir fuer viel Geld in Grenada bekommen haben, anscheinend
nicht gueltig ist und wir das Land schon vor einem Monat haetten verlassen
sollen. Sie koennten uns die Papiere nicht ausstellen… Nach einigen Stunden
des Wartens in der Hafenbehoerde auf den zustaendigen Einwanderungsbeamten, der
in einem tollen blauen Landcruiser anrollt, den wir finanzieren helfen, kriegen
wir die Papiere aber schliesslich doch, muessen aber das Land innerhalb der
naechsten 24 Stunden verlassen.
Wir
wollen noch zwei Orte in Venezuela besichtigen. Den Morrocoy National Park, ein
Mangrovensumpf, der nach unseren Karten mit Bojen markiert ist, und
Chichiriviche. Als wir an der
Einfahrt zu dem Sumpf ankommen, sehen wir allerdings, dass die Kanaele weder
markiert sind noch mit denen auf unseren Karten uebereinstimmen. Wir versuchen
einige Stunden lang, den Weg zu einer der Marinas zu finden, die wir von weitem
sehen, laufen dabei auf Grund (Gott
sei Dank Schlamm), fahren dann rueckwaerts wieder heraus, drehen um und fahren
wieder ins offene Meer, das voller Baumstaemme ist…
Vier
Stunden spaeter versuchen wir, die Hafeneinfahrt nach Chichiriviche zu finden,
aber wieder gibt es keinerlei Markierung in dem Labyrinth von Landzungen und
kleinen Inseln. Gluecklicherweise erbarmt sich ein Fischer, uns in den Hafen zu
lotsen, wo wir vor einer kleinen Insel, dem Cayo Muerto (Toteninselchen),
ankern. Ein gutter Name fuer unseren letzten Stopp in Venezuela.
Am
naechsten Morgen bringt uns ein Fischer an Land. Chichiriviche ist eine
Riesenbaustelle: neue Hafenanlagen werden gebaut, neue Strassen, die Haeuser
werden neu angestrichen, Palmen gepflanzt, es kann mal sehr schoen werden. Aber
die Leute erzaehlen uns, dass wahrscheinlich alles, ob es nun fertig ist oder
nicht, nach der Wahl am 3. Dezember liegengelassen wird.
Am
naechsten Tag lassen wir Venezuela endgueltig hinter uns. Der Toern nach Bonaire
ueber Nacht ist phantastisch, der Wind weht aus der richtigen Richtung, und im
Morgengrauen sind wir schon vor Bonaire. Nachts sehen wir viele Frachter und
hoeren einen, den wir dann auch 5 Sekunden lang sehen, als er kurz seine Lichter
andreht und dann wieder loescht, etwa 100 Meter hinter uns…Was fuer ein
Schreck!!
Als wir
in den Windschatten von Bonaire kommen, segeln
wir in toller Rauschefahrt mit 6.5 Knoten bis nach Kralendijk, dem
Hauptort von Bonaire.
B O N A I R E - K L E I N C U R A Ç A O - C U R A Ç A O
12º 09
N
11º 59.04 N
12º 04.67 N
58º 17
W
58º 38.73 W
58º 57.29 W
Einklarieren
in Bonaire ist eine einfache Sache. Der Zollbeamte ist aeusserst hoeflich und
nett. Zuerst sprechen wir englisch mit ihm, aber nachdem wir im Buero ein Schild
in Papiamentu – eine Sprache, die 90 Prozent der Bevoelkerung spricht- gelesen
und verstanden haben, wechseln wir zu spanisch. Papiamento ist eine kuriose
Mischung aus Spanisch, Portugiesisch , Englisch und afrikanischen Sprachen. Der
Beamte erzaehlt uns von seinen Reisen nach Holland und Deutschland, von seiner
Tochter, die in Holland studiert und fuenf Sprachen fliessend spricht und ist
auch hoechst interessiert an unserer Weltumsegelung.
Nach der
Immigrationsbehoerde gucken wir uns Kralendijk an und laufen dann zurueck zu
Karels Beach Bar, in deren Nehe wir an einer Boje liegen. Wir trinken ein paar
Bier (Polar Ice, sehr kalt und mit wenig Alkohol, ideal fuer das heisse Klima),
kommen ins Gespraech mit einem einheimischen Ehepaar (die Frau ist taubstumm,
versteht aber alles auf Papiamentu, Spanish und Englisch) und fahren beschwipst
zum Schiff zurueck (der wenige Alkohol zeigt doppelte Wirkung weil wir so muede
sind) und schlafen aus.
Am
fruehen Abend treffen wir unsere belgischen Freunde von Petroushka, Christian
uns Marinette, die 3 Schiffe weiter an einer Boje liegen und am Vortag
angekommen sind von den Los Roques und Las Aves Inseln.
Wir
trinken koestliche Caiprinhas (etwas Cachaça und viel lime juice), tauschen
venezolanische Erfahrungen aus und beschliessen, am naechsten Tag gemeinsam eine
Inselrundfahrt zu machen. Im Pick-up fahren wir ans Nordende der Insel zum
Slaagbaai Mount Washington National Park. Dieser Park war frueher eine Plantage.
Sie bauten Aloe an, machten Holzkohle und exportierten das Holz vom Divi Divi-
Busch (zum Gerben). Der Besitzer verkaufte das riesige Areal dann an den Staat
mit der Auflage, das natuerliche Habitat zu erhalten und einen Park draus zu
machen.
Es gibt
Salzsuempfe (saliñas) mit Flamingos, Kaktuslandschaften wie in Arizona, bizarre
Felsformationen, die wilde Ostkueste, blendendweisse Buchten mit kristallklarem
Wasser, jede Menge Iguanas und exotische Voegel.
Wie auf
allen eher flachen Inseln in der Karibik gibt es keinen Regenwald, weil es kaum
regnet. Die Landschaft ist voller gruener Dornenbuesche, absolut
undurchdringlich.
Danach
fahren wir in den suedlichen Teil mit seinen ausgedehnten Salzpfannen. Das Land
ragt nur wenige Zentimeter aus dem Meer heraus, ideal fuer die Flamingos, die
uebrigens so rot sind, weil sie so viele Krabben fressen.
Die
Landschaft ist eine Synphonie von Farben: einige Salzecken schillern violett,
einige gruenlich, die roten Flamingos, die schneeweissen Salzberge.
Am
Strand Reihen von ehemaligen Sklavenhuetten, winzig, fuer 4 Personen, in denen
die Sklaven die Woche ueber lebten. Am Wochenende durften sie nach Hause laufen,
nach Rincón im Norden, wo ihre Familien lebten, 7 Stunden hin und 7 Stunden
zurueck.
Wir
fahren dann zurueck nach Kralendijk und schwimmen und schnorcheln im klaren
Wasser, das von tropischen Fischen nur so wimmelt.Selbst vom Schiff und vom Land
aus kann man Hunderte von unglaublich bunten Fischen beobachten.
Abends
laden unsere Freunde uns ein zum Fischessen (Barakuda, Wahoo) und einer
exquisiten Mousse au chocolat vom belgischen Koch.
Wir
erfahren, dass Koenigin Beatrix die niederlaendischen Antillen besuchen wird.
Also schmuecken wir zu ihren Ehren das Schiff mit all unseren Signalflaggen- wie
sich herausstellt, sind wir die einzigen.
Auf
Bonaire leben 13.000 Menschen.Alles ist sehr sauber und ordentlich, wie in
Holland, und nach Venezuela eine Augenweide. Man kann jederzeit ueberall
herumlaufen, sogar mit Kamera und Uhr, ohne dass man um sein Leben fuerchten
muss. Aber im Supermarkt sind wir sehr erschrocken ueber die Moehren aus
Holland: wir legen eine auf die Waage, und sie wiegt nur ein Kilo…
Danis
Eltern kommen uns am 6. November fuer zwei Wochen besuchen. Eigentlich wollten
wir sie in Curaçao treffen, finden es dann aber besser, dass sie nach Bonaire
kommen, hier ein paar Tage bleiben und wir dann zusammen nach Curaçao segeln.
Am 10.
November segeln wir in einer Rauschefahrt ab Richtung Klein Curaçao, ein
unbewohntes winziges Eiland suedlich von Curaçao, 24 Seemeilen entfernt. Die
Insel befindet sich nur 1 Meter ueber dem Meeresspiegel, man wuerde sie erst
sehen,
wenn man
schon fast da ist, waeren da nicht der nicht funktionierende Leuchtturm und das
Wrack von einem Frachter auf der Ostseite.
Die
Westseite besteht aus einem langen blendendweissen Sandstrand mit ein paar
Palapas (Unterstaenden, die mit Palmwedeln gedeckt sind). Das Wasser ist
unglaublich klar und schimmert in allen Arten von Blau. Wir ruhen uns 2 Tage
aus, spazieren den Strand lang und quer ueber die Insel, schwimmen, schnorcheln
und essen Fisch, den uns die Fischer schenken.
Am
Sonntagmorgen geht es weiter die 14 Meilen nach Spaanse Water, einer Bucht in
Curaçao, die zunaechst das Ziel aller Segler ist. Wir ankern in der
Cabrietenbaai, neben einem Schiff mit 7 Hunden. Es ist nicht leicht, sich von
dort zu bewegen, deshalb machen wir am Mntagmorgen Autostop, um in Willemstad
einzuklarieren. Wir haben Glueck: das erste Auto haelt, und ein junges Maedchen
faehrt uns zu einer Bushaltestelle.
Das
Einklarieren ist geht schnell, erst beim Zoll in Punda, dann bei der Immigration
und der Hafenbehoerde in Otrobanda auf der gegenueberliegenden Seite der St.
Annabaai. Beide Stadtteile sind ueber die Koenigin Emma-Bruecke miteinander
verbunden. Die Bruecke ist ein Kuriosum.Es ist eine Pontonbruecke aus dem 19.
Jh., die sich fuer jedes Schiff, das in den Schottegat will, oeffnet, und zwar
seitwaerts ueber die ganze Laenge.
Willemstad
ist eine erstaunliche Mischung aus kolonialer hollaendischer Architektur und
karibischer Farbenfreude. In Otrobanda hat man ein voellig heruntergekommenes
Voertel restauriert, Kura Hulanda; es wird nun zum Teil als Hotel genutzt, es
gibt Cafés und Restaurants und wunderswchoene schattige Plaetze.
Und wen
treffen wir auch hier wieder?Die Koenigin. Sie scheint uns zu folgen. Hunderte
von Schulkindern in properern Uniformen warten auf sie.Wahrend wir in einem Café
sitzen, starren sie fasziniert Skip mit seinen dreadlocks an- ein weisser Rasta!
Curaçaohat
160000 Einwohner aus aller Herren Laender.Es ist eine tolerante, polyglotte
Nation. Fast jeder spricht mindestens Papiamentu, Hollaendisch, Spanisch und
Englisch. Bevor die Spanier im 17. Jh. die Insel “entdecken”, lebten
araukaniche Indianer hier. Dann kamen die Hollaender, dann kurz die Englaender,
dann Juden von ueberall her (die Synagoge wurde 1732 erbaut), dann Sklaven aus
Afrika und schliesslich Menschen von ueberall, als 1914 das Oel im Maracaibo-See
entdeckt und in Curaçao eine Raffinerie gebaut wurde.
Die
Geshcaefte verkaufen alles und sind eingestellt auf jeden Geschmack. Entlang
einem Seitenkanal ankern die bunten venezolanischen Gemuese- und Obstschiffe und
bilden den “floating market”. Auf dem Weg zurueck vom Einklarieren finden
wir keinen Bus zurueck zum Schiff und nehmen stattdessen ein Taxi zum Strada
Supermarkt. Wir muessen Proviant kaufen fuer die naechste Etappe, denn in
Kolumbien und auf den San Blas Inseln wird nicht viel zu finden sein. Das Strada
erweist sich als einer der am besten ausgeruesteten und freundlichsten
Supermaerkte in der Karibik, und der Besitzer bringt uns sogar kostenlos zum
Schiff zurueck. Was fuer ein Service!
Nach
zwei Tagen vor Anker am aeussersten Ende von Spaanse Water eschliessen wir, uns
das Leben zu erleichtern und im Curaçao Yacht Club ans Dock zu gehen und ein
Auto zu mieten. Michael, der Hafenmeister, ist ein netter und hilfsbereiter
Mensch , wir sind mal wieder angeschlossen an Wasser und Strom, koennen Im Club
duschen und haben jetzt sogar Wi-Fi! Mit Jaimes Hilfe reparieren wir einen block
(heisst das so auf Deutsch?)des Grossschot in der Marina-Werkstatt – es ist
die erste Marina mit Werkstatt! Generell sind die Leute hier unglaublich
sympathisch und hilfsbereit.
CHAP XX Aruba , Cartagena de indias
A R U B A
12º 31 N 70º 02 W
Am
Sonntagnachmittag, d. 19. November 06, verabschieden wir uns nach zwei
vergnueglichen Wochen von Danis Eltern Jaime und Rosa, die wieder zurueck nach
Mallorca fliegen.
Am
naechsten Morgen rauschen wir nach dem Ausklaren die Westkueste von Curaçao
hinauf bis zur Grote Knip, einer malerischen Bucht am Nordende der Insel. Wir
ankern, essen was und gehen gegen 19 Uhr zu Bett, denn wir wollen nachts um 3
Uhr los Richtung Aruba, 58 Seemeilen westlich.
Mit
gutem Ostwind, ruhiger See und Mondlicht rauschen wir ab,aber sobald wir aus dem
Windschatten Curaçaos hinaus sind, werden die Wellen hoeher und hoeher und
machen den Rest des Trips zu einer unangenehmen Berg- und Talfahrt, besonders um
den suedlichen Zipfel Arubas herum, der nur 15 Seemeilen von venezolanischen
Festland entfernt liegt.
Wir
machen nachmittags um 2 Uhr in Oranjestad am Dock fuer Kreuzfahrtschiffe fest.
Wir haben uns vorher ueber VHF angemeldet, und Immigration wartet schon auf uns.
Dann laufen wir zum Zoll, finden aber niemanden vor, denn sie streiken gerade.
Da wir nicht an diesem Dock bleiben koennen, schickt uns die Hafenbehoerde zur
Renaissance-Marina nebenan.
Diese
Marina gehoert zum feudalen Renaissance/Marriott Hotel-Komplex. Die Lage koennte
nicht besser sein: man ist mitten in der Stadt, zahlt vernuenftige Preise und
geraet in den Genuss vieler Einrichtungen des Hotels, z.B. Privatinsel mit
Flamingos fast zum Anfassen, Privatstrand mit Palmen, Pool, Duschen etc.
Marina-Manager Sanders, ein auf Curaçao geborener Hollaender, wartet schon mit
seinem Dinghy auf uns, um uns in die enge Luecke am Dock zu bugsieren und uns
bei der Loesung allerlei anderer Probleme zu helfen. Er ist ein 5-Sterne Manager
in einer 5-Sterne Marina: er scheut sich nicht, ueberall selbst mit anzufassen,
ist immer freundlich und hilfsbereit – der tuechtigste Manager, den wir bisher
kennengelernt haben. Herzlichen Dank, Sanders!!
Aruba
ist eine hollaendische Insel, die vom Tourismus lebt.Entlang dem langen weissen
Sandstrand der Westkueste reiht sich ein Hotel ans andere, und in den 4 Tagen in
Oranjestad machen 11 gigantische Kreuzfahrtschiffe in unserer Naehe fest.
Was am
meisten ins Auge sticht, wenn man ankommt, ist die bonbonfarbene Architektur:
ein hollaendisch-amerikanisches Disneyland, voller Souvenir- und Schmucklaeden
(alles duty-free), Casinos und Kneipen. Aruba boomt. Aber wenn man ein paar
hundert Meter aus dem Zentrum herauslaeuft, findet man auch echte Karibik bzw.
Echtes Suedamerika. Aruba hat 110 000 Einwohner, davon sehr viele Immigranten
aus Kolumbien, Venezuela und anderen karibischen Inseln.
Am
interessantesten finden wir die Butterfly-Farm, ein tropischer Garten voll frei
fliegender Schmetterlinge. Ein sehr kenntnisreicher Experte erklaert uns an
blauen Morphos, Eulen, Schwarz-weissen Baumnymphen, Monarchen und
Schwalbenschwaenzen jeglicher Farbe den Lebenszyklus der Schmetterlinge: wie
jede Art nur auf einer spezifischen Pflanzenart ihre Eier ablegt und sich von
ihren Blaettern ernaehrt; und dass sie normalerweise nur soviele Eier legen,
dass die Pflanze die Raupen ernaehren kann ohne einzugehen. Wir beobachten einen
Hochzeitstanz: das Weibchen laesst das Maennchen lange tanzen, bis es sich
entscheidet ihn als Partner zu akzeptieren oder nicht. Nur die Kraeftigsten
werden genommen, denn die Begattung dauert 2-3 Tage lang, 100 – 200 Eier
muessen befruchtet werden. Es ist schon Nachmittag, die Schmetterlinge werden
muede und daher besser fotografierbar.
Nachdem
wir tagelang das Wetter im Internet beobachtet haben, entschliessen wir uns, am
Samstag, d. 25. November, die beruechtigte Strecke von Aruba nach Cartagena de
Indias (Kolumbien) zu wagen, 410 Seemeilen. Wir haben Glueck, der Wind blaest
nur mit 20 Knoten und die Wellen sind nur 3-4 Meter hoch, kommen aber aus allen
Richtungen, denn wir haben eine Stroemung aus Sueden, den Wind aus Nordost und
in der Naehe von Barranquilla auch noch den Río Magdalena, der mit 6 Knoten
nach Nordwesten drueckt. Wir segeln 20 Meilen vor der Kueste, und selbst da
koennen wir noch genau die Grenze von blauem Meer- und gruenem Flusswasser
erkennen; sie stossen mit solcher Wucht aufeinander, dass sich hohe Fontaenen
bilden. Unterwegs sehen wir viele Tanker, aber nur 3 weitere Segelschiffe.
Streckenweise begleiten uns Hunderte von Delphinen, und einmal sogar ein Schwarm
von kleinen Walen, mindestens 30.
40
Seemeilen vor Cartagena auf einmal totale Flaute, so dass wir fuer den Rest der
Strecke mit Motor fahren muessen. Am Mittwoch, dem 29. November, Skips
Geburtstag, kommen wir nachts um 2 Uhr an der Einfahrt zur Bucht von Cartagena
an. Diese Einfahrt heisst Boca Grande, ist aber nur 30 Meter breit, und man muss
hoellisch aufpassen, dass man nicht die knapp unter der Wasseroberflaeche
liegende Mauer rammt, die die Spanier als Piratenfalle errichteten. Da uns aber
uebel aussehende Wolken auf den Fersen sind, wagen wir es, trotz Dunkelheit und
Unkenntnis des Gebiets. Was fuer eine Erleichterung, als wir endlich die rote
und gruene Boje passiert haben und uns im sicheren Gewaesser der Bucht befinden!
Im
Schneckentempo tasten wir uns die riesige Bucht hinauf, bis uns ein Tanker und
ein Containerschiff mit boesem Tuten aus dem Weg jagen. Cartagena ist der Hafen,
in dem die Maxi-Containerschiffe, die nicht durch den Panama-Kanal passen,
umgeladen werden. Panikartig raeumen wir das Feld und geben Vollgas, bis wir
gegen 4 Uhr in der Naehe des legendaeren Club Nautico ankern.
C A R T
A G E N A D E I N D I A S
10º
24.80 N 75º 32.50 W
Um 9
Uhr, nach ein paar Stunden Schlaf, kontaktieren wir mit Hilfe eines
einheimischen Lotsen ueber VHF verschiedene Marinas und irren die Bucht au und
ab auf der Suche nach einem Liegeplatz am Dock – und ankern dann zum Schluss
doch wieder in der Naehe des Club Nautico, Treffpunkt vieler Segler in der
Karibik.
Wir
gehen an Land und klarieren problemlos ueber David, den Agenten des CN, ein. Er
macht uns auch bekannt mit John, dem Dockmanager, der uns alle Informationen
liefert, die wir brauchen , um Ersatzteile zu finden und Reparaturen ausfuehren
zu koennen.
Im Club
Nautico finden wir Segler aus aller Welt, darunter alte Bekannte,
Rucksackreisende, die eine Mitsegelgelegenheit nach Panama suchen (die
Panamericana zwischen Kolumbien und Panama ist ja immer noch nicht fertig
gebaut), Kinder, Hunde, einen aelteren Deutschen mit einem riesigen schwarzen
Holzkreuz, der fuer Jesus und Maria im
Wohnmobil um die Welt faehrt, und eine Nonne im schwarzen Habit, die
Kaesebroetchen anbietet. Ein aussergewoehnliches Ambiente.
Ein paar
Strassen entfernt stossen wir auf einen Supermarkt, durch den wir mit staunenden
Augen und offenem Mund laufen, ohne etwas zu kaufen. Er bietet vieles, was wir
schon lange nicht mehr gefunden haben: frisches Schwarzbrot, Himbeeren,
Brombeeren, Truthahn, echten spanischen Chorizo, Schweizer und franzoesischen
Kaese…
Auf em
Weg zurueck bemerken wir, dass ein Schiff aus Palma am Steg liegt. Wir sagen
hallo und treffen Sinto und seine Crew: den beruehmten mallorquinischen
Weltumsegler Sinto, 75 Jhre alt und blind. Erlaedt uns zu sich ein, und bei
spanischem Rotwein tauschen wir Erfahrungen aus, und er erzaehlt uns Geschichten
asu seinem langen Seebaeren-Leben. Es ist unglaublich, wie er ohne Sehvermoegen
sein Schiff perfekt manoevrieren und sich allen Herausforderungen stellen kann!
Wir
haben eine lange Liste von Dingen gemacht, die wir besorgen muessen –
Dichtungen, Schrauben, Schlaeuche, Haken, etc.etc. – und finden Gott sei Dank
William, einen Taxifahrer, der nicht fragt, wo wir hin wollen, sondern was wir
brauchen, so dass er die Fahrt durch das ausgedehnte Stadtgebiet planen kann.
Wir hatten von vielen Leuten gehoert, es waerre schwierig bzw. Oft unmoeglich,
in Kolumbien was zu kriegen, aber mit William erledigen wir alles an einem
Morgen, er kennt jeden Winkel und jeden Fachmann.
Nachdem
wir ein paar Tage auf dem Schiff gearbeitet haben, machen wir uns auf, das
historische Cartagena zu erkunden. Vom CN sind es nur ein paar Schritte bis zum
Puente Román, und dann ist man auch schon an der Stadtmauer, dem Bollwerk von
San Lorenzo, und am Anfang vom
Getsemaní – Viertel. Cartagena ist eine faszinierende Stadt.Sie wurde 1535
von Pedro de Heredia gegruendet und ist voller wunderschoener Kirchen, Kloester,
Palaeste, Plaetze mit schattigen Parks, Haeuser mit von prachtvollen
Schlingpflanzen ueberwucherten Balkonen und
pulsierendem Leben.
Wir
schlendern durch die kuehlen Gassen, durch die immer eine frische Brise weht,
trinken eiskalte Fruchtsaefte aus Limonen, frischen Mangos und Ananas,
fruehstuecken im tropischen Patio von Santa Clara – mit einem Tukan auf dem
Stuhl neben uns,der ab und zu ein Stueck Mango stibitzt -, essen im Claustro vom
Santísimo zu Abend, bewundern in den Bóvedas unter der Stadtmauer kunstvolle
Handarbeiten und wandern fruehmorgens auf der Stadtmauer, insgesamt 8 Meilen.
Die Spanier bauten riesige Befestigungsanlagen und Mauern um Cartagena herum, um
sich so vor den englischen, franzoesischen und hollaendischen Piraten zu
schuetzen, die versuchten, ihnen die Schaetze zu rauben, die sie selbst den
Indianern Suedamerikas gestohlen hatten und die sie in Cartagena horteten, um
sie dann auf ihren Galeonen nach Spanien zu verfrachten.
Cartagena
ist ein Traum, man sollte es besuchen. Man koennte wochenlang durch die Stadt
streifen und immer wieder etwas Neues entdecken. Seglern, die einen guten Platz
fuer die Hurrikan-Saison suchen, koennen wie die Bucht von Cartagena nur
empfehlen. Erleichtert haben wir auch besonders nach unseren
Venezuela-Erfahrungen festgestellt, dass man sich in Cartagena so sicher fuehlen
kann.
Cartagena
gehoert zum Kulturerbe der Menschheit wie Venedig. Vieles in der Altstadt ist
schon saniert, aber es wird auch noch viel restauriert und repariert, die
Probleme vor allem mit der Infrastruktur sind gross. Aber die Stadt boomt –
die Altstadt und auch Viertel wie z.B. Bocagrande, das uns bei unserer
naechtlichen Ankunft vorkam wie Manhattan. Klar gibt es auch hier viel Armut –
es ist immer noch die zweitaermste Stadt Kolumbiens. Aber man hat das Gefuehl,
dass sich etwas tut. Es gibt viele kompetente Menschen, die sich maechtig ins
Zeug legen, um die Situation zu verbessern.
Wir
gehen in eine Buchhandlung, Abaco, trinken dort einen wuerzigen kolumbianischen
Kaffee und freunden uns mit Javier an. Er erzaehlt uns, dass er einen Freund
hat, Gonzalo, der seit zwei Jahren ein klassisches John Alden-Segelschiff
restauriert und uns vielleicht behilflich sein koennte, denn wir haben seit
einigen Wochen immer viel Wasser in der Bilge und muessen das Schiff aus dem
Wasser holen und neu kalfatern.
Wir
treffen uns mit Gonzalo – Architekt, Maler, Historiker-, und er zeigt uns sein
Schiff – Angelo – und erzaehlt uns dessen faszinierende Geschichte und wie
er es buchstaeblich in letzter Minute vorm Abwracken gerettet hat. Danach
besichtigen wir mit ihm und seinem Freund Mario –dem contramaestro auf dem
3-Master Gloria, Schulschiff der kolumbianischen Kadettenschule –in
Cartagenita eine kleine Werft.
Am
Mittwoch, dem 6. Dezember, fahren wir die Bucht hinunter und durch einen
Mangrovenkanal zur Ferroalquimar-Werft, wo die Ragnar mit einem Travelift aus
dem Wasser geholt und aufgebockt wird. Nach ueber einem Jahr in tropischen
Gewaessern ist der Rumpf noch erstaunlich sauber, kaum Algen und Muscheln.
Nachdem wir 2 Tage geschrubbt und abgeschliffen haben (es gibt hier keine
Hochdruckreiniger) ist alles vorbereitet fuer Estéban. Er ist Kalfaktor, und
wir haben ihn ueber Gonzalo kennengelernt; er ist 60 Jahre alt und hat 45 Jahre
Erfahrung. Er haemmert an den undichten Stellen das Sicaflex heraus und
kalfatert neu, ohne Pause, 8 Stunden am Tag, zwei Tage lang. Wir staunen, und
alle Arbeiter auf der Werft kommen herbei und staunen auch. Dann Anstrich mit
Anti-Fouling und zurueck ins Wasser, und das alles in 5 Tagen – ein Rekord
fuer hier.Die Arbeit ist perfekt, das Schiff leckt nicht mehr. Wir fahren wieder
zurueck zum CN, wo John gluecklicherweise einen Platz am Dock fuer uns hat!
In den
letzten Tagen haben wir regelmaessig das Wetter im Internet geckeckt und
beschlossen, am Sonntag, d. 17. Dezember,das “Juwel der Karibik” zu
verlassen. Juwel in jeder Hinsicht: als Kulturerbe und auch was die
Freundlichkeit und Professionalitaet der Leute angeht. Einen besonderen Dank
noch mal an Javier, Gonzalo und Mario, den gran maestro Estéban, Germán
Spicker von “Ignacio Sierra”, William und John!
Fruehmorgens
am Sonntag, 17. Dezember, verlassen wir Cartagena. Die enge Bocagrande Ausfahrt
erscheint uns dieses Mal noch schmaler als in der Nacht unserer Ankunft. 24
Stunden lang motorsegeln wir die 170 Seemeilen hinueber nach
Panama- das Meer ist glatt, es weht nur ein leichter
NO-Wind, wir fuehlen uns wie im D-Zug. Und dann sehen wir das
Kuestengebirge und die ersten Riffe und Inseln. Der Pazifik ist ganz nah, aber
bis dahin gibt es noch viel zu erkunden.
Wir sind
jetzt in Kuna-Yala, dem autonomen Gebiet der Kuna-Indianeer, comarca de San Blas
in Spanisch. Die Kunas sind eine der staerksten indianischen Nationen in
Amerika. Sie haben ihre Sprache erhalten (viele, vor allem Frauen, sprechen
ueberhaupt kein Spanisch) und ihren besonderen Lebensstil und die traditionelle
Hierarchie der Stammesfuehrer auf lokaler und nationaler Ebene. Ihr Gesetz, dass
das Land allen Kunas gehoert, hat eine Trennung von Reich und Arm verhindert.
Welche
von den 360 Inseln und Eilanden sollen wir zuerst besuchen? Ein Blick auf die
Seekarte genuegt: wir entscheiden uns fuer Snug Harbor und hoffen, dass er
seinem Namen Ehre macht! Wir schlaengeln uns durch enge Luecken von Riffen,
tasten uns an Sandbaenken vorbei und ankern schliesslich in einem tiefen,
geschuetzten Becken zwischen fuenf unbewohnten Kokosinseln. Das Wasser ist so
ruhig wie ein Teich.
Sofort
kommen 4 neugierige Jungs im Einbaum (Ulu) angepaddelt. Erst stehen sie im Ulu
und klammern sich an der Bordwand fest; dann klettern sie hoch und etzen sich
auf die Reling, und dann werden wir Freunde und machen es uns gemuetlich. Sie
sprechen etwas Spanisch und nennen uns u.a. die Namen und Preise von Fischen,
Obst und Gemuese etc., so dass wir gut vorbereitet mit all den Verkaeufern in
Einbaeumen verhandeln koennen. Sie
essen genuesslich die spanischen Weihnachtsgutseln, die Dani ihnen schenkt, wir
geben ihnen Buntstifte, und dann springen sie Hals ueber Kopf in das Ulu und
paddeln von dannen, denn einer der Sailas (Aeltesten) des Dorfs erscheint.
Er
stellt sich vor und erklaert ernst, dass es in Playón
Chico den Kunas nicht erlaubt ist, an Bord von Yachten zu gehen. Sie
koennen in ihren Einbaeumen sttehen und verkaufen, das ist OK.
Wir
bezahlen 5 $ Ankergebuehr (Panama hat den Balboa als Waehrung, aber es ist der
US-Dollar; die Scheine sind dieselben, nur einige Muenzen praegen sie selbst)
und kriegen eine Quittung. Jetzt koennen wir so lange bleiben wie wir wollen und
auch das Dorf ansehen. Dann kaufen wir drei groessere Fische fuer 1 $ und kochen
ein leckeres Essen.
Am
naechsten Morgen paddeln wir von einer Insel zur anderen. Diese winzigen Eilande
voller Kokospalmen gehoeren jeweils einer Familie aus dem Dorf. Das Stehlen auch
nur einer Kokosnuss wird empfindlich bestraft. Spaeter fahren wir nach Playón
Chico, dem 1 172 Meilen entfernten Dorf. Auf einer kleinen Insel draengen sich
300 – 400 Wohnhuetten, Kuechenhuetten und Latrinenhuetten, alle aus Bambus
gebaut und mit Palmwedeln (pencas) gedeckt und umgeben von Bambuszaeunen. In den
Patios Mango- und Brotfruchtbaeume, Noni-Buesche (Heilpflanze), Bananenstauden.
Wir
fahren neben einen Einbaum, der an einem Bambuszaun vertaeut ist. Ana und ihre
Familie laden uns zu sich ein, und wir machen unser Dinghy fest und klettern in
ihren Patio. Wir sitzen um das Herdfeuer, und die Frauen zeigen uns ihre Molas,
kunstvolle Handarbeiten in Applikationstechnik, die sie als Einsaetze fuer ihre
Blusen verwenden und die auch z.B. schoene Kissenbezuege sind. Wir kaufen zwei.
Danach
zeigt uns Ana ihr Dorf und die Bruecke, die hinueber zum Festland fuehrt, wo es
eine Schule gibt und daneben eine Landepiste fuer kleine Flugzeuge. Strassen
gibt es in Kuna Yala so gut wie nicht. Im Dorf gibt es auch 6 Kirchen- von den
Mormonen bis zu den Katholiken und Baha’I ist alles vertreten.
Wir
schlendern die Startbahn hinauf und folgen einem Pfad entlang den Fluss, den wir
mehrmals auf Baumstaemmen, und
klettern dann einen steilen, lehmigen Huegel hinauf zum Friedhof. In dieser
geweihten Erde werden die Toten in tiefen Graebern bestattet. Ueber dem
Grabhuegel wird ein Palmdach errichtet, daneben befinden sich Kuechenhuetten, in
denen Frauen des Dorfs kochen, essen und in Haengematten liegen.Manche Frauen
verbringen Monate auf dem Friedhof, um ihre Verstorbenen mit guttem Ratschlag
auf ihrem Weg ins Jenseits zu begleiten. Die Atmosphaere ist entspannt,
froehlich, und der Bñlick auf das Meer und die Inseln ist atemberaubend. Eine
Frau sitzt am Grab ihres Sohnes und betet, aus einem Kessel steigt der Rauch von
reinigenden Kraeutern. Wir koennen die Frauen in ihrer bunten Tracht
fotografieren (eine ihrer wenigen Einkommensquellen) und laufen dann wieder den
Huegel hinunter und muessen ueber die Landebahn rennen, weil ein Flugzeug zur
Landung ansetzt.
Im Dorf
kaufen wir in einem Laden 2 Colas und 2 Zigaretten und unterhalten uns mit
einigen Dorfbewohnern.Nach dem feuchtheissen Dschungelausflug sitzt es sich
angenehm kuehl in der dusteren Huette. Dann gehen wir ueber die sandigen Pfade
zur Brothuette und kaufen kleine Brotzipfel, die wie ein Mini-Einbaum aussehen
und frisch aus dem Ofen und mit Butter koestlich schmecken.
Wir
brauchen Obst, aber im Laden gibt es nichts. Also gehen wir zu einer Huette mit
einem grossen Mangobaum, und ein Junge klettert hinauf und pflueckt uns sechs.
Danach suchen wir jemanden, der eine Bananenstaude besitzt. Und damit ist das
Fruehstueck fuer den naechsten Tag gesichert, und Ana fuehrt uns durch das
Gewirr von Huetten zurueck zum Dinghy. Allein haetten wir es nicht leicht
gefunden.
Dani
eroeffnet uns, dass er sich unbedingt einen Einbaum zulegen will. Nach 2 Stunden
wird er tropfnass von einem Kuna zurueckgebracht. Er hatte ein kleines
Kanu fuer 20 $ gefunden, wollte es aber erst ausprobieren. Da
er ja 2 Meter gross ist, passte er aber nicht ganz hinein, verlor das
Gleichgewicht und fiel nach 100 m mit Rucksack und Kamera ins Wasser und verlor
einen Schuh. Die Leute vom Dorf retteten ihn und keonnen jetzt ihren Nachkommen
eine witzige Geschichte mehr erzaehlen… Und Dani hat die Einbaum- Idee
aufgegeben: waere sowieso viel zu schwer und sperrig gewesen. Zum Abendessen
kocht Dani eine grosse Garnele und mehrere Langostinos. Davon gibt es hier an
den Riffen jede Menge.
Am 21.
Dezember fahren wir 18 Seemeilen weiter nach Isla Tigre, Digir Dupu, eine kleine
kreisrunde Insel voller Palmhuetten. Am Dock begruesst uns Eduardo und fuehrt
uns zur Sailatura, wo wir uns vorstellen und unsere Ankergebuehr entrichten. Das
noerdliche Ende der Insel ist eine einfache, aber romantische Bleibe fuer Lonely
Planet-Touristen, die hierher mit ihren Kajaks kommen und Trekking durch den
Urwald machen. Vom Dorf ist dieses Hostal durch eine Bambuszaun getrennt. Das
Dorf selbst macht einen sehr sauberen und ordentlichen Eindruck, es liegt kein
Abfall herum, die Sandwege sind gefegt und breit. Alle Frauen haben Mola-Blusen
an, Wickelroecke mit geschmackvollen Mustern, breite Waden- und Armbaender aus
Perlen, Halsketten aus feinen Goldplaettchen, goldene Nasenringe, orange
Kopftuecher und etwas Gesichtsbemalung.
Wir
essen im Hostal zu Abend und gucken uns ein paar Kuna-Taenze an, denn sie feiern
gerade ein Fest. Dann begleitet uns Eduardo durch die stockdunkle Nacht (es gibt
hier keinen Strom) zum klapprigen Dinghy-Anleger, und ich frage: Gibt es hier
auch Krokodile? Und Eduardo antwortet trocken: Nur in Naechten, in denen die
Hunde NICHT bellen. Skip hat mich noch nie so schnell paddeln und aufs Boot
klettern gesehen…
Am 223.
Dezember ankern wir 6 Meilen weiter westlich in der Bucht von Narganá, einem
“moderneren” Dorf mit Palmhuetten, aber auch vielen Hohlblockhaeusern,
Kirchen, Schulen, einer Bank (die aber keine Kreditkarten nimmt) und Strom von
einem Generator. Zusammen mit Corazón de Jesús auf der Nachbarinsel, mit der
es ueber eine wacklige Bruecke verbunden ist und wo es auch eine Klinik gibt,
haben sie eine Bevoelkerung von 2600 Personen. Minuten nach unserer Ankunft
heisst uns Federico willkommen und bietet uns seine Dienste an: Waesche waschen,
Muell entsorgen, Benzin besorgen und Essen.
Gegen
Mittag faehrt er mit uns durch das mit Baumstaemmen und Aesten ueberaete
Mangrovendelta des Río Diablo. Wir folgen dem maeandernden Fluss, vorbei an
vielen Kokospalmen, Bananenstauden, Yucafeldern, gigantischen Mangobaeumen und
Bambus. Wir sehen weisse Kraniche, giftgruene Papageien und rotkoepfige Spechte.
Keine Alligatoren und keine Affen; letztere kommen erst im Mai, wenn die Mangos
reif sind. Sie wissen, was lecker ist.
Federico
ueberredet uns, ueber Weihnachten hier zu bleiben. Skip soll Santa Claus
spielen. Waehrend sich Dani am 24. Dezember einen –diesmal- grossen Einbaum
mietet und den Teufelsfluss hinaufrudert, zwaengt sich Skip in seinen roten
Schlechtwetter-Anzug (ausgestopft mit Kissen) und setzt seine rote
Nikolausmuetze auf und schultert eine grosse gruene Tasche voller Lutscher und
Bonbons. Auf Skips Draengen begleite ich Federico und Sta. Claus im elfengruenen
Outfit und fotografiere unseren Zug durch die Gassen. Wir werden in beiden
Doerfern von Hunderten von Kindern und Erwachsenen umdraengt. Alle haben einen
Mordsspass, und Federica sagt unentwegt, dass dieses Ereignis in die Annalen des
Dorfes eingehen wird.
Als wir am Weihnachtsmorgen weiter nach Green Island, Kanildup, segeln, ist das Cockpit voller fetter weisser Larven!? Als wir die Persenning vom Grosssegel schuetteln, fallen noch mehr Larven herunter. Wir hissen das Segel und sehen zu unserem Erstaunen einen fetten Flying Fish in den Falten, schon halb gefressen von den Larven. Der Fisch kann nur in der Nacht der Ueberfahrt von Cartagena da gelandet
sein.
Wir
gehen auf dem 200 Quadratmeter kleinen Eiland Waisaladup an Land und fuehlen uns
wie Robinson Crusoe. Wir finden viele interessante Muscheln und Fischknochen im
Sand, ein Sting Ray zieht ruhig am Wasserrand entlang und riesige Seesterne-
Weihnachtssterne! – liegen ueberall im kristallklaren Wasser. Ein Kuna-
Fischer verkauft uns 3 frische cureles fuer 1 $, und wir machen ein
Weihnachtsessen.
Nachmittags
kommt ein uns unbekanntes Paar im Dinghy ans Schiff, Renate und Dieter
von “Symi”. Sie meinen, wir haetten gemeinsame Freunde in Frankfurt,
die Veteranos, fuer die jedes Jahr im Mai unser Freund Pit Knorr in seiner Finca
in Mallorca ein Boule-Tournier organisiert. Kleine Welt!
Am 26.
Dezember fahren wir weiter westlich durch das Insellabyrinth von San Blas,
vorbei an zahllosen Eilanden mit nur einer
oder zwei Kokospalmen, kaum gross genus, um Insel genannt zu werden. Am
fruehen Nachmittag ankern wir mit Hilfe der Brueder Idelfonso und Venancio
gegenueber dem Dock von Mormake Dupu. Die Brueder haben 3 Container mit Molas
mitgebracht, die sie alle im Cockpit ausbreiten. Venancio ist ein wahrer
Mola-Meister und viele seiner Stuecke sind unwiderstehlich. Wir kaufen zwei,
obwohl wir nicht mehr viel Bargeld haben und es in Kuna Yala keine Moeglichkeit
gibt, an Geld zu kommen.
Dann
begleitet uns Idelfonso ins Dorf, um uns dem Saila vorzustellen. Er fuehrt uns
in den “congreso”, die grosse Versammlungshuette, wo sich alle Erwachsenen
des Dorfs jeden Abend einfinden um zu beten und Dorfangelegenheiten zu
besprechen. Der erste Saila ist gerade auf Reisen, deshalb empfaengt uns der
dritte und fordert uns auf, auf einer Bank Platz zu nehmen, vor der der zweite
Saila bequem in einer Haengematte liegt. Idelfonso, der gut Englisch und
Spanisch spricht, praesentiert unseren Fall dem Saila, der nur Kuna versteht.
Der Saila hoert gelangweilt zu und erteilt uns dann die Erlaubnis, einen Monat
lang Gast seines Dorfes zu sein. Kostet 5 $. Wir danken dem Saila fuer sseine
Gastfreundschaft, schuetteln ihm freundlich die Hand und besichtigen das Dorf.
Danach
zeigt uns Idelfonso seine eigene geraeumige und ordentliche Huette.
Im
erstaunlich kuehlen Schlafraum, wo er mit seiner Frau und fast 2jaehrigen
Tochter in Haengematten schlaeft, zeigt er uns einen grossen Korb von Nuchus;
das sind Holzpuppen, die als lebendige Wesen gelten und die Bescvhuetzer seiner
Tochter sind.Sie wehren ueble Einfluesse ab und uebertragen gute Eigenschaften
auf das Kind.Bilder duerfen wir von den Nuchus nicht machen, sie koennten deas
uebelnehmen oder ihre Kraft verlieren. Wir verstehen das.
Mormake
Dupu ist das authentischste und sauberste Inseldorf, das wir bisher gesehen
haben. Es ist eine kleine Gemeinde von nur 14 Familien, etwa 300 Leute – eine
Familie zaehlt eta 20 Personen, manchmal mehr, manchmal weniger. Die Insel ist
winzig und dicht bebaut mit Bambushuettenzwischen denen sich Sandpfade winden.
Fast alle Frauen sind traditionell gekleidet. Es gibt zwei Fernsehgeraete (mit
Batterie),keinen Strom, keine staaendige Berieselung von CDs oder Radios. Die
Leute stehen vor dem , Morgengrauen auf; die Frauen machen Feuer, die Maenner
fahren mit den Ulus zum Fischen hinaus oder aus Festland, wo sie im
Urwald Obst und Gemuese ernten oder Palmwedel,
Bambus, Feuerholz oder Staemme holen.
Die
meisten Maenner kommen gegen Mittag zurueck und widmen den Rest des Tages ihren
Familien und dem Dorf. Alle groesseren Arbeiten wie Hausbau oder Bootsbau werden
gemeinsam gemacht. Es ist ein sehr arbeitsames, ruhiges und friedliches Leben.
Und ausserdem ein gesundes Leben: die Menschen hier haben im allgemeinen sehr
durchtrainierte Koerper, sie sind ja staendig in Bewegung. Wir fuehlen uns
rundum wohl hier, wie verzaubert. Die Leute sind sehr freundlich, kommen ans
Schiff, um Fische oder Papayas oder Brot zu verkaufen oder ein Schwaetzchen zu
halten.
Am
Abend, gegen 19 Uhr, es ist schon stockdunkel, kommen Idelfonso, seine Frau,
seine Tochter und 2 huebschen Nichten uns besuchen. Wir machen den Einbaum am
Schiff fest, und alle Frauen klettern die Leiter hoch, die wir an die Reling
gehaengt haben, denn die Kunas sind sehr kleinwuechsig. Wir fuehlen uns wie
Riesen in ihren Doerfern. Alle beaeugen neugierig alles auf dem Schiff. Dani
macht Kaffee und holt die letzten spanischen polvorones (Weihnachtsgebaeck)
hervor, und wir verbringen ein paar gemuetliche und sehr vergnuegliche Stunden
zusammen. Zum Schluss dauert es eine Weile, bis die Frauen herausgefunden haben,
dass man die Leiter umgekehrt hinunterklettern muss. Kichernd und plappernd
steigen sie in den Einbaum und verschwinden im Dunkeln.
Wir
sitzen noch eine Weile im Cockpit und sehen ploetzlich in der Ferne ein grosses
Feuer, das immer groesser wird. Auf dem Dorfdock versammeln sich die
Dorfbewohner aufgeregt und stuerzen dann in ihre Boote, denn die Nachbarinsel
Soledad Miriá steht lichterloh in Flammen! Idelfonso kommt vorbei und fragt, ob
wir helfen koennen, falls sie uns brauchen. Natuerlich. Man sieht das
gigantische Feuer aus grosser Entfernung, und ueber Funk setzen sich schnell
alle Schiffe miteinander in Verbindung. Viele wagen in der Dunkelheit die
riskante Fahrt an den Riffen vorbei, um nach Mormake Dupu zu gelangen, wohin die
Leute von Soledad evakuiert werden sollen.
Um
Mitternacht haben ein paar Deutsche kurz nach ihrer Ankunft schon eine
Erste-HilfeStation eingerichtet, komplett mit Generator und dem einzigen
elektrischen Licht der Insel. Um Mitternacht wird das Feuer kleiner. 114
Familien haben alles verloren, Haus, Kleidung, Essen. Gluecklicherweise gibt es
nur wenige und nur leicht Verletzte, denn die Leute haben sich alle ins Wasser
gerettet, wobei einige allerdings in Seeigel getreten sind. Am naechsten Morgen
schicken alle Inselgemeinden und Segler der weiteren Umgebung Hilfe in Form von
Kleidung, Nahrung, Wasser, Haushaltutensilien und allem , was sie entbehren
koennen.
Das
Feuer wurde von einer explodierenden Gasflasche in einer Huette ausgeloest.
Idelfonso sagt, dass das mit dem traditionellen Herdfeuer nicht haette passieren
koennen. Die Regierung in Panama hat Hilfe zugesagt und will den Erwerb von
neuen Gasflaschen subventionieren. Nicht nur Idelfonso fragt sich einmal mehr,
ob Modernitaet wirklich so ein Fortschritt ist.
Kuna
Yala ist ein Land von seltener Schoenheit, und wir koennten hier ewig
bleiben…Wir moechten am liebsten gar nicht mehr weg,
vor allem als Idelfonso uns draengt,
doch noch bis zum Pubertaetsfest von zwei Maedchen
Anfang Januar zu bleiben. Das ist jedes Mal ein grosses Ereignis. Neben
dem congreso wird eine kleine Huette gebaut, in der die Maedchen 2 Tage vor dem
Fest mit ihren Muettern wohnen und belehrt werden. Waehrend des etwa 3 Tage
dauernden Fests werden Rituale durchgefuehrt, deren Sinn uns niemand so richtig
erklaeren kann, aber es handelt sich wohl darum, dass die Maedchen auf ihre
Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet werden. Symbolisch werden Haengematten
fuer sie geflochten und von den Medizinmaennern des Dorfs Pakete aus
Bananblaettern geschnuert, die Essen, Federn Rasseln, Muscheln u.ae. enthalten;
wohl damit es ihnen an nichts mangeln moege.
Normalerweise
trinken die Kunas sehr wenig, aber so ein Fest ist eine gute Gelegenheit, sich
mal so richtig zu berauschen. Lange vor dem Fest sammeln sie Mengen von
Zuckerrohr, pressen es zu Saft und lassen es in grossen Kruegen gaeren. Ab und
zu wird es von 4 ausgesuchten Maennern probiert, die dann auch entscheiden, wann
die chicha fertig ist und wann das Fest stattfinden wird.
Idelfonso
kommt und sagt, der Saila habe von Skips Santa Claus-Vorstellung in Narganá
gehoert und bitte ihn, dasselbe doch auch in seinem Dorf zu machen. In Mormake
Dupu sind sie besser vorbereitet und bringen einen richtigen Nikolausanzug. Skip
zwaengt sich hinein, und auf geht’s mit einem grossen Sack voller Bonbons.
Zuerst machen wir eine Begruessungsrunde durch’s Dorf, begleitet von allen
Kindern und vielen Erwachsenen; dann eine zweite Runde, wo alle Kinder vor ihren
Huetten beschenkt werden; danach geht’s zum Dorfplatz, wo Skip und Idelfonso
Bonbons in die Luft werfen und alle unter viel Gelaechter versuchen, so viel zu
fangen wie sie koennen.
Am
Norgen des 3. Januar ist es so weit: wir werden zum Chicha-Fest eingeladen! Wir
gehen in die Versammlungshuette, die Frauen auf einer Seite, die Maenner auf der
anderen. Um die Stuetzpfeiler in
der Mitte der Huette fangen die Maenner an, unter
wilden stampfenden Tanz Zoepfe aus langem Bast zu flechten; alle paar
Minuten halten sie kurz inne und leeren eine Kalebasse mit Chicha. Nachdem die
Zoepfe geflochten sind, wird auch uns Chicha angeboten. Man muss die Kalebasse
austrinken, sie wieder fuellen lassen und dem naechsten reichen. Die erste
Schale mit dem schmutzigbraunen Gebraeu ist nicht so leicht zu schlucken,
aber nach der dritten und vierten schmeckt es besser und besser… Nach
zehn Schalen (nichts im Vergleich zu den Mengen, die die Leute aus dem Dorf, zu
sich nehmen) tanzen und stampfen wir auch. Wie sie das 3 Tage lang aushalten ist
ein Raetsel. Zwei Schalen am folgenden Tag sind genug, um uns sofort wieder
total betrunken zu machen.
Die
Atmospaere waehrend des ganzen Chicha-Fests ist sehr friedlich und entspannt.
Jeder redet mit jedem, der Saila singt Blues in Spanisch, mit einem seligen
Laecheln; die Frauen liegen in ihren Haengematten und rauchen ihre Pfeifen und
kichern; Leute halten sich an den Bambuswaenden fest und stolpern auf die
Baenke; andere spielen Bambusfloeten und tanzen und nehmen ab und zu einen
Schluck aus der Kalebasse. Keiner wird laut oder aggressiv.
Am 5.
Januar haben wir genug gefeiert und
fahren in Idelfonsos Einbaum zum Río Esadi auf dem Festland. Wir sind zusammen
mit noch ein paar anderen Seglern neun Personen in dem engen Boot. Unsere Kniee
beruehren beide Seiten des Kanus, und wenn jemand sich etwas zur Seite lehnt, um
nach vorne zu gucken, kippt das Ulu fast um. Es ist ein Wunder, wie die Kunas in
diesen wackligen Gefaehrten so weite Strecken ueber den offenen Ozean
zuruecklegen koennen.
Am
Samstag, dem 6. Januar, segeln wir um die Riffe herum nach den Cartí Inseln
weiter westlich. Die schoenste der vier Inseln ist Yantupu mit 300 Leuten. Ein
aufgeweckter Junge, Rudi, zeigt uns stolz sein blitzsauberes Dorf. Jede Huette
ist umgeben von Blumenbeeten und einem Gemuesegarten und Obstbaeumen. Die Leute
sind sehr traditionell, sehr freundlich und sehr stolz auf ihre Kultur. Sie
vermieten auch 2 oder 3 Huetten, und wenn man ein entlegenes indianisches Dorf
besuchen moechte, waere diese Insel ein gutes Ziel.
Zwei
Tage spaeter segeln wir hinueber zu den Lemon Cays und ankern zwischen den
aeusseren Riffen, nahe einem winzigen Eiland, wo wir wieder auf Renate und
Dieter aus Frankfurt stossen.
Am 9.
Januar verlassen wir die San Blas Inseln Richtung Colón am atlantischen Ende
des Panama-Kanals. Mit gutem Wind segeln wir mit teilweise 10 Knoten
nah entlang der Kueste, innerhalb der Riffe. Etwa eine Stunde vor uns
haben wir ein anderes Segelboot, bis wir uns der Isla Grande naehern. Das andere
Schiff nimmt die aeussere, sicherere Route, waehrend wir uns durch eine enge
Passage zwischen der Insel und dem Festland wagen und dann als Erste in Puerto
Garrote gegenueber der Isla Linton ankommen, wo wir die Nacht ueber ankern.
Am
naechsten Morgen wieder eine Rauschefahrt die Kueste entlang, dann durch das
Breakwater von Colón bis zum Ankerplatz in den Flats, kurz vorm Kanal. Von
ferne sehen wir etwa 100 Tanker und Frachtschiffe vor Anker liegen
und warten, dass sie den Kanal durchqueren koennen. Alle 24 Stunden passieren
zwischen 35 und 40 grosse Schiffe den Kanal.
Colón
koennte eine schoene Stadt sein, aber es scheint, als ob es von Amerikanern und
auch den Panameños vergessen worden ist. Die Haeuser sind in fuerchterlichem
Zustand, die Strassen voller Muell und Dreck, und eine hohe Verbrechensrate
macht es Auslaendern schier unmoeglich, durch die Stadt zu laufen. Deshalb haben
wir leider keine Bilder machen koennen.
Ueber
unseren tuechtigen Agenten Roberto bereiten wir den Transit vor: Zoll,
Immigration, Hafenbehoerde, Kanalbehoerde, Vermessungsbehoerde. Der Ankerplatz
in den Flats ist einer der dreckigsten, den wir je gesehen haben: eine brennende
Muellhalde in der Naehe, Bulldozer die Erdverschiebungen machen, riesige Tanker
und Frachter die verladen werden und schmutzige
Abgase und Zement und was nicht alles açausspucken. Das ganze Schiff ist mit
einer oeligen Schmutzschicht ueberzogen. Wenn wir vom Cockpit zum Bug laufen,
sind unsere Fusssohlen pechschwarz.
Schliesslich
werden wir informiert, dass wir am Donnerstag, d. 17. Januar um 17 Uhr durch den
Kanal fahren sollen. Aber um 14 Uhr bekommen wir eine Funknachricht, dass wir
erst um 19.30 dran sind. Und dann erscheint unser Lotse um 17.30 und sagt,
let’s go.
Also
holen wir in aller Eile den Anker hoch und fahren Richtung erste Schleuse –
bis der Lotse sagt, wir waeren viel zu schnell, wir muessten langsamer fahren…
Nicht so einfach mit einem Rueckenwind von 25 Knoten. Wir muessen
die 6 Meilen bis zur Gatún-Schleuse im Rueckwaertsgang fahren, damit wir
langsam genug sind…
In der
Schleuse gehen wir laengs einem zu einere Yacht umgebauten Fischtrawler. Mit
Hilfe von professionellen linehandlers, Robertos Bruedern, machen wir uns mit 6
Leinen fest. Wir sind froh, diese Hilfe an Bord zu haben, denn die Angelegenheit
ist nicht so einfach, wie man denkt. Die Tore schliessen sich hinter uns, und
das Wasser in der Schleuse faengt an wie in einer Waschmaschine zu brodeln.
Nachdem
wir 27 Fuss gehoben worden sind, oeffnen sich die Tore, wir loesen alle Leinen
und warten, bis der Trawler in der naechsten Schleuse ist. Und nochmal:
laengsseits gehen, vertaeuen, die Tore schliessen sich wieder, das Wasser
sprudelt bis zum naechsten Level in die Schleuse. Danach wiederholt sich die
Prozedur ein drittes Mal, bis wir auf dem Niveau des Gatún-Sees sind, 26 Meter
oder 85 Fuss ueber dem Meeresspiegel.
Dann
motoren wir durch die stockdunkle Nacht bis
zu einer riesigen bequemen Boje (etwa 3m im Durchmesser) im See, an der wir
festmachen und der Lotse von Bord geht.
Am
naechsten Morgen wecken uns die Affen mit ihrem Gekreisch bevor gegen 6 Uhr der
naechste Lotse ankommt. Wir fahren in aller Eile ab, durch den Monkey Cut und
den Banana Channel – die kuerzere Route fuer
kleine Schiffe durch den groessten kuenstlichen See der Welt, Lake Gatún. Nach
einer Weile meint der Lotse wieder mal, dass wir viel zu schnell waeren. Wir
fahren im Leerlauf und driften etwa 40 Meilen ueber den See und den Kanal bis
zur Pedro Miguel- Schleuse. Wir sind immer noch etwa eine Stunde zu frueh dran
und bitten den Lotsen, doch irgendwo festmachen zu duerfen, weil wir einfach
nicht langsamer fahren koennen. Kurz vor der Centennial Bruecke, einer
wunderschoenen, fast aetherischen Konstruktion (von Bilfinger vor ein paar
Jahren gebaut), machen wir an einer Mauer fest und essen erst mal gemuetlich zu
Mittag.
Anderthalb
Stunden spaeter fahren wir in die Pedro Miguel-Schleuse und machen an einem
dreistoeckigen Ausflugsdampfer mit etwa hundert amerikanischen Touristen
fest. Alle winken und knipsen uns und fragen uns Loecher in den Bauch. Danach
fahren wir noch durch die zwei Kammern der Miraflores-Schleuse, bis wir wieder
auf Meerreshoehe sind.
In Colón
hatten sie uns gesagt, wir sollten auf jeden Fall angeben, dass unser Schiff
bequem 8 Knoten fahren koenne, damit wir nicht eine Strafe von 440 $
zahlen muessten wegen Langsamkeit. Durch den gesamten Kanal waren wir aber nie
schneller als 4 Knoten und ueber lange Strecken im Rueckwaertsgang oder
Leerlauf….
Nach der
Miraflores-Schleuse fahren wir durch den Balboa Reach, fahren unter der Puente
de las Americas hindurch und zur Tankstelle im Balboa Yacht Club, wo wir Diesel
und Wasser tanken und leider keinen Platz zum Ankern finden.
Jetzt
wissen wir nicht, wohin. Es gibt in Panama City nicht viele Yacht Clubs oder
Ankerplaetze, und Januar ist
Hauptsaison, alles ist voll. Ausserdem gibt es hier einen grossen
Gezeitenunterschied von 5 bis 6 Metern. In unserer Not rufen wir Roberto,
unseren Agenten in Colón, an. Er sagt, wir sollten in die Playita de Amador Bay
fahren. Normalerweise darf man da nicht ankern, aber der netten Lady, die uns
von ihrem Buerofenster aus sehen kann, muss unser Schiff wohl gefallen haben,
denn sie sagt, es waere OK.
Jetzt
sind wir also im Pazifik! Wir haben das Gefuehl eine Grenze ueberschritten zu
haben. Jetzt beginnt ein neues Kapitel unserer Reise.
8º 54.80 N 79º 31.50 W
Islas Perlas Inseln
8º 37.60 N 79º 01.70 W Contadora
8º 15.97 N 78º 55.21 W La Esmeralda, Isla del Rey
Wir bleiben von Mitte Januar bis Mitte Februar in Panama City, eine Metropole, die mit ihrer Skyline von weitem an Manhatttan erinnert. Von Playita de Amador aus, wo wir vor Anker liegen, muessen wir ueber einen etwa 6 km langen Deich fahren, der mit Aushub vom Kanalbau gebaut wurde und drei kleine ehemalige Inseln verbindet. Dieser Causeway ist ein Wellenbrecher und schuetzt die Kanaleinfahrt auf der pazifischen Seite. Das Aufschuetten wird immer noch fortgesetzt und der Deich verbreitert. Es werden darauf Messezentren, Museen, Parks, Geschaeftsviertel und Restaurants gebaut.
Wenn wir ueber diesen Causeway in die City fahren, kommen wir zuerst durch Balboa, ein Viertel, das frueher zur amerikanischen Kanalzone gehoerte und auch heute noch Sitz der Kanalgesellschaft ist. Man fuehlt sich da immer noch wie in den USA, alles ist grosszuegig angelegt, es gibt viele Parks, alles ist gepflegt.
Weiter entlang der Bucht kommt man nach Sta. Ana, ein voellig heruntergekommenes Viertel, wo man als Gringo oder als Europaeer besser nicht herumlaufen sollte. Daran grenzt die Altstadt, die gerade saniert wird. Einzelne Haeuser, Strassen und Plaetze sind schon sehr schoen restauriert worden und geben einem eine Ahnung von dem alten kolonialen Lebensstil. Wenn die Sanierung mal abgeschlossen ist, wird dies ein Viertel mit ganz besonderem Flair sein. Man findet dort Gallerien, das phantastische Kanal-Museum, Regierungsgebaeude, grosszuegige Wohnhaeuser, kleine feine Restaurants, Bars, Buchlaeden, alte Kirchen, die Kathedrale, einen Paseo entlang dem Meer.
Anschliessend an die Altstadt das chinesische Viertel mit Billiglaeden , dem Fischerhafen und dem Diebsmarkt, wo gestohlene oder geschmuggelte Waren verkauft werden. In der Dunkelheit nicht zu empfehlen. Weiter oestlich entlang der Bucht dann immer wohlhabendere und reiche Viertel. Die Investoren uebertreffen sich gegenseitig mit Ideen fuer noch ungewoehnlichere und edlere Wolkenkratzer, die Banken, Bueros, Luxusmalls und Luxusappartments beherbergen. Amerikaner, Russen und Chinesen sind sehr interessiert, Panama ist ein Steuerparadies.
Auf den Inseln im Pazifik soll alles sehr teuer sein, so dass wir Vorraete fuer einige Monate anlagen. In Panama City gibt es enorme Preisunterschiede in den Laeden der verschiedenen Viertel. Klar, denn der Durchschnittsstundenlohn liegt bei 1-2 $. Aber in den reicheren Vierteln finden wir natuerlich bessere Waren. Den ganzen Monat gehen wir fast jeden Tag einkaufen, Essen und Ersatzteile fuer alle Faelle.
In der Vía Argentina finden wir nach langem Suchen einen Buchladen, Argosy, der einem 84 Jahre alten Griechen, Jerry, gehoert und der eine aussergewoehnliche Auswahl an Literatur und Kunstbuechern bietet, mit vielen ersten Ausgaben. Eine Fundgrube. Die Waende sind gepflastert mit sgnierten Fotos von Rita Hayworth ueber John Kennedy bis Margot Fonteyn. Der Laden ist ein Museum der Zeitgeschichte und Jerry voller interessanter Geschichten.
Panama ist ein Schmelztiegel von Menschen aus ueber 50 Nationen, die wegen des Kanalbaus hierher kamen: Araber, Inder, Chinesen, Lateinamerikaner, Europaeer. Es ist ein Schnittpunkt von Ost und West, eine Mischung aller Rassen der Welt.
Die Seglergemeinde hat jeden Morgen von 8 bis 8.30 ein eigenes Funkprogramm auf Kanal 69. Es werden Sachen getauscht, Hilfe gesucht und angeboten, Erfahrungen ausgetauscht, Tipps gegeben. Im allgemeinen sind es die Amerikaner, die so etwas organisieren. Sie sind es auch, die staendig potlucks und Domino-Turniere veranstalten. Alle anderen ruempfen etwas die Nase ueber diese betriebsamen Amis, aber schliesslich machen doch alle mit und sind froh drueber.
Dani, mit dem wir seit 15 Monaten unterwegs sind, eroeffnet uns, dass er wieder zurueck nach Spanien moechte, und wir muessen nach jemand anderem Ausschau halten. Nachdem wir einige Zeit ueber Anschlaege im Yacht-Club und Leute Interessenten gesucht haben, finden wir schliesslich Gregor, einen 31-jaehrigen Traveller, der uns ueber den Pazifik bis nach Australien begleiten will. Er hat schon einige Erfahrung auf Segelbooten, ist Vegetarier, kann kochen und versteht viel von Computern.
Mit all der Bauerei entlang dem Causeway, den Erd- und Baumaterialtransporten, all den Lastwagen, die minderwertiges Diesel ohne Filter verbrennen, wird unser Schiff jeden Tag schwaerzer von oeligem Russ.
Am Tag bevor wir abfahren, kaufen wir noch frisches Gemuese auf dem Grosshandelsmarkt ein, wo die Erzeugnisse nur in 50-Pfund Saecken verkauft werden: Zwiebeln, Kuerbisse, Kartoffeln, Moehren, Grapefruit, Ananas,gruene Zitronen mit orangem Fleisch, eine ganze Staude Bananen. Alles unglaublich billig, ein Sack Grapefruit zu 2 $.Wir haben etwas Muehe, alles zu verstauen,einen Teil verschenken wir.
Am 15. Februar stechhen wir endlich in See. Unser erstes Ziel sind die Perlen-Inseln 40 Seemeilen vor der Kueste, noch im Golf von Panama. Es ist total windstill , und wir muessen die ganze Strecke motoren. Am spaeten Nachmittag ankern wir vor Contadora, wohin sich der Schah von Iran fluechtete, als kein anderes Land der Welt ihn aufnehmen wollte. Es ist eine kleine Insel, Refugium der Reichen von Panama, aber auch wiederum nicht so exclusiv, wie es sich anhoert.
Am naechsten Tag segeln wir weiter suedlich und ankern zwischen der grossen Isla del Rey und dem winzigen Eiland Espíritu Santo. Nach Sonnenuntergang spielen wir mit dem leuchtenden Plankton im Wasser: wenn man einen Eimer Wasser hochholt und wieder ins Meer schuettet, sieht es aus wie fluessiges Feuer. Mit dem Bootshaken schreiben wir unsere Namen ins Wassser, und Gregor taucht und schwimmt und sieht aus wie ein Lichtmensch. Magisch.
Fruehmorgens segeln wir weiter bis zu einem der wenigen Doerfern am Suedzipfel der Isla del Rey. Auf den Perleninseln wohnen nur ganz wenige Menschen. Man sieht kein Haus, kaum ein Boot, fast nur Dschungel und leere weisse Straende, Pelikane und Fregattvoegel. Ein Garten Eden, ein Platz, an dem man den Rest seines Lebens als Einsiedler verbringen koennte.
In La Esmeralda fuellen wir noch mal die Wassertanks bis obenhin auf. Die Maenner in den pangas (kleine Boote) , die uns das Wasser und ein paar Papayas bringen, sind voellig betrunken und haben rote Augen, denn ganz Panama befindet sich mitten im Karneval. Kurz vor Dunkelheit fahren wir ab nach Suedwesten, Richtung Galápagos, 850 Seemeilen entfernt. Der Sonnenuntergang ist maerchenhaft, und am tiefblauen Himmel leuchtet die Sichel des Mondes und darueber ein heller Stern.
Ohne Motor von hier nach Galápagos zu fahren ist sehr schwer und zeitraubend wegen der vielen Flauten, wechselnden Winde und verschiedenen Stroemungen. Eines Nachts, bei sehr wenig Wind, drehen wir uns rueckwaerts im Kreis, und 10 Minuten spaeter dasselbe vorwaerts. Es ist als befaenden wir uns in zwei riesigen Wirbeln.
Der warme El Niño- Strom kommt von Norden, der kalte Humboldt-Strom von Sueden, der Aequatorialstrom von Osten, und der Konteraequatorialstrom (oder wie immer man counter-equatorial uebersetzt) von Westen, und alle treffen in diesen Breiten aufeinander. Die Winde sind leicht, erst kommen sie aus NW, dann aus NO, dann aus SO, und dazwischen immer absolute Flaute. Insgesamt motoren wir 40 Stunden in den 7 ½ Tagen.
Am 25. Februar um 0.40 ueberqueren wir den Aequator auf 88º W. Mittags sehen wir Land! Die Luft ist so klar, dass wir Galápagos aus 100 Seemeilen Entfernung sehen koennen. Am Montag, 26. Februar, um 11.30, ankern wir in der Academia Bucht von Puerto Ayora, Santa Cruz, nachdem wir an der oestlichen San Cristóbal – Insel und Santa Fé vorbeigefahren sind.
0º 44.87 S 90º 18.61 W Puerto Ayora, Santa Cruz
Hier in Puerto Ayorra lassen wir das Dinghy an Bord, denn es gibt viele gelbe Wassertaxis, die nur 50 cents kosten. Wir gehen zuerst zur Capitanía um einzuklarieren, wobei wir hoffen, dass unser Aufenthalt nicht allzu teuer wird. Wir haben viele Geschichten ueber Galápagos gehoert, man koenne nur 3 Tage bleiben, es waere suendhaft teuer, und waehrend der Hochsaison koenne man manchmal gar nicht bleiben; die Reglen aenderten sich staendig und wuerden von jedem Beamten nach Gutduenken ausgelegt, so dass es ratsam waere, einen Agenten zu nehmen. Wir gehen also etwas bang in die Capitanía – und alles geht sehr leicht und problemlos. Wir kriegen sofort eine Aufenthaltserlaubnis fuer 20 Tage (das Maximum), und es kostet uns nur etwa 200 $, d.h. pro Tag 10 $.
Danach geht’s zur Inmigración, wo wir mit 100 $ Parkgebuehr pro Person rechnen (das muessen alle mit dem Flugzeug ankommenden Tou8risten bezahlen) – und sie wollen nur 10 $ pro Nase! (In Ecuador wurde vor einigen Jahren der US – Dollar als Zahlungsmittel eingesetzt. Wie in Panama praegen sie nur noch ihre eigenen Muenzen) Wir sind hocherfreut ueber diese Ueberraschung
Puerto Ayora ist mit seinen 22.000 Einwohnern der groesste Ort auf Sta. Cruz und auch von ganz Galápagos. Es ist ein huebscher, sauberer Ort mit gepflasterten Strassen, einfachen Haeusern, vielen Gaerten und bluehenden Baeumen. Man sieht viele Pickup-Taxis und viele Leute auf Fahrraedern. Diebstahl ist so gut wie unbekannt.
Entlang der Charles Darwin-Strasse am Wasser reihen sich Souvenir- und T-shirt-Shops, Gallerien, kleine Restaurants mit ueberdachten Terrassen und Bars und Reisebueros, die Tagestouren anbieten. Das ist der touristische Teil der Stadt. Der Rest ist eine normale Kleinstadt. Die Leute gruessen einen freundlich auf der Strasse, Hola! Buenos días!
Wir waren uns nicht ganz sicher, ob und wie wir Treibstoff und Trinkwasser finden wuerden und ob wir beides in Kanistern zum Schiff schaffen muessten. Auch diese Sorge stellt sich als grundlos heraus, denn als wir aufs Schiff zurueckkommen, kommt ein panga mit einem grossen Fass Trinkwasser an, und wir fuellen unsere Tanks auf, fuer 15 $. Jeden Morgen kommt auch ein panga vorbei und holt den Muell ab.
Wir sitzen im Cockpit und erfreuen uns an der Hafenszene. Pelikane gleiten ganz dicht uebers Wasser (sie sind hier nicht so ungeschickt wie in der Karibik), ab und zu landen sie auf unserem Bugspriet oder den Masten. Huebsche blaufusstoelpel stuerzen sich aus ueber 10m Hoehe ins Meer, schnappen sich einen Fisch und tauchen wieder auf. Ab und zu schwimmen riesige Wasserschildkroeten, Mantas und schwarze Meeresleguane vorbei. Seeloewen und Seehunde springen gerne auf Tauchplattformen und Dinghies und machen sich ueberall auf den Fischerbooten breit. Das niedrige Segelboot neben uns hatte neulich nachts Besuch von einigen Seehunden im Cockpit, wo der tierliebe Kapitaen und seine Frau schliefen.
Am Dock ist auch immer viel los. Wassertaxis fahren Touristen und Einheimische zu den vielen Charterbooten (grosse Catamarane und auch einige schoene alte dreimastige Schoner) und Motoryachten fuer Tauchfahrten, Schleppkaehne werden entladen, grosse rote Sally Lightfoot-Garnelen krabbeln ueber schwarze Lavafelsen, und Seehunde gehen ab und zu an Land und gucken sich alles genau an, umringt von Leuten, die wiederum sie erstaunt anstarren.
Wir wandern hinueber zur Charles Darwin Station zu den Riesenschildkroeten, den gelben Landleguanen und vielen bunten Voegeln. Das Areal ist gut angelegt, mit Pfaden und boardwalks, damit man die Tiere ganz nah sehen kann, aber nicht stoert. Man kann bis auf wenige Zentimeter herangehen, sie sind ganz zahm. Die Schildkroeten machen, wenn sie ihren Kopf in Zeitlupe aus dem Panzer stricken, ein ganz komisches keuchendes Geraeusch und gucken einen unbeweglich an.
Die Insel ist sehr touristisch, aber es ist ein sehr leiser Tourismus. Die Leute, die hierher kommen, sind sehr interessiert an der Erhaltung der Natur und sehr umweltbewusst. Straende, Bars, Parties stehen nicht auf ihrem Programm. Alle sind zuenftig gekleidet, am liebsten in Khakitoenen, mit Wanderschuhen und Hueten. Es gibt keine plaerrende Diskomusik, sondern gute Jazzmusik oder Klassiker wie Santana. Wohltuend. Was mir auffaellt ist der Anteil an sehr jungen Leuten. Es gibt Hotels fuer 15 $ die Nacht.
Am zweiten Abend werden wir zu einer Gallerie-Eroeffnung eingeladen. Ein reicher Investor (Skandinavier) hat das Geld fuer dieses Geschaeft gegeben, dessen Profit an die hiesige Kuenstlerkolonie gehen wird. Es werden wunderschoene Dinge aus Holz hier verkauft, dichtgeflochtene Koerbe aus Panama die als Wasserbehaelter dienen, Schmuck und gewebte Wandbehaenge. Nachher wird die Vernissage weiter gefeiert in der Bar nebenan, mit guter live Musik aus Ecuador und caipirinhas – unserem Lieblingsdrink, mit viel lime!
Frueh am naechsten Morgen nehmen wir ein pickup-Taxi, um einen Ausflug in die Highlands von Sta. Cruz zu machen. Der Name unseres jungen Chauffeurs ist Byron, sehr poetisch. Unser erstes Ziel ist der Pinnacle, ein steiler kegelfoermiger Vulkan, der zweithoechste Punkt der Insel. Auf dem Weg dorthin kommen wir durch verschiedene Klimazonen, von der trockenen Kuestenregion in die fruchtbare, feuchte und meist wolkige Landwirtschaftszone mit Kaffee- und Bananenplantagen und dichten Waeldern mit langen silbernen und braunen Flechten in den Baeumen. Dann endet der befahrbare Waldweg, und wir lassen das Auto stehen und wandern weiter. Byron will uns begleiten, denn er war auch noch nie auf dem Vulkan.
Als naechstes kommen wir in die Miconia-Zone, die voellig bedeckt ist von diesem Busch mit glaenzenden gruenen Blaettern. Die einheimische Miconia war fast voellig verdraengt worden von der Landwirtschaft und den eingeschleppten Chinin- und Guavenbaeumen. Eins der Hauptziele der Wissenschaftler hier ist es, wieder Raum fuer die urspruengliche Flora und Fauna von Galápagos zu schaffen. Das bedeutet, dass man Eindringlinge wie Schweine, Hunde, Katzen, Ratten, Ziegen und Maeuse, aber auch bestimmte invasive Pflanzen, die sich schnell vermehren und einheimischen Arten verdraengen, vernichten muss. Bei Pflanzen wird das mit der chemischen Keule gemacht, bei Tieren ueber Sterilisation. Haette man bisher nichts dergleichen unternommen, waeren die Inseln wahrscheinlich schon kahl gefressen und nichts mehr uebrig von der erstaunlichen Vielfalt von Lebewesen.
Weiter den Berg hinauf kommen wir in die Farnzone, wo es nur noch Moose, Flechten, Graeser und Farne gibt. Von ganz oben haben wir einen atemberaubenden Blick ueber Sta. Cruz und die umliegenden Inseln.
Auf dem Weg zurueck halten wir vor einem winzigen Laden und trinken ein paar Flaschen Wasser und kaufen ein Saeckchen Kaffee von der Santa Fé- Farm – der beste Kaffee der Welt, wie uns die Verkaeuferin versichert, oekologisch.
Unser naechstes Ziel sind die Gemelos (Zwillinge), zwei riesige versunkene Krater mitten in einem Margaritenwald . Wir haben ja schon riesige Margaritenbuesche in Mallorca, aber hier werden sie bis zu 15 m hoch und heissen Scalesia. Sie sehen aus wie Baeume, voller brauner Baerte, und in dem stroemenden Regen fuehlen wir uns wie Hobbits in diesem seltsamen Wald.
Danach fahren wir zur Primacias- Farm, einem Bauernhof mit Viehwirtschaft, der aber auch ein Refugium fuer frei umherlaufende Riesenschildkroeten ist. Auf dem Gelaende befindet sich auch ein Lavatunnel. Als wir die Treppen in den Tunnel hinabsteigen, graut es uns etwas, denn wir sehen dort einen Haufen ausgebleichter Knochen liegen – etwa von denen, die hinabstiegen und nicht mehr rauskamen? Der Tunnel ist ein langes schwarzes Gewoelbe. Je weiter man hinein laeuft, um so hoeher und spitzer wird es, es erinnert an eine Kathedrale. Funzelige Lampen geben ein schummriges Licht, durch die Ritzen tropft das Regenwasser von oben. Ploetzlich stehen wir vor einer Wand und koennen nicht weiter – bis wir sehen, dass unten am Boden ein schmaler Spalt ist. Wir muessen auf dem Bauch unter dieser Felswand durchkriechen, und als wir auf der anderen Seite ankommen, sind wir ueber und ueber mit Matsch beschmiert, aber doch ganz angetan von diesem Abenteuer. Wir fahren dann zurueck nach Puerto Ayora und sehen auf den Weiden Kuehe im Regen stehen. Auf vielen Kuehen stehen unbeweglich weisse Reiher.
In Puerto Ayora ist der Himmel wolkenlos und die Sonne brennt. Wir essen Bohnensuppe, Huehnchen mit Reis und Bananen und trinken einen frischen Mangosaft – alles fuer 10 $ fuer vier Personen.
Danach fahren wir zur Playa Garrapatero. Wieder stellen wir den Pickup ab und wandern den langen Pfad zum Strand hinunter, durch die Wildnis der Trockenzone mit ihren hohen Kaktusbaeumen, den silbrigen Palo Santos (benutzt als Weihrauch und Tranquillizer), den dottergelben Muyuyu- Baeumen und den jetzt lindgruenen Dornenbueschen. Huebsche kleine Lavaeidechsen flitzen ueber den Pfad , und gelbe und rote Voegel fliegen von Kaktus zu Kaktus. Wir klettern durch ein Dickicht von Manchineelbueschen, eine Mangrovenpflanze mit sehr giftigen Aepfeln, und als wir die letzten Zweige beiseite schieben, werden wir geblendet von pulverigem weissen Sand. Es ist gerade Ebbe. Schwarze Lavafelsen ragen aus dem nassen Sand, schwarze Meeresleguane raekeln sich darauf. In der Ferne sehen wir Santa Fé im blauen Pazifik. Wir haben die ganze grosse Bucht fuer uns allein – denke ich. Bis ich naeher ans Wasser laufe und einen wackligen Unterstand aus Staemmen und einer Plastikplane entdecke. Darunter sitzt bzw. thront etwas erhoeht ein Ranger und liest laut aus einem Buch. Ich gruesse ihn und frage ihn, was er liest, und er sagt laechelnd, Palabra de Dios, Gottes Wort. Danach liest er unbeirrt weiter bis wir viel spaeter wieder gehen.
Auf unserer Fahrt zurueck faengt es an zu regnen. Ein paar Bauern springen auf den Pickup, und wir fahren sie bis zu ihren Haeusern. In einem kleinen Dorf duschen sich Kinder unter dem dicken Wasserstrahl aus einer Regenrinne.
An einem anderen Tag machen wir einen Spaziergang zu den Grietas nahe dem Hafen. Wir laufen den Strand lang und dann durch Lavageroell, steigen eine steile Holztreppe hinunter und erblicken eine enge Schlucht aus schwarzem Lavagestein, die senkrechten Waende etwa 20 m hoch und gefuellt mit kristallklarem Wasser. Wir steigen ueber die riesigen runden Felsen ins Wasser – es ist sehr kuehl und erfrischend, auf dem Grund in etwa 5 m Tiefe sieht man runde bemooste Steine und Papageifische. Sie muessen als Babies durch Ritzen in den Felsen in diese Grotte gekommen sein und koennen jetzt nicht mehr zurueck ins Meer. Am liebsten wuerden wir gar nicht mehr aus dem Wasser gehen, zurueck in die unbarmherzig brennende Aequatorsonne.
Da wir keinen cruising permit fuer die Inseln haben, nehmen wir ein Charterschiff zu der Isla Bartolomé. Es ist ein 8 m langes Motorboot, das schon bessere Tage gesehen hat. Es neigt sich arg nach backbord, und wenn alle 16 Passagiere auf derselben Seite stehen, um etwas anzugucken, meint man, es wuerde gleich umkippen. Der Kapitaen und seine Crew sind sehr sympathische Leute, das Essen ist gut. Auch mit dem Guide, Jorge, haben wir grosses Glueck.
Wir fahren fruehmorgens mit dem Bus ans Nordende von Sta. Cruz und steigen da aufs Schiff. Die Fahrt dauert etwa 3 Stunden. Wir kommen zuerst an Daphne Mayor vorbei, einer kleinen Vulkaninsel mit einem schoenen erloschenen Krater. Etwa 2 Meilen entfernt liegt Daphne Menor, die Schwesterinsel, die die Form eines Pfropfens hat – so als wenn der Krater sie wie einen Sektkorken ausgespuckt haette.
In Bartolomé ankern wir am Rand eines kreisrunden versunkenen Kraters. Die Insel sieht aus wie eine Mondlandschaft aus Sand und geschmolzener Lava. Jorge erzaehlt uns, dass sie 4 Millionen Jahre alt ist, 2 Millionen Jahre juenger als Santa Cruz, dass es also 2 Millionen Jahre dauert, bis sich Vegetation bildet. Er zeigt uns den Beginn dieses Prozesses: die ersten winzigen Flechten und Moose auf dem Gestein, die ersten graugruenen winzigen Sukkulenten (mit wasserspeichernden Blaettchen) und winzigen weissen Blueten, kleine Kakteen, Graeser. Kleine Eidechsen gibt es auch schon. Nahe der Sandbucht und nahe dem Wasser haben sich schon Mangroven breitgemacht und einige Kakteenbaeume.
Vom der Spitze des Vulkans aus bietet sich uns ein wunderschoener Blick ueber Bartolomé und die vulkanische Nachbarinsel Santiago mit ihrem neuen Lavafeld (vor 100 Jahren entstanden): es sieht aus als ob schwarze Schokolade aus dem Krater ins Meer geflossen waere, mit zwei roten ehemaligen Inseln wie zwei Kirschen auf einer mousse au chocolat.
Am Strand beobachten wir Haie im Wasser direkt am Strand, und besonders saftige und leuchtende rote Garnelen- sie haben erst kuerzlich ihren alten Panzer abgeworfen.
Am folgenden Tag besichtigen wir Seymour Norte mit demselben Guide und Schiff. Diese Insel ist nicht durch Vulkaneruption entstanden, sondern hat sich als Tafel aus dem Meer gehoben. Auch hier leben keine Menschen, sie gehoert Voegeln und Leguanen.
Als wir mit unserer kleinen Gruppe den Pfad entlanggehen, sehen wir Landleguane, manche ueber 100 Jahre alt. Dann sehen wir endlich die Blaufusstoelpel: einer steht direkt am Pfad, ein Ei zwischen den himmelblauen Entenfuessen. Weil er das Ei nicht einen Moment aus den Augen laesst, muss es das erste sein, das mit dem staerksten Kueken, das sie am meisten hueten. Die naechsten zwei Eier werden nicht mehr so geschuetzt.
Ein paar Schritte weiter sehen wir zwei beim Hochzeitstanz. Wenn sie langsam ein blaues Bein nach dem anderen heben wie ein Clown in uebergrossen Schuhen, sieht das schon wahnsinnig komisch aus. Sie spreizen ihre Federn, recken den Schnabel, dann die Schwanzfedern in die Hoehe, und das kann sich stundenlang hinziehen.
Dann sehen wir die Kolonien von Fregattvoegeln. Das sind riesige Voegel mit einer Fluegelspanne von ueber 2 Metern. Sie bauen ihre Nester auf den Dornenstraeuchern. Um den Weibchen zu imponieren, blasen die Maennchen eine Membran auf, die wie ein Kropf aussieht. Bei sehr jungen Maennchen sieht das aus wie ein glutroter praller Luftballon.
Die Kueken sind ganz weiss, sie sehen aus wie eine Kugel aus weissen Daunenfedern. Wenn sie ein Jahr alt sind, sind die Federn am Koerper schwarz und am Kopf weiss. Erwachsene maennlicheFregattvoegel sind ganz schwarz, die Weibchen haben eine weisse Brust.
Seymour Norte ist ein tolles Erlebnis! Ein Must fuer Vogelliebhaber!!
Nach dem Lunch auf dem Schiff fahren wir die halbe Meile bis nach Mosquera, einer winzigen Insel, die nur aus Sand besteht und von Lavafelsen umringt ist. Dort tummeln sich Hunderte von Seeloewen im Wasser, im Sand und auf den Felsen. Man kann mit ihnen schwimmen, aber Vorsicht mit den Bullen! Sie verteidigen sich und ihren Harem mit drohend gerecktem Kopf und Rumpf und mit grossem Geheul, und sie sind blitzschnell.
CHAP XXIV. Auf dem Rueckweg nach Sta. Cruz
Auf dem Rueckweg nach Sta. Cruz fahren wir mit dem Boot entlang der Ostkueste von Baltra, der Flughafeninsel vor Santa Cruz. Dort bewundern wir die vulkanischen Felsformationen, die riesigen Orgelpfeifen, Saeulen und Boegen aehneln.
An einem andern Tag nehmen wir ein Charterschiff nach Floreana, der abgelegenen Insel im Suedwesten. Wenn man in Galapagos eine Tour macht, ist es sehr wichtig, dass man einen Fuehrer mit guten Kenntnissen nimmt, und auch einen, der sich auf die speziellen Interessen der Gruppe einstellen kann. Bisher hatten wir mit Jorge ausserordentliches Glueck, aber diesmal haben wir einen Guide erwischt, der ueberhaupt kein Interesse an Geschichte , Geographie oder Botanik oder irgendwas anderem hat. Er ist nur an Schnorcheln und Tauchen interessiert und zeigt uns ausschliesslich die Devil’s Crown, einen teilweise versunkenen Unterwasserkrater vor Floreana, dessen felsiger Kraterrand aus dem Meer ragt. Wenn man sich in der Mitte dieses Kreises aus bizarren Felsen befindet und die Seeloewen und Voegel beobachtet, ist das schon sehr beeindruckend.
Wir haetten aber auch gerne die Post Office-Bay besucht und das beruehmte Fass gesehen, das seit dem 18. Jahrhundert als Briefkasten dient. Bis heute werfen Seefahrer dort ihre Briefe ein und nehmen andere mit, die fuer Laender bestimmt sind, in die sie fahren. Wir haben Briefe vorbereitet und wollen welche ueber den Pazifik mitnehmen, aber leider ist das nicht moeglich. Wir sehen auch nicht die Flamingo-Lagune oder das Asilo de la Paz, wo Piraten eine wenn auch spaerliche Quelle mit Trinkwasser vorfanden, sehr kostbar in diesem Teil des Pazifik.
Auf der Rueckfahrt verzieht sich der Kapitaen zu einer Siesta und ueberlaesst das Steuer einem unfaehigen Crewmitglied, der einen Slalomkurs steuert. In gerader Linie sind es 35 Seemeilen bis Sta. Cruz, aber wir machen fast das Doppelte. Diese Tour ist so enttaeuschend, dass, wenn es unsere erste gewesen waere, wir wahrscheinllich keine andere gebucht haetten.
Frueh am Samstag, den 17. Maerz, gehen wir noch mal auf den Wochenmarkt in Puerto Ayora und segeln dann mit leichtem Suedostwind, bei ruhigem Meer und sonnigem Wetter nach Isabela. Isabela ist die groesste Insel von Galapagos.Sie ist schmal, erstreckt sich aber ueber 100 km von Norden nach Sueden. Isabela besteht aus 6 aktiven Vulkanen, von denen die hoechsten mehr als 1700m hoch sind.
Leider geht die Sonne unter, als wir etwa 6 Meilen von Villamil entfernt sind, so dass wir im Dunkeln den schwierigen Weg durch die Riffe finden muessen. Wir suchen die Leuchtbojen, die die Einfahrt markieren sollen, finden aber nicht alle. Im Schneckentempo tasten wir uns vorwaerts bis wir in seichterem Wasser sind und ankern auf dem offenen Meer. Es wird eine unruhige Nacht, denn der Schwell und die Tide sind gross. Im Morgengrauen werfen wir schliesslich den Anker vor Puerto Villamil, dem einzigen Dorf (2000 Einwohner) der Insel. Wir sehen dann, dass es gut war nicht weiter zu fahren, denn einige der Bojenlampen funktionieren nicht und befinden sich auch nicht an den Stellen, an denen sie der Karte nach sein sollten.
Um 7 Uhr kommen oesterreichische Segler, die wir aus Sta. Cruz kennen, vorbei und laden uns zu einer Tour zu den Lavatunnels am Cabo Rosa ein. Insgesamt sind wir 10 Leute in einem offenen flachen Boot mit zwei 75 PS – Motoren . Henry, unser Guide und ein erfahrener Fischer, fliegt mit 30 Knoten ueber das Meer, und nach 40 Minuten schlaengelt er sich vorsichtig durch die Riffe in das Felsenlabyrinth vor Cabo Rosa. Die Lagune ist voller bizarrer Lavafelsen. Viele von ihnen bilden Bruecken, unter denen wir mit geduckten Koepfen hindurchfahren. Die Kanaele sind teilweise so schmal, dass wir mit unserem Boot gerade hindurchpassen. Das Wasser ist kristallklar, es wimmelt von Fischen, Seehunden und Rochen. Das Areal ist etwa 30 Quadratkilometer gross, und wir wuerden uns allein hier hoffnungslos verirren und nie mehr herausfinden. Auf den Felsen Kakteen und Palo Santo-Baeume und viele viele Voegel, besonders Blaufusstoelpel und Lavamoewen. In einer Mangrovenlagune schwimmen Hunderte von riesigen Schildkroeten. Ein faszinierender, einzigartiger Platz!
Auf dem Rueckweg faehrt uns Henry am Union-Rock vorbei, der sich etwa 25-Meter hoch aus dem tiefen Meer erhebt. Seeloewen aalen sich darauf, und Hunderte von Voegeln umschwirren ihn.
Wir erfahren, dass in der Nacht zuvor am Strand von Villamil sieben Wale gestrandet sind. Das ganze Dorf ist auf den Beinen, um sie zu retten, aber sechs sterben und werden im Sand beerdigt; der siebte ueberlebt und wird ins Meer hinausgezogen. Am unaechsten Tag sehen wir diesen einsamen Wal verloren durch den Hafen schwimmen. ER scheint nicht zu wissen, was er tun soll und wird pausenlos von Touristen belaestigt, die versuchen, ihn einzukesseln.
Die grossen Charterboote (in Besitz von auslaendischen Investoren) sind nicht gerade gut fuer die einheimische Wirtschaft, und die Leute beklagen sich arg darueber. Die Touristen werden mit Flugzeugen eingeflogen, dann von Bussen der Charterer zum Hafen und in ihrenDinghies (statt der Wassertaxis) zum Schiff gebracht. Dann essen und trinken sie an Bord und geben so gut wie kein Geld an Land aus.
Wir organisieren einen Ausflug zum Sierra Negra- Vulkan, der den zweitgroessten Krater der Welt hat, neun mal elf Kilometer gross. Nach einer Stunde Fahrt mit dem Pick-up durch die unglaublich fruchtbare und gruene landwirtschaftliche Kuestenzone reiten wir 45 Minuten bis zum Krater , in dessen Tiefe ein gigantischer schwarzer Lavasee brodelt. Dann reiten wir am Kraterrand entlang und auf der auesseren Seite hinunter. Wir lassen die Pferde unter einem riesigen Jaboncillo- (Seifen-) Baum und wandern etwa zwei Stunden durch eine Mondlandschafts aus farbiger Lava zum Volcan Chico. Wir starren in bodenlose Fumaroles, aus denen Hitze und Schwefeldaempfe steigen. Es ist ein wolkenloser Tag, und wir haben eine phantstische Sicht ueber den suedteil der Insel, den Pazifik und den Isthmus von Isabela im Norden.
Als wir zum Club Nautico von Henry zurueckkommen, hat Mariana, seine Frau ein leckeres Fisch-Barbecue vorbereitet. Es wird ein sehr vergnueglicher Abend!
Nach dem Abendessen, im Stockdunkeln, muessen wir bei Ebbe Henrys Wassertaxi ueber die Sandbaenke und durch die Felsen ins tiefere Wasser schieben, bevor wir wieder zu unserem Schiff gelangen koennen.
Isabela ist eine wunderschoene Insel, die sich kein Besucher von Galapagos entgehen lassen sollte! Leider ist unsere Zeit in Galapagos fast abgelaufen. Am Donnerstag, den 22. Maerz, werden wir unsere 3000-Meilen-Reise nach den Marquesas-Inseln beginnen…
CHAP XXV. Galápagos - Marquesas
G A L A P A G O S _ M A R Q U E S A S (22.3. – 18.4.07)
Nachdem wir uns nochmal in Danielitas Laedchen mit Tomaten, Gurken, Birnen, Aepfeln, Páprika und Ananas eingedeckt une erfolglos versucht haben, die Fotos von Galápagos an Jaime und Dani zu schicken (das Internet in Puerto Villamil ist elend langsam), stechen wir am Donnerstad, d. 22. Maerz 07 um 15 Uhr in See. Wir fahren 210º, d.h. in suedwestlicher Richtung, um auf etwa 6º suedlicher Breite zu kommen, wo wir mit dem SO-Passat der Suedhalbkugel nach Westen segeln wollen. Der Himmel ist klar, das Meer ruhig, wir machen 5.4 Knoten. Es ist kuehl, und wir ziehen unsere Sweatshirts an. Backbord sehen wir eine breite Reihe von Walen, einige tauchen unter dem Schiff durch auf ihrem Weg nach Westen.
Der Wind wird in den naechsten Tagen immer schwaecher, wir befinden uns in deer Kalmen-Zone und machen nur 60, 70 Seemeilen am Tag trotz starker westlicher Stroemung. Wir sehen ein Container-Schiff auf dem Weg nach Suedamerika, einen Seeloewen, viele Delphine, einen Manta und Schwaerme von grossen Motten. Wo die wohl herkommen?
Von 18 Uhr bis 6 Uhr wechseln sich Skip und Gregor alle 3 Stunden mit der Wache und dem Steuern ab. Die uebrige Zeit uebernehmen wir alle mal die Pinne. Ich koche meist, mache Fruehstueck und frische mein verschuettetes Franzoesisch auf.
Nach einer Woche sind es noch 2400 Meilen. Wir sind mit Hilfe des Motors auf 6º suedlicher Breite angelangt und nun in der Intertropical Convergence Zone, wo die suedlichen und noerdlichen Winde aufeinanderprallen. Der Himmel ist voller Wolken, es regnet heftig und es ist kalt. Wir haben unsere Foulweather-Anzuege an und im Schiff ist alles feucht und faengt an zu schimmeln. Aber wir machen Fahrt, 7-8 Knoten, unser neuer Tagesrekord sind 174 Meilen!!
Da das auf die Dauer zu anstrengend wird, reffen wir erst das main-Segel und danach auch noch das main stay und muessen trotzdem meist mit den Fuessen steuern, um dem Druck auf die Pinne standhalten zu koennen. Aber wenigstens fliegt und rutscht uns beim Kochen nicht mehr alles durch die Gegend. Ab und zu fangen wir einen Fisch, eine Dorade oeder einen Thunfisch. Sie sind so wunderschoen bunt, wenn man sie aus dem Wasser holt, aber nach kurzer Zeit verschwinden die goldenen, lindgruenen und leuchtendblauen Farben.
Nach 9 Tagen haben wir 1000 Meilen hinter uns gebracht, kein schlechter Schnitt angesichts all der Flauten am Anfang.
Am 10. Tag weht der Wind ploetzlich statt von SO aus NO und blaest mit Windstaerke 6 statt 3. Wir muessen gybe (?), haben damit aber ein Problem, weil sich die Backstag in dem Pudel verheddert hat. Gregor zieht seinen Klettergurt an, klettert auf den Mast und befreit die Stag.
Nachdem wir alles gesichert haben, flaut der Wind ab und blaest wieder aus SO. Am naechsten Tag dasselbe Theater: der Wind dreht wieder nach NO, und wir haben alle Muehe, aud unserem Kurs zu bleiben.
Am 7. April, dem 16. Tag, liegen noch 1000 Meilen vor uns, zwei Drittel sind geschafft! Der Himmel ist voller Kumulus-Wolken, aber es gibt auch klare blaue Stellen. Ab und zu regnet es noch. Es ist wieder etwas kuehler. Vor ein paar Tagen fuehlten wir, dass der kalte Humboldt-Strom aus der Antarktis sich nicht mehr bemerkbar machte. Luft und Wasser wurden merklich waermer, es wurde zeitweise sehr schwuel.
Je naeher wir den Marquesas kommen, umso schwaecher wird die Brise. Von durchschnittlich 120 Meilen am Tag sind wir runter auf etwa 70. Es scheint als wuerden wir kaum vorwaerts kommen.
Am 24. Tag, 15.4., sind es noch 240 Meilen. Und fast kein Wind, und der mal wieder aus NO. Gemaess den Seekarten sollte es das in dieser Gegend um diese Zeit gar nicht geben. Wir muessen aufpassen, dass wir nicht zu weit suedlich geraten und Fatu Hiva, die suedlichste Insel der Marquesas , nicht verpassen.
In den letzten Tagen kommen wir nur im Schneckentempo voran. Jetzt sind wir schon so nah, aber es zieht sich endlos. Nachts sehen wir backbord das Kreuz des Suedens.
Orion, in der Karibik immer ueber der Mastspitze, liegt hier im Westen auf der Seite. Es ist unglaublich, wie voller Sterne die Sternbilder hier sind!
Am 15. April sehen wir unser viertes Schiff. Es duempelt uns entgegen, anscheinend ohne festgen Kurs. Alles an Deck ist hellerleuchtet, aber man sieht keine Leute und es meldet sich auch niemand ueber VHF.Ploetzlich faehrt es zielgerichtet und schnell ziemlich nah an uns vorbei. Wir sehen niemanden. Geisterhaft.
Bisher haben wir eine Tuete voller Abfall, hauptsaechlich Plastik und Folie. Blechbuechsen und Glas und Papier hgaben wir versenkt, ebenso die Bioabfaelle. Wasser haben wir noch genug an Bord, auch Diesel.
Am Mittwoch, 18.4., sind es noch 33 Meilen, kein Wind, 1.5 Knoten…Im Osten feuriges Morgenrot und bedrohliche Wolken, die schnell naeherkommen. Skip beschliesst, daas eiserne Segel zu setzen, obwohl die Dichtungen der Wasserpumpe ersetzt werden muessen und wir Gefahr laufen, dass der Motor ueberhitzt. Als es heller wird, koennen wir die gezackte Silhouette von Fatu Hiva vor unserer Bugspitze erkennen, der suedlichsten der Marquesas-Inseln.
Es ist sonnig und klar, als wir uns der gruenen Steilkeuste im Osten der Insel naehern und sie auf dem Weg in die Baie des Vierges noeerdlich umrunden. Es ist eine winzige Insel, aber sie sit bis zu 1100m hoch und von Wolken umhuellt.
Sobald wir um die Ecke gebogen sind, laeutet mein Handy, und Movistar heisst mich in Franz. Plynesien willkommen…Wir sind zurueck in der Welt, nach 27 Tagen voelliger Abgeschiedenheit.
Waehrend der 4 Wochen hatte ich das Gefuehl, sehr weit weg von allem zu sein, aber es war nie beaengstigend. Im Gegenteil, ich empfand die Weite des Ozeans und des Himmels als sehr berugigend und friedvoll, besonders nachts und im Morgengrauen. Ich hoerete nur die Musik des Schiffs und des Wassers, das rhythmische Knarren des Holzes, das Singen des Tauwerks, das Rauschen der Segel, das Klatschen und Brausen der Wellen.
Die Bay of Virgins zu finden ist gar nicht so leicht. Es gibt kein Dorf, keine menschlichen Behausungen zu sehen. Alles ist zieharmonikaartige Steilkueste mit spitzen gruenen Bergen und tiefeingeschnittenen gruenen Taelern. Es fahren keine Boote umher, alles ist wie unberuehrt und menschenleer. Wir naehern uns 3 Segelschiffen, die wir von weitem ausgemacht haben, und dann sehen wir zwei Fussballtore und eine weisse Kirche. Das muss es sein.
Wir fahren in die zauberhafte Bucht hinein. Auf beiden Seiten ragen phallusartige schwarze Felsen in den Himmel, ueber der Schlucht balles sich dunkle Wolken.Unten, da wo das Dorf versteckt hinter Palmen liegen muss, ist alles ueppig gruen. Wir ankern in 11m Tiefe in Sand.
Ausser uns sind noch 4 andere Schiffe da, von denen wir einige schon von Galapagos kennen. Wir sind tatsaechlich in Franz. Polynesien angekommen! Wir haben es geschafft!!
M A N I H I (Tuamoto) - T A H I T I
14º 27’90 S 146º 02’20 W 17º 32’43 S 149º 34’22 W
Am Samstag, 12.05.07, lichten wir um 7.40 den Anker und machen uns auf die 490 Seemeilen-Reise nach den Tuamotu – Inseln. Das riesige Tuamotu – Archipel besteht aus Atollen, die sich ueber fast 2000 km in SO – NW –Richtung zwischen den Marquesas und Tahiti erstrecken. In Mururoa, im SO des Archipels, testeten die Franzosen im Januar 1996 ihre letzte Atombombe.
Von den 76 Atollen sind 30 unbewohnt. Auf dem Rest leben etwa 12000 Menschen.
Copra (getrocknetes Kokosnussfleisch), Fischerei und Perlenzucht sind die Grundlage ihres Einkommens.
Unter Seglern sind die Tuamotu beruechtigt als das Gefaehrliche Archipel, weil sie so flach sind. Man erspaeht sie erst, wenn man schon fast da ist – um so schlimmer, als sie auch von ausgedehnten Riffen umgeben sind, die je nach Tageszeit, Licht und Wetter schwer oder gar nicht erkennbar sind.
Die Tuamotu – Atolle sind die Reste erloschener Vulkane. Durch Wind-, Regen- und Wellenerosion werden die Spitzen und die Seiten der Vulkane abgetragen; es bildet sich Erde, auf der Pflanzen wachsen koennen. Gleichzeitig fangen Korallen an, um die Inseln herum Riffe zu bauen. Die oft hohlen Vulkankegel erodieren immer weiter, bis von ihnen ueber Wasser nichts mehr uebrig bleibt, waehrend die bis zu 3 m hohen Korallenriffe ringsum erhalten bleiben.
Das Ergebnis ist ein Ring von winzigen Motu (Inseln) um eine Lagune herum, wie eine Perlenkette. Manche Lagunen sind sehr seicht, in andere kann man durch natuerliche Kanaele hineinfahren.
Die ersten drei Tage weht eine angenehme Brise aus OSO, und wir rauschen entspannt ueber den blauen Pazifik. Schoen, so ein stetiger Passatwind! Abends sucht sich ein junger (aber grosser) Vogel die Ragnar als Logis aus. Erst klettert er auf die Leinen vom main-sail, balanciert unsicher darauf herum, hakt seine Fluegel um sie herum. Dann naehert er sich der Ruderpinne immer mehr und laesst sich schliesslich gemuetlich auf einer Seilrolle nieder. Nachdem Gregor ihn mit Schwarzbrot gefuettert hat, scheisst das zutrauliche Tier nach Herzenslust aufs Deck und schlaeft bis zum Morgengrauen.
Am Dienstagmorgen wird es etwas ungemuetlich. Wir ziehen unsere Schlechtwetteranzuege an und trotzen dem Regen, waehrend wir fast 8 Knoten machen. Danach stabilisiert sich das Wetter wieder, und am Mittwoch, 16.05., sehen wir morgens nach Sonnenaufgang das Manihi-Atoll im NW der Tuamotu vor uns liegen.
Wir segeln in sicherem Abstand an der NO-Kuste entlang bis zu der Laguneneinfahrt im NW.
Durch diesen nur 40 m breiten Kanal zu kommen, bedarf es genauen Timings (wegen der Tide: man kann nur bei Gezeitenwechsel durch; die uebrige Zeit stroemt Meerwasser reissend in die oder aus der Lagune, mit bis zu 9 Knoten); und es mit Bravour unter voller Besegelung zu machen grossen seglerischen Koennens. Bravo Skip!! Aber die Mannschaft war auch nicht schlecht!
Wir fahren am Doerfchen Manihi auf dem Motu Paeua vorbei, quer durch die bis zu 45 m tiefe Lagune des Manihi-Atolls bis zum Ankerplatz fuer Yachten vor dem Motu Tatara. Es sind noch 7 weitere Schiffe da. Alle haben viel Platz um sich herum, man liegt ruhig, es ist still. Vor uns auf dem Motu wiegen sich die Palmen. Die Lagune ist so gross, dass man sie nicht ganz ueberblicken kann. Hier und da stehen Haeuser auf Stelzen im Wasser: das sind die Perlenfarmen.
Das Wasser ist sehr klar, sehr warm und wegen der hohen Verdunstung sehr salzig. Wie ein Aquarium ist es voller bunter Fische, die man schon vom Deck aus gut beobachten kann: Papageienfische, Nadelfische, Muraenen, die bizarren Trompetenfische, freundliche Haie und viele andere Arten.
Am naechsten Morgen fahren wir mit dem Dinghy ins einzige Dorf des Atolls, Manihi. Breite Sandwege, auf denen wenig Autos und viele Fahrraeder fahren und Fussball gespielt wird. Links und rechts Huetten aus Korallenbausteinen inmitten von grossen tropischen Gaerten voller duftender Blumen und Obstbaeume.
Am Hafen hat sich das ganze 200-Seelen-Dorf versammelt, denn das Versorgungsschiff aus Tahiti ist gerade angekommen mit Brennstoff, Lebensmitteln, Gemuese, Moebeln etc. Wir gehen einige Male die Hauptstrasse rauf und runter auf der Suche nach einer Bar, aber es ist mal wieder Feiertag in Franz. Polynesien und fast alles ist zu. Die Leute gruessen uns jedes Mal freundlicher und zum Schluss schon wie alte Bekannte.
Nachmittags kommt ein grosses Kanu ans Schiff, mit einem einheimischen Kapitaen im Blumenhemd und zwei jungen ernst aussehenden Maennern in dunkelgruenen Hosen, bluetenweissen Hemden mit Namensschild und Krawatten. Wir starren sie fragend an, und der Skipper sagt, Wir sind nicht von der Polizei. Um so besser. Wer sind sie dann? Aber keiner erklaert sich. Gregor fluestert, Ich glaub das sind Zeugen Jehovas!? Hm. Und tatsaechlich: es sind mormonische Missionare. Keiner von ihnen gibt einen Pieps von sich, aber sie schenken uns das Book of Mormon und machen dann die Runde zu den anderen Schiffen. Erst sind wir wegen dieser Begegnung voellig perplex; dann erscheint sie uns als so absurd auf diesem abgelegenen Atoll am Ende der Welt, dass wir uns vor Lachen nicht halten koennen und erst mal einen Lumumba (heisse Schokolade) mit viel Rum trinken.
Es stellt sich heraus, dass der Kanubesitzer Monsieur Fernand ist. Er ist auch der Baecker, der den Yachties morgens die Baguettes bringt. Am naechsten Tag packt er uns samt dem Dinghy in sein Kanu und faehrt uns zu seiner Perlenfarm eine Meile vom Ankerplatz entfernt. Mit unserem 3PS-Motor haetten wir die Strecke gegen den Wind nicht geschafft.
Fernands Frau ist Meisterin in der Produktion von guten Perlen. Sie demonstriert uns den Pfropfvorgang in ihrer kleinen Werkstatt, die wie ein Operationssaal aussieht, voller Pinzetten, Zangen, Klemmen, Skalpelle.
Zuerst bringt ihre Tochter einige geoeffnete Perlmuttmuscheln (nacres), von denen sie die mit der besten Kolorierung am aeusseren inneren Rand aussucht. Dann schneidet sie die Lippen um den Muskelrand ab, saeubert sie und zerteilt sie in winzige Stueckchen, die mit Meerwasser feucht gehalten werden.
Danach bringt ihre Tochter Kisten von frischen geschlossenen Perlmuttmuscheln. Mit einer Zange oeffnet Madame vorsichtig die Muscheln ein kleines bisschen und schiebt mit einem spitzen Instrument eine winzige Kugel (incluse), die aus einer Mississippi-Muschel gewonnen wird und auf die sie ein Lippenstueckchen gepackt hat, in die Muskeltasche der Muschel. Dieses Lippenstueckchen loest sich in drei Wochen auf, umhuellt die “incluse” und gibt der spaeteren Perle ihren silbergrauen Perlmutterglanz.
Dann wird die Muschel wieder geschlossen und im Dreierpack an Faeden ins Wasser der Lagune gehaengt. Nach 15, 16 Monaten kann geerntet werden.
Premium-Perlen sind sehr selten, sie haben viel Ausschuss. Aber trotzdem scheint es ein gutes Geschaeft zu sein. Heiss begehrt sind dunkle, silbergraue Perlen mit Perlmuttglanz. Die Geschaefte in Tahiti bieten sie zu teilweise horrenden Preisen an.
Wir werden mit vier Perlen beschenkt, bedanken uns, steigen in unser Dinghy und sehen, dass wir weder die Paddel dabei noch den Benzintank aufgefuellt haben… Aber wir schaffen es.
Monsieur Fernand ist zwar hier geboren, aber eine Ausnahme in Manihi. Er war jahrelang in der Franzoesischen Marine, kennt die Welt und hat keine Beruehrungsaengste mit Fremden. Er sagt, dass, wenn man am Ende der Welt auf den Tuamotus wohnt, man an Gott glauben MUSS. Sie sind hier weit ab von allem und voellig auf sich selbst gestellt. Jeden Moment kann ihnen alles genommen werden: die Atolle sind in staendiger Veraenderung begriffen, Zyklone verheeren sie, Stuerme, Tsunamis, Kokosnuesse koennen einem den Schaedel einschlagen. Aber Hunger muss niemand leiden. Sie haben Brotfrucht als Basis, Bananen jeder Art, Kokos, Unmengen von Fisch. Im Dorf gibt es 4,5 Kirchen. Die Menschen suchen Zuflucht im Glauben.
Am Samstag, 19.05., machen wir uns gegen 8 Uhr auf den Weg aus dem Manihi-Atoll heraus. Schoenes Wetter, leichte Brise aus SO. Im Kanal herrscht eine reissende Stroemung, und Skip ist schweissgebadet, als er die Ragnar heil unter Motor durch den brodelnden Engpass gesteuert hat. Draussen hissen wir das main stay und das stay sail und segeln mit 5.5 Knoten und Wind aus OSO Richtung Tahiti, 250 Seemeilen entfernt.
Am Sonntagabend dreht der Wind auf NO, er kommt also von achtern. Das ist fuer einen Schoner nicht so guenstig., denn man muss sehr praezise steuern, und es wird auf die Dauer anstrengend. In der Montagnacht faengt es auch noch fuerchterlich an zu regnen, und wir beschliessen, die letzte Strecke bis Papeete mit Motor und Autopilot zu segeln.
Im Morgengrauen sehen wir die gezackten gruenen Bergruecken von Tahiti und der Schwesterinsel Moorea, und gegen 17 Uhr werfen wir in der Baies des Orangers den Anker und machen entlang dem Boulevard Pomaré fest. Wir sind mitten in der Stadt und koennen endlich mal wieder direkt vom Schiff ans Land springen! Ausserdem haben wir auch mal wieder Wasser- und Stromanschluss – was fuer ein Luxus!
Es befindet sich an diesem grossen Kai nur noch eine andere Yacht, Lady Jane, die wir schon kennen. Im Lauf der Tage fuellt es sich aber, allmaehlich trudeln die anderen Schiffe von den Marquesas und den Tuamotu ein. Frueher muss es hier am Stadtkai immer sehr voll gewesen sein, aber es gab viel Diebstaehle, und das Gros der Yachten geht jetzt in eine teure Marina am Flughafen.
Seit vier Wochen haben sie hier aber einen 24-Stunden Sicherheitsservice, so dass wir hier bleiben und uns auch sehr wohl fuehlen. Am Tag zahlen wir etwa 14 Euros Liegegebuehr. Es ist immer was los hier, viele Leute kommen vorbei, fotografieren, besichtigen das Schiff, Journalisten kommen vorbei und wollen Reportagen machen, Japaner und Chinesen von den Kreuzfahrtschiffen gegenueber geben uns ihre Visitenkarten. Es erscheint ein Artikel ueber uns in Les Nouvelles, mit Bild.
Wir klarieren in der Hafenmeisterei ein und muessen nun doch Skips Kaution fuer einen eventuellen Ruecktransport hinterlegen. Das Geld, ueber 1000 Euros, bekommen wir beim Ausklarieren aus Franz. Polynesien wieder zurueck.
Wir schlendern durch Papeete. Es ist eine kleine quirlige Stadt mit franzoesischem Flair: Bistros, Brasseries, huebsche kleine Kirchen, grosser Markt, viele Buchhandlungen, gute Geschaefte. Morgens Croissants, pain au chocolat, café au lait. Der Kellner, Tahitianer, imposant, mit Blumenkrone (jeden Tag eine andere), Blumenhemd und sanftem Hueftschwung. Die Frauen mit Blumenhueten, Gardenien / Hibiskus/Orchideen hinterm Ohr, Blumenketten aus duftenden Frangipanis und Tiare Tahiti um Hals und Schultern. Fast keine Jeans (Gott sei Dank, diese Weltuniform…), sondern froehliche Kleider mit Blumenmustern. Sanfte Bewegungen, alle entspannt, alle sehr hoeflich, nicht laut, nicht gehetzt, geduldig. Keine staendige Musikberieselung. Keine lauten Bars.
Was fuer ein Unterschied zur Karibik, besonders den ehemaligen englischen Kolonien oder gar den hollaendischen mit ihren El Arenal- Zonen und ruepelhaften Touristen.
Abends gehen wir meist an einer Roulotte essen. Auf einem Platz hier am Hafen werden ab 17 Uhr Restaurant-Trucks geparkt und drumherum Tische und Stuehle aufgestellt. Es gibt einen hohen chinesischstaemmigen Bevoelkerungsanteil hier, und Geschaefte und Restaurants sind fest in ihrer Hand. Man kann an diesen Roulottes sehr gut und verhaeltnismaessig billig essen und mit viel Vergnuegen die Leute beobachten. Die Chinesen, die ihre feuerspruehenden Woks schuetteln; die Tahitianer jeglicher Herkunft und Schicht, wie sie genuesslich ihre grossen Portionen verspeisen – oft als ersten Gang eine Crèpe mit Riesenberg Schlagsahne, danach Riesenhamburger.
Wir ziehen Chow Mein mit Thunfisch und viel frischem Gemuese aus dem Wok vor. Und danach an der bretonischen Roulotte Buchweizencrepes, aussen etwas knusprig, mit Schokolade, Kokos, Banane und Schokoeis…. Dazu eine Flasche kalten cidre….
Wir klappern die Nautikgeschaefte ab nach Ersatzteilen. Die Jungs schleifen Reling und Deckhaeuser ab, denn der Lack hat auf der Ueberfahrt sehr gelitten. Skip lackiert neu, sechs Schichten. Ich leere Schraenke, entferne Kaefer, erneuere die Vorratslisten, mache Einkaufslisten, mache sauber, gehe zum Hautarzt (er entdeckt, dass ich eine Kontaktallergie gegen gewisse chemische Produkte habe und keinen tropischen Pilz) und zum Friseur. Der erste, der mal wieder Haare schneiden kann seit anderthalb Jahren.
Eine quirlige chinesische Tahitierin, Marie, und ihr viel juengerer Freund Eric laden uns eines Abends auf einen Drink ins Sheraton ein, nachdem wir hier am Kai ihre Bekanntschaft gemacht haben. Sie stammt von der Insel Raiatea, hat 14 Geschwister und drei erwachseneToechter (zur Hochzeit von einer kamen letztes Jahr 600 Gaeste, alles Familie), war mit einem hohen franzoesischen Abhoerspezialisten verheiratet, der vor sieben Jahren starb, eroeffnete dann einen Catering-Service und will jetzt ein Segelboot kaufen. Ein Energiebolzen!
Es wird ein lustiger Abend, und wir sehen nun auch endlich mal eine Show mit tahitischen Taenzen. Diese tahitischen Shimmies sind wirklich atemberaubend! Und die jungen Taenzer betoerend schoen mit ihren langen glaenzenden Haaren, in ihren bunten Kostuemen und Grasroecken, ihren geschmeidigen Hueften und kraftvollen Schenkeln.
Es faellt uns auf, dass es hier drei Geschlechter zu geben scheint, ausser dem maennlichen und dem weiblichen das androgyne. Und das wird als voellig selbstverstaendlich akzeptiert. Oft weiss man wirklich nicht, ob man Madame oder Monsieur sagen soll.
Am Sonntagmorgen gehen wir gutgekleidet und ich mit einer Frangipani-Girlande in den Temple de Paofai, die protestantische Kirche. Alle Frauen sind in reines Weiss gekleidet, haben Perlenkolliers angelegt und phantasievollste weisse Hutkreationen auf den Koepfen. Wir sitzen auf der Empore, es ist heiss, ich haette auch meinen Faecher mitbringen sollen. Der Pfarrer haelt die Predigt auf Tahitisch, das sich so anhoert, als bestehe es nur aus Vokalen. Dann singt die Gemeinde mit Inbrunst tahitische Choraele, so schoen, dass einem die Traenen in die Augen steigen.
Wir mieten uns einen Twingo, um einmal um die ganze Insel zu fahren. Tahiti hat die Form einer Eieruhr: die noerdliche Haelfte ist Tahiti Nui (gross), und die suedliche Tahiti Iti. Beide sind durch einen sehr schmalen Isthmus verbunden.
Es gibt in Tahiti nur eine grosse Ringstrasse um die Insel. Nur der Kuestenstreifen ist bewohnt, im Inneren gibt es weder Doerfer noch mit normalen Autos befahrbare Wege.
Zu Rush-hour-Zeiten bilden sich riesige Staus, und Leute, die in Papeete arbeiten und ausserhalb wohnen, muessen morgens um 5 Uhr abfahren, um um 7 Uhr am Arbeitsplatz zu sein.
Es leben nur 170 000 Menschen auf der Insel, davon sind 70% Polynesier, 16% Demis (Mischung aus einheimischen “ma’ohis” und Europaeern / Chinesen), 16% Chinesen (Tinito) und der Rest Europaeer. Aber im oeffentlichen Bild erscheinen die Chinesen viel, viel zahlreicher.
Beide Inselteile bestehen aus steilen, spektakulaeren gruenen Maerchen-Bergen, die oft von Wolken verhuellt sind. Der hoechste ist ueber 1300m hoch. Spitze, enge Taeler durchschneiden die Berge, und alle paar hundert Meter fliesst ein Bach zu Tal und in die Lagune. Mit dem Regen, fruchtbaren Boden und milden Klima explodiert die Natur, alles ist gruen, gruen, gruen.
Um die gesamte Insel zieht sich im Abstand von 1 bis 4km ein Korallenriff. Es gibt einige mehr oder weniger enge Paesse, durch die man durch das Riff in die Lagune fahren kann. Aber wir sparen uns das fuer die anderen Gesellschaftsinseln auf und bleiben lieber in Papeete am Dock liegen.
Nahe Papeete und Faaa (Fa-a-a…), dem Flughafen, ballt sich der Verkehr wie in einer Grossstadt, und es ballen sich auch die Wohngebiete- einige davon sehr luxurioes. Je weiter suedlich man die Kueste hinunterfaehrt, umso einfacher werden die Haeuser und Huetten.
In Parara im Suedwesten gucken wir uns die Surfer an (Tahiti ist ein Surf-Paradies) und lernen auf der Suche nach tibetischen Gebetsfahnen, mit denen die Ragnar immer geflaggt ist, die Kunsthaendlerin und unermuedlich Reisende Brenda Chin Foo kennen, die da ein kleines, aber feines buddhistisches Zentrum gegruendet hat.
Wir gehen in den Botanischen Garten mit Lotusteichen und grandiosen Baeumen, sitzen am Strand, vor uns die spiegelglatte Lagune mit einigen schilfgedeckten Haeusern auf Stelzen, weiter entfernt die weisse Brandung des Riffs und dahinter der tintenblaue Pazifik.
Dann ins Musée de Tahiti. Da zeigen sie u.a., wie die Atolle entstehen, Kleidung, Schmuck, Moebel, Werkzeuge der Polynesier, Fotos der alten Koenigsfamilie und auch eine Ausstellung zeitgenoessischer Kunst unter dem Motto “Tapu” (=Tabu), immer noch ein sehr aktuelles Thema hier.
Die Tage rasen vorbei. Skip und Gregor schleifen und lackieren. 12 Schichten sollen ueberall drauf.
Wir gucken uns zwei Austellungen im Rathaus an: tahitischen Schmuck, vor allem aus schwarzen Perlen und Muscheln, teilweise kiloschwer und sehr barock…, und Tifaifais, applizierte Bettdecken in wunderschoenen Farben und Blumenmustern, die man zur Hochzeit schenkt.
Jeden Abend gibt es auf dem Platz Vaiete am Hafen Tanzvorstellungen der zahlreichen tahitianischen Tanzschulen. Schon 3-Jaehrige stehen auf der Buehne, und Omas – jeder scheint hier zu tanzen! Alle in Grassroecken oder gebluemten Kleidern, geschmueckt mit Blumenketten (leis) und Blumenkronen. Schon ein Spektakel,wie alle wild mit den Hueften wackeln!
Am Sonntag, d. 3. Juni,segeln wir mit unseren Freunden Marie und Eric zur Nachbarinsel Moorea. Das Meer ist ziemlich “agitée, und Eric ist gruen im Gesicht. Marie freut sich wie ein Kind. Nach 4 Stunden fahren wir durch den engen Pass in die malerische Baie de Cook hinein, umgeben von einem Kranz von 1000m hohen Bergen.
Es ist unglaublich schoen.
Marie hat ein wunderbares Mahl vorbereitet, und wir essen es im Cockpit. Nach der Papaya-Torte zu Gregors Geburtstag machen wir uns schnell auf den Rueckweg, denn der wird lang und rau: mit dem Wind auf der Nase, einer starken Duenung und verschiedenen Stroemen im Kanal zwischen den beiden Inseln. Eric leidet arg und stumm, und auch die segelbegeisterte Marie muss sich ein paarmal ueber die Reling beugen.
Am naechsten Sonntag sind wir zum 80. Geburtstag von Maries Mutter eingeladen: Ihr muesst unbedingt kommen und Euch unsere Grossfamilie ansehen! Am Tag vorher machen wir uns auf die Suche nach einem Geschenk. Blumen sollten es nicht sein, hat uns Marie instruiert. Die Mutter ist eine praktische Frau, ein Geschenk sollte entweder Nahrung oder Kleidung sein. Vielleicht 3m Stoff fuer ein Kleid, aber aus Baumwolle, rot und nicht mit Blumenmuster, sondern mit Obstmotiv. Papeete ist voller Stoffgeschaefte, aber fast alle Stoffe haben Blumenmuster, wie wir rausfinden. Obstmuster gibt es nicht. Also kaufen wir stattdessen einen guten Shanghai Joyful Morning Tea, der dann huebsch in glueckbringendes Rot und Gruen verpackt wird.
Am Sonntagmittag holt uns Marie ab. Vor dem Haus sind etwa 30 Autos geparkt, denn der Mu-Clan ist gross, die Mutter hat 14 Kinder, die alle mit ihren Kindern und Kindeskindern gekommen sind, zum Teil aus Frankreich und Kalifornien.
Drei lange Tafeln sind auf einer ueberdachten Terrasse gedeckt. An einer praesidiert die alte Dame, die nur chinesisch spricht. Sie ist eine winzige, fragile Gestalt mit lieben, lebhaften Augen. Ihre Kinder haben’s ihr verboten, aber wenn keiner hinguckt, steigt sie mit Vorliebe auf Baeume und holt mit der Machete die Fruechte herunter.
Das Bueffet ist aufgebaut: grosse Toepfe und Schuesseln mit Fruehlingsrollen, Sushi, Gemuese aus dem Wok, Kloessen, handgemachten Nudeln und neun verschiedenen Fleisch- und Fischgerichten, jedes mit seiner eigenen Sosse. Und danach 11 Geburtstagstorten. Und knallrote Herzen mit Erdnuss-Fuellung, die Glueck bringen.
Die Familie ist eine wahrhaft kosmopolitische und interessante Mischung aus Chinesen, Polynesiern und Europaeern. Es gibt Buddhisten, Christen und Muslime. Von den Enkeln und Urenkeln spricht keiner mehr chinesisch. Alle sind sehr tuechtig und erfolgreich in ihrem Metier.
Nach vier Stunden ist der Schmaus zu Ende, und Marie bringt uns zum Schiff zurueck, hochbeladen mit Grapefruit und einem Karton voller Schokoladentorte.
M O O R E A
17º 30’78 S 149º 51’03 W
Am Montag, d. 11. Juni, verlassen wir Papeete. Marie und Eric kommen vorbei, um uns Abschiedsgeschenke zu bringen und au revoir zu sagen. Wir segeln nach Moorea, diesmal in die Opunohu-Bay, die im Norden (der Norden hier auf der Suedhalbkugel ist ja unser Sueden, die Sonnenseite) direkt neben Cook’s Bay liegt. Wir ankern in der Robinson’s Cove, wo auch der beruehmte Seefahrer Cook 1777 schon ankerte. Es ist sehr still, das Wasser so glatt und ruhig wie ein See.Ausser uns liegt nur noch ein weiteres Segelboot auf der anderen Seite der Bucht. Auf dem Wasser schwimmen die grossen Blueten des Purau-Baums, abends paddeln die Ma’ohis in ihren Ausleger-Einbaeumen um die Wette. Fischer werfen unter Kokospalmen ihre Angeln aus. Nahe den wenigen Haeusern und Huetten am Ufer, die von den Baeumen fast ganz verdeckt werden, steigt der Qualm von Kokosfeuern auf.
Moorea ist eine kleine Insel, die Kuestenstrasse um die Insel herum ist nur 62km lang. 12 000 Menschen leben hier, meist Polynesier und “Demis”, 50% sind unter 20. Viele von ihnen pendeln zwischen Tahiti und Moorea, und die anderen arbeiten in den vielen Luxushotels (Mooreas Straende sind weiss und gefragter als Tahitis schwarze), als Fischer oder in der Landwirtschaft. Moorea ist beruehmt fuer seine Ananas, Zitrusfruechte, Papayas und Mangos.
Da es ausser den Schulbussen praktisch keine oeffentlichen Transportmittel gibt, machen wir Autostop, was hier nicht ganz so einfach ist wie auf den Marquesas. Man muss viel laenger warten. Dafuer erwischt man meist komfortable Jeeps oder Autos mit Klimaanlage und muss sich nicht auf der Ladeflaeche eines Pickup festkrallen.
Am Ufer in Robinson’s Cove, gerade uns gegenueber, liegt ein schoenes altes Haus in einem idyllischen Garten. Wir klingeln mit der verrosteten Glocke am ueberwucherten Eingang. Hundegebell. Dann kommt eine alte Dame ans provisorische Pfoertchen, guckt zuerst etwas irritiert, oeffnet es aber dann erfreut, als wir ihr sagen, dass wir von dem Segelschiff gegenueber sind.
Wir sitzen auf der Terrasse und sie erzaehlt, dass ihre Eltern in den 20er Jahren aus Kalifornien hierherkamen und zeigt uns ihr Album: sie kamen auf einem viermastigen , 60m langen Schoner, gebildete und offensichtlich begueterte Leute, und kauften viel Land, ein ganzes Tal. Wie Pioniere bauten sie dann selbst das Haus, machten die Moebel selber und legten den schoenen Garten an. Um ein Haar waere dann spaeter Princesse Margaret ihr Gast gewesen- alles war vorbereitet-, aber im letzten Augenblick wurde der Besuch abgesagt.
Wir sitzen unter einer Kokospalme im Kreis. Die nette Dame holt eine Machete und hackt gekonnt die Spitze einer Kokosnuss auf. Wir trinken reihum das koestliche kuehle Kokoswasser und essen zusammen mit den beiden Hunden das noch zarte Kokosfleisch. Ein magischer Platz, dieser Garten…
In den paar Tagen auf Moorea packt uns die Wanderlust, wir laufen, 10, 12km am Tag, zuerst durch ein Tal im Inneren hinueber zur Cook’s Bay, durch Mapé-, Mahagony- und Teakwaelder, vorbei an den silbergrauen Ananasplantagen. Es ist hier wie im Garten Eden, die Fruechte wachsen einem in den Mund, das Klima ist wie Balsam, die Naechte kuehl um diese Jahreszeit (Winter!) – 18º. Tagsueber sind es um die 25º.
Am naechsten Tag steigen wir auf den Col des Tríos Cocotiers (Drei-Palmen-Gipfel), ueber 1000m. Bis zum Belvedere, einem Aussichtspunkt auf 240 m, bringt uns ein netter Polynesier. Dann wandern wir 4 Stunden einen alten Pfad entlang, gut markiert und befestigt, durch einen bluehenden, wohlriechenden Regenwald, bis wir nach endlosen Serpentinen, bergauf und bergab, mehrere Baeche durchquerend, auf dem Kamm sind und mit einem ueberwaeltigenden Blick auf die Nord- und Suedseite der Insel, smaragdgruenen Lagune und den Pazifik belohnt werden. Um uns herum die wildgezackten Berge im Herzen der Insel.
Zurueck zur Bucht nehmen wir einen anderen Weg und entdecken immer neue Pflanzen und Szenen. Die Tulpenbaeume stehen in voller Bluete, und an einigen Stellen sieht der Boden aus wie ein roter Bluetenteppich. Die Knie knacken etwas, und wir sind etwas hueftlahm, als wir die Bordwand hochklettern, aber hier zu wandern ist schon ein unvergessliches Vergnuegen und allemal die Anstrengung wert.
M Freitag, d. 15.06., lichten wir gegen 15 Uhr den Anker und machen uns auf den Weg nach Raiatea, einer der westlichen Gesellschaftsinseln, 100 Seemeilen entfernt. Wir denken die ganze Zeit, dass es erst Donnerstag ist – freitags segeln wir normalerweise nicht ab, Erfahrung und Segleraberglaube -, bis wir auf dem Riff festsitzen, an Heck und Bug eingeklemmt, koennen nicht vor und nicht zurueck…Skip und Gregor tauchen und stellen fest, dass es nicht weiter tragisch ist, aber mit Motor kommen wir nicht heraus. Es muesste uns jemand seitlich heruasziehen… Es ist aber kein anderes Boot in der Naehe.
Da kommen 4 Jetskis angebraust – in die stille Bucht. Sonst graust es uns vor diesem Anblick und Hoellenlaerm, aber dismal erscheinen sie uns wie von Gott gesandt. Skip ruft, Gregor pfeift – und ein Jetski kommt naeher. Ich erklaer ihm unsere Lage; er sagt, wir sollten ihm ein Seil herueberwerfen; er vertaeut es an seinem Jetski und zieht uns mit heulendem Motor aus dem Riff. Mittlerweile bete ich, dass es den Jetski nicht zerreisst, er sieht so zerbrechlich aus angesichts unserer 26 Tonnen… Die Ragnar hat nicht einmal einen Kratzer!
Kaum sind wir durch den Pass, gibt der Motor seinen Geist auf, und das an einem absolut windstillen Tag. Da frage ich mich, ob heute wirklich Donnerstag ist, sieht mehr nach Freitag aus. Stelle Nachforschungen an – und tatsaaechlich, es ist Freitag! Der Motor ist OK, aber wahrscheinlich ist das Diesel, das wir auf den Marquesas getankt haben, verschmutzt, oder es ist Kondenswasser im Brennstoff.
Nach kurzer Zeit laeuft der Motor wieder wunderbar, aber nach einer Stunde wiederholt sich die Geschichte. Danach jedoch motoren wir ohne weiteren Zwischenfall durch die windstille und sternenklare Nacht, bis wir im Morgengrauen die steilen Berge von Huahiné und Raiatea vor uns liegen sehen.
Durch den Passe Teavapiti fahren wir in die Lagune hinein. Vom Pass aus koennen wir in der Ferne die Silhouette von Bora-Bora und Taha’a erkennen und in der Naehe den Kai von Uturoa, dem Hauptort von Raiatea und zweitgroesste “Stadt” in Franzoesisch Polynesien.
R A I A T E A
16º 40'96 S 151º 29' 15 W
Raiatea, die "heilige Insel", ist, so denken die Polynesier, die Wiege ihrer 1000jaehrigen Zivilisation. Von hier aus wurden alle anderen polynesischen Inseln - von Hawaii ueber Tonga und Fiji bis Neuseeland - besiedelt und hier, auf dem internationalen Marae von Taputapuatea versammeln sich auch heute noch alle Maori-Clanchefs und halten ihre Rituale ab.
Raiatea hat etwa 12000 Einwohner. Wie in Taha'a, der SChwesterinsel, leben viele Menschen vom Vanilleanbau und von der Landwirtschaft und Fischerei. Hotels gibt es nur ganz wenige. In Uturoa, dem Hauptort, machen wir am Stadtkai fest.Das gefaellt uns immer gut, denn so kommen wir leicht in Kontakt mit den Leuten, brauchen kein Dinghy und haben die Geschaefte und Restaurants direkt vor der Nase. Allerdings oeffnet der Markt morgens um 4 Uhr und ist um 6 Uhr schon wieder geschlossen.
Das Zentrum besteht aus 2 Strassenzuegen, nicht zu vergleichen mit dem quirligen und glitzernden Papeete. Hier sind wir wieder im gemaechlichen Polynesien, keinerlei Hektik, wenig Verkehr.
Nach ein paaar Tagen segeln wir durch die Lagune die Ostkueste hinunter bis zur Opoa-Bucht. Da machen wir an einem kleinen Betondock fest, gerade gross genug fuer die Ragnar. Es ist ein wunderschoener, ruhiger Platz mit Blick auf die Berge, das Dorf und die Lagune. Neben uns, direkt am Wasser, die Haeuser, jedes mit kleinem Bootssteg, und gleich um die Ecke Taputapuatea, die grosse Ritualstaette. Abends hoeren wir Trommeln und Ukulelen, auf dem Schulhof wird Musik gemacht und getanzt.
Wir wandern das idyllische Opoa-Tal mit seinen ueppigen Gaerten hinauf, bis ein Pick-up haelt und Mato, ein Nachbar und Bauer, uns fragt, ob wir bis zu seinem Feld mitfahren wollen.Das Feld liegt eingebettet und wohlbeschuetzt zwischen zwei heiligen Bergen, dem Oropiro und dem Ateatapu, beide 800 m hoch. Dort ist die Familie dabei, eine grosse gerodete Flaeche zu bepflanzen mit Ananas, Taro, Kuerbissen und Bohnen.
Mato moechte uns seinen Familienmarae zeigen, der im Regenwald oberhalb des Feldes liegt. Wir klettern , Mato mit Machete vorneweg, durch's Unterholz den steilen Hang hinauf. Auf einem kleinen Plateau voller Mapé-Baeume machen wir Halt. Der Marae ist voellig ueberwuchert, die Steine kaum noch zu sehen. Mato meint, sie muessten ihn unbedingt freilegen, das waere sehr wichtig fuer seine Kinder. Sie sollen nicht ihre Wurzeln verlieren.
In Opoa leben die Nachfahren der alten "arii" (Koenige) von Polynesien. Sie sind sehr traditionsbewusst, und ihr christlicher Glaube ist kraeftig gemischt mit ihrem alten Glauben. Oberhalb des kleinen Marae liegt noch ein anderer, sechsstoeckiger, den Mato uns auch gern gezeigt haette, aber es ist sehr heiss und der Wald fast undurchdringlich und abschreckend steil...
Wir laufen ein Stueck des weiten Wegs durch das Tal zurueck, kuehlen unsere Beine in dem klaren Bergbach. Dann kommt Mato mit seinem Pick-up wieder zurueck, bringt uns bis ans Schiff und beschenkt uns mit einer Bananenstaude. Nach einer Weile kommt seine Frau vorbei und bringt uns ein 2kg-Filet von einem Schwertfisch, der 183 kg wog, und eine grosse Tuete Grapefruit.
Raiatea und Taha'a sind die Vanilleinseln. Der Boden und das Klima sind ideal fuer diese Pflanzen. Wir gucken uns eine "vanillère" in der Hotopuu-Bucht an: eine Bilderbuchplantage, wie ein grosser Park, mit schmucken Haeusern und bluehenden GAerten fuer die Arbeiter.Von dem berauschenden Vanilleduft wird man schon ganz benommen, wenn man den Berg hinaufkraxelt.
Vanille ist eine kletternde Orchidee, und die vanilla tahitensis ist von allen die aromatischste und saftigste und auch die teuerste. Alle Blueten muessen mit der Hand bestaeubt werden, man nennt das "mariage" . Nach 9 Monaten sind die Schoten reif und werden geerntet. Zuerst werden sie ein paar Tage in Hallen gelagert, bis sie braun sind, dann gewaschen und jeden Tag 4 Stunden auf Tuechern in die Sonne gelegt, dann eingewickelt und in Holzkisten gepackt, wo sie die Nacht ueber schwitzen. Dieser Prozess wird einen Monat jeden Tag wiederholt, damit sie ihre Feuchtigkeit verlieren und schrumpeln.
Dann werden sie nach Groesse sortiert und zwischen Daumen und Zeigefinger massiert, um das Oel auf die ganze Laenge zu verteilen. Danach werden sie einen Monat auf Tabletts gelegt, bis sie ganz trocken, aber trotzdem noch oelig sind. Jeder Anbauer hat so seine spezielle Geheimmethode, denn von diesem Prozess haengen der Geschmack und das Aroma ab, und damit der Preis. Vanille ist nach Saffran das teuerste Gewuerz. In der "Vanillère" produzieren sie jedes Jahr 10 Tonnen von 18000 Lianen, die in grossen Gewaechshaeusern gedeihen.
Eines Morgens um 7 Uhr macht ein Fischerboot laengs der Ragnar fest, laute tahitische Popmusik droehnt uns in die Ohren, aiitete, aiitete, oa,oa...Mato kommt mit einem Lieferwagen, und ueber unser Deck werden Berge von Salat, Chinakohl, Gurken und Bananen geschleppt, Proviant fuer eine Woche auf See. Sie schenken uns davon einen so grossen Berg, dass wir gar nicht wissen, wie wir den lagern und konsumieren sollen. An Deck haben sie eine Rolle mit 40 km Leine und tausenden von Fischhaken. Gegen 10 Uhr kochen sie Mittagessen und laden uns dazu ein, und um 11 Uhr fahren sie Richtung Huahine ab, der Spuk ist vorbei und es ist wieder still.
Am 25. Juni sind wir wieder zurueck in Uturoa am Kai, Es ist schlechtes Wetter, es regnet, und nachts wird es sehr kuehl. Die Duenung klatscht wie wild gegen den Kai, wir fuehlen uns wie in einer Waschmaschine. Die See ist sehr rauh, riesige Wellen donnern gegen das Riff,und in den Paessen entsteht ein gewaltiger Sog. Kein Wetter, um irgendwohin zu fahren, wir geben unseren Plan, nach Huahine zu fahren, auf.
T A H A' A
16º 40' 96 S 1511 29' 15 W
Am 27.Juni segeln wir ueber die Lagune nach Taha'a. Wir gehen vor dem Taravana Yacht Club an eine Mooring-Boje, einen "corps-mort", wie es so schoen auf Franzoesisch heisst. Diesmal kommt der Wind aus Sueden, er wechselt zur Zeit staendig die Richtung, und in der Apu-Bucht ist es ziemlich rau.
Am naechsten Tag wollen wir um die Insel herum trampen. Die ersten 6 km muessen wir durch den stroemenden Regen laufen. Wir machen uns aus Elefantenohren-Blaettern Capes und Huete und werden trotzdem klatschnass, trocknen dann aber auch ebenso rasch wieder.
Das erste Auto, ein komfortabler Jeep, haelt. Ein sympathischer polynesischer Schulverwalter und seine Frau fragen, wo wir hin wollen. Irgendwohin, ist unsere Antwort, und dann fahren sie uns einmal rund um die ganze Insel. Wir unterhalten uns angeregt, und als wir uns verabschieden, sind wir uns einig, dass unsere 3 Stunden zusammen ein grosses "plaisir" waren.
Im gemuetlichen Taravana-Club erledigen wir unsere Internetarbeit, essen sehr gut zu Mittag, tauschen Buecher und unterhalten uns lange mit dem sympathischen jungen Besitzer, der in den USA zur Schule gegangen ist und perfekt Amerikanisch spricht.
Am 30. Juni ankern wir in der Haamene-Bucht im Osten, einem 7 km langen Fjord mit einem huebschen kleinen Dorf am Ende. Diese Bucht ist so geschuetzt, dass man sich wie auf einem Teich fuehlt. Die Oberflaeche ist spiegelglatt. Abends paddeln wir im Mondlicht ueber die bezaubernde Bucht.
Am naechsten Tag, einem Sonntag, fahren wir in den Norden nach Patio, dem Hauptort der Insel. Normalerweise ist der Sonntag ein absoluter Ruhetag, alles ist zu, die Strassen wie leer gefegt. Aber in Patio scheint das ganze Dorf auf den Beinen zu sein. Es wird Basketball gespielt, Volleyball und Boule; in einem grossen Zelt unter Baeumen wird bei tahitischer Musik eine Hochzeit gefeiert und getanzt. Andere sitzen im Schatten unter Baeumen und geniessen die entspannte Atmosphaere, laid back...
Am Montag segeln wir nach Tapuamu im Westen und machen am Cargo-Dock fest. Wir koennen eine Nacht bleiben, muessen aber fruehmorgens Platz machen fuer einen Frachter. Abends sehen wir die Sonne golden ueber Bora Bora untergehen. Dann hoeren wir Trommeln, es wird getanzt.
B O R A B O R A
16º 30' 44 S 1511 45' 15 W
Um 6 Uhr frueh am 3. Juli segeln wir durch den Paipai-Pass ab nach Bora Bora, 20 Meilen.Fast die ganze Strecke bis zum Tevanui-Pass, durch den man in die Lagune hineinfaehrt, ist es arg rau, und wir sind froh, endlich gegen Mittag am Dorfkai von Vaitape, dem einzigen Dorf der Insel, anzukommen.
Unsere Freunde von Lady Jane sind auch schon da und sehr zufrieden - es geht doch nichts ueber einen Kai mitten im Dorf! Es ist viel interessanter als an einem Strand oder Riff zu ankern. Und kosten tut's auch nichts.
Wie alle Orte in Franzoesisch Polynesien ist auch Vaitape in Feststimmung: von Ende Juni bis Ende Juli wird Heiva gefeiert, das nationale Winterfest. Um den grossen sandigen Dorfplatz stehen strohgedeckte Bambushuetten mit Restaurants, Snackbars, Billardtischen und Gluecksraedern (wo man ein Paket Kaffee oder Waschpulver gewinnen kann), alles voller einheimischer Grossfamilien.
Um den rechteckigen Platz, wo die Taenze stattfinden, haben die Familien ihr Territorium abgesteckt: bunte Bastmatten, mit Steinen beschwert,markieren die Tabu-Zone, die jeder respektiert. Sie bleiben auch nachts da liegen.
Morgens werden Wettbewerbe ausgetragen: die "mamas" flechten um die Wette Huete, Koeerbe und Matten aus Palmwedeln, die Maenner machen Kopra (einer oeffnet die Kokosnuss, der andere holt das Fleisch heraus; Reord: 100 Nuesse in 9 Minuten) und Speerwurf (sie muessen eine Kokosnuss treffen, die auf einen 10 m hohen Pfahl gespiesst ist). All dies wird stets begleitet von Trommeln. Ein kleiner Junge von vielleicht 6 Jahren schlaegt die groesste Trommel wie ein Profi, ueber Stunden, abwechselnd mit beiden Haenden, mit so unglaublicher Praezision und spielerischer Leichtigkeit und Fantasie, dass wir vollkommen sprachlos sind.
An einem andern Tag verwandeln ganze Clans Lastwagen in Gaerten, mit Palmwedeln, bunten Krotons, gelben Kokosnuessen, Gardenien. Sie arbeiten 12 Stunden mit viel Spass und Gelaechter daran, machen erst ein Bambusgeruest und schmuecken dann alles mit Pflanzen, so dass von dem Auto darunter nichts mehr zu sehen ist.
Vaitape gefaellt uns sehr, sehr gut. Die Mischung aus Einheimischen und wenigen Yachties und Touristen schafft eine besonders lebendige Atmosphaere.
Nach fast drei sehr schoenen Monaten in Franzoesisch Polynesien mit seinen unterschiedlichen Inseln und Kulturen werden wir uns bald auf den Weg nach den Cook Islands machen, etwa 500 Seemeilen entfernt.
R A R O T O N G A, C O O K I S L A N D S (24.7. - 7.8.2007)
21º 12' 29 S 159º 47' 11 W
Am Mittwochmorgen, 28. Juli, hissen wir die Segel, verlassen Bora Bora durch den
Tevanui Pass und fahren in SW-Richtung ab nach Rarotonga, der Hauptinsel der
Cook Islands, 540 Seemeilen entfernt. In den ersten zwei TAgten kommen wir nur
langsam voran, es weht nur eine leichte Brise aus ONO bis SO und S. Am Samstag
weht ein kraeftigerer Wind, und wir machen um die 6 Knoten.
In Papeete hat uns ein Freund, Albert, zwei Flaschen mit Post gegeben, von denen
wir die erste am Samstag ins Meer werfen, auf 18º 37' S und 155º W. Der Wind
wird noch staerker und wir machen 130 Meilen am Tag. Noch bei Tageslicht
schlaengeln wir uns durch die oestliche Cook Inselgruppe.
Gegen 18 Uhr sehen wir Mauke suedlich von uns, gluecklicherweise noch vor
Sonnenuntergang,dennLichter und Markierungen gibt es hier nicht. Dann flaut der
Wind voellig ab, und wir motoren die restlichen 98 Seemeilen bis Rarotonga und
kommen am 24. Juli morgens in Avatiu, dem Hauptort an.
Die Cooks sind ein demokratischer Staat, eng mit Neuseeland assoziiert und von
ihm unterstuetzt. Er besteht aus 15 kleinen Inseln mit einer Bevoelkerung von
etwa 1400 Menschen, die Englisch und Polynesisch sprechen und den
neuseelaendischen Dollar als Waehrung haben. Die Inseln sind zusammen nur 240
Quadratkilometer gross, aber ihr Seegebiet erstreckt sich ueber sagenhafte
1.830.000 km.
Rarotonga hat nur einen, nach Norden hin offenen Hafen, und wenn der Wind aus
noedlicher Richtung blaest, wird es ganz schoen rau. Wir werfen zwei Buganker
aus und vertaeuen die Ragnar dann mit dem Heck zur Kaimauer. Zwischen Schiff und
MAuer lassen wir eta 10 m Raum. Um an Land zu gehen, muessen wir uns im Dinghy
an einem Seil bis zu einer wackligen Leiter hangeln und uns dabei staendig unter
dem Gewirr von Tauen durchducken, mit denen all die Boote kreuz und quer
festgemacht sind. Mit dem Schwell und den Wellen im HAfen ist das ein
akrobatischer Akt, und mehr als ein Segler faellt dabei ins Wasser. Avatiu ist
der bisher raueste Hafen, den wir erlebt haben.
Die Insel Rarotonga ist sehr bergig und bedeckt von dichtem Regenwald und wie
die meisten anderen pazifischen Inseln nur entlang einem schmalen
Kuestenstreifen besiedelt. Es gibt zwei oeffentliche Busse, die staendig die
Rignstrasse entlangfahren, einer im Uhrzeigersinn, der andere in
entgegen-gesetzter Richtung. Einmal ganz herum dauert etwa eine Stunde.
Durch den Regenwald gibt es ein Netz von Wanderpfaden, und wir laufen/ klettern/
rutschen und waten einmal quer ueber die Insel. Von Avatiu aus geht es durch ein
schoenes TAl hoch ueber einen steilen Grat zur "Nadel", einem hohen weit
sichtbaren Felsblock im Inneren, dann durch den dichten dunklen Wald auf der
anderen Seite hinunter, den Papua-Fluss entlang, den man 7 oder 8mal durchqueren
muss, bis man schliesslich an der Suedkueste wieder aus dem Dschungel auftaucht.
Von da trampen wir auf einem Pritschenwagen zurueck nach Avatiu.
Die Stadt besteht im Wesentlichen aus zwei Strassenzuegen- entlang der
Kuestenstrasse reihen sich Geschaefte, und an der oberren Parallelstrasse liegen
die Wohnhaeuser. Alles ist sehr sauber und ordentlich. Die Blaetter der vielen
Baeume und Straeucher werden jeden Tag gerecht, der Abfall aufgelesen, die
Garten- und Parkanlagen gepflegt. Und die Leute sind ausserordentlich freundlich
und immer bereit uns zu erklaeren, wo und wie wir unsere Probleme loesen koennen.
Wir kommen zu Beginn der Festwoche an. Im Auditorium ist jeden TAg was los.
Alles ist nicht so professionell organisiert wie in Franzoesisch Polynesien,
dafuer ist es uriger und herzlicher
und entspannter und die Taenze und Trommelkonzerte der Leute von den outer
islands enthusiastisch.
Kein Wunder, dass sie bei Wettbewerben in Tahiti oft erste Preise erringen! Vor
dem Auditorium veranstalten die Schamanen eine Lauf ueber heisse Steine. Auch
Skip wagt sich
hinueber und kriegt zum erstenmal seit einiger Zeit wieder warme Fuesse!
Eines Abends gehen wir in ein Haehnchen-Restaurant im HAfen, aber es ist nicht
so toll, ein gebratenes Haehnchen zu essen, wenn auf der Terrasse noch 10 oder
20 lebendige um einen herum
spazieren...
Die Einheimischen treffen sich jeden Abend zum Sundowner im Tarder Jack's, einer
Bar direkt am alten HAfen, in deren gemuetlichem Restaurant man unter anderem
eine sehr gute Pizza essen kann.
Nirgendwo in Franzoesisch Polynesien gab es so eine gute Bar-Atmosphaere: sobald
man sich hinsetzt, sprechen die Leute links und rechts mit einem und garantieren
einen unterhaltsamen Abend.
Nachdem wir im Internet das Wetter gecheckt haben, beschliessen wir, am
Samstagmorgen, den 4. August, weiterzufahren. 10 Minuten bevor wir zum
Ausklarieren in die Hafenmeisterei gehen wollen, erklaert uns Gregor, unser
Crewmitglied, dass er noch auf der Insel bleiben will. Nun ist es aber nicht so
leicht, Crew loszuwerden. Man kann nicht einfach jemanden in einem Land
zuruecklassen. Gregor muss entweder ein Flugticket vorweisen oder einen Brief
von einem anderen Kapitaen, der besagt, dass er ihn als Crew uebernimmt.
Ausserdem stehen wir auf einmal ohne Crew da, und das in Rarotonga, das nicht
ein idealer Ort fuer Crewechsel ist. Wir haengen Anschlaege aus und bleiben noch
bis Dienstag in Rarotonga, da die Hafenmeisterei bis dahin geschlossen ist. Dann
beschliessen wir, auf eigene Faust loszufahren, was wir eigentlich schon lange
ausprobieren wollten.
Am Montag checken wir noch mal weatheronline.co.uk, mit denen wir bisher gute
Erfahrungen gemacht haben. Fuer die naechste Woche werden 15 bis 20 Knoten Wind
aus SO vorausgesagt, und das hoert sich fuer die 600 Seemeilen-Strecke nach Niue
gut an.
Wir fahren am Dienstag, d. 7. August gegen 11 Uhr Richtung WNW ab, nachdem uns
andere Segler mit den beiden Ankern geholfen haben. Gegen 18 Uhr flaut der Wind
ab, und wir motoren die NAcht durch bis 6 Uhr morgens, als der Wind wieder
aufkommt. eigentlich sollte er stetig aus SO kommen, tut er aber nicht.
Stattdessen ist es ein sehr leichter Wind aus NO und N. Ausserdem geht das
Barometer rauf und runter, ein Zeichen, dass sich ein Sturm naehert.
Am Donnerstag weht es kraeftig aus S und SSO, und am Nachmittag haben wir Boeen
bis zu 35 Knoten. Am Freitagmorgen heult der Wind, 5 bis 6 m hohe Wellen rollen
von hinten heran, der
Wind dreht von SSO nach O, und wir muessen "gybe" (ich kenne den deutschen
Ausdruck nicht), damit das Schiff, nicht die Wellenkaemme hinunterrast und der
Bug sich in die Welle vor uns
pfluegt.
Samstag ist der schlimmste Tag. Wir haben nur noch das gereffte mainstay SEgel
gehisst, der Wind wht konstant mit 35 Knoten, die Wellenkaemme sind voll von
weissem Schaum, und dann regnet es sintflutartig. Der Wind heult und die Wellen
krachen gegen das Heck, als wir in der Sonntagnacht eine Riesenwelle hinunter in
ein Wellental surfen - und alles auf einmal aufhoert: kein Wind mehr, keine
Wellen, kein Geraeusch, um uns herum pechschwarze Nacht. Es ist, als befaenden
wir uns in einem Vakuum oder im Auge eines Hurrikans. Gluecklicherweise kommt
der Wind wieder sehr langsam aus Osten auf, und wir segeln bis etwa 20 Meilen
nordoestlich von Niue.
Wir starten den Motor, fahren etwa eine Stunde - und der Motor setzt aus und
laesst sich nicht wieder starten. Wir sehen absolut nichts, wir haben einen
starken westlichen Strom, kaum Wind
zum Segeln, Alle Brennstoffleitungen verstopft, keinen Motor.
Endlich kriegen wir gegen 6 Uhr morgens Funkkontakt mit Niue.
Wir erklaeren unser Problem, und man verspricht uns Hilfe, wenn wir sie brauchen.
Ausserdem meldet sich eine amerikanische Motoryacht hinter uns, die auch Hilfe
anbietet. Wir fuehlen uns jetzt wenigstens nicht mehr allein.
In der Zwischenzeit versuchen wir fieberhaft, den Motor wieder in Gang zu setzen.
Als letzten Trick trennen wir die Leitung vom Filter und stecken sie direkt in
den Dieselkanister und halten den
Atem an - es funktioniert, der Motor laeuft!!
In dem Moment sind wir etwa 14 Meilen von der Kueste entfernt. Normalerweise
braucht d. er Motor einen Liter Diesel pro Meile, und wir denken, dass ein 20 l-Kanister
reicht, um in den HAfen von Alofi zu kommen. Aber nach 3 Meilen ist der erste
KAnister schon leer, und der Motor bleibt wieder stehen. Also her mit dem
naechsten Kanister! Wir haben vier und rechnen aus, dass wir damit gerade bis zu
den Mooring-Bojen in Alofi kommen.Als die Sonne aufgeht, holt uns die Motoryacht
hinter uns ein und bietet noch einmal Hilfe an.
Wir denken, dass es das Beste ist, wenn er nach Alofi faehrt und dort Hilfe
organisiert, damit wir-falls unser Dieselvorrat reicht- direkt beim ersten
Versuch die Mooring-Boje erwischen.
Als wir ankommen, warten schon zwei starke Dinghies auf uns und helfen uns, an
der Boje festzumachen. In unserrem letzten KAnister ist noch ein knapper Liter
uebrig, wir haben es
buchstaeblich mit dem letzten Tropfen geschafft.
Was fueer eine erste Fahrt allein das war, und was fuer eine Feuertaufe! Aber
alles lief gut, es gab keine miese Laune, keine Panik. Wir haben gesehen, dass
wir es schaffen koennen.
CHAPXXXIII
Niue
N I U E
19º03'36 S 169º 55'56 W
Niue ist einer der am wenigsten bekannten Staaten der Welt, ein winziger
Inselstaat mitten im Pazifik. Er besteht aus einer Insel mit einer stetig
abnehmenden Bevoelkerung von etwa 1400
Menschen, groesstenteils Polynesiern. Die meisten emigrieren nach Neuseeland und
Australien, wenn sie noch jung sind. Die Insel ist nur 260 qkm gross, das
Seegebiet aber 390.000. Niue ist
eine Demokratie, assoziiert mit Neuseeland und massiv von ihm unterstuetzt. Die
Leute sprechen Englisch und Polynesisch, die Waehrung ist der Neuseeland-Dollar.
Niue ist die groesste Koralleninsel der Welt. Sie ragt 30 m aus dem Meer, um sie
herum befindet sich ein schmeles Riff. Es gibt keine Lagune. Die Einfahrtrinne
zum kleinen Hafen des Hauptortes Alofi ist aus dem Riff gesprengt worden. Es
ists die einzige Stelle, an der groessere Schiffe in Niue anlegen koennen.
Im Hafen gibt es 17 Mooring-Bojen, die in ca. 100 m tiefem Wasser an 2-4 Tonnen
schweren Zementbloecken festgemacht sind und staendig ueberprueft werden (im
Gegensatz zu vielen anderen Plaetzen, wo man boese Ueberraschungen erleben kann).
Diese Bojen sind der einzige sichere Platz fuer Yachten. Entlang der Kaimauer
sind der Schwell und die Tide so gross, dass Dinghies und kleine Fischerboote
mit einem Kran aus dem Wasser gehievt werden muessen, sobald man ankommt.
Gleich nach unserer Ankunft am frueh am Montagmorgen, d. 13. August, klarieren
wir bei Zoll, Polizei und Immigration ein und gehen dann in den YAcht Club, wo
wir Mamata und Jim treffen, die Besitzer des Clubs, und Keith, den Kommandanten.
Sie heissen uns sehr herzlich willkommen und versprechen uns bei der Loesung
unserer Probleme zu helfen.
Keith faehrt mit uns eine Weile an der SW-Kueste der Insel herum und zeigt uns
die Verwwuestungen, die der fuerchterliche Zyklon Olga (300 km/h) hier im Januar
2004 angerichtet hat. Alle Haeuser bis auf eins wurden entlang dem
Kuestenstreifen zerstoert von den ueber 30m hohen Wellen und nur die Fundamente
sind noch zu sehen. Neben einem Haus auf der anderen Seite der Kuestenstrasse
war ein Schiff geparkt, das von einer WElle ins Land gespuelt , umgedreht und
wieder an seinen alten Platz transportiert wurde. Die meisten Leute verloren
alles, was sie hatten.
Ueberall auf der Insel sieht man Hunderte von verlasdssenen Haeusern. Neue
duerfen entlang der wunderschoenen Steilkueste nicht mehr gebaut werden. Wenn
man auf den Klippen steht und hinunterguckt aufs Meer, kann man sich nicht
vorstellen, dass es Wellen von derartiger Hoehe und Wucht gibt.
Die Menschen hier sind ganz besonders freundlich, man winkt jedem zu, gruesst
jeden, egal ob man zu Fuss geht oder im Auto sitzt. Trampen ist kein Problem,
man haelt den DAumen hoch, und schon haelt jemand und faehrt einen wohin
man moechte.
Vier Tage arbeiten wir an unseren verstopften Leitungen und Filtern und
versuchen, den Motor in Gang zu bringen. Wir sprechen mit allen Mechanikern und
bringen ihnen die Teile zum Testen
(keiner will aufs Schiff kommen, denn allen wird schon beim Anblick eines
Dinghies schlecht...). Es scheint, dass wir nach soviel Autostop jetzt die
ganze Inselbevoelkerung kennen. Am Freitag haben wir es endlich geschafft, der
Motor laeuft wieder!!
Am Samstag ist Dorffest in Lakepa auf der anderen SEite der Insel, und wir
mieten ein Auto. Dazu brraucht man einen Fuehrerschein von Niue. Auf der Polizei
erklaert uns die Polizistin Maria,
dass schon alle anderen nach Hause ins Wochenende gegangen sind und sie allein
keinen ausstellen koennte. Was aber weiter kein Problem waere. Wenn jemand
danach fragte, sollten wir sagen, Maria haette gesagt, es waere ok. Das beruhigt
uns total. Und Les, der Autoverleiher, der auch am Wochenende nicht arbeitet,
sagt: kein Problem, wenn ihr das Auto nicht mehr braucht, werft den Schluessel
in den Briefkasten.
Es gibt Gemuesestaende an der Strasse mit einer honesty box: man nimmt sich, was
man will, und tut das Geld dann in die Schachtel.
Niue hat ein Gefaengnis, direkt am Golfplatz, mit einem Insassen (er hat seine
Frau geschlagen) und einem Waerter, gitterlosen Fenstern und einem Gemuesegarten,
in dem der Gefangene Gemuese fuer seine Familie zieht.
Am Samstagmorgen fahren wir frueh mit Freunden hinauf nach Lakepa, vorbei am
Flughafen, auf dem jeden Freitag das Flugzeug aus Auckland landet. In Lakepa ist
schon das ganze Dorf rund
um den riesigen Rasenplatz versammelt und fruehstueckt. An vielen Staenden gibt
es Kokosporridge, Bananenkuchen und hochbeladene Teller mit Wuerstchen,
Haehnchen, Schweinefleisch, Taroscheiben, Kuerbis, Papaya und Krautsalat. Die
Frauen haben die ganze Nacht gekocht.
Eine junge Frau steht an einem kleinen Eisenherd und kocht in einem uralten
Gusseisentopf, der schon ihrer Ururgrossmutter gehoerte uga. Uga bedeutet
Kokosnussgarnele, eine riesige
Garnele, die etwa 60 bis 70 Jahre alt wird und sich von Obst ernaehrt. Wir haben
schon viel davon gehoert, aber noch nie eine gesehen. Normalerweise laufen sie
einem nicht ueber den Weg, denn sie sind NAchttiere und scheuen das Licht. Hier
sehen wir sie zum erstenmal, angebunden mit einer Schnur. Und wir duerfen sie
auch probieren, sie schmecken wie Hummer.
Skip macht beim Speerwerfen mit und schlaegt sich wachker. Der Speer soll
weniger durch die Luft fliegen als moeglichst weit ueber den Rasen schlittern.
Das ist leichter gesagt als getan!
Gegen Mittag fahren wir weiter auf der Ringstrasse um die Insel und halten an
einigen sea tracks: jedes Dorf und jeder Klan haben ihren eigenen Zugang zum
Meer. Im NO nahe Matalau
finden wir einen, der bei zwei Hoehlen oberhalb des Wassers endet. In den
Hoehlen liegen Aus-legerkanus und Angelgeraet. 30 m unter uns schaeumt das Meer
weiss, es sieht aus wie in einem
Hexenkessel.Im NW laufen wir zum Matapa Chasm, einer sehr engen Spalte in den
Kalkfelsen mit einer schmalen Verbindung zum Meer, etwa 100 m tief und
gefuellt mit kristallklarem Wasser. Niue hat keine Fluesse, der Regen sickert
durch das poroese Kalkgestein in den Basaltkrater vom erloschenen Vulkan unter
der Insel und ins Meer. Daher haben sie hier sehr gutes und viel Trinkwasser und
daher ist auch das Wasser um die Insel herum eines der klarsten der WElt.
Jeder der sea tracks ist verschieden. Manche fuehren zu kleinen Buchten voller
Koralleninselchen und Becken, andere zu winzigen Straenden, einige durch
Tropfsteinhoehlen wie Kathedralen, bevor sie sich zum Wasser hin oeffnen.
An der Strasse sehen wir ein grosses mysterioeses Schild: lady farmer's piggery!
Pigs for haircutting, pigs for ear piercing, pigs for weddings! Dann daemmert es
mir: die Haarschneidezeremonie fuer kleine Jungens und das Ohrlaeppchen-Piercing
fuer Maedchen werden
mit einem grossen Fest gefeiert, bei dem auch Geldgeschenke gemacht werden. 1998
bekam ein Maedchen aus Lakepa 38.000 $ zusammen!
Zum Schluss fahren wir an die Ostkueste, laufen 2 km durch den Regenwald und
sehen, als wir herauskommen, eine Mondlandschaft von nadelspitzen
Kolrallenfelsen vor uns soweit das Auge
reicht. Sie wurden von dem Spruehregen geformt, den die WEllen erzeugen, wenn
sie mit voller Wucht gegen die Kueste krachen. Wir folgen dem schmalen Pfad und
kommen an einen Abgrund. Tief unten in dem Loch sehen wir sandigen Grund, auf
dem 20 bis 30 Kokospalmen wachsen! Wir klettern etwa 20 m eine vertikale Leiter
hinunter in diese Oase. Was fuer ein Erlebnis! Dieser Kokoshain ist voellig
umschlossen von senkrechten, spitzen hohen Kalkfelsen!
Auf dem Weg zurueck machen wir am Matavai Resort Halt, trinken einen Sundowner
auf der Pool-Terrasse hoch ueber dem Pazifik, sehen die Sonne im Meer versinken
und essen etwas zu Abend.Am Sonntag reinigen wir den Dieseltank und ruhen uns
aus.
CHAP
XXXVI. Tonga
T O N G A
18º 39' 37 S 173º 59' 02 W
Am Samstag, d. 25. August, segeln wir gegen 9 Uhr ab Richtung Vava'u, Tonga,
etwa 250 Seemeilen WNW von Niue. Wir sind zwei Tage unterwegs, verlieren aber
einen ganzen Tag, weil wir die Datumgrenze ueberqueren, am Sonntag um 12 Uhr ist
es auf einmal schon Montagmittag. Bei Sonnenaufgang am Dienstagmorgen sehen wir
das Vava'u-Archipel vor uns liegen und tasten uns langsam die 6 Meilen das
Insellabyrinth bis zum Port of Refuge von Nei'afu, dem Hauptort von Vava'u.
Gegen 11:30 machen wir am Zollkai fest. Am Zollkai liegen schon mehrere Yachten.
In wenigen Minuten naehern wir uns dem Dock, fahren rueckwaerts in eine enge
Luecke und vertaeuen das Schiff - unter Beifall der Zoll-, Immigrations-,
Landwirtschafts- und Gesundheitsbeamten, die uns aufmerksam beobachten. Sie
meinen, dass sie noch ein Schiff so glatt und schnell anlegen gesehen haben. Die
amerikanische Yacht neben uns hat fuer
dieses Manoever anscheinend 6 Stunden gebraucht. Wir fragen uns, wie sie das
wohl bis hierher geschafft haben. Die vier Beamten klettern zu uns herunter (es
ist Ebbe) und machen es sich gemuetlich. Etwa 2 Stunden lang unterhalten wir uns
ueber Gott und die Welt, waehrend wir zwischendurch Fragebogen ausfuellen. Es
scheint ihnene bei uns zu gefallen, denn sie machen keine Anstalten, das Schiff
schnell zu verlassen. Schliesslich scheint der Hunger zu siegen, sie sagen
good-bye, und wir suchen uns eine Mooring-Boje vor dem Yacht Club, an der wir
festmachen.
Tonga (etwa 100.000 Einwohner) besteht aus vier Archipelen mit etwa 170 Inseln,
von denen aber nur 36 bewohnt sind. Tonga war nie eine Kolonie und ist das
einzig noch verbleibene polynesische Koenigreich. Es ist eine konstitutionelle
Monarchie, in der der Koenig noch absolute MAcht hat. Es ist das erste Land
westlich der Datumsgrenze, weshalb sie sich "das Land, in dem die Zeit beginnt"
nennen. Die Vava'u-Inselgruppe ist Tongas Segelzentrum und ein Knotenpunkt fuer
Pazifikueberquerer. Es gibt unzaehlige Korallenriffe, Kanaele und geschuetzte
Ankerplaetze. Das Wasser ist kristallklar und ideal zum Tauchen und Schnorcheln.
Und im Zentrum der Inseln liegt die riesige geschuetzte Bucht von Nei'afu, eins
der besten "hurricane holes im Pazifik. Tonga ist der Ort, an dem Captain Bligh
nach der Meuterei auf der Bounty auf einem kleinen Boot seinem Schicksal
ueberlassen wurde. Tonga liegt am Rand einer Kette von suedpazifischen
Vulkanen entlang dem Tongagraben, dem zweittiefsten Ozeangraben der Welt, bis zu
10.000 m tief. Hier gibt es viel vulkanische Aktivitaet: das Internet faellt des
oefteren aus wegen Erdbeben, und vor kurzem ist nicht weit von hier eine neue
Insel entstanden und natuerlich noch auf keiner Seekarte verzeichnet. Man muss
hier aufpassen. Wir haben auch gemerkt, dass wir moeglichst nicht direkt ueber
einen der riesigen Unterwassergipfel fahren sollten, denn an den Stellen sind
die Wellen besonders unberechenbar.
Mitten in der ersten NAcht in Nei'afu wachen wir verwirrt auf und gucken, ob wir
noch auf dem Schiff sind. Wir liegen so ruhig wie in einem Haus, das Wasser
bewegt sich nur, wenn ein Fisch
aus dem Wasser springt. Das letzte Mal, dass wir eine so ruhige Nacht gehabt
haben, war im Lake Gatún in der Paqnama-Kanal-Zone. Es liegen etwa 100 Schiffe
in der Bucht, aber es waere genug Platz hier fuer saemtliche Yachten im Pazifik.
Es ist so geschuetzt, dass viele Segler gar nicht mehr weiterfahren und die
Zyklonsaison ueber hier bleiben. Nei'afu ist ein kleiner Ort mit Laeden,
Restaurants, Cafés und Bars entlang dem Wasser. Bis 1978, als der Koenig das
Wahlfangverbot fueer Tonga erklaerte, war es ein Hafen fuer Wahlfangschiffe.
Jetzt ist es die Basis fuer eine Flotte von Wahlbeobachtungsschiffen. Von Juni
bis November, wenn die Buckelwale ihre Jungen gebaeren, kommen viele Touristen,
um sich die Wale aus der Naehe anzusehen und mit ihnen zu schwimmen. Das ist ein
gutes Geschaeft und sicher besser als sie zu toeten, aber die Wale werden durch
die starken Motoren massiv gestoert, und es gibt viele Gegner dieses
whale-watching unter dem Maentelchen des Oeko-Tourismus.
Am Morgen kommt uns ein aelterer Tonganer besuchen und bietet uns seine Dienste
an. Er verkauft Brot,Anhaenger,Flaggen, Fisch, Hummer, will sich um die Waesche
kuemmern etc. Ausserdem bringt er uns die ersten tonganischen Worte bei, u.a.
faka'ofo'ofa (schoen), was in unseren Ohren alles andere als schoen klingt. Wir
lassen uns ueberreden, zu einem "Tonga Feast" bei ihm zuhause zu gehen.
Schliesslich sitzen wir beide in seinem Haus auf einer MAtte auf dem Boden, vor
uns ein "Festmahl", das er uns anders versprochen und wir uns anders vorgestellt
hatten, das wir aber auch so bald nicht vergessen werden... Wir gehen zum
Utukalongalu-Markt in der Naehe des Dinghy-Hafens. In frisch geflochtenen
Koerben aus Palmwedeln und auf Bananenblaettern werden Wurzeln jeder Art
angeboten: Yams,Maniok, Ufi, Taro; Kuerbisse, Bananen, Papayas, Chinakohl und
anderes Gemuese. Viele Maenner tragen einen tupenu (Wickelrock, der sogar Skip
sehr gut gefaellt), die Frauen lange Roecke und Blusen. Sowohl Maenner als
Frauen tragen darueber ta'ovalas, eine tonganische Besonderheit- um die Huefte
gewickelte Matten aus gewebten Pandanus-Blaettern, manche so fein, dass sie
mehrere Hundert Dollar kosten. Diese ta'ovalas entsprechen unserem Anzug und
Krawatte.
Frauen koennen stattdessen auch ein kiekie tragen, einen Guertel, von dem
gewebte, Stoff- oder Baender aus Samen und Muscheln haengen. Auf dem Markt
wird auch Kunsthandwerkliches angeboten. Besonders beeindruckend sind die zum
Teil riesigen Walskulpturen, Korbflechtereien, tapa cloth (Stoff aus Baumrinde)
und Schmuck aus Knochen und Muscheln.
Nahe dem Markt liegt die Post. Tonga ist beruehmt fuer seine Briefmarken, einige
so gross, dass auf einer Postkarte kaum noch Platz fuer die Adresse uebrig waere.
Als wir eine der wenigen Strassen entlanggehen, kommen die Kinder gerade aus der
Schule. Die Jungen tragen knallblaue Wickelroecke, einige mit Pandanus-Matten
darueber; die Maedchen blaue brave Kleider. Die Muetter, die sie abholen,
scheinen alle im Sonntagsstaat zu sein. ES gibt unglaublich viele Schulen, und
jede hat ihre eigenen Uniformen, alle in kraeftigen FArben. Tonganer sind sehr
gut ausgebildet, leider finden aber nur wenige in Tonga eine Arbeit und muessen
deshalb auswandern. Wir kommen vorbei an Supermaerkten voller Dosen und vielen
Eisenwarengeschaeften. Die Gebaeude sehen aus wie aus einem Wildwestfilm. Davor
sitzen zahllose Maenner im Schatten von Baeumen, tatenlos. Wahrscheinlich sind
sie alle benebelt von Kava. Kava ist das Nationalgetraenk. Es wird hergestellt
aus den Zweigen und Wurzeln des Kavabuschs.
Sie werden getrocknet und dann zu feinem Pulver gemahlen und mit mehr oder
weniger Wassergemischt. Das sieht dann aus wie Abwaschwasser. Der erste Schluck
dieses bitteren Gebraeus aus einer Kokosnussschale versetzt einem einen leichten
Schock. Danach werden Zunge und Lippen taub wie nach einem Zahnarztbesuch, der
Koerper entspannt sich und man fuehlt sich leicht benebelt und unendlich traege.
Kavatrinken ist sehr beliebt vor allem unter Maennern, Kavaparties dauern
normalerweise bis in deie fruehen Morgenstunden. Kein Wunder, dass sie alle mit
glasigen Augen herumsitzen.
Im Duty-free Shop stossen wir auf einen voellig berauschten Verkaeufer, der
einschlaeft, waehrend er uns das Wechselgeld geben will. Wir muessen es ihm aus
den Fingern nehmen, er scheint es gar nicht mitzukriegen. Seine Sekretaerin
rollt die Augen.
Wir gehen im Tourist Office vorbei auf der Suche nach einem Leihwagen. Sie rufen
die Firma an, um rauszufinden, wo sie ihr Buero haben, und es stellt sich raus,
dass es gerade gegenueber ist.
Wir gehen hin und fragen, ob wir ein Auto mieten koennen. Ja, sie haben Autos,
aber erst in fruehestens drei Wochen ist wieder eins frei.
Wir gehen weiter die Strasse runter,kommen an einem Taxiunternehmen vorbei und
fragen dort nach einer Transportmoeglichkeit. Kein Problem, sagt der Taxifahrer,
nehmt einfach das Taxi und fahrt damit. Also klappern wir die ganze zerklauftete
Insel mit dem Taxi ab, und ueberall halten uns die Leute an, und wir muessen
ihnen erklaeren, dass wir zwar ein Taxi fahren, aber keins sind.
Wir fahren alle geteerten Strassen von Vava'u ab, alle vor 5 Jahren mit
EU-Geldern asphaltiert.
Die bange Frage ist nur: wer wird die Strassen reparieren, wenn sie
Schlagloecher kriegen? Wir fahren durch kleine Doerfer, vorbei an Feldern mit
Kava, Taro und unzaehligen Kokospalmen,
ueber causeways die Vava'u mit den kleineren benachbarten Inseln verbinden. Es
sind noch nicht mal 10 Autos unterwegs, dafuer aber unzaehlige Schweine in allen
Schattierungen. Sie geniessen totale Freiheit und scheinen sehr gluecklich zu
sein. Bei Ebbe waelzen sie sich wonnevoll im Schlimm der Riffe. Die Leute
halten sie wie Haustiere und geben ihnen Namen, auf die sie auch hoeren.
Da es praktisch jeden Tag regnet, haben wir wenig Lust, zu den outer islands zu
fahren und da zu ankern. Es ist so gemuetlich im Hafen von Nei'afu, dass unser
Schiff langsam anfaengt ,
Moosbaerte und Muscheln anzusetzen. Fehlt nur noch der Fernseher. So faengt der
"port-rot" an...
An einem Samstag fahren wir zu einem richtigen "Tonga Feast" am Ano Beach.
Tonganer sind bekannt fuer ihre gute Kueche und ihre Esslust (im Durchschnitt
ueber 3000 Kalorien pro Tag). Ein Tonganer wird nie satt, sagt man, er wird nur
muede und hoert deshalb auf zu essen. Und diesmal ist es auch ein wahres
Festessen mit Musik und Taenzen und Essen, das im Umu gekocht wird, einer Kuhle
in der Erde, mit heissen Steinen und Blaettern ausgekleidet, auf die das in
Blaetter verpackte Essen geschichtet und stundenlang sanft gegart wird).
Danach wird das Mahl in der Mitte des Tischs serviert. Bananenblaetter sind das
Tischtuch. Teller werden aus halben Bananenstauden geschnitten,
Kokosnussschaelen und ausgehoehlte gruene
Papayas dienen als Schuesseln. Alles schmeckt sehr lecker. Danach gibt es keinen
Abfall, denn die Reste werden an die Schweine verfuettert. Genial!
An einem Tag machen wir eine Tour durch Lucys und Hanitelis Botanischen Garten
am 'Ene'io Beach. Haniteli war 38 Jahre lang Direktor fuer Landwirtschaft und
Fischerei in Tonga, mit grossem Erfolg. Vor 30 Jahren begann er, den Garten
anzulegen, der inzwischen etwa 500 verschiedene Pflanzen aufweist. SEin Ziel ist
es, einheimische Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind, zu erhalten und neue
Sorten einzufuehren, und das alles ohne Anwendung chemischer Mittel.
Nach einem 2-stuendigen sehr interessanten Rundgang durch den Garten oberhalb
der idyllischen 'Ene'io Bucht gehen wir aum Besucherzentrum, wo gezeigt wird,
wie einige Produkte des taeglichen Lebens aus Rohmaterialien hergestellt werden.
Es werden Kava und Noni-Saft gemacht und in Windeseile Koerbe aus Palmwedeln
geflochten. Kokosfleisch wird geraspelt, dann mit etwas Wasser gemischt und dann
alles durch das braune Gewebe um die Kokosnuss herum geseiht, bis nur die
Kokosmilch fertig ist. Eine Tonganerin demonstriert die Herstellung von tapa-cloth.
Die fingerdicken Maulbeerstaemmchen werden geschaelt; die innere Rinde von der
aeusseren getrennt, zum Bleichen ins Meer gelegt, getrocknet und dann mit einem
Hammer immer breiter geklopft, bis ein Stueck Stoff entsteht. Viele Stuecke
werden dann aneinander gehaemmert, so dass Stuecke von mehreren Metern entstehen,
die dann bedruckt werden und als Umhaenge, Bettdecken, Matten etc. verwendet
werden. Noch nie haben wir die verschiedenen Herstellungsprozesse so anschaulich
vorgefuehrt bekommen. Wir sind begeistert! Zum Abschluss seerviert uns Lucy ein
wunderbares Mittagessen mit Fisch, Taro-Chipsund Salat in ihrem gemuetlichen
kleinen Restaurant mit Blick auf die Bucht.
Wir moegen die Tonganer. Sie sind hoefliche und sanftmuetige Leute, die gern
singen und feiern.
Familie und Dorfgemeinschaft, Respekt fuer andere und persoenliche Wuerde sind
ihnen wichtiger als Geschaefte und Anhaeufen von persoenlichem Reichtum, Dinge,
denen sie eher skeptisch gegenueberstehen und die sie wenig beeindrucken. Sie
sind auch sehr religioes. Jedes Dorf hat 3 oder 4 Kirchen, ei'afu noch mehr. Die
Kirchenglocken fangen jeden Morgen um 5:30 an zu laeuten, um 6 Uhr fangen sie an
zu singen. Sonntage sind Tage,an denen alles ausser den Baeckereien geschlossen
ist, niemand arbeitet, niemand fischt, niemand macht Laerm, man hoert auch kein
Radio.
In Tonga gibt es wenig Kriminalitaet. Wir fuehlen uns hier voellig sicher und
wohl!
F I J I
V A N U A L E V U, Savusavu
16º 46.71' S 179º 19.79' E
Nachdem es tagelang in Stroemen geregnet hat und wir auf dem Schiff festgesessen
haben, gehen wir am Sonntagmorgen in die Kirche, um den wunderbaren Kirchenchor
anzuhoeren und um sonniges Wetter zu beten. Die Gemeindemitglieder sind sehr
freundlich und heissen uns willkommen. Und nach dem Gottesdienst hoert es auch
tatsaechlich auf zu regnen!
Am Montag sind wir in "unserem" Dorf, Nukubalavu, zum lovo (Erdofen-)-Fest
eingeladen. Sie feiern den Tag ihrer Schutzpatronin, der Heiligen Theresa, und
alle Familien sind anwesend. Wir sind die einzigen Fremden.
Zuerst setzen wir uns in den Schatten von einem riesigen Mangobaum an einem
kleinen Bach, wo ein paar Maenner nach einer Weile die Schichten von dampfenden
Bananenblaettern entfernen, die den Berg von Tarowurzeln und Brotfruechten
bedecken. Zuerst wird die groesste und schoenste Tarowurzel auf ein Blatt gelegt,
mit der immer griffbereiten Machete in Scheiben geschnitten und dem Haeuptling
gebracht. Und dann wird auch uns eine Tarowurzel gereicht, und wir essen sie mit
Genuss. Sie schmeckt wie Kartoffeln, die man am Lagerfeuer backt.
Danach probieren auch alle anderen, ob alles gut geworden ist. Das uebrige Essen
kochen die Frauen heute zuhause auf ihren Herden.
In Fiji ist es Sitte, vor dem Essen Kava zu trinken. Alle Maenner (und ich als
Gast) sitzen um die Kavaschale und trinken reihum aus der Kokosschale, etwa zwei
Stunden lang. In der Zwischenzeit bereiten die Frauen das Mittagessen und decken
den "Tisch". In diesem Fall bedeutet das, dass sie die Dorfhalle mit Matten
auslegen, auf die sie zwei lange Tuecher breiten. Auf die Tuecher stellen sie
die Teller. Hier essen die Maenner, waehrend die Frauen in kleinen Gruppen nahe
der Kueche essen.
Auf jedem Teller liegen eine ganze Garnele, ein ganzer Fisch, Huehnchencurry,
Oktopus, Taro- und Brotfruchtscheiben und anderes Gemuese. Mit gekreuzten Beinen
auf dem Boden zu sitzen, mit den Fingern vom Teller auf dem Boden zu essen und
die Garnelenzangen aufzubrechen ist ziemlich unbequem und macht eine ganz
schoene Sauerei. Aber das stoert niemanden. Es ist aber unfein, sich die Finger
abzulecken, also steht man ab und zu auf und waescht sich die Haende unterm Hahn.
Nach dem Essen setzen wir uns wieder um die tanoa auf der Terrasse und reden,
bevor wir uns auf den Weg zurueck machen. Mit unserem Freund Wais warten wir auf
den Bus, der viel Verspaetung hat (Fiji-time). Gluecklicherweise kommt ein Taxi
an, das einige Dorfbewohner herbringt. Da der Taxifahrer sowieso nach Savusavu
zurueck muss, berechnet er uns nur 65 cents fuer die sechs-Dollar Fahrt.
Am naechsten Morgen regnet es wieder, und wir mieten uns ein Auto, um in den
Norden der Insel und in die Sonne zu fahren. Die hohen Berge von Vanua Levu
blockieren die Passatwinde und sind der Grund fuer die haeufigen Regenschauer an
der Suedkueste, waehrend es auf der Nordseite viel trockener ist.
Nachdem wir durch dichten Regenwald die steilen Berge hinaufgefahren sind,
kommen wir auf eine Art Hochplateau mit Pinienwaeldern. Besonders im Norden und
an leichter zugaenglichen Stellen sind die einheimischen Hartholz-Waelder (z.B.
Mahagonny) unter der britischen Kolonialregierung abgeholzt worden. Stattdessen
pflanzt man nun die schnellwachsenden Pinien an, aus denen Sperrholz gemacht
wird.
Dann kommen wir hinunter in das Zuckerrohrgebiet von Labasa. Jetzt ist gerade
die Zeit der Zuckerrohrernte, und vor Fijis zweitgroesster Zuckermuehle stehen
Hunderte von Lastwagen, hochbeladen mit Zuckerrohr, Schlange, um gewogen und
entladen zu werden. Wir fragen einen der Fahrer, wie lange er schon wartet, und
er antwortet, Oh, ungefaehr acht STunden, aber das ist kein Problem; danach muss
ich noch eine Fuhre machen. Wir fragen uns, wie irgendwer beim Preis von 10 Fiji-Dollar
pro Tonne Zuckerrohr noch iregendwas verdienen kann. Bei weiteren Nachfragen
stellt sich heraus, dass die Zuckerindustrie seit 20 Jahren nur Verluste macht,
aber darueber scheint sich keiner gross aufzuregen.
Die Stadt Labasa, die groesste von Vanua Levu, koennte sich auch irgendwo in
Indien befinden. Ueberall sieht man kleine Hindutempel, winzige Moscheen mit
gruenen Kuppeln, Schilder auf Hindu, Frauen in Saris und mit rotem Punkt auf der
Stirn, indische Popmusik ertoent aus den Geschaeften. Nachdem wir in einem Hare
Krishna Restaurant scharfes indisches Essen genossen haben, machen wir uns
zurueck auf den Weg nach Savusavu. Von einem Aussichtspunkt hoch oben in den
Bergen bietet sich uns ein phantastischer Blick auf eine dichte weisse
Wolkenwand und sonst nichts.
Am Donnerstag nehmen wir einen Bus zur Buca Bay im Suedosten. Nach zweieinhalb
Stunden ueber die holprige Piste kommen wir an einen Steg, von dem die kleine
Sperrholzfaehre nach Taveuni abgeht. Taveuni ist eine der groesseren Inseln der
Fiji-Gruppe. Die Fijis nennen sie auch die Garteninsel. Die Fahrt ueber die
stille Bucht dauert zwei Stunden. Danach checken wir im First Light Inn in
Wayevo ein. Das kleine Hotel im ersten Stock ist einfach und sauber und hat von
der weitraeumigen Terrasse direkt ueberm Meer einen wunderschoenen Blick ueber
die Somosomo Strait auf Vanua Levu.
Im selben Komplex im Erdgescchoss gibt es ein kleines Restaurant. Sie haben vier
Gerichte zur Auswahl: ein halbes Haehnchen (eher eine halbe Taube), Hammelcurry,
ein undefinierbares Gericht und ein viertes, das sie mit "Fleischknochen"
beschreiben und eher verdaechtig aussieht. Es erinnert an zersaegte
Oberschenkelknochen. Da ich Vegetarierin bin, frage ich, ob sie mir etwas mit
Gemuese machen koennen. Die Kellnerin guckt mich etwas ratlos an, meint dann
aber, das waer kein Problem. Und dann kommt ein Berg von vor Hammelfett
triefendem Reis mit genau 6 Erbsen und 7 Maiskoernern...Als wir weggehen, sehen
wir, dass der Name des Restaurants "The Cannibal Café" ist. (Woher kommen diese
Fleischknochen? Das Hotel scheint jeden Abend voll zu sein, aber morgens sind
immer Zimmer leer...Ich mach nur Spass!)
Einer der Gruende, warum wir nach Taveuni wollten, war, dass wir die Linie des
180. Laengengrades sehen wollten.Zwar finden wir diese Linie nicht, dafuer aber
ein huebsches Schild und, nachdem wir einen Rugbyplatz ueberquert haben,eine
kleine Kirche, die sich ruehmt, die einzige Kirche auf dem 180. Meridian zu sein.
Dann wandern wir entlang der Kuestenstrasse bis zur katholischen Mission, die
1907 auf einem Huegel in Wairiki von franzoesischen Missionaren erbaut wurde.
Unser etwas unzuverlaessiger Lonely Planet-Fuehrer schwaermt von einem Gemaelde
dort, das eine beruehmte Kanu-Sclacht zwischen Tonganern und Fijis in der
Somosomo Strait darstellt. Schliesslich finden wir das Bild im Salon des
Priesters, der es veraechtlich als armselig und geschichtsklitternd abtut. Wir
koennen ihm nur beipflichten.
Am naechsten Morgen holt uns ein Taxi ab, um uns an die Ostkueste zum Bouma
Nationalpark und nach Lavena zu bringen, den zwei Highlights von Taveuni. Es
regnet mal wieder, es giesst in Stroemen und schliesslich wie aus Kuebeln. Die
nichtasphaltierte Strasse wird fast unpassierbar, wir versinken im Schlamm,aber
Patrick, unse Chauffeur, laesst sich nicht beirren. Bis wir dann an eine Stelle
kommen, an der der Fluss auf ueber einen Meter ueber der tiefliegenden Bruecke
angeschwollen ist und reissend talwaerts fliesst und wir wirklich nicht mehr
weiter koennen. Wir kehren um, und Patrick faehrt mit uns stattdessen zur
Waitavala Wasserrutsche, einem langen Wasserfall ueber flache Felsen im
Regenwald, den man bei gutem Wetter hinunterrutschen kann. Aber bei diesen
Wetterverhaeltnissen ist das nicht ratsam.
Da wir nichts anderes unternehmen koennen, fahren wir zu den Taveuni Estates an
der Suedwestkueste und essen da eine tolle Puizza aus dem Holzofen. Dann kehren
wir zurueck ins Hotel und gucken uns drei James Bond-Filme an.Sie haben zwar
eine riesige Satellitenschuessel hier, aber nur zwei Kanaele. Auf denen laufen
24 Stunden am Tag entweder Bollywood-Schinken oder amerikanische Filme.
Als es am naechsten Morgen wieder schuettet und wir drueben auf der anderen
Seite der Meerenge die sonnige, wolkenlose Kueste von Vanua Levu sehen,
entscheiden wir spontan, unseren Aufenthalt in Taveuni abzukuerzen und die
naechste Faehre zurueckzunehmen. Und so ist uns auch der Anblick von Boa
Constrictor-Schlangen erspart geblieben,von denen - wie uns am naechsten Tag ein
indischer Bekannter erzaehlt - es in Taveuni nur so wimmelt.
KORO
17º 14.43' S 179º 25.66' O
Nach 17 Tagen in Savusavu verabschieden wir uns am Donnerstag, d. 11.10., von
all unseren neuen Freunden ausser Wais und setzen wieder die Segel. Wais, ein 21
Jahre alter Fiji, wird mit uns durch die Inselgruppe fahren, um seine Eltern in
Kadavu, der suedlichsten Insel, zu besuchen. Wegen all der Formalitaeten kommen
wir erst spaet weg und segeln am ersten Tag nur 5 Meilen die Kueste der Bucht
entlang bis zum Cousteau Resort, einem wunderschoen gelegenen Gourmet-Hotel nahe
der Einfahrt in die Bucht, das Michel Cousteau gehoert, einem der Soehne des
legendaeren Ozeanographen. Abends sitzen wir im Cockpit und gucken uns den
romantischen Sonnenuntergang an, waehrend sich im Osten ueber den Bergen
schwarze Wolken ballen und es in Savusavu mal wieder in Stroemen regnet. Hier
ueber der flachen Halbinsel weht eine Brise vom Meer die Regenwolken weg, es ist
trocken und klar, der Nachthimmel voller Sterne, der junge Mond eine schmale
Sichel. Nach einer ruhigen Nacht brechen wir am naechsten Morgen frueh auf nach
Koro. Um 14 Uhr ankern wir direkt westlich von dem ausgedehnten Korallenriff im
Nordosten der Insel, vor uns ein langer weisser Sandstrand und dahinter das Dorf
Nacamaki. Wir paddeln alle drei an Land, um dem Chief des Dorfs ein Sevusevu zu
bringen. Das muss man jedesmal machen, wenn man neu in ein Dorf kommt.
Es ist so, wie wenn man das erstemal von jemanden in sein Haus eingeladen wird
und ein kleines Geschenk mitbringt. In Fiji besteht es normalerweise aus einem
Buendel Kavazweigen, die man
schon huebsch verpackt in Zeitungspapier auf MAerkten kaufen kann. Es aehnelt
einem Blumenstrauss.
Wir fragen einen jungen Mann aus dem Dorf nach dem Haus des Chiefs, und er
fuehrt uns zu einem knallgelben Holzhaus, wo wir uns im Wohnraum auf MAtten
niederlassen und auf den Chief warten. Er haelt nach der Feldarbeit eine Siesta
und muss geweckt werden. Schliesslich erscheint ein hagerer aelterer Man mit
ausdrucksvollem Kopf im Blumen-Sulu (Wickelrock) und Blumen-Hemd, setzt sich
nieder auf den mit knallbunten Blumenmustern gefliesten Boden und lehnt sich
gegen das blumig gemusterte Sofa mit den vielen Haekeldeckchen. Ich haette gern
ein Foto von dieser Szene gemacht, aber wie es so oft geht - viele Bilder
koennen wir aus Ruecksicht auf die Leute nicht machen.
Nach einer feierlichen Willkommensrede laedt uns der HAeuptling ein, das Dorf
anzusehen und in der Dorfhalle Kava zu trinken. Wir duerfen frei auf dem ganzen
Gebiet des Dorfes herumwandern und uns im Wald mit Essbarem eindecken. In
Begleitung eines Mannes laufen wir etwa eine Stunde durch das idyllische Dorf,
gruessen alle und sprechen mit vielen, verzichten dann aber trotz Draengens aufs
Kavatrinken, weil wir noch vor der Ebbe mit dem Dinghy ueber das Korallenriff
zurueck zum Schiff paddeln muessen.
Am naechsten Morgen machen wir uns frueh auf den Weg die Ostkueste hinunter zum
naechsten Dorf, um Einkaeufe zu machen (in Nacamaki gibt es kein Geschaeft). Es
geht 7,8 km bergauf und bergab durch den Regenwald und vorbei an Tarofeldern.
Unterwegs treffen wir einen BAuern, Beni, der sich uns anschliesst und mit uns
wandert. Es ist sehr heiss, und Beni meint, er koenne vielleicht ein Auto
organisieren, das uns wieder nach Nacamaki zurueckbringt.
Um auf das Auto warten, klettern wir den Huegel hinauf zum Postamt , wo man zwar
Zigaretten kaufen kann, aber nichts zu trinken. Wir fragen jemanden, ob wir
irgendwo frischen Fisch kaufen
koennen, und er geht mit uns den Berg hinunter zur Dorfmitte, wo wir in einem
Privathaus eine grosse Truhe voller Fisch finden, der exportiert werden soll.
Wir suchen uns zwei praechtige
red snapper aus und stopfen sie in eine Plastiktuete.
Und wo gibt es Brot?Dafuer muessen wir einen steilen Pfad hinunter bis zu einem
anderen Ort am Meer laufen, wo Skip seine KAppe abnehmen muss, denn in diesem
Dorf ist es sehr unhoeflich, etwas auf dem Kopf zu haben. Das Brot ist noch warm
und riecht koestlich.Dann klettern wir wieder bergauf bis zur Post, wo das Auto
vielleicht schon wartet. Aber es ist
nichts zu sehen. Wir fragen den Mann auf der Post, wo wir was Kuehles zu trinken
kaufen koennen, und er meint, im Haus unterhalb vom Fisch-HAus machten sie
frischen Saft und Eis!! Erwartungsfroh laufen wir wieder bergab, aber das Haus
ist geschlossen, es ist schon alles verkauft.
Eine freudliche Frau sagt, Wenn Ihr den anderen Huegel runtergeht, gibt es ganz
unten ein Geschaeft, wo sie kuehle Getraenke verkaufen... Wais bietet sich an,
allein hinunterzugehen, waehrend wir in Schweiss gebadet wieder den Huegel zur
Post hinaufschleichen und uns unter einen kuehlen Mango-Baum setzen. 20 Minuten
spaeter kommt Wais mit haengender Zunge und ein paar Flaschen voller
bonbonfarbenem klebrigem Gebraeu wieder zurueck - es war das einzige, was sie
hatten, aber es ist wenigstens kuehl.
Nach etwa zwei weiteren Stunden (it's Fiji time!) kommt auch unser Auto, ein
Allrad-Pickup, und faehrt uns zurueck nach Nacamaki. Unterwegs erzaehlt uns Beni
die Geschichte mit der Schildkroete.Die Schildkroete ist das heilige Tier des
Dorfs.
Der Haeuptling stellte immer eine Schale mit Kava an den Strand, um die
Schildkroeten anzulocken und willkommen zu heissen. Eines Nachts aber kam eine
Schildkroete und fand die Schale leer. Sie versteckte sich im Gras und sah, dass,
nachdem der Haeuptling die Schuessel wieder gefuellt hatte, ein Mann herankam
und sie austrank. Die Schildkroete sprang aus ihrem Versteck und verwandelte den
Mann zur Strafe in einen Baum. Seither waechst in Nacamaki ein Baum, den es
sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Die Fruechte des Baums haben die Form einer
Schildkroete! Jedes Dorf in Fiji hat sein eigenes Totem-Tier und seine eigene
Geschichte dazu. Als wir zurueck zum Schiff paddeln, trauen wir unseren Augen
nicht: eine riesige Schildkroete
schwimmt um es herum und bleibt die ganze Zeit unseres Aufenthalts da!
Spaeter am Nachmittag gehen wir wieder ins Dorf, wo uns Keni auf seiner
schattigen Terrasse zum Kavatrinken einlaedt. Wir erzaehlen ihm von der
Schildkroete, und er sagt, Oh, die sind immer da, weil wir sie hier im Dorf
nicht jagen und essen, sie sind heilig fuer uns. Kurz bevor die Sonne untergeht
nehmen wir die Matten und die Kavaschale und setzen uns an den
Rand des Dorfrasens, gucken den Rugbyspielern zu und trinken noch mehr Kava.
Keni spielt Gitarre und singt mit seiner Frau Fiji-Lieder. Als es sehr dunkel
ist, ziehen wir wieder um, diesmal in die Dorfhalle, die schon voller Leute ist,
die auch alle um Kavaschalen herumsitzen. Von draussen hoeren wir rhythmisches
Klingen, in einem tiefen Metallgefaess wird mit einer schweren
langen Eisenstange abwechselnd von zwei jungen Maennern die Kava zerstampft.
Drinnen spielen einige Maenner auf Gitarren und Ukulelen und singen dazu
vielstimmig ihre etwas wehmuetigen Lieder. Nach und nach kommen auch die Frauen
dazu, mehr und mehr Kava wird getrunken, es wird gescherzt, gelacht und gesungen.
Viele Schalen spaeter, nachdem wir etwa 6 Stunden mit gekreuzten Beinen gesessen
haben, wanken wir durch die dunkle Nacht zurueck zum Strand und tasten uns mit
dem Dinghy zurueck durch das Korallenlabyrinth.
Am naechsten Morgen machen sich Skip und Wais auf, um im Regenwald Essen zu
sammeln. Sie wandern eine Weile den Strand lang (wo sie wunderschoene Muscheln
finden), bis Wais eine Kokospalme nach seinem Geschmack gefunden hat. Er macht
aus seinem Hemd eine Schlinge, die er wie eine Klammer um seine Fuesse
herumbindet, und auf geht's! Fiji-Palmen sind die hoechsten der Welt, sie
werden aelter als andere, ihre Staemme sind rot und die Kokosnuesse gelblich. In
30m Hoehe loest Wais eine Kokosnuss und schreit, Hier, fang!, laesst
sie dann aber auf einen FElsen klatschen, wo sie in 1000 Stuecke zersplittert.
So ein Ding kann man unmoeglich fangen. Damit sie nicht aufbrechen, wirft Wais
die naechsten in das Unterholz um
die Palme herum, so dass die Zweige den Aufprall daempfen. Nachdem er 15
Kokosnuesse hinuntergeworfen hat, klettert Wais wieder abwaerts, schlaegt mit
der Machete von zweien die Spitze ab und fertig ist ein kuehler koestlicher
Drink! Dann schlaegt er von allen anderen die dicke gruene aeussere Schale ab,
so dass nur die kleine innere Nuss uebrig bleibt, die man viel besser
transportieren kann. Eine Frau aus dem Dorf kommt vorbei und sagt, etwas tiefer
im "bush" (so nennen sie hier den Wald) gaebe es wilde Orangen (so nennen sie
die Zitronen, die aussen gruen und innen orange sind). Auf der Suche im bush
laufen ihnen diverse Schweine und Ferkel ueber den Weg (ein Spanferkel
waer auch nicht schlecht!), allerlei Voegel schwirren herum, und schliesslich
finden sie den Baum und ernten eine Tuete voller saftigster Zitronen. Ausserdem
finden sie armdicke Bananen und Pawpaws (Papayas). In Fiji leidet niemand Hunger,
praktisch alles kann man im Wald finden, Wurzeln jeder Art, spinataehnliche
Blaetter, Pilze, Nuesse, Brotfruechte oder auch Boas, deren Fleisch lecker sein
soll.
M A K O G A I
17º 26.53' S 178º 57.16' O
In der Fruehe am Sonntag, 14.10., segeln wir die 39 Meilen nach Makogai. In Fiji-Gewaessern
au segeln ist eine sehr heikle Angelegenheit wegen der ausgedehnten
Korallenriffe, die sich meilenweit hinaus ins Meer erstrecken, meist nicht
markiert sind und nur sehr enge Passagen in die Lagunen haben. Die Einfahrt in
die Makogai-Lagune z.B. ist nur etwa 40 m breit und 4 Seemeilen lang. Man muss
bei gutem Wetter zwischen 10 und 15 Uhr durchfahren, wenn der Sonnenstand gute
Sicht auf die Untiefen zulaesst. Der Tiefenmesser allein genuegt nicht. Zwar
haben wir auch ein paar waypoints fuer das GPS, aber darauf kann man sich nicht
unbedingt verlassen. Schliesslich ankern wir in einer kleinen Bilderbuchbucht ,
die eigentlich eine "restricted area" ist, weil der Staat hier ein
Forschungsprojekt durchfuehrt. Man versucht, Riesenmuscheln, die ausgestorben
waren, wieder anzusiedeln. Makogai war von 1916 bis 1968 die Lepra-Insel fuer
den ganzen Pazifikraum. 5000 Leprakranke lebten hier und wurden von
franzoesischen Nonnen betreut. Es gab drei Siedlungen, je eine fuer Melanesier,
Polynesier und Inder. Und 5 Gefaengnisse! Fuer die Armen, die verbotenerweise
engere Beziehungen zum anderen Geschlecht geknuepft hatten.... Heute sind aus
dieser ZEit noch einige Holzhaeuser uebrig, die sich in diesem Klima erstaunlich
gut etwa 100 Jahre gehalten haben. An vielen Stellen sieht man auch Plattformen,
wo mal HAeuser gestanden haben, dann aber zerlegt und an anderer Stelle wieder
aufgebaut wurden.
Heute gibt es auf der Insel nur zwei Doerfer mit insgesamt 80 Menschen, das eine
im Norden an unserer Bucht, und das andere im Sueden. Am Morgen nach unserer
Ankunft wandern wir auf einem schmalen Pfad durch den Wald nach Sueden. Der Weg
war mal breit und gut ausgebaut, ist aber jetzt fast voellig ueberwuchert.
Entlang dem Weg stossen wir auf die ehemalige indische Station. Nach eineinhalb
Stunden kommen wir auf einen Sattel zwischen zwei Huegeln mit einem
phantastischen Blick ueber Inseln, Riffe und Meer bis hinueber nach Viti Levu,
der Hauptinsel.
Wir steigen auf der anderen Seite hinunter ins idyllische Sueddorf. Umgeben von
Bananenplantagen und Gemuesegaerten und inmitten von grossen RAsenflaechen
liegen die buntgestrichenen Holzhaeuser verstreut. In der adretten neuen Schule,
in der alle Inselkinder unterrichtet werden, haben sie gerade Pause. Der Lehrer
schenkt uns ein paar Papayas. Dann gehen wir an die ehemalige Anlegestelle, wo
noch einige verwitterte und verlassene Huetten stehen und ein Schild, "Welcome
to Makogai", was in frueheren Zeiten ziemlich makaber gewesen sein muss.
Auf dem Rueckweg machen wir am Strand Rast, und Wais holt wieder Kokosnuesse von
Palmen, denn wir haben einen hoellischen Durst, jeder trinkt mindestens 4 davon
aus. Es ist erstaunlich, wie kuehl das Wasser in den Nuessen bleibt. Sobald wir
stehenbleiben, stuerzen sich Millionen Moskitos besonders auf mich, meine Arme
sind bedeckt davon und ich schlage frenetisch um mich. Wir muessen die ganze
Zeit in Bewegung bleiben. Am Dienstag, 16.10., fahren wir wieder aus der Lagune
hinaus durch den langen Pass und dann hinueber nach der Insel Ovalau. Nach
viereinhalb Stunden ankern wir direkt vor der Sacred Heart Kirche von Levuka.
O V A L A U (L E V U K A )
17º 40.98' S 178º 50.17 O
Ovalau ist eine wunderschoene vulkanische Insel mit spitzen gruenen Bergen und
einem schon lange erloschenen Krater in der Mitte. Levuka, der HAuptort mit
heute 2000 Einwohnern liegt auf einem sehr schmalen Streifen Land zwischen der
Lagune und den steilen Huegeln. Direkt hinter der Beach Street entlang dem Meer,
der einzigen grossen Strasse, beginnt schon der Regenwald.
Anfang des 19. Jahrhunderts war Levuka ein Umschlagplatz fuer den HAndel mit
Seegurken, Kopra und Schildkroetenpanzern und beruechtigt fuer wueste Raufereien
und Saufereien. Nachdem Chief Cakobau 1874 das voellig verschuldete Fiji den
Briten als Kolonie ueberliess, wurde Levuka die Hauptstadt des Landes. 3000
Europaeer siedelten sich hier an, gruendeten Plantagen, Handelsfirmen und
Geschaefte, es gab 52 Hotels in der Stadt. Aber schon bald sah man, dass Levuka
einfach zu wenig Platz hatte, um sich zur Hauptstadt entwickeln zu koennen, und
die Kolonialregierung zog um nach Suva auf der groessten Fiji-Insel Viti Levu.
Zur gleichen Zeit kollabierte der Kopra-MArkt, und Levukas Niedergang begann.
Heute erstreckt sich Levuka entlang dem WAsser zwischen Thunfischfabrik und Gun
Rock. Viele der oeffentlichern und religioesen Gebaeude aus alter Zeit sind noch
erhalten, besonders pittoresk aber ist die Haeuserzeile entlang der Beach Street.
Es ist, als ob jemand vor 100 JAhren die Uhr angehalten haette. Einer der
wenigen Orte in Levuka, wo man heutzutage etwas trinken kann, ist der alte
Ovalau Club. Auf dem Schild am Eingang steht,"Members only! Guests welcome" -
Nur fuer Mitglieder, Gaeste willkommen. Vorn in der Lounge droehnt das Fernsehen,
in der Mitte ist die Bar und im hinteren Zimmer ein riesiger Snooker-Tisch. 6
Fijis spielen hier ein wildes Spiel, tragen ihre Queues wie Speere vor sich her,
fuehren Kriegstaenze um den Tisch herum auf, heulen und schreien wie in einer
Schlacht. Bei den WEltmeisterschaften sollten sie unbedingt ein Team aus Fiji
dabeihaben, um die Spiele etwas aufzupeppen! Was fuer eine Show die machen
koennen!
Unser Lieblingsrestaurant in Levuka ist Kim's Paak Kum Loong. Kim ist
chinesischer Herkunft, in Savusavu geboren, und ein begnadeter Koch. Einmal in
der Woche macht er ein Buffet mit etwa 30 verschiedenen Gerichten, eins leckerer
als das andere! Eine Mischung aus chinesischer, indischer und Fiji-Kueche. Die
Preise sind sehr guenstig, das Essen koestlich, es ist eins der besten
Restaurants im Pazifik in dieser Kategorie, Segler sollten es unbedingt besuchen!
Entlang dem Wasser verkaufen Baeuerinnen unter den Schattenbaeumen Taro, Kasava,
Algen, Chili-
schoten etc. Der Prediger einer Sekte schreit sich die Seele aus dem Leib -Hallelujah!
-, der Chor singt und tanzt.Schulkinder spielen KArten. Der Fischhaendler
schlaeft fest ueber der Theke
seines kleinen Laedchens, bis eine Bekannte fest auf den Tisch haut, er
erschrocken aufwacht und sie dann drohend verfolgt... Fuer ein paar Stunden
mieten wir Moon und sein Allradtaxi (die meisten Strassen in Fiji sind nicht
geteert) und fahren einmal rund um die Insel und nach Lovoni, dem einzigen Ort
im Inselinneren, mitten im ehemaligen Krater. Moon meint, dass Fiji ein von Gott
gesegnetes Land ist. Alles waechst von selbst, das Klima ist das ganze Jahr
ueber angenehm, es gibt unzaehlige klare Bergbaeche, es gibt Fisch. Aber, meint
Moon, das verleitet die Leute auch zur Faulheit. Bei der Inselrundfahrt brechen
wir nach jeder Strassenkehre erneut in Ahs und Ohs aus, denn immer wieder bieten
sich faszinierende Ausblicke auf Berge und Meer.
CHAP XXXIX.
K A D A V U
19º 02.84' S 178º 09.45' O
Drei Tage sitzen wir in Levuka fest, weil wir mit dem grossen Schwell, starken
Regen und Suedwind nicht nach Sueden Richtung Kadavu abfahren koennen. Am
Dienstag, d. 23. Oktober, blaest der Wind dann endlich aus NO, so dass wir den
Anker hochholen und uns durch die hohen Wellen durch den Pass kaempfen. Zuerst
muessen wir einige Stunden in suedoestlicher Richtung segeln, um die
ausgedehnten Riffe vor Viti Levu, der groessten Insel von Fiji, zu umgehen,
bevor wir suedoestlichen Kurs auf Kadavu nehmen koennen.
Fruehmorgens um 5 Uhr passieren wir den Leuchtturm des beruehmten Astrolabe
Riffs noerdlich von Kadavu und fahren dann die Nordkueste entlang, bis wir zum
Pass von Vunisea kommen, der fuenf Meilen vor der Bucht anfaengt und sich durch
das Riff und Korallenkoepfe schlaengelt. Es gibt Markierungspfosten, die aber
fuer uns nicht eindeutig sind, so dass wir vorsichtig im
Zickzack von einem Pfosten zum naechsten fahren, ohne ihnen allzu nahe zu kommen
- man weiss ja nie... Nach einer bangen Stunde ankern wir dann in sandigem Boden
nahe dem Dock von Vunisea, Kadavus groesstem Ort.
Das Haupttransportmittel in Kadavu sind die Holzboote der Einheimischen, alle
mit starken Aussenbordmotoren ausgeruestet. Es gibt so gut wie keine geteerten
Strassen, und die existierenden
Wege sind ausgewaschen und -wenn ueberhaupt- nur mit Allradfahrzeugen befahrbar.
Auf dem Dock stapeln sich Berge von Baumaterial, das nach und nach erst ein
Stueck per carrier (kleine LKWs) oder Boot und dann auf dem Ruecken an seinen
Bestimmungsort transportiert wird.
Am naechsten Tag organisieren wir eins dieser Boote und fahren um das suedliche
Kap herum nach Tavuki, wo Wais' Mutter mit ihrem zweiten Mann und ihren Kindern
lebt. Als wir dort ankommen, ist es Ebbe, und wir muessen fast einen Kilometer
durch den Schlick bis zum Anleger waten, nicht sehr angenehm, vor allem barfuss
und wenn man den Schlamm mal naeher in Augenschein nimmt.
Es wimmelt nur so von Schlangenknaeueln (Wais meint, die waeren harmlos, auch
wenn man drauf traete...), und ab und zu sieht man in einer Pfuetze auch eine
der extrem giftigen braun-weiss
geringelten Wasserschlangen, die viermal so giftig wie eine indische Kobra sind,
aber wohl nicht allzuviele Opfer finden, weil ihr Mund so klein ist...) Nachdem
wir Wais' Mutter, seinen Stiefvater (Haeuptling von Soso, Kadavu) und kleinen
BRuder begruesst haben, spazieren wir den Strand entlang zur Schule, um seiner
Schwester Guten Tag zu sagen. Auf dem Weg begruessen uns viele Leute, wir
sprechen mit einigen, alle sind sehr freundlich und hoeflich und interessiert.
Wir duerfen nur bestimmte Pfade durchs Dorf benutzen, sie stehen voller Wasser
vom Regen, so dass wir barfuss laufen wie alle anderen auch. Wir duerfen keine
Kappen aufsetzen und auch keine Zigarette im Gehen rauchen, das waere schlechtes
Benehmen. Gut, dass Wais sich auskennt. Wais bleibt ueber Nacht in Tavuki, und
wir fahren mit dem waqa (Boot) zurueck nach Vunisea. Unterwegs besuchen wir noch
ein anderes Dorf, in das man durch einen langen Mangroventunnel gelangt, wo der
Film "Anaconda" gedreht wurde.
Kadavu wird auch Klein Neuseeland genannt, wegen der Landschaft und Form der
Insel.Vunisea liegt auf einem Huegel, der einen sehr schmalen Isthmus bildet, so
dass die Insel praktisch aus zwei Teilen besteht. Wir ankern in der noerdlichen
Bucht und laufen am anderen Tag ueber den Berg zur riesigen suedlichen Soso-Lagune,
wo wir ein Holzboot mieten, das uns zur Insel Galoa bringt.
Auch hier kommen wir wieder bei Ebbe an und muessen durch den Schlamm waten. Wir
naehern uns dem Dorf auf dem Besucherpfad. Solange man nicht offiziell
eingefuehrt ist, kann man sich nicht ueberall frei bewegen. Der Ruf "Es sind
Fremde da!" geht wie ein Lauffeuer durch's Dorf. Dann begleitet uns ein Mann zum
Versammlungshaus, wo der Haeuptling oder Koenig (Tui) schon mit seinen Aeltesten
im Kreis sitzt. Wais stellt uns vor und bittet, das Dorf besuchen zu duerfen und
uebergibt dem stellvertretenden Haeuptling unser Sevusevu, ein Buendel
getrockneter
Kavazweige. Der Stellvertreter teilt dem chief in einer Rede etwas mit und
uebergibt ihm dann das Geschenk. Dann haelt der Haeuptling selbst, ein feiner
alter Mann mit europaeischen Gesichtszuegen,eine laengere Willkommensrede,
waehrend der alle oefter mit dem Kopf nicken und "io" (ja) sagen. Dann
schuetteln wir allen die Hand, d.h. wir muessen auf den Knieen zum Haeuptling
rutschen, denn man darf ihn nicht ueberragen.Jetzt sind wir akzeptiert im Dorf.
Die grosse Tanoa (Kavaschale) wird herangeschleppt, Silberfolie, ein Buendel
Fasern aus Baum-Hibiskus. Die Kava wird zerstampft und in die Tanoa gegeben,
zusammen mit etwas Wasser. Hier in Galoa wird die Kava nicht in ein Tuch
geschlagen, sondern auf traditionelle Art mit dem Faserbuendel geschoepft und
ausgewrungen. Die Kavakruemel bleiben in den Fasern haengen und werden auf die
Silberfolie geleert und spaeter wieder verwendet. Dieser Vorgang wird so lang
wiederholt, bis keine Kruemel mehr in der Schale sind. Und dann tritt der
Mundschenk in Aktion. (Jedes dieser Rituale darf nur von bestimmten Familien
durchgefuehrt werden). Statt die Kava wie sonst ueberall mit einer Kokosschale
zu schoepfen, werden hier die Fasern mit Kava getraenkt und in die Trinkschale
ausgewrungen. Die Schale wird nach Rang zuerst dem Haeuptling, dann seinem
Vize, Skip, mir, Wais etc. gereicht. Ich bitte immer um "low tide (Ebbe)", d.h.
fuer mich fuellen sie die Schale nur halb. Die Maenner trinken "high tide (Flut)".
Vorm Trinken klatschen alle einmal in die Haende. Nachdem man die Schale auf
einen Zug geleert hat, rufen alle "Ah! Maca!" und klatschen fuenfmal. Das Ritual
ist hier anders als auf den anderen Inseln. Viele der Aeltesten sehen sehr
europaeisch aus, der Schreiner und der Baumeister sogar deutsch. Auf der Insel
strandeten wohl einige Europaeer, darunter ein Deutscher, dessen Schiff sank und
der Geld und Gold in einer Bucht vergrub. Bisher haben sie den Schatz nicht
geborgen, aber sie suchen immer noch danach.Es kommen immer mehr Maenner zum
Kava-Trinken, darunter auch der Lehrer und die Bauarbeiter,die am
Versammlungshaus arbeiten. Die Kava hier ist viel besser als anderswo, viel
staerker auch, und relaxt noch mehr. Alle werden redselig und noch freundlicher.
Zuerst sind die Aeltesten Wais und uns gegenueber etwas reserviert, aber Wais
hat eine so sanfte, bescheidene und herzliche Art mit allen, dass sie schnell
auftauen. Er ist zwar erst 22, hat aber etwas Serioeses und strahlt
Selbstsicherheit und Autoritaet aus. Er ist sehr erwachsen und hat viel vom
Leben kapiert. Sein Vater und Stiefvater sind bedeutende Haeuptlinge, er wird
einem von beiden mal nachfolgen und bereitet sich auf diese Verantwortung vor.
Zum Schluss haelt Wais unsere Dankes- und Abschiedsrede, der Vize bedankt sich
seinerseits und sagt, wir waeren jederzeit willkommen. Wir geben allen die Hand
und sagen, vinaka vakalevu!
Galoa ist ein besonders huebsches Dorf in einem kleinen Tal. Die Leute sind
gerade dabei,
Stromkabel fuer jedes Haus unterirdisch zu verlegen. Die Haeuser liegen an den
Haengen, umgeben
von bluehenden Gaerten, an dem kleinen Bach waechst Ingwer, unter riesigen
Mango-Baeumen liegt
die schmucke Kirche und davor unter einem spitzen Dach die Lali, die grosse
Holztrommel
(slit drum), die als Glocke fungiert. Die Lali wurde vor der Christianisierung
immer geschlagen,
wenn es Menschenfleisch zu essen gab... Man kann sich nicht vorstellen, dass
diese unglaublich
freundlichen und sanften Menschen einst so grausame Braeuche hatten.
Auf Galoa gibt es einen Campingplatz, und die Dorfbewohner moechten liebend gern,
dass wir
dafuer Propaganda machen. Also, wenn Ihr mal an einem wunderschoenen exotischen
Ort zelten
wollt, macht Euch auf nach Galoa!
Am spaeten Samstagnachmittag kommen Wais' Geschwister aus der zweiten Ehe seines
Vaters uns auf
dem Schiff besuchen.Die Kinder waren noch nie auf einer Yacht und gucken sich
alles genau und
mit viel Ah! und Oh! an. Sie sind erstaunt ueber die vielen Buecher. In Fiji
gibt es sogar in
groesseren Orten kaum welche zu kaufen, in Savusavu befand sich der "bookstore"
in der
Metzgerei und bestand aus ein paar schmuddeligen, gebrauchten Schinken.
Am Sonntag sind wir zum Mittagessen bei Wais' Vater eingeladen. Das Haus sitzt
oben auf dem
Huegel, der den Isthmus bildet, und man hat einen grandiosen Blick auf die
Lagunen auf beiden
Seiten. Wir klettern den Berg hinauf, als Wais mit seinem kleinen Bruder uns
entgegenkommt und
meint, wir koennten vielleicht ein bisschen Eis mitbringen. Wir geben ihm Geld,
und er besorgt den
Nachtisch.
Dann gehen wir zum Haus, wo wir mit Wais zusammen ein ueppiges Mahl verzehren,
waehrend zwei seiner
Schwestern mit Tuechern die Fliegen verscheuchen. Sein Vater sitzt vor dem
Fernseher und guckt
Gulong, eine philipinische Fernsehserie, englisch untertitelt, nach der alle
verrueckt sind.Danach setzen sich auch die Mutter und die Geschwister an den Tisch und essen -
der Vater
hat als Familienoberhaupt als Erster und allein gegessen. Es herrscht, auch in
der Familie,
eine strenge Hierarchie.
Zum Schluss kommt das Eis auf den Tisch - grasgruen, leuchtend rosa und orange,
pfefferminzsuess.
Ich krieg es nicht runter.
NAchdem wir uns bedankt und verabschiedet haben, rollen wir den Huegel herunter,
paddeln zum
Schiff und machen uns auf den Weg nach Suva, der Hauptstadt auf Viti Levu. Um 16
Uhr fahren wir
ab und schaffen es gerade noch vor Dunkelwerden durch den Pass. Die ganze Nacht
durch blaest der
Wind aus SO, mal mit 10 Knoten, manchmal in Boeen um die 35 Knoten. Es ist kalt
und regnerisch.
Um 7 Uhr morgens fahren wir durch die schmalen Pass hinein in die Suva Bay und
ankern vor dem
Royal Suva Yacht Club.
CHAP XL. Suva
S U V A
18º 07.37' S 178º 25.48' O
Es ist der 30. Oktober, als wir in Suva ankommen. Das heisst, dass wir nicht
mehr viel Zeit in Fiji
verbringen koennen, denn im November faengt die Hurrikan-Saison an und wir
sollten so bald wie
moeglich nach Sueden aufbrechen. In Suva liegen nur noch wenige Yachten, die
meisten sind schon
letzte Woche abgefahren.
Es regnet fast ununterbrochen, und wir koennen nicht viele Fotos machen. Suva
ist uns als sehr
dreckig und unangenehm geschildert worden, aber wir finden die Stadt ganz schoen:
den Yacht Club,
das quirlige Stadtzentrum mit der Mischung aus Fijis, Indern und Chinesen, den
Hafen bei Nacht, die
Parks, die Vororte auf den Huegeln und die indischen Stadtviertel mit ihren
Hindu-Tempeln und
Moscheen und kunterbunten Haeusern. Auch das Fiji Museum ist hochinteressant.
Dort gibt es eine
grosse drua (Katamaran) aus dem 19 Jahrhundert, mit der die Fijis anscheinend
bis Neuseeland und
Hawaii gesegelt sind. Und auch ein Bambusfloss, das Tom Sawyer vor Neid
erblassen liesse. Es hat
sogar eine Feuerstelle! Die Kriegsknueppel und Hochzeitskleider aus
Baumrindenstoff sind auch sehr
sehenswert.
Wir merken auch etwas von den Spannungen zwischen den verschiedenen Kulturen.
Ein indischer
Taxifahrer regt sich ueber die Fijis auf, fucking cannibals! Die Inder waeren
die Treibkraft des
Landes, sie arbeiteten, waehrend die anderen auf der faulen Haut laegen, sie
haetten die Geschaefte,
das Geld, bauten die Haeuser - und die anderen wolten ihnen das alles wegnehmen.
Die Inder zeigen
ihren Reichtum gern und laufen mit Gold behaengt durch die Strassen und
provozieren damit natuerlich
die Fijis. Raubueberfaelle sind an der Tagesordnung, auch Einbrueche. Nach
Einbruch der
Dunkelheit kann man sich nicht mehr auf die Strasse wagen. Die Inder, die
koennen, emigrieren,
Fiji hat schon jetzt einen besorgniserregenden Mangel an Akademikern.
Wais geht seine Familie in New Town besuchen, wo eine Schwester seines Vaters
lebt, seine big mama.Sie laedt uns zum Essen ein, aber leider hab ich mir den Magen gruendlich
verdorben, und wir koennen
nicht hingehen. Am Samstag packt Wais seine Sachen und nimmt die Faehre zurueck
nach Savusavu.
Wir sind alle traurig.Er laedt uns zu seiner Hochzeit ein, Skip soll sein
Trauzeuge sein.
Jetzt muss er nur noch seine zukuenftige Frau finden... Noch eine letzte
Umarmung, und dann
geht er aufs Schiff.
Nachdem wir tagelang Wetterkarten studiert und das Wetter diskutiert haben und
alle ein
andauerndes Hoch vorausgesagt haben, beschliessen wir, am Montag, d. 5. November,
abzufahren.
Wir stehen um 6 Uhr auf, aber es regnet mal wieder in Stroemen, und die Sicht
ist miserabel.Ein
paar Stunden spaeter klart es auf, und wir versuchen, den Anker hochzuholen. Das
geht nicht so
einfach, und dann sehen wir auch, warum. Der Anker hat sich in einem riesigen
Reifen verhakt und
die Ankerkette ist voller Muell und Morast. Es dauert eine Weile, bis wir den
Anker befreit
und die Kette gesaeubert haben, und dann geht's los auf die 1200-Seemeilen-Reise
nach Opua auf der
Nordinsel von Neuseeland. Mit 6 bis 7 Knoten pfluegen wir durch die Wellen in
Richtung SW.
Alle Wettergurus haben fuer die naechsten Tage stetigen Wind aus SO prophezeit,
der nahe
Neuseeland auf SW drehen wird. Die ersten 2 Tage behalten sie Recht, wir machen
156 bzw. 154
Meilen pro Tag.
Aber am Donnerstag flaut der Wind ab, wir starten den Motor, und ploetzlich
hoeren wir einen
lauten Knall und sehen, dass die Halterung aus rostfreiem Stahl, die die Gaffel
und die Leine
des Grosssegels verbindet, zerbrochen ist. Die Gaffel kommt herunter, aber der
Block bleibt oben.
Da ich Skip nicht auf den Mast hieven kann, muss ich also hinaufklettern, ein
Seil am Block
befestigen und ihn hinunterziehen.
Am naechsten Tag erweisen sich die Vorhersagen der Gurus als voellig falsch. Der
Wind kommt aus
Sueden, so dass wir ihn die naechsten zwei Tage auf der Nase haben, es ist ein
eiskalter
Suedwind mit heftigen Regenguessen, sehr unangenehm.
Am Montagmorgen faellt das Barometer immer noch weiter, der Wind wird immer noch
staerker, etwa
40 bis 50 Knoten, so dass wir die Fock bergen wollen.
Gerade als wir sie unten und gesichert haben, taucht das Schiff in ein Wellental
und der Bugspriet
in eine Welle, und als das Schiff wieder auftaucht, ertoent ein Krachen und der
Bugspriet
zerbricht wie ein Streichholz und haengt im Wasser.
Wir reagieren schnell, ziehen ihn auf die Seite, vertaeuen ihn laengs am
Schiffsrumpf und
Kabel, Netz und Leinen auf dem Vordeck. Wir drehen bei, bergen alle Segel ausser
dem Grosssegel
und vertaeuen die Ruderpinne und gehen schlafen. In 12 Stunden driften wir etwa
8 Meilen.
Am naechsten Morgen kommt ein leichter Wind aus SW auf und die See ist ziemlich
ruhig, so dass
wir das Vordeck aufraeumen koennen. Wir zerschneiden die Kabel, die den
Bugspriet gehalten
haben, das Netz, vertaeuen die Bobkinkette (?), raeumen das Deck so gut auf, wie
wir koennen,
damit wir weiterfahren koennen.Das wird ohne Bugspriet und Fock nicht einfach.
Am Mittwochmorgen faellt das Barometer immer noch, der Wind kommt immer noch aus
SW und wird
staerker. Das wird noch ein rauer Tag! Um 12 Uhr mittags haben wir 50 Knoten,
und riesige
Wellen brechen ueber das Schiff. Wir vertaeuen die Ruderpinne wieder in der
Mitte, verzurren
das staysail ganz fest und das main staysail lose, und dann geht es in rauer
Fahrt in die
richtige Richtung. Die Wellen sind kurz und steil, und jede bricht und schlaegt
mit Wucht gegen
den Rumpf und sprueht Wasserkaskaden ueber das Schiff.
Gluecklicherweise dauern diese Stuerme nur etwa 24 Stunden, und um 6 Uhr am
Donnerstagmorgen
flaut der Wind ab, die See wird ruhiger, und schliesslich motoren wir den Rest
des Tages weiter.
Am Freitagmorgen bei Sonnenaufgang sehen wir die Nordinsel, und um 12 Uhr fahren
wir in die
Bay of Islands hinein. Um 4 Uhr haben wir einklariert und liegen sicher am Dock
der Opua Marina-heilfroh, in Neuseeland und am Leben zu sein.
CHAP XLI. Neuseeland (Nordinsel)
Opua 35º 16.47' S Auckland 36º 49.28' S
174º 24.22' O 174º 45.82' O
Von November 2007 bis April 2008 haben wir in Neuseeland eine Pause vom Segeln
und von der Webseite gemacht.Einesteils mussten wir die Zyklon-Saison aussitzen,
denn in dieser Zeit
ist es in der Zone um den Aequator zu gefaehrlich, andererseits waren wir aber
auch ziemlich geschlaucht vom Ueberqueren des Pazifik und froh, mal wieder an
Land zu sein.
Wir haben meist an unserem Schiff gearbeitet, repariert, abgeschliffen, 12
Lackschichten aufgetragen, gestrichen, geflickt, das Tauwerk in Ordnung gebracht,
gesaeubert, Ordnung gemacht,
Proviant gekauft usw. Ein paar Wochen lang sind wir aber auch durch Neuseeland
gefahren, insgesamt 8000 km, und haben uns dieses wunderbare Land am Ende der
Welt angesehen. Eigentlich wollten wir nur ein paar von den ueber 1500 Fotos auf
die Webseite stellen, haben uns aber dann doch entschlossen, auch kurz unsere
Eindruecke von hier zu schildern.
Man sieht hier in den Haefen und an der Kueste so viele Yachten, dass es scheint,
als gaebe es mehr Schiffe als Einwohner. Fuer Segler ist Neuseeland ein Paradies.
In Opua, Whangarei
und Auckland, der City of Sails, kann man praktisch alles finden und reparieren
lassen. Die Kiwis sind sehr erfinderisch und hilfsbereit, irgendjemand hat immer
eine Loesung parat.
Nachdem wir in Opua in der Bay of Islands festgemacht hatten und gerade mit den
Immigrations-Beamten einklarierten, hoerten wir wie die Agrikultur-Inspektoren
sich im Dinghy naeherten
und beim Anblick unseres Holzbootes sagten 'Ich wette, das sind Bohnenfresser'.
Nachdem wir mit der Einwanderungsbehoerde fertig waren, nahmen die anderen uns
in die Pflicht.
In Fiji hatten wir eine Liste mit den Sachen studiert, die man nicht nach
Neuseeland reinbringen darf, z.B. Fleischkonserven, Gemuese und Obst, Muscheln,
schmutzige Schuhe oder Fahrradreifen. Einiges hatten wir verschenkt. Das Erste,
was der Beamte uns nun fragte, war 'Wo sind die Bohnen?' Bohnen waren nicht auf
der Liste, und unsere Bohnen und Proteinquelle waren alle vakuum-verpackt, aber
er sagte 'Nein! In dieses Land darf man keine Bohnen importieren!'
Wir hatten etwa 50 kg an Bord and arbeiteten uns langsam zu den Bohnen vor, die
ganz zuunterst lagen. Erbsen sind OK, wenn sie gespalten sind, deshalb schlug
Skip vor, die Bohnen mit dem
Messer zu spalten. Die Beamten lachten, 'Kommt nicht in Frage! Wir nehmen eure
Bohnen mit!' und sie verschwanden mit drei Muellsaecken voll mit unseren besten
japanischen Oeko-Adukibohnen, anderen Huelsenfruechten und Reis, Honig etc.,
etwas sauer, dass sie kein corned beef abschleppen konnten.
An Land hoerten wir uns um, wer unseren zerbrochenen Bugspriet reparieren
koennte. Von drei Alternativen entschieden wir uns dazu, zwischen die beiden
zerbrochenen Haelften ein neues
Holzstueck einsetzen zu lassen. Ashby's boatyard brauchte nur zehn Tage dazu,
und das kurz vor Weihnachten. Nachdem wir auch unsere Ankerrollen und den
Sturmanker wieder montiert hatten, segelten wir dann nach Auckland, gerade noch
rechtzeitig zur freudig erwarteten Ankunft unserer Toechter und ihrer Freunde.
Nach dem gemuetlichen Opua, das nur aus ein paar Haeusern, einem Restaurant,
einem Tante-Emma-Laden, der Marina und dem Boatyard besteht, gingen wir dann in
der Bayswater Marina
ans Dock, nur zehn Minuten mit der Faehre vom Stadtzentrum von Auckland entfernt
und mit bestem Blick auf Hafen und Skyline der Stadt.
Kurz nach unserer Ankunft hatten wir auf einer Autoauktion in Whangarei einen
Nissan Van gekauft. Spaeter fanden wir raus, dass es besser gewesen waere, wenn
wir uns die Anschlaege
an den schwarzen Brettern der Backpackers-Hotels angeguckt haetten, wo man die
besten Angebote fuer gebrauchte Autos findet, denn die sind von Leuten, die ihr
Flugticket schon in
der Tasche haben und ihr Auto unbedingt loswerden muessen. In Neuseeland ist es
unerlaesslich ein Auto zu haben, denn die Entfernungen sind gross und das
oeffentliche Transportsystem
unzureichend.
Auckland ist eine faszinierende Stadt mit ca. 1.3 Millionen Einwohnern, etwas
weniger als ein Drittel der gesamten Bevoelkerung. Es ist das multikulturelle
Zentrum des Landes und die
Hauptstadt des Suedpazifik, mit Hunderttausenden von Maoris, Polynesiern,
Asiaten und Einwanderern aus der ganzen uebrigen Welt. Unsere liebste Frage ist
'Wo kommst du her?' und fuehrt immer zu einer interessanten Unterhaltung.
Auckland hat eigentlich nur in der City selbst viele Hochhaeuser. Der grosse
Rest der Stadt besteht aus ein-, hoechstens zweistoeckigen Haeusern und Villen
inmitten von groesseren Gaerten,
der Grund, warum Auckland von der Flaeche her zweimal so gross wie London ist,
aber viel weniger Einwohner hat.
Es grenzt im Osten an den Hauraki Golf und Pazifik, im Westen ans Tasmanische
Meer. Die Stadt ist auf etwa 50 erloschenen Vulkanen erbaut, von denen der
hoechste und der mit dem
schoensten Park und Blick Mount Eden ist, etwa 200 m hoch. Das Klima ist das
ganze Jahr ueber mild, es gibt Sandstraende in der Stadt und wundervolle Inseln
ein paar Minuten entfernt mit
der Faehre.
Auckland besteht aus vielen kleinen Zentren, Doerfern, die eingemeindet wurden
und ihren ganz eigenen Charakter erhalten haben, z.B. Parnell, Ponsonby, Mount
Eden, Remuera.
Bayswater liegt auf dem North Shore, zwischen Devonport, einem der huebschesten
und lebhaftesten Vororte, und Takapuna, das fuer seinen Sonntagsmarkt beruehmt
ist, und nicht weit von
Glenfield, wo man im Industrial Park alles finden kann.
Am westlichen Rand von Auckland liegen die Waitakere Ranges, eine Berglandschaft
mit alten und fast unberuehrten Waeldern, und dahinter die donnernden Surf-Straende
von Pahia und
Karekare. Der Sand da ist so schwarz, dass man sich die Fuesse verbrennt, wenn
die Sonne scheint. Es ist komisch, die Leute auf dem Weg zum Wasser zu
beobachten. Sie gehen immer
schneller, huepfen von einem Bein aus andere, ruhen sich auf dem Handtuch oder
Hut aus, bis sie endlich das kuehle Nass erreicht haben.
Im Nordosten, am 90-Mile-Beach, ist der Sand weiss und fein wie Mehl, der Strand
ist breit und sehr lang, wenn auch nicht ganz 90 Meilen. Autos und Busse duerfen
da lang fahren, mit
maximal 100 km, aber viele Autos , die keinen Allradantrieb haben, bleiben im
Sand stecken, wenn sie Glueck haben, oberhalb der Flutgrenze...
Vor 150 Jahren war Neuseeland noch von dichten Urwaeldern bedeckt, mit unendlich
vielen Arten von einheimischen Baeumen, Farnbaeumen, Moosen, Flechten und
Voegeln. Die Maoris brannten zwar auch schon grosse Teile des 'bush' ab,liessen
den Rest aber unberuehrt. Erst mit den europaeischen Siedlern begann ein Raubbau
an der Natur, der einen fassungslos macht. 85 % der Waelder wurden radikal
gerodet, um Weideland zu schaffen, Graeser, Pflanzen und Tiere wurden importiert,
die die einheimischen bis zur Ausloeschung bedrohen. Erst um 1950 setzte
ein Umdenken ein, und heute wird fieberhaft versucht, das zu erhalten, was noch
uebriggeblieben ist, es wird aufgeforstet, und Neuseeland hat sich an die Spitze
der Oekobewegung gesetzt.
Sicher, Neuseeland ist ein malerisches Land mit all den gruenen Weiden und 70
Millionen Schafen, aber wenn das Land so ausdoerrt wie diesen Sommer, sieht man,
was fuer grausame
Schaeden die Erosion angerichtet hat. Die Menschen haben sich buchstaeblich den
Boden unter den Fuessen vernichtet, viele koennen hier nicht mehr existieren und
wandern aus.
Heute werden die meisten der neugepflanzten Waelder wirtschaftlich genutzt-
schnellwachsende radiata-Pinien, Monokulturen. Nur kleine Flaechen der alten
Waelder sind noch erhalten, z.B.
der Waipoua Forest an der noerdlichen Westkueste. Einige der uralten Kauri-Baeume
sind 2000 Jahre alt, majestaetische Riesen, die einen sprachlos, ehrfuerchtig
und traurig machen.
Die Coromandel Halbinsel auf der Ostseite des Hauraki Golfs ist im Norden auch
noch weitgehend mit den alten Waeldern bedeckt. Enge ungeteerte Strassen winden
sich durch das
bergige Innere und entlang der felsigen Kueste. Viele Leute aus der Grossstadt
haben hier ihre 'baches' (Ferienhaeuser), einige parken ihren eigenen
Hubschrauber neben der Terrasse, und
riesige Traktoren ziehen ihre Boote ueber die weissen Sandstraende ins Meer.
Hahei ist ein besonders schoener Ort mit langem Strand, den grossartigen
Cathedral Felsen und Hot Water Beach, wo man sich ein Loch in den Sand buddeln
und in seinem eigenen beheizten Pool baden kann.
Suedlich von Auckland liegt Rotorua, eine der aktivsten Thermalgegenden von
Neuseeland, mit zischenden Geysern, dampfenden heissen Quellen und brodelndem
Schlamm. Die Luft ist voller
Schwefel und riecht nach faulen Eiern, was aber das Vergnuegen, z.B. im heissen
Kerosene Creek zu baden, nicht schmaelert.
Etwas weiter suedlich liegt Taupo am gleichnamigen Kratersee. Von hier kann man
die schneebedeckten Spitzen des Tongariro Nationalparks bewundern, die 3000 m
aus dem Plateau
aufragen. Wir fuhren mit dem Sessellift hinauf auf einen der noch immer sehr
aktiven Vulkane und froren wie die Schneider, aber der Blick von da oben machte
alles wett.
Napier an der im Suedosten gelegenen Hawkes Bay ist eine sonnige, wohlhabende
Stadt. Die Marine Parade ist ein grosser gepflegter Park entlang der Bucht. Auf
der anderen Seite dieser
Strasse reihen sich wunderschoen restaurierte Holzhaeuser, Ueberlebende des
schrecklichen Erdbebens 1931, das die restlichen Ziegelhaeuser der Stadt fast
komplett zerstoerte. Napier
wurde danach sehr schnell wieder aufgebaut im Stil der Zeit, ArtDeco, mit seinen
Zickzack-und geometrischen Mustern, Sonnensymbolen und Pastellfarben. In Napier
fanden wir in Begleitung
unserer Freundin Anita den besten Bioladen und die besten Muffins unseres Lebens.
Neuseelaender sind absolute Kaffeenarren, aber ausserdem lieben sie auch alles
Alte. Nirgends sonst haben wir so viele uralte Fahrraeder, Motorraeder und Autos
noch im Gebrauch und auf
der Strasse gesehen wie hier. Wir sahen sogar einen liebevoll instand gehaltenen
Zigeunerwagen von anno dazumal. Nicht zu reden von all den Museen mit
Antiquitaeten wie z.B. dem Hyde Park Museum in Te Horo bei Wellington, das alles
und jedes aufbewahrt und ausstellt.
Wellington an der Suedspitze der Nordinsel ist Neuseelands Hauptstadt. Es hat
nur ein Zehntel von Aucklands Bevoelkerung, ist aber trotzdem die perfekte
Hauptstadt. Es ist kompakt, sehr
pittoresk und vergnueglich, und man kann praktisch ueberall zu Fuss hin laufen.
Das Stadtzentrum ist der Civic Square, ein grosser, beliebter Platz voller
interessanter Skulpturen und Aktivitaeten, verbunden mit der Hafengegend durch
die geniale City-to-Sea Bridge.
Diese breite hoelzerne Bruecke, die von einem begnadeten Maori-Kuenstler
geschaffen wurde, ist wundervoll dekoriert mit hoelzernen Skulpturen von Voegeln
und Fischen und hoelzernen Teilen von Schiffen und ergaenzt sich harmonisch mit
den Beton-, Metall- und Steingebaeuden und -Skulpturen des Civic Square, die von
Architekt Ian Athfield gebaut wurden.
Waehrend Auckland das bedeutendste Handelszentrum des Landes ist, scheint
Wellington mehr das kulturelle Herz zu sein. Viele Festivals finden hier statt,
das neue Te Papa Museum wurde
hier errichtet, und die Kunstszene brummt.
Nahe dem Wasser, entlang Queens Street und Courtenay Place, ist die action in
Wellington-Geschaefte, Cafés, Restaurants, Buchlaeden, Kinos. Leute in Anzug,
Krawatte und Turnschuhen,
Hippies im 68er Stil, avantgardistisch aufgemotzte Figuren - es ist nicht nur
multikulturell, es geht auch quer durch die Epochen. Wenn man die Leute auf der
Cuba Street beobachtet,
kann man nur raetseln, in was fuer einem Jahr man sich gerade befindet.
Wellington hat nur wenig Platz, es wird eingequetscht von Huegeln.
Viktorianische Villen kleben an den steilen Haengen, oft durch kleine Seilbahnen
verbunden mit der Strasse. Neue
Viertel muessen in die umliegenden Taeler und auf die Bergruecken ausweichen.
Wellington wird auch 'windy city' genannt, wegen des eiskalten Windes, der
unablaessig durch die Cook Strait zwischen Nord- und Suedinsel fegt. Man trinkt
irgendwo an einer geschuetzten
Stelle einen Kaffee, die Sonne brennt und man zieht seine Jacke aus, biegt
danach um die Ecke und zittert vor Kaelte.
CHAP XLII Neuseeland (Suedinsel)
Nach ein paar Tagen in Wellington nahmen wir die Faehre nach Picton am Queen
Charlotte Sound, einem der Marlborough Sounds an der Nordkueste der Suedinsel.
Die Sounds sind sehr lange, steile Gletschertaeler, die sich mit Wasser gefuellt
haben und nun ein Labyrinth von Wasserwegen bilden. In der Cook Strait ist das
Meer sehr rau, und es tuermen sich riesige
Wellen auf, aber wenn man dann im Sound ist, wird alles wieder ruhig.
Als wir in Picton ankamen, war es kalt und regnete in Stroemen. Wir wollten
unter diesen Umstaenden unser kleines Zelt nicht aufschlagen, fanden aber auch
keine Unterkunft und
fuhren deshalb weiter nach Havelock, der 'Hauptstadt der gruenen Miesmuscheln'
(in Neuseeland gibt es alle moeglichen Arten von diesen Hauptstaedten: der
Karotten, der
braunen Forellen, des Schafscherens...), 470 Einwohner,wo wir ein gemuetliches
Backpackers Hostel mit einem prasselnden Kaminfeuer in einem umgebauten
Schulhaus fanden. Gerade
richtig, um mal wieder trocken und warm zu werden.
Wir hatten gelesen, dass Nelson eine der sonnigsten Staedte Neuseelands ist, und
deshalb fuhren wir am naechsten Tag dorthin. Auf einer Weltkarte sieht man, dass
Neuseelands Suedinsel
noch viel suedlicher liegt als Australien und sogar Tasmanien. Segler nennen
diese Breiten die 'roaring forties', die stuermischen Vierziger. Nur Feuerland
liegt noch weiter suedlich.
Auf dieser Breite ist sonst alles offener Ozean, und dementsprechend uebel ist
hier auch das Wetter. Aber wenn die Sonne scheint, und es auch nur ein bisschen
waermer wird, laufen
die abgehaerteten Kiwis sofort in Shorts, T-Shirts und oft barfuss herum.
Manchmal kamen wir uns schon etwas seltsam vor so verpackt in Jacke, Pullover,
warme Hosen und Stiefel.
Aber wahrscheinlich ist es nur natuerlich, dass man in so einem Klima auch den
kleinsten Sonnenstrahl ausnutzt.
In Nelson war es sonnig und um einige Grade waermer als in Havelock, und wir
fanden ein schoenes Zimmer im Backpackers oben auf einem Huegel, mit
grossartigem Blick auf die Stadt. Nelson hat so ein gutes Klima, weil es auf
drei Seiten durch hohe Bergketten geschuetzt wird und nur im Norden offen zur
See hin ist. Es liegt am Rand eines weiten, fruchtbaren Tals, in dem Obst und
Gemuese und Wein angebaut werden.
Am Sonntagmorgen gingen wir runter auf den Markt, auf dem auch Brot,Kleidung und
Kunsthandwerk verkauft werden. Wir trafen einen alten Mann, der Spielzeug
verkauft, das er aus Alu-Dosen macht. Er ist ein Genie und fabriziert
Modellboote, Autos, Flugzeuge, Fahrraeder und sogar Klohaeuschen. Seit 19 Jahren
lebt er von dieser Arbeit und verkauft seine Sachen so gut, dass er gar nicht
nachkommt.
Wir guckten uns auch die beruehmte Bead Gallery an, ein traumhafter Laden mit
tausenden und abertausend Perlen jeglicher Art. Nelson wimmelt von kreativen
Leuten, Maler, Toepfer, Modemacher, und daher ist es kein Wunder, dass hier auch
das World of Wearable Art Museum (WOW) entstanden ist. Diese tragbare Kunst kann
aus egal welchem Material gemacht werden- Federn, Dosenringen, Dosen, Muscheln,
Rinde, Draht, Eierkartons, Essen - alles kann in bizarre Kleidungsstuecke
verwandelt werden. Es gab sogar einen BH aus Stacheldraht, leicht masochistisch.
Auf unserm Weg an die Westkueste ueber das Spooners -Gebirge machten wir auf dem
Hope Saddle Halt, dem hoechsten Punkt, und guckten uns die Aussicht an, als wir
ins Gespraech mit einem aelteren deutschen Ehepaar kamen. Sie erzaehlten, dass
sie schon seit Wochen mit ihren Fahrraedern kreuz und quer durch Neuseeland
fuehren. Wir fragten sie, ob das nicht furchtbar anstrengend waere, dauernd das
Rad bergauf schieben zu muessen, oft 50 km und mehr. Aber sie sagten, auf ihrem
letzten Trip waeren sie von Alsaka nach Patagonien gefahren, 25 000 km, daher
seien die 5000 km in Neuseeland eigentlich nur ein Klacks.
Tief beeindruckt stiegen wir wieder ins Auto und fuhren das Buller Gorge-Tal
hinunter und stoppten, um uns die laengste Haengebruecke Neuseelands anzugucken,
110m. Die Bruecke besteht aus etwa 40 cm breiten Holzbrettern, die alle mit zwei
Kabeln verbunden sind. Eigentlich ist es kein Problem, diese Bruecke langzugehen,
aber wenn einem eine 250-Pfund-schwere Person entgegenkommt, tanzt man wie wild
umeinander herum, weil die Bruecke naemlich auf und ab und seitlich schwingt.
Die Westkueste ist ein langer, wilder Kuestenstreifen zwischen dem Tasmanischen
Meer und den Suedlichen Alpen. Wenn man von der Kuestenstrasse ins Land abbiegt,
sieht man sich ploetzlich umgeben von den Ruinen einer ehemaligen Gold- oder
Kohlenmine, oder man findet einen spiegelglatten verwunschenen See mitten im
Urwald oder unwahrscheinlich milchich-tuerkis strahlende Wasserbecken in einer
Schlucht. Viele der unzaehligen Fluesse haben diese psychedelische Farbe, die
durch 'glacial flour', Gletschermehl, entsteht.
Biegt man zum Meer hin ab, gelangt man an kleine Buchten mit weissem Sand oder
stille blaue Lagunen mit bunten Voegeln oder auch zu so bizarren Felsformationen
wie denen von Punakaiki. Geologen koennen sich immer noch nicht genau erklaeren,
wie diese Felsen entstanden sind. Sie sehen aus wie aufeinandergeschichtete
Pfannkuchen oder besser ebene Steinplatten. Koennte man sie voneinander trennen,
waeren es genug, um ganz Mallorca damit zu pflastern.
Suedlich von Hokitika, dem Jade (greenstone)- Zentrum von Neuseeland und auch
dessen regenreichster Ort, fallen die Alpen innerhalb von 5 km von ueber 3000 m
auf fast Meereshoehe ab, und mit ihnen der Franz Josef und der Fox Gletscher.
Das Dorf am Fuss des Franz Josef Gletschers war von Touristen ueberschwemmt,
riesige Busse verstopften die wenigen Strassen des Ortes, Helikopter und kleine
Flugzeuge machten einen Hoellenlaerm, so dass wir die Flucht ergriffen und
weiterfuhren zum Fox Gletscher. Dort war es bei weitem ruhiger, das Dorf hat
sich seinen alpinen Charme bewahrt und der Gletscher ist sehr sehenswert - einen
Gletscher, der in einen Regenwald muendet, gibt es nicht so oft.
Fuer die Nacht wollten wir am Ship Creek direkt an der Kueste unser Zelt
aufstellen, es ist so ein malerischer Ort, aber wir wurden so wuetend von
sandflies attackiert - einem von Neuseelands bestgehueteten Geheimnissen- , dass
wir wild um uns schlagend wieder die Autotueren zuknallten und runter nach Haast
fluechteten.
Unser Reisefuehrer hatte erwaehnt, dass die Leute von Haast auch Haastafarians
genannt werden, und wir stellten uns also Haast als ein kleines gemuetliches
Dorf vor, in dem die total
entspannten Bewohner sich genuesslich in Cafés bei guter Musik die Zeit
vertreiben... Tja, was wir dann fanden, war eine Ansammlung von weit auseinander
liegenden Farmen, ein bisschen wie im Wilden Westen, und in der einzigen Bar
groelte eine Horde von betrunkenen Bikern.
Von Haast aus geht die Kuestenstrasse nur noch wenige Kilometer weiter suedlich
und endet dann in Jackson Bay. Um ins Fiordland im Suedwesten zu kommen, mussten
wir also die Suedlichen Alpen ueberqueren. Die enge Strasse ueber den Haastpass
klettert in steilen Kurven das Haastflusstal hoch und ist eine der schoensten
von Neuseeland. Man faehrt durch dichte Regenwaelder mit maerchenhaften
Ausblicken auf Fluesse, Gletscher und Wasserfaelle. Auf der anderen Seite des
Passes erstreckt sich ein weites Hochplateau mit Weideland und voller goldener
Grasbueschel, die von weitem wie Schafe aussehen, und die grossen leuchtend
blauen Seen Lake Hawea und Lake Wanaka, umringt von trutzigen schneebedeckten
Felsformationen.
In Wanaka hielten wir an, um die Puzzling World zu besuchen - das verwirrende
Haus der Illusionen mit vielen Spiegeln, schiefen Boeden und trompe l'oeil, die
'Halle der einen verfolgenden Bilder' und schliesslich das Labyrinth. Man musste
alle vier Ecktuerme des Labyrinths finden, und das bei gluehender Sonne, die
unbarmherzig auf uns herab schien. Obwohl man von einer Bruecke aus die Struktur
des Labyrinths und all die verzweifelten und verschwitzten oder ehrgeizigen und
wild entschlossenen Menschen beobachten konnte, war doch nicht auszumachen, wo
der richtige Weg war.Wir brauchten drei Stunden, bis wir den Ausgang wieder
gefunden hatten.
Danach fuhren wir die steile kurvige Crown Range Road hoch bis zum Gipfel auf
1120 m und auf der anderen Seite wieder hinunter, tief unter uns der schimmernde
Lake Wakatipu und die oasenhafte gruene Ebene von Queenstown, umgeben von den
riesigen schwarzen Felswaenden der Remarkables Berge.
Queenstown ist eins der Top-Reiseziele der Welt - aber wir hatten noch nie
vorher davon gehoert. Es ist eine kleine und eigentlich ganz gemuetliche Stadt
mit 8500 Einwohnern, aber sie ist auch
das neuseelaendische Zentrum fuer Extremsport: bungy-jumping, rafting, caving,
jetboating, skydiving, hang-gliding, snowboarding, alles Sportarten, die noch
nicht mal eine deutsche Entsprechung haben, ausser dem abseiling. Es sind
hauptsaechlich junge Leute, die bei diesen gewagten Vergnuegen Kopf und Kragen
riskieren, um sich ihre Adrenalinschuebe zu holen.
Nach einer Nacht in Queenstown fuhren wir 40 km weiter am Lake Wakatipu entlang
bis Glenorchy, einem winzigen Dorf, wo wir sofort eine gute Unterkunft im
Backpackers Hotel und Pub bekamen. Und ein tolles Abendessen mit Steaks und
Prawns, die wir uns am Tisch auf heissen Granitsteinen selber garten. Die
Szenerie hier ist noch einen Tick grossartiger als in Queenstown, kein Wunder,
dass ein Teil von Lord of the Rings hier gedreht wurde.
Auf unserer Karte fanden wir einen Punkt mit dem Namen Paradise, und wir machten
uns auf den Schotterweg dahin. Nach 20 km durch Bachbetten und Schlagloecher,
vorbei an Waeldern und Weiden mit Schafen und Pferden, machten wir kehrt, ein
bisschen enttaeuscht. Im Pub sagte man uns, dass Paradise nur eine Wiese ist.
Wir waren also im Paradies gewesen, ohne es zu bemerken, denn wir waren zu arg
damit beschaeftigt, das Schild zu suchen...
Direkt jenseits der Gletscher von Glenorchy befindet sich Fiordland, unser
naechstes Ziel. Da aber keine direkte Strasse dahin fuehrt, mussten wir zuerst
nach Manapouri, das der Startpunkt
fuer den Doubtful Sound ist. Wir hatten ein kleines Chalet direkt am See
gemietet, in einem Komplex von Unterkuenften, die alle verschieden sind. Man
kann sich eine Blockhuette aussuchen,
ein bayrisches Chalet oeder einen umgebauten Lastwagen. Zwischen den Baeumen
stehen Reihen von alten Morris Minors, pinball-Maschinen und andere Raritaeten.
Es ist ein bizarrer Ort, der einem sehr freundlichen und etwas verschrobenen
Schotten gehoert.
Wir nahmen die Faehre ueber den Lake Manapouri bis zum Elektrizitaetswerk und
fuhren dann durch einen uralten mit Moosen voellig versponnenen Buchenwald ueber
einen Pass bis zum Doubtful Sound, einem der abgelegensten ueberhaupt. Als wir
ankamen, war das Wetter schon schlecht, aber der Kapitaen meinte, wir haetten
Glueck, denn seit zwei Monaten haette es nicht mehr geregnet und deshalb haette
es auch keine Wasserfaelle gegeben. Jetzt haetten wir aber die Chance, welche zu
sehen.
Das Wetter wurde immer schlechter, der Regen fiel wolkenbruchartig und der Wind
peitschte mit Hurrikanstaerke durch den Sound, so dass das Schiff praktisch
stehenbleiben musste. Nach einer Weile klarte es jedoch auf, und wir konnten
hunderte von grandiosen Wasserfaellen bewundern, die donnernd und spruehend die
steilen Felswaende hinunter und durch den dichten Wald in den Sound schossen.
Ein magischer Anblick.
Der Milford Sound ist fuer viele Neuseeland-Touristen das Highlight ihrer Reise.
Um den Busverkehr von Te Anau zum Sound zu vermeiden, machten wir uns schon
frueh auf die 120 km-Reise. Der erste Teil des Weges maeandert durch sanftes,
huegeliges Weideland und Buchenwaelder bis hinauf zur Divide, der Wasserscheide,
von der aus drei Flusssysteme nach Westen, Osten und Sueden ihren Lauf
nehmen.Wir hielten an einem Aussichtsplatz an, ich stieg aus und wurde sofort
von zwei Keas attackiert, papageienaehnlichen Voegeln mit scharfen Schnaebeln
und Krallen. Sie verfolgten mich ueber den ganzen Parkplatz bis ich die Kamera
zueckte - da hielten sie inne und posierten. Einer versuchte sogar, den anderen
mit seinen Krallen und seinem Schnabel zu verscheuchen, als wollte er allein auf
den Fotos sein.
Nach der Divide bogen wir ab in einen Waldweg nach Gunns Camp tief unten im
Regenwald am Hollyford- Fluss, einem Ort wie vor hundert Jahren, mit winzigen
Holzhuetten, einem kleinen Laden, einem Museum, Toast auf der Waescheleine und
witzigen Schildern. Die Besitzer hoerten gar nicht mehr auf zu erzaehlen, es war,
als verirrte sich kaum jemand mal hierher. Das einzig Unangenehme waren mal
wieder die sandflies, sonst waere dies der perfekte Ort zum Relaxen gewesen.
Nachdem wir den duesteren und nassen Homer Tunnel durchfahren hatten (1200 m),
kamen wir auf der anderen Seite in einem grandiosen Canyon und dem Milford Sound
wieder ans Licht.
Auf dem engen Raum vor der Ablegestelle der Schiffe war die Hoelle los. Die
meisten Touristen machen auf grossen Katamaranen, die mehr als 200 Personen
fassen, eine mehrstuendige Tour durch den Sound. Wir hatten in weiser
Voraussicht deshalb einen Nachttrip auf der alten, kleinen MY Friendship gebucht,
die erst startet, wenn die anderen schon alle nach Hause gehen. Mit den anderen
10 Passagieren hatten wir also den Sound praktisch fuer uns allein, es waren nur
noch ein oder zwei Fischerboote unterwegs.
Vertikale Felswaende ragen 1200 m aus dem Wasser, Mitre Peak mit seinen 1700 in
der Mitte, gigantische Wasserfaelle stuerzen zu Tal. Ein Teil des Fjords liegt
immer in tiefem Schatten,
Seehunde raekeln sich auf glatten Felsen. Wir fuhren langsam bis zum offenen
Tasmanischen Meer, durch eine Landschaft wie zu Urzeiten. In unserem kleinen
Schiff fuehlten wir uns wie Insekten angesichts der Grossartigkeit dieser
Umgebung.
Bei Einbruch der Daemmerung ankerten wir in einer geschuetzten Bucht und
genossen noch eine Weile die Stille. Turgut der Skipper und Caroline der erste
Maat bereiteten das Abendessen.
Nach dem leckeren Dessert sassen wir noch eine Weile beim Rotwein zusammen und
gingen dann in unseren Kojen schlafen.
Am naechsten Morgen fuhren wir runter an die Suedkueste, nach Riverton,
Invercargill und Bluff. An einigen Straenden suchten wir Edelsteine - Jade,
Amethyst, Opale-, von denen die Kuesten
hier voll sind. Am Slope Point konnten wir fast bis zur Antarktis gucken. Fast.
In Papatowai an der Catlin-Kueste hatten wir ein Backpackers gebucht und
erlebten eine Uebrraschung, als wir es schliesslich fanden: ein adrettes drei-Zimmer-Cottage
mit allem Komfort auf einer Huegelkuppe mit Blick auf die Bucht und inmitten
eines huebschen Gartens.
Das Haus war offen, aber es war niemand da, nur ein Schild 'Sucht euch ein
Zimmer aus, und macht's euch gemuetlich!'
In Dunedin blieben wir drei Tage im Stafford Gables Hostel. Dunedin ist die
zweitgroesste Stadt der Suedinsel nach Christchurch. Es ist Neuseelands
schottische Stadt, das Edinburgh des Suedens.
Im 19. Jahrhundert bluehte es auf als Handelszentrum fuer die Goldgraeberorte im
Inneren, und aus dieser Zeit stammen auch die imposantesten Bauwerke, die
Universitaet und der Bahnhof.
Heute ist Dunedin eher ein Zentrum des Lernens und der Kultur. Das Oktagon, der
achteckige gruene Platz in Herzen der Stadt, ist der Mittelpunkt. Hier befinden
sich viele historische
Gebaeude, Banken, Bars, und von hier gehen die Hauptgeschaeftsstrassen ab.
Dunedin ist eine Studentenstadt, voller Leben, Cafés, Musik und Gallerien. Es
hat etwas Leichtes und Froehliches.
Die Stadt liegt am inneren Ende des Otago Harbour, einer langen Bucht, die
flankiert wird von gruenen Huegeln voller reizvoller Villen. Im Sueden schuetzt
die pittoreske Otago-Halbinsel
die Stadt vor dem Pazifik.
Auf der Halbinsel besichtigten wir Larnach Castle, mehr ein Schloss im
neuseelaendischen als im europaeischen Sinn, aber mit einem sehenswerten Garten
und grandiosem Blick. Danach
wollten wir unbedingt die gelbaeugigen Pinguine ansehen, eine sehr seltene, vom
Aussterben bedrohte Art. Schliesslich sahen wir sechs Exemplare, es war wohl
nicht die ideale Jahreszeit.
Die Armen waren in der Mauser und sahen etwas gerupft aus. Aber wir waren sehr
beeindruckt von den Wildhuetern, die mit unglaublichem Einsatz dabei sind,
diesen Voegeln wieder ein
lebenswertes Umfeld zu schaffen, indem sie Baeume und Buesche pflanzen,
Niststaetten einrichten, Feinde fangen, sich um kranke Voegel kuemmern und ein
System von Graeben und Verstecken bauen, das es den Besuchern erlaubt, die Tiere
zu beobachten, ohne sie zu stoeren.
Auf unserm Weg entlang der Ostkueste stoppten wir in Oamaru, einer Stadt mit
etwas extravagantem Charme. Die Altstadt besteht aus neo-klassischen, leicht
vergammelten Gebaeuden voller
eleganter Saeulen mit Waeldern von Akanthus-Blaettern. Sie stammen aus der
goldenen Zeit, als die Stadt noch das Zentrum der Verschiffung von
Gefrierfleisch war.
Auf den ersten Blick schien die Stadt sonst nicht viel zu bieten,aber
gluecklicherweise parkten wir vor einem Haus, in dem gerade eine Blumenschau
gezeigt wurde. Die Dahlien waren so
enorm und praechtig, dass ich sie zuerst fuer Plastik hielt. Als wir wieder
zurueck auf die Strasse gingen, hatte vor uns ein uraltes dampfgetriebenes
Automobil geparkt und auf der anderen
Seite ein Hochrad. Neugierig bogen wir um die Ecke und stiessen auf eine
tadellos gepflegte Dampflok, die gerade Dampf abliess und sich fuer ihre
Weiterfahrt ruestete. Am Weg stand ein
gelbes Warnschild, 'penguins crossing'.
Als wir in Christchurch ankamen, war es kalt und regnete in Stroemen. Deshalb
stiegen wir in eine alte, aber picobello erhaltene Strassenbahn, um eine Runde
durch die Altstadt zu drehen. Wir
dachten, wir waeren in England, als wir durch die Strassen ratterten, vorbei am
idyllischen Avon River, gesaeumt von gruenem Rasen, Trauerweiden und Haeusern im
Gothic Revival-Stil; vorbei
an der anglikanischen Kathedrale, an Gloucester Street, Victoria Square und
Oxford Terrace.
Spaeter sahen wir dann, dass Christchurch auch eine sehr moderne und
quicklebendige neuseelaendische Stadt ist, die sich immer weiter in die
fruchtbare Canterbury- Ebene hinein ausdehnt.
Wir haetten uns mehr Zeit fuer die Ostkueste nehmen sollen. Aber da wir die
Faehre nach Wellington gebucht hatten, hielten wir uns nicht sehr lange in der
Gegend um Christchurch auf, sondern
fuhren durch die Kaikorura Range nach Blenheim im Marlborough Country, wo wir
uns in der Clos Henri-Winzerei noch ein paar Flaschen unseres bevorzugten Pinot
Noir besorgten.
Am naechsten Tag nahmen wir dann die Faehre, die diesmal voller muhender und
streng riechender, weil vielleicht seekranker Kuehe war. Nach 5000 km ruhten wir
dann zwei Tage in Wellingtons YHA, einer der besten Jugendherbergen des Landes,
aus, fuhren nach Napier zu unserer Freundin Anita, der wir ein bisschen im
Garten halfen und die uns dafuer wunderbar bekochte, und dann zurueck nach
Auckland.
CHAP XLIII
Neukaledonien
GRANDE TERRE und LIFOU
Nouméa 22º 35' S 166º 24 O Lifou (Chépénéhé) 20º 47.20 S 167º 08.17 O
Nach vier Monaten Marina in Auckland haben wir genug vom Grossstadtleben und
segeln den Hauraki-Golf hoch zur kleinen Kawau-Insel. Wir ankern in der
idyllischen Mansion-Bay, unser erster Ankerplatz nach fast 6 Monaten. Eigentlich
wollen wir nur eine Nacht bleiben, aber es ist so friedlich und still hier, dass
wir viel laenger verweilen, Seite an Seite mit Black Pearl und ihrem Eigner
Brian.
Wir wandern durch den Pinienwald auf der Suche nach Wallabies, die es hier geben
soll. Gut, dass wir einen Ranger treffen, den wir fragen koennen, um was es sich
dabei handelt- sind es Voegel? oder Saeugetiere? oder was? Er lacht und erklaert,
dass es kleine Kaenguruhs sind, die der fruehere Besitzer der Mansion aus
Australien importiert hat und die inzwischen auf der Insel heimisch geworden
sind.
Nach 5 km vergeblicher Suche kommen wir zurueck in den Park des Gutshauses, und
da sitzen sie wie Statuen auf dem Rasen, in Gesellschaft mit einem bunten und
einem etwas gerupft aussehenden weissen Pfau.
Spaeter laden wir Brian zum Abendessen ein. Er meint, er wuerde den Fisch
besorgen, rudert um die Ecke und kommt 10 Minuten spaeter zurueck mit drei
praechtigen Red Snappers, die er am Strand filetiert. Es wird ein gutes Mahl -
frischeren Fisch und bessere Gesellschaft kann man sich nicht wuenschen.
Das Barometer faellt und faellt, und wir machen uns auf den Weg nach Opua in der
Bay of Islands. In Ashby's boatyard holen wir die Ragnar aus dem Wasser,
streichen sie mit Antifouling, reparieren die Kunststoff-Ummantelung der Masten
und lackieren sie und machen ein neues Bug-Netz - alles mit Hilfe von Emma und
Jon, einem jungen englischen Paar, das einige Jahre im Pazifik als Crew gesegelt
ist und uns jetzt auf der Rueckreise begleiten will.
Am Dienstag, 6. Mai, setzen wir die Segel und machen uns auf nach Neukaledonien.
Die Wettergurus haben uns geraten, 300 NM nach Norden zu fahren und dann in
nordwestliche Richtung, wo wir auf ein kleines Tiefdrucksystem stossen wuerden,
nach kurzer Zeit aber aus der stuermischen Zone heraus sein und den SO-Passat im
Ruecken haben wuerden. Aber...
Das Tief wird staerker, das Barometer sinkt und sinkt. Am 8. Mai nachts blaest
der Wind in Orkanstaerke aus NNW, der Richtung in die wir fahren muessen. Am 10.
Mai zeigt das Barometer
997 Millibar an, Windstaerke 6, die Jib-Leine reisst und wickelt sich um den
Propeller, so dass wir den Motor nicht mehr benutzen koennen. Brecher krachen
ueber den Bug, das Schiff
rollt wie verrueckt, wir koennen uns kaum bewegen, uns ist uebel, wir koennen
nicht kochen, alles ist nass, wir machen 6 Knoten nur mit dem stay-Segel.
Endlich nach 5 Tagen, steigt das Barometer wieder, der Wind flaut ab und dreht,
und am Mittwoch haben wir totale Flaute. Wir drehen bei, und Emma springt mutig
ins 5000 Meter tiefe Wasser und befreit den Propeller. Dann kommt der Wind
wieder auf, und diesmal ist es der ersehnte SO-Passat. Wir fliegen mit 7 Knoten
uebers Wasser, main-stay- und main-Segel fangen an manchen Stellen an zu reissen,
aber Freitagnacht haben wir es endlich geschafft und suchen den Boulari-Pass in
die Lagune um Grande Terre (Hauptinsel Neukaledoniens) und den Hafen von Nouméa.
Grande Terre ist die drittgroesste Insel im Pazifik nach Neuseeland und Papua,
und sie ist komplett von einer Lagune umgeben, der groessten der Welt.
Morgens um halb zwei tasten wir uns durch das Riff und die verwirrende Zahl von
Markierungslichtern, bis wir den Kanal in die Bucht von Nouméa gefunden haben.
Die Rangierlichter fuehren uns mitten durch einen vollgepackten Ankerplatz, so
dass wir vorsichtig den unbeleuchteten Yachten ausweichen muessen. Um drei Uhr
morgens machen wir endlich am Besucherdock fest. Wir haben 11 Tage fuer 1084 NM
von Opua nach Nouméa gebraucht. Es ist nicht so leicht, nach und von Neuseeland
zu fahren.
Neukaledonien wurde im 18. Jh. von Captain Cook "entdeckt", danach kamen
franzoesische Seefahrer, britische Walfaenger, und schliesslich wurde es von
Haendlern heimgesucht, die den Sandelholz-Waeldern den Garaus machten.
Franzoesische und englische Missionare kamen, um dem Kannibalismus ein Ende zu
bereiten und landeten nicht selten selber im Topf. Mitte des 19. Jhs. suchten
die Franzosen eine guenstige strategische Basis und auch eine Alternative fuer
ihre Strafkolonie in Gyuana und annektierten Neukaledonien.
Zwischen Franzosen und Kanaken (lokales Wort fuer die melanesische Bevoelkerung,
zuerst ein Schimpfwort, inzwischen aber von ihnen akzeptiert) kam es schon bald
zu Feindseligkeiten,
nachdem man die riesigen Nickelvorkommen entdeckt hatte und Frankreich Siedler
nach Neukaledonien brachte und den Kanaken grosse Flaechen ihres Stammeslandes
abnahm und in Viehweiden umwandelte. Die Kanaken revoltierten und wurden zur
Strafe ins bergige Landesinnere verbannt, das sie nur mit Erlaubnis der Polizei
verlassen durften. Sie unterstanden nicht franzoesischem Recht und wurden wie
Menschen minderer Klasse behandelt. Vor diesem Hintergrund ist es kein
Wunder, dass die Kanaken Weisse nicht gerade mit offenen Armen empfangen.
Besonders auf Grande Terre spuert man eine Spannung zwischen den Rassen,
manchmal sogar Feindseligkeit. Sie vergeht aber, sobald man sich als Nicht-Franzose
erweist,
und wenn man gar Amerikaner ist, fangen die Leute an zu strahlen. Waehrend des
2. Weltkriegs diente Nouméa den Amerikanern als Militaerbasis. Ihre Praesenz
staerkte das Selbstvertrauen
der Melanesier,die von ihnen als Gleichrangige behandelt wurden.
Nouméa liegt malerisch auf gruenen Huegeln, an goldenen Straenden und gruenen
Mangrovensuempfen.Die Innenstadt ist eine Mischung aus vergammelten
Kolonialvillen, schlichten Betonbauten und modernster Architektur, einfachsten
Geschaeftchen und Luxus-Shops, Nudelkuechen und edelsten Chocolateries. Die
Buergersteige sind lebensgefaehrlich. In den Aussenbezirken lebt es sich weit
besser, die Supermaerkte sind wohlgefuellt mit franzoesischen Produkten, man
findet jeglichen europaeischen Luxus, die Einfamilienhaeuser liegen in huebschen
Gaerten.
Das Herz der Innenstadt ist die Place des Cocotiers mit ihren riesigen
Flammenbaeumen, Brunnen, Markt- und Konzertflaechen, wo jeden Donnerstagabend
was los ist - Ausstellungen, traditionelle Taenze, Staende mit einheimischen
Gerichten, mit Obst und Gemuese und Kunsthandwerk. Nouméa ist eine
multikulturelle Stadt mit Kanaken, europaeischen Caldoches, einigen Polynesiern
und Asiaten. Es gibt ein Chinatown, ein Quartier Latin, den malerischen Fisch-
und Gemuesemarkt am Port Moselle, wo die Musiker fruehmorgens ihre Ukulelen
spielen waehrend wir am Tresen einen petit café noir und ein pain au chocolat
essen.
Wir fahren im Bus raus zum Tjibaou Kulturzentrum auf der Tina-Halbinsel. Tjibaou
war der charismatische erste Praesident der linken Unabhaengigkeitsbewegung
FLNKS. Das Zentrum besteht aus 10 stilisierten "grandes cases" (die
traditionellen strohgedeckten runden Versammlungshaeuser). Es wurde von Renzo
Piani entworfen, dem beruehmten italienischen Architekten, der auch das Centre
Pompidou gebaut hat. Es harmonisiert perfekt mit seiner Umgebung , indem es in
idealer Weise die traditionelle Bauweise und Formen in luftige, schwerelose
moderne Strukturen uebersetzt. Ein architektonisches Glanzstueck!
Wir mieten uns einen kleinen Kia, um uns den Rest von Grande Terre anzusehen.
Die Insel ist 500 km lang und durchschnittlich 50 km breit. Zuerst fahren wir
die NW-Seite hoch und alles erinnert uns an Suedfrankreich, die guten Strassen,
die schmucken Doerfer, die ueber 1000 m hohen Berge im Hintergrund, Supermaerkte,
die Baeckereien mit den Baguettes.
In La Foa gibt es einen Skulpturengarten mit kunstvoll geschnitzten
Totempfaehlen. Eine Hochzeitsgesellschaft feiert auf dem Rasen, eine Ukulele-Band
spielt auf fuer die froehlich
gekleideten Gaeste, und die melanesische Braut und der weisse Braeutigam
posieren vor den Totempfaehlen.
Dann fahren wir ueber die hohen Berge an die Ostkueste. Der Kontrast ist
erstaunlich: das Meer ist hier tiefblau, der Pazifik, waehrend es im Westen
milchig-blau war, das Korallenmeer;
die Ostkueste ist steiler Regenwald, die Westseite braune trockene Weiden. Auf
der Ostseite sehen wir kaum noch einen Weissen. Wir sind in kanakischem Gebiet.
Entlang der engen kurvigen Strasse voller Schlagloecher und mitten im Dschungel
liegen winzige Doerfchen inmitten ihrer Gaerten. An der Strasse haben sich die
Leute wacklige Staende gebaut, in denen sie Obst, ein paar Kokosnuesse oder
Muscheln anbieten. Diese Kueste gibt uns das wirkliche suedpazifische Gefuehl
zurueck. Die Leute laecheln und winken uns zu. An einer Stelle hat es sich eine
Gruppe junger Maenner auf dem Asphalt gemuetlich gemacht - es faehrt hier ja
selten ein Auto vorbei.
Als es anfaengt dunkel zu werden,finden wir gluecklicherweise eine Unterkunft in
einem alten Beach Resort, ein ehemaliges ClubMed Hotel, das jetzt vom Stamm der
Koulnoué gemanagt wird.
Es gibt heute ein spezielles Muttertags-Buffet. Die meisten der etwa 50 Gaeste
sind Einheimische, alles robuste, freundliche, gut aufgelegte Leute, kleine
Kinder, alte Grossmuetter. Immer
wieder kommen sie mit hochbeladenen Tellern vom unglaublich guten und
reichlichen Buffet zurueck.
Was fuer ein Festessen! Danach gehen wir durch den Palmenhain zurueck zu unserem
strohgedeckten runden Bungalow direkt am Meer - vor der Tuer liegt ein (lebendiger)
Hirsch mit Halsband...- und sinken dann in unser absolut riesiges Bett, 3m breit
und 2.50 m lang. In diesem Bett kann man eine ganze Familie unterbringen. Was
fuer ein Luxus nach unserer engen Koje!
Am naechsten Morgen fahren wir nach Hienghène, einem kleinen Hafen mit
traumhaftem Blick ueber die Bucht, pittoreske Felsen und die Berge. Und dann
noch ein paar Kilometer weiter bis zum Ouaïème Fluss. Wenn wir noch bis zur
Nordspitze wollten, muessten wir hier die uralte Faehre nehmen, die letzte ihrer
Art.
Wir kehren um und nehmen die noerdlichste der drei Strassen ueber die Berge an
die Westkueste und fahren die 450 km nach Nouméa zurueck ueber die glatte breite
Strasse auf der "franzoesischen" Seite von Neukaledonien.
Am Mittwoch, 28. Mai, segeln wir von Nouméa aus um die Suedspitze von Grande
Terre. Wir haben die Segel gerefft und ackern uns langsam nach Osten, gegen den
Wind. Wir kreuzen hin und her durch das Labyrinth von Riffen und Inseln in der
Lagune und schliesslich durch den Woodin-Kanal bis zur Baie du Prony, wo wir
drei riesige Wale sehen. Es sind nur wenige Meilen, aber als wir endlich um 6
Uhr abends in der Bonne Anse ankern, ist es schon stockdunkel. Am Morgen sehen
wir, dass wir uns in einer winzigen Felsenbucht befinden, umgeben von niedrigem
Wald. Wir segeln die Prony-Bucht hoch bis zur Carénage am noerdlichen
Ende. Seit langer Zeit zum ersten Mal lassen wir das Dinghy ins Wasser,
montieren unseren neuen Aussenbordmotor und erkunden den kleinen Fluss, der hier
muendet. Nach einer letzten Flussbiegung waten wir bis zum kleinen Dock und
springen in einen warmen Thermalpool.
Danach machen wir an einer Boje vor der Casy-Insel fest, gegenueber von der
alten Strafkolonie, die jetzt vom Wald ueberwuchert ist. Die Insel und die
Gewaesser sind heute ein Naturschutzgebiet.
Wir laufen durch den dichten verwunschenen Wald voller riesiger Cyccas und
Saeulenaraukarien und Palmen, drei freundliche Hunde begleiten uns. Immer wieder
stossen wir auf winzige weisse
Sandbuchten zwischen gruenblauen Felsen und dann auf unglaublich farbige alte
Minen. Nachdem wir uns etwas verirrt haben, kommen wir wieder zurueck zu dem
malerischen Hotel im Kolonialstil, das offiziell geschlossen ist, in dem man
aber trotzdem bleiben kann, wenn man sein eigenes Bettzeug und was zu essen
mitbringt. Ein relaxter Franzose mit Pudelmuetze sitzt auf einem wackligen Stuhl
vor einer Telefonzelle und wartet auf einen Anruf und gibt uns Ratschlaege, wie
und wann wir am naechsten Morgen am besten aus der Lagune herauskommen koennen.
Das ist eine Wissenschaft fuer sich.
Im Morgengrauen machen wir uns auf den muehsamen Weg um das Cap Ndoua, das nicht
naeher kommen will, Meter fuer Meter kaempfen wir uns gegen die Wellen und die
Stroemung vorwaerts, obwohl Ebbe ist. Endlich koennen wir dann durch den Canal
de la Havannah aus der Lagune herauskreuzen. Fuer 15 NM brauchen wir 6
Stunden, mit gerefften Segeln und unter grossem Einsatz des Motors. Als wir im
offenen Meer sind, nehmen wir noerdlichen Kurs auf Lifou, die groesste der
Loyauté-Inseln, die noch zu Neukaledonien gehoeren.
Nach einer anstrengenden Nacht umrunden wir das Cap Lefèvre, fahren in die enorm
grosse Santal-Bucht und ankern vor dem Dorf Chépénéhé. Wir sind erschoepft, nass,
es hat ununterbrochen geregnet und ddas Schiff war schwer zu steuern. Wir
schlafen den ganzen Tag und gehen erst am Sonntagmorgen an Land.
Das Dorf ist idyllisch, kleine Betonhaeuser und runde Strohhuetten - "cases"- in
von Steinmauern umgebenen Kokoshainen, prachtvolle Gemuesegaerten und ueberall
Blumen. Im Gemeinschaftshaus wird eine Hochzeit vorbereitet, Schweine haengen an
Haken von den Balken, in einer Unzahl von Kochtoepfen brodelt Essen, das ganze
Dorf ist auf den Beinen.
Wir halten ein Auto an - es ist der Baecker, der uns mitnimmt auf die Easo-Halbinsel.
Zuerst ist er nicht sehr freundlich, aber als er erfaehrt, dass Skip Amerikaner
ist, ist das Eis
gebrochen. Am aeussersten Ende der Halbinsel steht auf dem Dach einer Kapelle
eine silberne Madonna. Man hat von hier einen wunderbaren Blick auf die Bucht,
die Klippen und das
Riff tief unten. Das Wasser ist so klar, dass man sogar von dieser Hoehe aus
muehelos die tropischen Fische und Korallen in allen Formen und Farben sehen
kann.
Auf dem Rueckweg haelt ein netter Mann mit seinem kleinen Sohn und laesst uns
einsteigen.Er fragt uns nach einer Weile, ob wir uns gerne die grande chefferie
in Nathalo ansehen moechten,
den Sitz des Haeuptlings von Wetr, dem Norddistrikt von Lifou. Wir haben keine
besonderen Plaene und sind offen fuer alles, was auf uns zukommt. Chanel freut
sich und sagt, ihm gehe
es genauso, er moechte uns an diesem Sonntag gerne seine Insel zeigen. Da haben
wir aber wieder mal Glueck!
Wir fahren nach Nathalo zur "grande case", einem kunstvollen grossen Rundhaus
mit spitzem Strohdach, in einem von hoelzernen Palisaden umgebenen Areal. Hier
finden die Zusammenkuenfte
der verschiedenen Clans statt, hier spricht der Stammeschef Recht und verteilt
das Land des Stammes an die Familien. Die case hat zwei Tueroeffnungen, eine
fuer den Chef, die andere fuer
die anderen. Tueren gibt es keine, die case ist jederzeit offen fuer jeden.
Chanel erzaehlt uns, dass seine Familie den Wetr-Stamm gegruendet hat und dass
sie auch den Haeuptling stellte, ihre Macht aber an einen anderen Clan abgegeben,
aber nichts von ihrem
Einfluss eingebuesst hat. Der Chef ist z.Zt. in Australien bei den Aborigines,
und Chanel ist sein Stellvertreter. Normalerweise muss man als Besucher erst
eine Erlaubnis einholen und oft
bezahlen, wenn man irgendwas besichtigen will, das auf Stammesland liegt (und
das ist praktisch alles), sei es ein Dorf oder ein Wald oder ein Strand. Man
kann nicht einfach irgendwohin wandern.
Mit Chanel sind wir also in besten Haenden.In der Naehe der grande case stehen
das moderne grosse Wohnhaus des Chefs und die huebsche katholische Kirche mit
ihren zwei Glockentuermen. Dann fahren wir im Auto des Stammeschefs zu Chanels
Haus. Er laedt uns zu Kaffee und einem Imbiss ein, zeigt uns seinen
weitlaeufigen Garten, seine Skulpturen und seine case - jeder hier hat ausser
einem schlichten Betonhaus auch noch eine traditionelle Huette, die viel
gemuetlicher ist.
Wir fahren mit Chanel, seiner Frau Marie-Odile, 3 seiner Kinder und seiner
Schwester durch den Norden von Lifou, sprechen ueber Gott und die Welt, ihren
Lebensstil, ihre Braeuche, die
Beziehungen zu Frankreich, die kommende Unabhaengigkeit Neukaledoniens. Wir
sehen uns eine Vanillefarm an, einen Regenwald, Chanel zeigt uns verschiedene
Pflanzen, aus denen sie ihre
Rundhaeuser bauen, und gelangen schliesslich an die Jokin-Bucht.
Das Dorf sitzt hoch oben auf den Klippen, und wir klettern eine lange steile
Treppe hinunter bis zum Wasser. Gegenueber in den Felsen sieht man Hoehlen, in
denen die Ahnen bestattet wurden- mit dem Gesicht zum Meer und Sonnenuntergang.
Zum Schluss kommen Chanel und sein 8-jaehriger Sohn Johnny an Bord der Ragnar.
Es ist das erste Mal, dass sie auf einer Yacht sind (die meisten Yachties trauen
sich nicht, Einheimische auf
ihr Schiff zu lassen). Johnny ist ein neugieriger Junge, der alles ausprobieren
will, er zieht an jeder Leine, klettert ueberall hin, fasst alles an und wuerde
am liebsten gleich lossegeln.
Diesen Tag wird er sein Leben lang nicht vergessen, meint Chanel. Jetzt kann er
seinen Grosseltern aber was erzaehlen!
Nach einem emotionalen Abschied, vielen guten Wuenschen und dem Versprechen zu
schreiben paddeln wir zurueck zum Schiff.
CHAP LXIV Vanuatu Tanna
T A N N A
19º 32.07 S 169º 15.90 O
Nach zwei Tagen hart am Wind koennen wir am Donnerstag, 5. Juni, fruehmorgens
endlich die NW-Spitze von Tanna sehen. Tanna ist eine der suedlichen Inseln von
Vanuatu, etwa 140 NM nordoestlich von Lifou gelegen. Wir kreuzen, bis wir in den
Windschatten der Insel kommen, und koennen dann dicht entlang der Kueste nach
Sueden bis Lenakel fahren.
Wir ankern im Schutz des Riffs, an dem sich die Wellen brechen, und gegenueber
vom Dorfdock, an dem die Southern Star, das rostige woechentliche Cargoschiff
aus Port Vila, festgemacht hat. Dock und Schiff wimmeln von Menschen, die
entladen und beladen, warten oder nur einfach zugucken.
Es ist Ebbe, und wir paddeln im Dinghy durch das Gewirr von Korallen bis zum
aschgrauen Strand und vertaeuen es an einem dicken Baum. Frauen in bunten
KLeidern breiten ihre Waesche auf den Felsen zum Trocknen aus, Maenner sitzen im
Schatten und rauchen, Feuer brennen hier und da, kleine Kinder paddeln in ihren
Auslegereinbaeumen herum, alle sind guter Laune und lachen und winken.
Oben auf der Anhoehe ist der Zoll. Er oeffnet um 13.30, in einer halben Stunde.
Wir fragen, wo die Bank ist und erfahren: ueber den Huegel, ueber die Bruecke,
das weisse Haus auf dem naechsten Huegel. Die Strasse ist- wie alle auf Tanna-
ungeteert, und die Bruecke nur ein Rohr im Flussbett. Wir wechseln etwas Bargeld
(Kreditkarten koennen sie nicht nehmen) und laufen wieder zum Zoll. Wir haben
Glueck,denn der Beamte kommt nach etwa einer Stunde zufaellig vorbei und
begruesst uns sehr freundlich. Vor dem Gebaeude wartet dann schon der Quarantine-Beamte
auf uns, und dann muessen wir ins benachbarte Dorf Isangel zu Immigration, ein
Kilometer entfernt, sagen sie. Zeit und Entfernungen sind hier relative Begriffe,
und deshalb machen wir Autostop.
Der erste Pickup nimmt uns auf der Ladeflaeche mit. Die Strasse ist in desolatem
Zustand, aber die Landschaft umwerfend schoen. Die Leute entlang der Strasse
lachen und rufen hallo. Nach
holprigen 4 oder 5 Kilometer kommen wir an, gerade als die Beamtin ihr Buero
abschliessen will. Sie oeffnet es aber wieder und stempelt freundlich unsere
Paesse.
Am Freitagmorgen um 5 Uhr beginnt der grosse Markt in Lekanel. Unter dem grossen
Banyan-Baum breiten die Frauen ihr Obst-und Gemuese auf geflochtenen Matten und
Koerben aus - Yamsbuendel, Bananenstauden, Trink-Kokosnuesse, Passionsfruechte,
die meterlangen gruenen Bohnen, Taroblaetter, pfundschwere Avocados- , alles
kunstvoll und farbenfroh arrangiert. Und alle sind guter Laune und freundlich.
Was fuer ein befreiendes Gefuehl, im melanesischen Pazifik zu sein!
Captain Cook gab dem heutigen Vanuatu den Namen Neue Hebriden. Nach den
Entdeckern kamen Haendler, die den Sandelholz-Waeldern den Garaus machten, und
danch fing das grausame blackbirding an: die Einheimischen wurden unter falschen
Versprechungen deportiert, um als billige Arbeitskraefte auf Baumwollplantagen
und in Nickelminen zu schuften. Der Kontakt mit den Weissen dezimierte die
Bevoelkerung von etwa einer Million im 19. Jh. auf 40 000 im Jahr 1935, da sie
keine Abwehrkraefte gegen die eingeschleppten Krankheiten hatten.
Waehrend des amerikanischen Buergerkriegs kamen britische und franzoesische
Siedler und kauften (illegal) das fruchtbarste Land auf, um Baumwolle
anzupflanzen. Vanuatu war nie eine Kolonie, wurde aber Anfang des 20.Jhds. zum
Anglo-franzoesischen Condominium der Neuen Hebriden erklaert, um den Siedlern
dieser beiden Nationen Schutz zu bieten. Es gab zwei Polizei-Systeme, zwei
Schulsysteme, zwei Waehrungen, zweierlei Gefaengnisse (in franzoesischen war das
Essen besser, in den englischen die Unterkunft), zwei Rechtssysteme, etc.
Franzosen fuhren auf der rechten Seite, Briten auf der linken, was einige
Verwirrung stiftete.
Um 1960 gehoerten etwa 30% des Landes weissen Siedlern, die es fuer
Kokosplantagen und Viehweiden rodeten. Die ni-Vanuatus empfanden das als
Sakrileg,denn fuer sie bedeutet das Land ihre Lebensbasis, die es zu erhalten
gilt. Das Land gehoert entweder den Staemmen oder der Regierung, nicht einzelnen
Personen. Es kann nicht verkauft werden, sondern nur maximal 75 Jahre geleast.
Eine Unabhaengigkeitsbewegung entstand, und 1980 wurde aus den Neuen Hebriden
der Staat Vanuatu.
Vanuatu hat heute etwa 250 000 Einwohner, von denen die weitaus meisten
Melanesier sind. Es gibt ueber hundert verschiedene Sprachen auf den 83 Inseln,
untereinander verstehen sie sich
nicht, so dass Bislama (Pidgin English) als lingua franca dient. Daneben sind
Englisch und Franzoesisch offizielle Sprachen. Die meisten Menschen leben
noch wie seit alter Zeit in ihren Dorfgemeinschaften im Dschungel und sind
praktisch autark. Geld spielt noch keine grosse Rolle fuer sie, Tauschgeschaefte
sind die Regel, obwohl Geld mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, schliesslich
muss Schulgeld und anderes gezahlt werden. Die Melanesier leben in ihren
Gemeinschaften und teilen was sie haben und scheinen damit sehr zufrieden zu
sein. Es gibt praktisch keine Verbrechen.
Wir mieten einen Allrad-Pickup und machen uns auf zum Mount Yasur - Vulkan.
Matthew, unser unglaublich geschickter Fahrer, und Moses, ein gebildeter und
freundlicher Ladenbesitzer aus
Lenakel,begleiten uns. Zuerst geht es ueber die holprigen ausgewaschenen
Strassen durch Middlebush, das Gartenzentrum der Insel, an winzigen
Dschungeldoerfern und franzoesischen und englischen Schulen und Kirchen vorbei,
ueber einen Pass mit atemberaubenden Blick ueber Insel und Meer, und dann einen
steilen Berg hinunter. Vom dichten gruenen Regenwald kommen wir hinaus in eine
vulkanische Asche-Ebene auf der NW-Seite des Vulkans, eine Mondlandschaft aus
Lavafeldern und einer monstroesen Asche-Duene, die sich bis zum Gipfel des
Vulkans erstreckt.
Wir passieren ein Flussbett, zahlen im Dorf am Fuss des Vulkans unser Wegegeld,
fahren hinauf und laufen zoegernd bis zum Kraterrand. Moses sagt, heute ist der
Vulkan nur auf Stufe 2 aktiv,
es gibt aber 5 Stufen: bei 3 fallen kleine Felsen bis dicht an den Kraterrand,
bei 4 fallen grosse Brocken auf einen, und bei 5 - vergiss es. Die Steine sind
so heiss, dass sie einen auf der Stelle wegschmurgeln wuerden, es bliebe nichts
uebrig.
Wir stehen direkt am Kraterrand und gucken vorsichtig in das immense Loch. Alle
paar Sekunden zittert der Boden, grollt und explodiert der Berg, dichte
gigantische Schwefelwolken quellen
aus der Tiefe, schwarze Asche und Felsen werden hunderte von Metern in die Luft
geschleudert. Erschrocken laufen wir ein paar Meter zurueck und suchen Schutz
hinter ein paar Felsen. Mount Yasur ist immer aktiv.
Nach einer Weile an diesem heissen, vibrierenden Platz fahren wir wieder zurueck
in den Wald, diesmal auf der Suche nach dem Giant Banyan tree. Vorher essen wir
aber noch in einer gemuetlichen Strohhuette am Strand zu Mittag, Reis, Fisch,
Yams, Taroblaetter und Papayasaft, alles gut und fuer nicht mal 2 Euros.
Man sagt, dass dieser Baum der groesste lebende Organismus auf der Welt ist,
dass er so gross wie ein Fussballfeld ist. Aber all diese Vergleiche werden
diesem Baum nicht gerecht, er ist
unbeschreiblich. Wir versuchen ihn auf Fotos zu bannen, unmoeglich, man kann nur
einen Bruchteil davon erfassen. In Ehrfurcht stehen wir vor diesem Wesen und
fuehlen uns wie Ameisen.
Wenn ich als Kind so einen Kletterbaum gehabt haette....Moses klettert hinauf,
bis wir ihn nicht mehr ausmachen koennen, Matthew schwingt an den langen
Luftwurzeln hin und her, und wir
traeumen davon, ein Baumhaus zu bauen.
Tanna ist eine der Inseln, auf die wir eines Tages zurueckkehren moechten. Das
Land und die Leute haben uns tief beeindruckt, wir waeren gerne noch laenger
geblieben.
Am Sonntag, 9. Juni, fahren wir weiter nach Port Vila auf Efaté. Diesmal ist das
Wetter schoen, das Meer ruhig und der Passat gerade richtig fuer eine 24-stuendige
suedpazifische
Rauschefahrt.
V A N U A T U
Efaté Island, Port Vila
17º 44.85 S 168º 18.63 O
Nach einer 24-stuendigen Rauschefahrt machen wir am 9. Juni um 9.30 Uhr an einer
Boje im
geschuetzten Hafen von Port Vila fest. Auch schoen, wieder in einer Stadt zu
sein, mit 24-Stunden-
Markt, franzoesischen Cafés (eins heisst Suesse Suende und haelt was es
verspricht...) und
franzoesischen Supermaerkten. Port Vila ist eine interessante kosmopolitische
Mischung aus
pazifischer, franzoesischer und englischer Kultur; entlang dem Wasser moderne
Gebaeude, einige
Hochhaeuser, Geschaefte, Hotels, und dahinter Wellblechhuetten, Baumhaeuser -
die ersten
Schritte, sich eine neue Existenz und Behausung zu schaffen.
Wir nehmen die kleine Faehre hinueber nach Ifira,ein Katzensprung von Port Vila,
eine kleine
paradiesische Insel mit huebschen kleinen Haeusern in Gaerten, Fusswegen (keine
Autos), Hibiskus-Hecken,riesigen Mangobaeumen, Schweinen, Huehnern und freundlichen Leuten.
Nichts deutet darauf hin,
dass man nur Minuten von der Hauptstadt entfernt ist. Dem Stamm, der auf Ifira
lebt, gehoert die
Gegend von Port Vila; das Land wird geleast. Die Leute von Ifira arbeiten
tagsueber in der Stadt
und kommen spaetnachmittags zurueck in ihre Idylle, wo sie im Regenwald leben
wie seit Jahrhunderten,
aber mit fliessendem Wasser, Strom und modernem Komfort.
Wir bitten um Erlaubnis und wandern einen Pfad entlang, als sich ein kleines
Maedchen und ihre drei
Brueder zu uns gesellen. Sie wollen uns ihre Insel zeigen, und wir folgen ihnen
ueber Stock und
Stein, durch den dichten Wald, an malerische Straende und auf hohe Klippen und
schliesslich zu ihrem
Haus und Garten mitten im Regenwald. Mit der Zeit schliessen sich immer mehr
Kinder an, wir fuehlen
uns wie die Rattenfaenger von Hameln, und als wir zurueck zur Faehre kommen,
sind wir eine grosse
Gruppe; alle wollen wissen, woher wir kommen, wohin wir fahren, wollen
fotografiert werden, geben
uns kleine Geschenke - eine Frangipani-Bluete, eine Muschel, eine Passionsfrucht.
Vanuatu entwickelt sich langsam zu einem attraktiven Touristenziel. Die Strassen
auf Efaté werden
asphaltiert, Hotels aller Klassen werden gebaut, Restaurants und Bars eroeffnet.
Vanuatu ist auch
ein Steuerparadies und deswegen interessant fuer Investitionen.
Nach einer Woche fahren wir weiter nach Norden, denn wir wollen uns unbedingt
das letzte
Landdiving dieses Jahres angucken, das am 21. Juni auf Pentecost stattfindet.
Wir segeln bei
hellem Vollmond Richtung Malekula und kommen fruehmorgens in der Bucht von Port
Sandwich im
Suedosten der Insel an.
Malekula Insel
16º 26.35 S 167º 47.04 O
Diese Bucht ist sehr tief und sehr gross, perfekt geschuetzt vor tropischen
Stuermen. Wenn wir
gewusst haetten, wie sicher sie ist, waeren wir vielleicht in der Zyklon-Zeit
hier geblieben.
Es ist ein idyllisches Plaetzchen mit goldenen Sandstraenden und von Kokospalmen
gesaeumt. Drei
Fluesse muenden hier. Die Dorfbewohner rudern in ihren Einbaeumen zu den Feldern
entlang den
Fluessen, Kinder spielen am Ufer auf ihren Ukulelen und singen dazu.
Wir rudern an Land und machen uns auf den Weg nach Lamap, einem kleinen Dorf.
Wir wandern durch
winzige saubere Siedlungen, viele Leute kommen aus ihren Haeusern und begruessen
uns und gehen
ein Stueck des Wegs mit uns. An einer Kurve riechen wir den Duft von frischem
Brot und finden
den Baecker in einer kleinen Huette. Er hat gerade frische Baguettes aus dem
Ofen geholt, einem
umgebauten Oelfass. Heisshungrig essen wir das noch dampfende leckere Brot.
Auf dem Rueckweg winkt uns ein Pastor zu sich, der gerade in einem Steinofen
Essen zubereitet.
Er sagt, dass Gott es gut meint mit ihnen, dass er sie reichlich mit fast allem
versorgt, was
sie zum Leben brauchen und dass sie gluecklich sind. Bevor wir uns verabschieden,
gibt er uns
einen Beutel voll Bananen und Pampelmusen mit auf den Weg und sagt, wir muessten
unbedingt
wiederkommen. Die Menschen hier sind unglaublich herzlich.
Wenn sie hier Geld brauchen (fuer Reis, Zucker, Salz, Seife, Kleider und
Schulgeld), ernten sie
Kokosnuesse und roesten sie und verkaufen dann das Kopra. Ueberall hier gibt es
Kokoshaine,
unter denen Kuhherden grasen. Ein Wunder, dass nie eine Kuh von einer fallenden
Kokosnuss
getroffen wird!
Ambrym Insel
16º 08.58 S 168º 06.87 O
Am 18. Juni fahren wir weiter nach der Nachbarinsel Ambrym. Nach einer tollen
rauschenden Fahrt
durch die Passage zwischen den Inseln ankern wir in der Ranon-Bucht nahe am
schwarzen Sandstrand.
Ambrym hat zwei grosse, aktive Vulkane.
Wir gehen an Land und freunden uns mit Jeffrey an, einem netten jungen Mann, der
das neue
Touristen- Informationszentrum des Dorfs Lolihor leitet. Er zeigt uns sein Dorf
und verspricht
uns, einen Ausflug zu einem der kastom- Doerfer in den Bergen fuer uns zu
organisieren, wenn
wir von Pentecost zurueckkommen. Der Tourismus hier steckt noch in den
Kinderschuhen, nur eine
Handvoll Yachten kommt jedes Jahr vorbei und ab und zu ein kleineres
Kreuzfahrtschiff. Aber sie
versprechen sich ein kleines Einkommenfuer das Dorf davon.
Pentecost Insel, Homo Bay
15º 57.20 S 168º 11.50 O
Am Donnerstag, 19. Juni, nach noch einem fantastischen 2-Stunden Toern, kommen
wir auf Pentecost an
und ankern vorm Dorf. Der Sand auch hier ist vulkanisch schwarz und uebersaet
mit dunklen Kieseln.
Hinter einer Reihe von maechtigen Baeumen versteckt sich das Dorf.
An Land begruesst uns Chief Luke, der Haeuptling, und erlaubt uns, das Dorf zu
besichtigen und
laedt uns spaeter zum Kava-Trinken ein. Er sagt, wir koennten am Samstag die
Landdiving-Zeremonie
ansehen.
Jeden Maerz bauen die Maenner von Sued-Pentecost 35m-hohe Tuerme aus Banyan-Baumstaemmen
und
-Zweigen, die sie mit Lianen zusammenbinden. Diese Tuerme haben sieben kleine
Plattformen auf
verschiedener Hoehe und werden auf einer steilen Anhoehe mit wunderbarem Blick
auf das Land
und das Meer errichtet.
Eine Legende erzaehlt, dass vor langer Zeit ein Mann von Pentecost seine Frau
auf einen riesigen
Banyan-Baum verfolgt hatte, aus was auch immer fuer Gruenden. Als er sie fassen
wollte,sprang
sie von dem Baum, und er hinterher. Er sah zu spaet, dass sie Lianen um ihre
Knoechel gebunden
hatte.
Seit dieser Zeit wird dieses Ereignis in einigen Doerfern jedes Jahr wieder
nachgespielt. Es ist
ein spektakulaerer Sprung, der viel Mut erfordert. Mit dem Sprung soll der Geist
des Mannes
besaenftigt werden, und es ist auch ein Geschenk an die Goetter, um eine gute
Ernte zu
gewaehrleisten. Im Westen waren diese Spruenge das Vorbild fuers Bungyjumping.
Jeder Springer sucht sich seine Lianen selbst sorgfaeltig aus, und die aelteren
Maenner pruefen
sie auf ihre Staerke und Elastizitaet. Im Alter von 8 Jahren werden die Jungen
beschnitten und
koennen dann zum ersten Mal springen. Jedes Jahr springen etwa 60 Maenner. Der
Boden vor dem
Turm wird von Steinen gesaeubert und gelockert. Die Frauen tanzen in weissen
Grasroecken in der
Naehe. Der juengste Springer kommt zuerst an die Reihe und springt aus bis zu 9
m Hoehe.
Alle Springer und Helfer tragen nur ihre roten "nambas" (Penishuellen). Die
Springer bereiten
sich vor, waehrend seine Freunde die Lianen festbinden. Wenn er bereit ist, hebt
der Springer seine
Haende und teilt den Zuschauern seine intimsten Gedanken mit. Die Leute hoeren
auf zu singen und
tanzen und stehen schweigend da, denn es koennten ja seine letzten Worte sein.
Schliesslich klatscht der Springer in die Haende, verschraenkt seine Arme, lehnt
sich nach vorn
und faellt. Die Lianen bremsen den Fall abrupt, nur sein Haar wird den Boden
beruehrt haben, damit
die Yams besser gedeihen. Die Zuschauer tanzen und stampfen und bruellen.
Der letzte Sprung wird vom "chief of the tower" gemacht. Er springt vom
hoechsten Punkt und muss
weit nach vorn springen, um die herausragenden Aeste zu vermeiden.
Das Landdiving ist ein spannendes Ereignis, es wird einem flau beim Zusehen.
Manche Springer
springen ohne zu zoegern, aber vor allem die jungen brauchen manchmal eine ganze
Weile, bis sie
es endlich wagen. Es ist eine grosse Mutprobe.
Nach dem Ritual paddeln wir zurueck zum Schiff, und kurz danach kommt der Sohn
von Haeuptling Luke
in seinem kleinen Einbaum und bringt uns Pampelmusen, Spinat, snake beans,
Kraeuter und eine
Kakao-Frucht. Der Vater von Luke hat den Brauch eingefuehrt, Yachties mit Obst
und Gemuese zu
beschenken, und Luke fuehrt ihn fort, eine sehr nette Geste. Wir revanchieren
uns mit Buntstiften
fuer die Kinder und einem Stueck Stoff.
Am naechsten Tag segeln wir zurueck nach Lolihor auf Ambrym. Das ganze Dorf ist
auf den Beinen,
denn es wird ein grosses Fest gefeiert zur Einweihung des ersten Telefons und
Internet-Anschlusses.
Am Tag danach machen wir uns mit Jeffrey auf den Weg zum Nachbardorf, um einen
Rom-Tanz anzugucken.
Wir klettern den steilen Pfad hoch durch den Regenwald, immer weiter hinauf, bis
wir endlich
in das kastom-Dorf kommen, ein Dorf, das noch lebt wie zu Urzeiten und in dem
noch all die alten
Braeuche erhalten sind. Es besteht aus etwa 20 Huetten mit Waenden aus gewebtem
Bambus und
und Daechern aus Palmwedeln.
Wir gehen zum heiligen Ritualplatz, um den sich die Leute schon versammelt
haben. Die Taenzer im
inneren Kreis haben nur ihre nambas an, manche haben eine rote Hibiskus-Bluete
im Haar. Die
Taenzer im aeusseren Kreis tragen lange, dicke Umhaenge aus getrockneten
Bananenblaettern und
hohe, kegelfoermige Masken. Alle stampfen und singen vor den riesigen Tamtams (aufrecht
stehende
Schlitz-Trommeln) und Totempfaehlen, die um den heiligen Kreis herum errichtet
sind.
Obwohl wir mehrere Leute nach dem Sinn der beruehmten Rom-Taenze fragen, kann
oder will uns
niemand eine zufriedenstellende Antwort geben. Sie haben wohl viel mit Zauberei
zu tun, Ambryn
ist Vanuatus Zauberzentrum.
Zauberei ist eine Sache der Maenner, tabu fuer Frauen, was auch erklaert, dass
die Rom-Taenzer
alle Maenner sind. Zauberei wird benutzt fuer gute Ernten, um Stuerme und boese
Geister
zu bannen, Vulkane unter Kontrolle zu halten und zum Heilen. Es gibt wohl auch
schwarze
Magie, aber all das ist kein Thema, das mit einem Touristen eroertert wird.
Waehrend des Rom-Tanzes halten sich die Frauen in einiger Entfernung vom
heiligen Kreis und der
heiligen Huette (waehrend ein immenses Schwein direkt daneben sich wohlig in
seiner Kuhle suhlt).
Wir Auslaender (fuenf), auch wir Frauen, duerfen naeher ran gehen und
fotografieren, aber es
ist streng verboten, die Taenzer anzufassen (wer wuerde denn eh auf die Idee
kommen?) oder
zu nahe an die Tamtams, Totempfaehle und die heilige Huette zu gehen. Sogar
Jeffrey darf das nicht.
Tamtams sind Ambryms und Malekulas grosse Trommeln, die aus einem Brotfruchtbaum
gemacht werden.
Sie werden benutzt, um verschluesselte Nachrichten zu uebermitteln, die
Dorfbewohner
zu versammeln und auch als Orchester fuer Feste. In Nord-Ambrym haben sie Hahnen-Gesichter.
Es dauert etwa 160 Stunden, um ein kleines 2.5m Tamtam zu machen. Das Design
gehoert bestimmten
Familien und kann nur kopiert werden, wenn man eine Gebuehr bezahlt. Einige
Trommeln haben
drei und mehr Gesichter und sind entsprechend teuer, ein Statussymbol.
In den Doerfern herrscht eine strenge Hierarchie. Nur Maenner, die viele
Schweine besitzen und
Feste fuer das Dorf organisieren koennen, koennen die hoechsten Stufen der
Gesellschaft erreichen.
In Lolihor gibt es zwoelf soziale Stufen.
Normalerweise leiht sich ein zwanzig-jaehriger junger Mann fuenf bis zehn Eber,
um den Brautpreis
bezahlen zu koennen. Sobald er kann, kauft er ein paar Sauen, die die Basis fuer
seinen
zukuenftigen Reichtum und seinen Status bilden. Es kann lange dauern, bis er
seine Schulden
bezahlt hat. Dann macht er ein Yam-Fest, und ein paar Jahre danach eine grade-taking-
Zeremonie, die ihn auf der gesellschaftlichen Leiter eine Sprosse hoeher bringt.
Es liegt bei jedem selbst, wie hoch er klettert.
Am Mittwoch, 25. Juni um Mitternacht segeln wir ab nach Nord-Malekula. Wir
ankern in der
Norsup-Bucht, in der Naehe des Docks von Vanuatus groesster Kopra-Produzierender
Plantage.
Viele Maenner und Frauen sitzen vor riesigen Bergen von Kokosnuessen, loeffeln
das Fleisch
heraus und roesten es.
Die Plantagengebaeude aus Wellblech sind rostig und alles sieht etwas vergammelt
aus. Laengere
Zeit haben sie hier keine Kokosnuesse mehr geerntet, weil der Preis fuer Kopra
zu niedrig war.
Jetzt hat er wieder angezogen, und jeder ist beschaeftigt.
Morgens wachen wir von blaerrender Musik und Lautsprechern auf: Digicel hat
einen Bus am Dock
geparkt und verkauft die ersten Handies. Die Leute sind fasziniert und stehen in
langen
Schlangen, um dieses tolle Ding zu erstehen.
Wir springen auf einen Pickup, um nach Lakatoro zu fahren, der
Verwaltungshauptstadt der
Provinz. Die Strasse ist nicht asphaltiert, sehr schlammig und hat tiefe
Fahrrinnen. Wir
werden durchgeschuettelt und krallen uns fest, bis unsere Knoechel weiss sind.
Schlamm
spritzt uns voll, wir werden patschnass.
Schliesslich halten wir im "Stadtzentrum", einem Supermarkt, einer Metzgerei und
einem neuen
Digicel-Laden, aus dem laute Rockmusik ertoent. Absolut jeder scheint
hierhergekommen zu
sein, um ein Handy zu erstehen.
Auf dem Markt einige hundert Meter weiter gibt es nur ein paar Yams, etwas
Chinakohl, nicht viel
mehr.
In der oberen Stadt nahe den Verwaltungsgebaeuden gibt es ein kleines
Kulturzentrum mit einem
interessanten kleinen Museum. Wir erkundigen uns, ob es irgendwo ein Fest gibt,
das wir besuchen
koennten, aber wir wuerden eine Woche warten muessen, und das erscheint uns
etwas lang.
Malekula ist eine faszinierende Insel mit vielen aussergewoehnlichen Braeuchen,
aber wir
haben nicht mehr soviel Zeit, leider. Wir muessen wegen der verschiedenen Winde
und Stroemungen
eine festgelegte Route und einen Zeitplan einhalten. Deswegen beschliessen wir,
weiterzufahren
nach Luganville auf Espiritu Santo.
Espiritu Santo Insel, Luganville
15º 31 S 167º 10 O
Espiritu Santo ist unsere letzte Insel in Vanuatu. Eigentlich wollten wir noch
weiter nach
Norden fahren, zu den Banks Inseln etc., den Solomon Islands... Man brauchte
Jahre, um diese
Gegend zu erkunden.
Im Segond Channel zwischen Espiritu Santo und Aoré ankern wir 100 m vor dem
Beachfront Resort,
etwas ausserhalb der Stadt, aber der bequemste Platz fuer Segelboote.
Im zweiten Weltkrieg war Luganville eine amerikanische Basis, mehr als eine
halbe Million
amerikanischer Soldaten war hier stationiert, im Segond Channel lagen an die
hundert Schiffe,
um das Vorruecken der Japaner zu stoppen.
Sogar noch heute sieht man ueberall die alten grossen Wellblechhuetten,
umgewandelt in Garagen,
Werkstaetten, Haeuser. Es gibt einen guten 24-Stunden-Markt, breite Strassen und
einen neuen
Teil mit schoenen modernen Haeusern, wo sich Steuerfluechtlinge einen
Zweitwohnsitz mit Blick
auf den Pazifik gebaut haben.
Viele Touristen kommen hierher zum Tauchen. Das beliebteste Ziel ist das Wrack
der USS President
Coolidge, ein von der Navy beschlagnahmter Luxusliner, der sank, nachdem er auf
zwei Mienen
gelaufen war. Ein anderes begehrtes Ziel ist der Million Dollar Beach, wo die
Amerikaner nach
dem Krieg ihr ganzes Kriegsmaterial versenkten. Sie wollten es zu
Schleuderpreisen verhoekern,
aber niemand war daran interessiert. Also schoben sie es mit Bulldozern von
einer Klippe ins
Meer, und bei Ebbe kommen interessante Sachen an die Oberflaeche.
Mit den Amerikanern ging es den Leuten hier auf Santo gut, das merkt man auch
heute noch. Als
Amerikaner wird man hier besonders herzlich aufgenommen, und viele hier in Santo
imitieren die
Amis in Kleidung und Verhalten.
Wir sind ein bisschen traurig, dass wir Vanuatu nun hinter uns lassen muessen,
ein in vieler
Hinsicht grossartiges Land mit faszinierender Kultur, ein grossartiges
Segelrevier mit Hunderten
von guten Ankerplaetzen, sehr wenigen Korallenriffen, guten Tagesstrecken von
Insel zu Insel
und sicheren hurricane holes.
Wir beschliessen, direkt von Luganville nach Port Moresby in Papua Neuguinea zu
fahren, 1300 NM.
P A P U A N E W G U I N E A , Port Moresby
9º 28' S 147º 09.20 O
Nach 10 Tagen und 1300 Seemeilen schnellen Segelns ueber die Coral Sea fahren
wir durch die
extrem raue und schwierige Basilisk Passage in die Bucht von Port Moresby und
ankern am Sonntag,
13. Juli, in der Marina des Royal Papua Yacht Club.
An der Einfahrt in die Marina stehen Wachhaeuschen, das Gelaende ist umzaeunt,
und schwarz
gekleidete bewaffnete Wachen patroullieren auf dem Deich. Im Club raet man uns,
nicht ohne
eine Wache auf die Strasse zu gehen, nicht mal zum 300 m entfernten Supermarkt,
und im Auto
immer die Tueren zu verriegeln. Ein gated ghetto.
Das Clubhaus ist das luxurioeseste bisher: Bars mit riesigen Bildschirmen,
Restaurant, eine
riesige Terrasse mit wunderbarem Blick auf Sonnenuntergang ueberm Meer und
Marina, Spielsalons,
ein Fitness Centre, wie man es in einer Metropole nicht besser findet, Duschen,
Waschsalon.
Aber leider nur ein Computer, und der funktioniert nur selten und zum Schluss
ist er total
ueberfordert. Der Yacht Club ist der Treff all der australischen, kiwi und
englischen expats
in Port Moresby. Yachties wie wir finden nur hoechst selten ihren Weg nach hier,
es kursieren zu
viele Horrorgeschichten ueber PNG.
An der Strasse gegenueber vom Club stehen ein paar armselige Huetten, an der
Haltestelle verkaufen
einige Leute einzelne Zigaretten und Betelnuesse oder uralte Schokoriegel oder
was immer sie
finden konnten, womit sie ein bisschen Geld fuer diesen Tag verdienen koennen,
nicht mehr als
der Gegenwert von ein paar Bier im Club.
Nachdem wir zwei Tage auf den Zollbeamten gewartet (die Behoerden hier sind
etwas langsam)
und endlich einklariert haben, duerfen wir am Dock festmachen und in die Stadt.
Das Erste,
was wir machen, ist, unbewacht zum Supermarkt um die Ecke zu marschieren, kuehn
wie wir sind.
Jeder auf dem Weg gruesst uns freundlich, spricht mit uns und wuenscht uns einen
guten Tag.
Und wir fuehlen uns in keiner Weise bedroht.
Auf unserer Reise haben wir oft erfahren, dass man viel mehr ueber die
schlechten Dinge an
einem Ort spricht als ueber die guten Seiten. Zweifellos hat PNG ein 'raskol' (Bandit)
-Problem,
besonders in den groesseren Staedten. Es gibt Ueberfaelle und grauenhafte
Geschichten, aber
wir haben nichts dergleichen erlebt.
Am naechsten Morgen gucken die Wachen erstaunt, als wir wieder durchs Tor
spazieren und selber
ein Taxi herbeiwinken. Ein rostiges, etwas ramponiertes Gefaehrt haelt, der
Fahrer ist Daniel,
ein Huli wigman aus dem suedlichen Hochland (sie heissen so, weil sie zu
speziellen Anlaessen
aeusserst dekorative , aus ihrem eigenen Haar gewebte Peruecken tragen; dazu
bemalen sie ihre
Gesichter in Gelb und rotem Ocker).Er versucht nicht, uns uebers Ohr zu hauen,
sondern
will den richtigen Preis von Anfang an. Und er bietet uns an, uns zu einem sehr
vernuenftigen
Preis laengere Zeit herumzufahren. Wir erklaeren ihm, dass wir uns die Stadt
angucken und
fotografieren wollen, dass wir aber etwas besorgt sind wegen unserer teuren
Kamera. Er meint,
das waer kein Problem, sein Bruder Simon wuerde mitkommen und uns begleiten,
dann waeren wir
sicher.
Wir verabreden uns fuer den naechsten Tag, aber zuerst faehrt Daniel uns zum
Holiday Inn, wo
wir im Reisebuero mit Debbie sprechen wollen. Wir wuerden uns gern eins der
beruehmten
singsings (Feste) ansehen oder eine Tour irgendwohin machen, um etwas mehr von
PNG zu sehen.
Schliesslich ist PNG eins der kulturell, geographisch und biologisch
interessantesten Laender
der Welt.
Das Warwagira Masken-Festival in New Britain, der ehemals deutschen Kolonie, hat
schon vor ein
paar Tagen angefangen, und auf die Schnelle koennen wir dahin keinen Flug
kriegen. Die Fluege
sind unregelmaessig, und die Piloten streiken gerade. Ein Jammer, denn dieses
Fest ist eins
der bedeutendsten.
Wie waere es mit einem Abstecher in die Sepik-Region, einer phantastischen Fluss-Landschaft,
die man mit dem Amazonas vergleichen kann, mit einer grossartigen Kunst-Tradition?
Nicht
leicht zu organisieren und extrem teuer. Unsere Hoffnung schwindet.
Simon hat uns angeboten, uns als Fuehrer in seine Heimat zu begleiten, das ist
natuerlich
sehr attraktiv, wuerde aber auch laenger dauern, dafuer haben wir keine Zeit
mehr.
Wir gehen etwas frustriert zum Buffet-Lunch ins Holiday Inn. Ueber uns haengt
ein Kronleuchter
aus 50 bis 60 Penis-Huellen mit kleinen Laempchen in den Oeffnungen.
Am naechsten Morgen erforschen wir mit Daniel und Simon die Stadt. Zuerst fahren
wir in die
Town, das Geschaeftsviertel von Port Moresby, mit einigen Hochhaeusern, Banken,
einem Luxus- Hotel
und Geschaeften. Die Strassen sind uebersaet mit blutroten Flecken, und wir
fragen, ob hier
eine Schlacht stattgefunden hat. Aber es ist nur von der Spucke der Betelnuss-
Kauer.
Dann geht's zum Koki-Markt, wo man den besten Fisch bekommt. Gegenueber liegt
Koki Village,
eine Siedlung auf Stelzen im Wasser, die vom Stamm der Motu bewohnt wird, dem
Stamm dieser
Gegend. Mit Daniel und Simon, den Hulis aus dem Hochland, koennen wir uns nicht
in die Siedlung
wagen, das waere gefaehrlich. Sie sprechen kein Motu, sondern nur ihre eigene
Sprache, Englisch
und Tok Pisin, die offiziellen Sprachen in einem Land mit ueber 800
verschiedenen Sprachen.
Danach fahren wir nach Boroko, einem der sichereren Distrikte der Stadt, mit
vielen Geschaeften
und einem Kunsthandwerks-Markt. Die Leute starren uns neugierig an, kein Wunder,
denn wir sind
die einzigen dimdims (Weissen) weit und breit, von den Weissen, die in Port
Moresby arbeiten,
kaem kaum einer auf die Idee, zu Fuss in der Stadt herumzugehen. Die Atmosphaere
ist relaxt,
ruhig, und wir fuehlen uns sicher, aber Daniel behaelt sein Taxi scharf im Auge,
und Simon
beobachtet unsere Umgebung unablaessig.
Dann besuchen wir den Gordons Markt, den groessten im Land. Hier gibt es ein
sehr grosses und
buntes Angebot an Obst und Gemuese, Tabak und Fleisch, an einem Stand wird
gerade ein Wallaby
(kleines Kaenguruh) zerlegt. Die Leute sind alle sehr freundlich und lassen sich
gern
fotografieren und gucken sich dann froehlich die Bilder an.
Dann besuchen wir das Parliament Haus (in Tok Pisin wird Haus wie auf deutsch
geschrieben)
mit seiner eindrucksvollen Mosaik-Fassade. Nebenan ist das National Museum, das
heute
geschlossen ist. Aber es stellt sich heraus, dass der Waerter ein bro' ist, also
auch ein
Huli wigman, und er oeffnet das Museum fuer uns, und wir haben es ganz fuer uns
allein.
Eine Schatzkiste! Es gibt da ein phantastisches Ausleger-Kanu, das ueber und
ueber mit
Kauri-Muscheln geschmueckt ist, einzigartige Masken, Schilde, Totempfaehle und
einen ausgestopften
Cassowary-Vogel, PNGs groessten Vogel, mannshoch, mit 15cm -langen Krallen und
Knieen, die
er vorwaerts und rueckwaerts beugen kann.
Auf dem Weg zurueck zum Auto kommen wir an einem kleinen Betelnuss-Stand vorbei.
Daniel und Simon
kaufen welche, knacken sie und kauen. Ploetzlich produzieren sie jede Menge
Speichel, den sie
sehr gekonnt in einem Strahl ausspucken. Als sie gruendlich genug gekaut haben,
nehmen sie
einen daka (mustard-stick), lecken dieses Hoelzchen ab und stippen es in
Korallenpuder. Sie
beissen ein bisschen davon ab, kauen wieder und spucken wieder, dieses Mal
blutrot. Ihr Mund
und die Zaehne sind jetzt ganz rot. Alle Leute hier kauen Betel.
Skip will es auch versuchen, aber er hat den Bogen mit dem Spucken nicht raus!
Inzwischen hat
sich eine Gruppe von Leuten um uns versammelt. Sie lachen gutmuetig und machen
Skip Mut.
Schliesslich ist sein Zahnfleisch auch blutrot, aber er will die Prozedur nicht
wiederholen.
Es war wohl zu schrecklich.
Am Sonntag werden wir von Brian eingeladen zu einem Ausflug in die Berge. Wir
sind eine grosse
Gruppe aus Freunden und einigen Mitgliedern seiner Familie. Brian ist Weisser,
wohnt aber
seit zig Jahren in PNG und hat einige Kinder adoptiert. Er ist inzwischen
mehrfacher Grossvater.
Nach der Duerre und dem Staub von Port Moresby wird die Landschaft gruener und
saftiger, je
hoeher wir die kurvige Strasse durch das Laloki-Tal hinauf kommen. In Crystal
Rapids bildet
der Fluss ein grosses Becken, bevor er in mehreren Stufen zu Tal fliesst.
Auf dem gepflegten Rasen mit riesigen, rotbluehenden Baeumen gibt es Baenke und
Unterstaende zum
Grillen. Crystal Rapids ist ein beliebtes Ziel fuer ein Picknick am Sonntag,
Familien mit
Kindern sitzen im Wasser (alle mit Kleidern) und erfrischen sich im kuehlen
Wasser. Ein sehr
idyllischer Ort. Aber nur am Sonntag ist hier so viel los, unter der Woche
scheint die Strasse
zu gefaehrlich zu sein. Obwohl Brian meint, dass er ueberall ohne Furcht
hinfaehrt, egal wann.
In all den Jahren ist er nur einmal ueberfallen worden.
Am folgenden Samstag fahren wir mit unseren australischen Freunden Faye und
David zum Ela-Beach-Markt, einem grossen Kunsthandwerksmarkt, zu dem einmal im Monat Leute aus
ganz PNG
kommen, um ihre Sachen zu verkaufen und zu tanzen.
Wir haben unsere Zeit in PNG sehr genossen dank unseren Freunden, die sich
ruehrend um uns
gekuemmert haben. Aber es war auch ein bisschen frustrierend, nicht mehr im Land
herumreisen
zu koennen. Vielleicht kommen wir eines Tages hierher zurueck, mit viel Zeit.
Die Leute
sind auch hier generell sehr freundlich und vertrauenswuerdig, und es ist schade,
dass eine
kleine Gruppe von 'raskols' dem Land so einen schlechten Ruf verpasst hat.
Am 27. Juli segeln wir von Port Moresby ab, die letzten 200 Seemeilen im Pazifik.
Montagnacht
kommen wir in den Bligh Channel und die Torres Strait. Jeder hat uns vor den
Wellen und den
Stroemungen hier gewarnt, aber als wir in die Meerenge kommen, ist das Wasser
wie ein Spiegel,
es regt sich kein Lueftchen, und wir muessen motoren. Die vielen kleinen Inseln
scheinen
ueber dem Horizont zu schweben wie eine Fata Morgana.
Am Mittwochmorgen kommen wir vorbei an Tuesday und Wednesday Island und ankern
dann vor
Thursday Island, das zu Australien gehoert. Der Pazifik liegt nun endgueltig
hinter uns.
A U S T R A L I E N
T h u r s d a y I s l a n d , Torres Strait
10º 35.20 S 142º 13.40 O
Wir benachrichtigen den Zoll von unserer Ankunft, und bald darauf stuermen
sieben freundliche
Beamte unser Schiff - Immigration, Zoll und Gesundheit/ Landwirtschaft. Drei
durchsuchen das
Deck, oeffnen alle Luken, gucken in die leeren Kanister und leeren die
Wasserkanister, um
zu sehen, ob etwas darin versteckt ist. Unten nehmen zwei Beamte alles
auseinander, oeffnen
alle Schraenke, gucken in jede Dose, waehrend die zwei anderen uns mit Fragen
und Formularen
bombardieren.
Die Frage 'Habt ihr was zu deklarieren?' ohne uns genau zu sagen, was wir
deklarieren muessen,
ist verwirrend fuer uns. Die Suesskartoffeln koennen wir nicht behalten, auch
nicht den
Knoblauch oder den Ingwer oder die Mandeln. Alles aus Holz muss deklariert und
auf Holzwuermer
untersucht werden, aber auf einem Holzboot -wo soll man da anfangen und enden?
Schliesslich hat der Gesundheitsbeamte wohl genug gesehen und verlaesst das
Schiff. Hinterher
findet der Zollbeamte aber etwas (Holzfloeten, Beinrasseln aus Samenhuelsen),
das wir voellig
vergessen haben und das zwischen den Kleidern verstaut war, damit es nicht
zerbricht, so dass
der Gesundheitsbeamte wiederkommen muss.
Nach vier Stunden ziehen sie endlich alle ab, nachdem sie uns noch einen
schoenen Tag gewuenscht
und uns gesagt haben, dass wir nochmal auf allen Behoerden vorbeischauen sollten,
um den Rest
der Papiere zu erledigen. Ich habe besonders Probleme mit meinem Pass, dem neuen,
in Wellington
ausgestellten maschinenlesbaren Superpass, der zwei etwas verschiedene Nummern
hat. Aber ein
Anruf bei der vorgesetzten Behoerde in Brisbane klaert dieses Problem dann. Was
fuer ein Zirkus.
Kein Wunder, dass viele Segler es vorziehen,an Australien vorbeizufahren.
Die australischen Torres Strait-Inseln liegen in einer besonderen Quarantaene-Zone,
und wir muessen
sogar eine Genehmigung fuer alles einholen, was wir in dieser Zone kaufen und
aufs Festland
mitnehmen wollen. Sie haben eben eine Heidenangst davor, dass irgendwelche
Insekten und Keime
eingeschleppt werden, die schaedlich fuer das Land sind. Aber insgesamt sind die
Beamten
alle sehr freundlich in diesem buerokratischen Tohuwabohu.
Es ist nur eine kurze Strecke im Dinghy bis zum Dock, aber auf dem Rueckweg
muessen wir gegen
eine Stroemung von 8 Knoten ankaempfen, die Wellen sind kurz und steil, und
jedesmal werden
wir nass bis auf die Haut. Wir werden nicht nur nass, sondern haben auch Angst,
ins Wasser
zu fallen, das voller Krokodile und giftiger Wasserschlangen ist.
Das Dorf besteht aus nur zwei Hauptstrassen. Die Leute sind sehr nett und
entspannt, keiner
ist in Eile, denn auf diesem winzigen Eiland kann man sowieso nicht viel machen.
Thursday
Island war mal der groesste Perlenhafen in Australien, mit hunderten von
Perlenschiffen,
aber davon ist nichts mehr uebrig.
Nach drei Tagen segeln wir weiter Richtung Darwin, 740 Seemeilen weiter westlich.
Mit einem
guten Passatwind machen wir, nachdem wir an Boobie Island und einigen
gefaehrlichen Untiefen
vorbei sind, 140 Seemeilen Fahrt pro Tag, kreuzen den Carpentaria-Golf und die
Arafura-See.
Hinter Cape Don beginnt der Van Diemen-Golf, der Wind flaut ab, und wir muessen
motoren.
Um durch den Golf und die Clarence Strait zwischen dem Festland und Melville
Island zu fahren,
muessen wir einen exakten Zeitplan beachten. Wir muessen mit der Flut bis zu den
Abbott Shoals
hineinfahren und dann mit der Ebbe durch den engen Howard Channel wieder hinaus
in die Timor See,
noerdlich von Darwin, nicht so leicht bei Nacht, mit Tankerverkehr und 9.5
Knoten. Fast auf der
ganzen Strecke ab Thursday Island sind wir in seichtem Wasser. Sogar um Darwin
herum mit seiner
8m-Tide ist es sehr wichtig, immer genau zu wissen wo man ist, damit man nicht
irgendwo auf
einer Sandbank ein oder zwei Meilen vor der Kueste landet.
Am Freitag, dem 8. August, ankern wir endlich zwischen einer Sandbank und der
Einfahrt zur
Cullen Bay Marina.
D a r w i n , Northern Territory
12º 27.24 S 130º 49.46 O
Wir fragen ueber Radio, ob wir in die Marina koennen, aber zuerst muessen der
Rumpf und all die
Wasserauslaesse des Schiffs von der Fischereibehoerde inspiziert werden, damit
die Marina
nicht mit der gruenen Muschel infiziert wird. Die netten Taucher der Behoerde
kommen
auch sehr schnell und alles ist in Ordnung.
Aber erst am Montag duerfen wir durch die Schleuse in die Marina hinein. Wir
haetten auch weiterhin
vor Anker liegen koennen, aber mit der extrem hohen Tide ist wir leicht bei Ebbe
auf einer
Sandbank enden koennen. Und in diesen Gewaessern zu schwimmen ist auch nicht so
verlockend
wegen der Krokodile. Jedes Jahr holen sie 200 Krokodile hier aus dem Wasser, um
sie an anderen
weiter entfernten Orten wieder auszusetzen, aber dass sie alle fangen ist nicht
garantiert.
Wegen dem Schleusensystem ist Cullen Bay Marina wie ein grosser Teich mit Finger-Docks,
alle
besetzt. Aber wir haben Glueck, denn wir finden noch einen Platz an einem
Privatdock, das
zu einem der Millionaershaeuser gehoert, die entlang dem Ufer gebaut wurden. Ein
schoener,
ruhiger Platz.
D A R W I N
12º 27.24 S 130º 49.46 O
Fuer viele Segler bedeutet Darwin das Tor zum Indischen Ozean. Am ersten Morgen,
auf unserem Weg in eins der vielen Cafés um die Marina herum, treffen wir daher
hocherfreut einige alte Freunde wieder, die wir schon eine ganze Weile nicht
gesehen haben.
Wir tauschen Erfahrungen aus, einige haben die Zyklonzeit an der australisschen
Ostkueste in Queensland verbracht, andere haben hurricane holes auf einer der
tropischen pazifischen Inseln gefunden. Und jetzt fahren ein paar direkt
Richtung Kapstadt (eine 6000 Seemeilen- Reise!), und andere nehmen die
Indonesien- Singapur- Malaysia- Thailand- Route so wie wir.
Nach dem Fruehstueck halten wir ein Auto an, und eine freundliche aeltere Dame
nimmt uns mit ins Zentrum. Es ist ein seltsames Gefuehl, wieder in der
westlichen Welt zu sein: palmengesaeumte saubere, breite Strassen ohne
Schlagloecher, Fussgaengerzonen mit vielen modernen Geschaeften und Cafés,
Brunnen, gepflegte Rasen, tropische Gaerten, Blumenbeete, und hellhaeutige,
blonde Menschen.
Darwin ist eine schoene, moderne Stadt, die meisten Haeuser sind Neubauten,
nachdem der Zyklon Tracy am Heiligen Abend 1974 60 % der Stadt zerstoert
hat. Keins der Haeuser war fuer diese Art Wind gebaut. Nun sind die Fassaden
gegen herumfliegende Truemmer geschuetzt und die Daecher an den Fundamenten
verankert und so hoffentlich geruestet gegen einen zukuenftigen Sturm.
Der Bauboom geht immer noch weiter. Um den riesigen Hafenkomplex herum entstehen
Apartment-Hochhaeuser, eine neue Marina, ein beeindruckendes Convention Centre
und eine kuenstliche Wellenlagune (schwimmen sollte man nicht an einem der
vielen Straende von Darwin wegen der Krokodile und toedlichen Quallen).
Donnerstags und Sonntags, wenn am Spaetnachmittag die Sonne ueber dem Meer
untergeht, gehen die Einheimischen und Touristen zum Mindil Beach Market. Es
wimmelt von Jongleuren, Clowns, Didgeridoo-Bands, Staenden mit leckeren
Gerichten aller asiatischen Laender, aber auch roadkill cafés, wo Fleischspiesse
von ueberfahrenen Kaenguruhs, Wasserbueffeln, Krokodilen und Straussen verkauft
werden. An einer Unzahl von Staenden kann man Kunsthandwerk erstehen, Bilder,
Perlen, Schmuck,Bumerangs, Huete aus Samenkapseln, oder sich von einem
chinesischen oder Thai Masseur durchwalken lassen. Tausende von Leuten
picknicken auf dem Rasen oder im Sand, waehrend die Sonne glutrot am Horizont
untergeht.
In Darwin findet man fast alles, und wir nutzen die Gelegenheit, uns ein paar
Ersatzsaettel aus Stahl fuer die Gaffel machen zu lassen, das Kuehlsystem fuer
den Motor zu ueberholen, die Segelnaehte nachzunaehen und das Schiff fuer die
lange heisse Rueckreise fit zu machen.
Wir haben Glueck: ein paar Tage nach unserer Ankunft faengt das Aboriginal Music
and Arts Festival an, eins der highlights vonn Darwin. Wir gehen zum
Eroeffnungskonzert im Park an der Esplanade und hoeren uns die aboriginal
Gruppen an, eine Band aus Ost-Timor heimst den groessten Applaus ein. Am
naechsten Tag klappern wir mit einem von der Stadt gestellten unentgeltlichen
Bus die Kunstgallerien ab, die aboriginal Kunstmesse im Convention Center und im
Museum of the Northern Territory.
Darwin ist die Hauptstadt des Northern Territory, Australiens Top End. Von den
21 Millionen Australiern sind nur 2.2% Aborigines, die Ureinwohner des Landes,
und die meisten von ihnen leben im NT. Ihnen gehoert etwa die Haelfte des Landes,
hauptsaechlich Arnhem Land oestlich von Darwin, wo sie ihren traditionellen
Lebensstil mit dem westlichen verbinden:
tagsueber gehen sie auf die Jagd, sind aber um 6 Uhr abends rechtzeitig zu den
Fernsehnachrichten wieder zuhause.
Die Kunst der Aborigines hat Australiens Kunstszene wesentlich beeinflusst.
Malen, Schnitzen und Drucken sind traditionelle Techniken, die eine
spirituelle Verbindung herstellen zwischen dem Leben ihrer Ahnen und ihrem
gegenwaertigen, zwischen den Leuten und ihrem Land.
Die Aborigines sind kuenstlerisch sehr talentiert, und wir wuerden gern ein Bild
erstehen, aber die Preise sind sehr hoch, ihre Kunst wird weltweit geschaetzt.
Wir koennen sie uns leider nicht leisten.
An einem Abend gehen wir ins Amphitheater im Botanischen Garten zu einem
koreanischen Percussion-Orchester, das uns alle zu rasendem Applaus,
Mitklatschen und Mittanzen bringt.
Freunde haben uns gesagt, wir muessten uns unbedingt den Kakadu Nationalpark
ansehen, um einen Eindruck von dieser Ecke Australiens zu kriegen. Wir leihen
uns fuer zwei Tage ein Auto und fahren erst in den Mary River Park, wo wir mit
einem Ranger den Fluss hinunterfahren: riesige Krokodile liegen unbeweglich am
Ufer in der Sonne, nur wenige Meter von uns entfernt, ueber uns fliegen tausende
von Voegeln, weisse Kakadus, bunte Zaunkoenige, riesige schwarze mit knallroten
Schwanzfedern. In den Bambusdickichten haengen tausende von Fledermaeusen.
Wir fahren weiter oestlich zum Kakadu Park. Die Eukalyptuswaelder links und
rechts vom Highway sehen verkohlt aus. Bevor das Unterholz zu dicht und hoch
wird, wird es verbrannt, damit nicht wilde Feuer entstehen, die fuer das Land
katastrophal sind und es zerstoeren. Die Spitzen der Baeume sind gruen, und auf
dem Boden ueberstehen vor allem die Cyccas (palmenaehnliche Pflanzen)
diese Kur sehr gut, sie sehen kerngesund und leuchtend gruen aus. Auch den 3 bis
4 Meter hohen Termitenhuegeln scheint das Feuer wenig auszumachen.
Der Highway verlaeuft schnurgerade, ueber zig Kilometer. Ab und zu ueberholen
wir road trains, enorme Lastzuege, die bis zu fuenf maechtige Anhaenger ziehen.
Man braucht mindestens einen Kilometer, um so ein Monster zu ueberholen.
Wir sind jetzt am Ende der Trockenzeit, aber Markierungsstaebe am Strassenrand
lassen ahnen, dass die Gegend auch ganz anders aussehen kann. Die Strasse kann
bis anderthalb Meter ueberflutet werden, und sie liegt schon wesentlich hoeher
als das umliegende Land, die sogenannten flood plains. Jetzt ist diese Ebene
gruen und voller Billabongs, Teiche, wo sich allerlei Getier tummelt, vor allem
Krokodile. Sie koennen 20 km ueber Land von einem Billabong zum andern wandern.
Gegen Abend kommen wir in Jabiru an, an der Grenze zu Arnhemland, und
uebernachten im Gugudja Crocodile Inn. Von der Luft aus gesehen sieht dieses
Hotel wie ein Krokodil aus. Unser Zimmer liegt etwa auf Hoehe der dritten Rippe...
Am naechsten Morgen fahren wir frueh nach Ubirr, um uns da die Felsmalereien
anzusehen. Das Tor wird gerade geoeffnet, als wir ankommen, und wir haben das
Gelaende ganz fuer uns allein.
Aus der weiten Ebene erheben sich hier die Reste von einem Millionen Jahre alten
Gebirge, dramatische Felsformationen mit Ueberhaengen. Und in den Nischen sieht
man Zeichnungen aus rotem und gelben Ocker, Tiere und Menschen, die mindestens
8000 Jahre ueberstanden haben und von den mimi-spirits gemalt wurden, wie die
Legende erzaehlt. Oben von einem Plateau
aus hat man einen wunderbaren Blick auf das umliegende weite gruene Land und
eine Kette von Billabongs, voller Wasserbueffel, Krokodile, Wallabies (kleine
Kaenguruhs), Voegel und Schlangen. Es ist ein magischer Ort, man kann sich kaum
davon trennen. Aber die Touristenbusse sind inzwischen angekommen, und wir
fluechten. Wir machen noch an einigen Stellen Halt, wandern noch zu einigen
Billabongs (trotz der Krokodil-Warnschilder), immer vorsichtig die Gegend
ausspaehend, und machen uns dann auf die lange, bruetend heisse Fahrt zurueck
nach Darwin.
CHAP LXVII I N D O N E S I E N
T I M O R , Kupang
10º 09.60 S 123º 34.44 O
Am Dienstagmorgen, den 26. August, fahren wir durch die Marina-Schleuse, tanken
noch mal voll mit zollfreiem Diesel und machen uns auf den Weg nach Bali.
Zunaechst steuern wir Rote an, eine kleine Insel vor Timor, etwa auf halber
Strecke, 480 Seemeilen entfernt. Der Wind ist schwach, und wir muessen einen
Teil des Wegs motorsegeln. Das Wetter ist schoen, die See glatt, alles bestens.
Etwa 40 Meilen vor Rote sehen wir am Freitag, wie uns ein gigantischer Wal
ueberholt. Er ist laenger als unser Schiff (13.50 m) und nur wenige Meter von
uns entfernt.
In der Nacht fallen ploetzlich unsere Navigationslichter auf den Masten aus und
auch der Autopilot und Kuehlschrank tun's nicht mehr. Man hat uns vor den
unbeleuchteten indonesischen Fischerbooten gewarnt, aber wir sind es, die als
einzige ohne Licht fahren und den anderen Schiffen mit der Taschenlampe unsere
Anwesenheit signalisieren muessen.
Am naechsten Morgen umrunden wir die Nordspitze von Rote und wollen in einer
idyllischen Bucht ankern, aber der Anker geht nur 20 m runter, dann streikt er.
Wir haben offensichtlich ein grosses Problem mit den Batterien, drehen um und
fahren Richtung Kupang auf Timor, um eine Loesung zu finden. Kurz vor der Stadt
sehen wir eine Flotte von Fischerbooten liegen, werfen per Hand den Anker aus
und gehen erstmal voellig erschoepft schlafen.
Zwei Stunden spaeter werden wir von lauten Rufen wach: die Fischer gestikulieren
wild und bedeuten uns, dass wir am falschen Platz geankert haben, in sehr
seichtem Wasser, und dann sehen wir, dass wir mit zunehmender Ebbe schon fast
auf dem Trockenen sitzen. Wir dachten, wir haetten in Sand geankert, sehen aber
jetzt, dass es stattdessen dicke Felsbrocken sind. Wir haben riesiges Glueck,
der Anker hat sich nicht verhakt, und Skip kann ihn aus eigener Kraft hochhieven.
Danach fahren wir eine halbe Meile weiter und ankern direkt vor dem Stadtzentrum.
Jetzt sind wir in Kupang, was wir auf jeden Fall vermeiden wollten, denn jeder
hatte uns davor gewarnt. Vor zwei Wochen machten naemlich die 116 Schiffe der
Darwin-Singapur-Rallye hier Halt und hatten grosse Probleme mit dem Zoll. Am
Ende musste jede Yacht 10% des Schiffswertes als bond zahlen, eine Riesensumme.
Ueber einen freundlichen boatboy, der uns mit Diesel und kaltem Bier versorgt,
hoeren wir von Napa Rachman, einem Agenten, der uns behilflich sein koennte. Und
das ist er. Tagsdarauf, am Sonntag, kommt er erst mit dem Quarantaene-Beamten,
dann mit dem von Immigration, und nachdem wir wieder Fragen nach Leichen/ Affen/
Papageien und ansteckenden Krankheiten an Bord negativ beantwortet haben,
koennen
wir unsere gelbe Q-Flagge einholen, und Skip kann an Land rudern und ein paar
kalte Getraenke und eine wunderbar gegrillte Krabbe so gross wie ein Hummer
zurueckbringen.
Wir sind so uebermuedet, dass wir frueh schlafen gehen. Um 4.30 Uhr werden wir
vom muezzin geweckt, der die Muslime zum Gebet ruft. Nach einer Weile schlafen
wir wieder ein, aber nach einer Stunde werden wir wieder geweckt. Es ist Ramadan,
die Muslime duerfen einen Monat lang tagsueber nichts essen und trinken, nur
nachts, und der Muezzin teilt ihnen mit, wann die Nacht beginnt und zuende ist.
Gegen 8 Uhr erwacht die Stadt zum Leben. Die Geschaefte oeffnen, Hunderte von
Motorraedern und Bemos (oeffentliche Minivans) rasen hupend durch die engen
Strassen und Gassen. Die Bemos sind wild bemalt, und zwar ueberall, so dass man
kaum noch durch die Fenster und Windschutzscheibe sehen kann. Sie sind mit
blinkenden Lichtern geschmueckt, die Tueren stehen offen, ein Helfer steht auf
dem Trittbrett und versucht schreiend noch mehr Passagiere hineinzustopfen. Auf
dem langen, staubigen und heisssen Weg zum Markt, Unrat und einem Hindernis nach
dem anderen ausweichend, springen wir schliesslich auch auf eins.
Wir sind 17 Personen in dem Gefaehrt, das fuer acht gebaut ist, und fuehlen uns
wie in einer Sardinendose. Der Schweiss rinnt in Stroemen, aber die Leute
erdulden alles stoisch. Sie sind Schlimmeres gewoehnt.
Napa zeigt uns die Stadt, kauft mit uns ein, kaum jemand spricht ein paar Worte
Englisch, und mein Indonesisch steckt noch ganz in den Kinderschuhen, obwohl es
mir schon ein bisschen nuetzt. Es ist auch nicht einfach mit den Rupiahs: 13 000
etwa sind ein Euro, und man rechnet mit Tausenden und Millionen. Napa macht uns
mit Hani bekannt, einem netten Mechaniker, der auf
die Masten klettert und die Gluehbirnen ersetzt, die Lampe ueber dem Kartentisch
repariert, die einen Kurzschluss hatte, und der auch versucht, neue Batterien
fuer uns aufzutreiben. Wir wandern von einem Laden zum anderen, bis wir
schliesslich in einem modernen Autozubehoerladen mit dem kompetenten
chinesischen Besitzer sprechen, der uns versichert, dass wir so etwas
technologisch Kompliziertes wie Gel-Batterien in Kupang nicht finden werden und
es besser waere, wenn wir direkt nach Bali fahren.
Der Zoll hat uns bis jetzt in Ruhe gelassen, dank Napas Einfluss und der
Entschuldigung, dass wir nur einen Notstopp eingelegt haben. Aber jetzt wird es
eng, lange halten sie nicht mehr still. Fruehmorgens am 3. September holen wir
wieder mal den Anker per Hand hoch und machen uns auf den Weg, nachdem wir uns
von unserem freundlichen Napa verabschiedet haben und er uns versprochen hat,
dass er seinen Freund, der Hafenmeister von Balimarina ist, unsere Ankunft
mitteilen wird und ihn auch bitten wird, einen Liegeplatz bereitzuhalten, damit
wir Reparaturen ausfuehren koennen.
Nach 48 Stunden durch die Sawu See zwischen Flores und Sumba haben wir wieder
mal Glueck, als wir in dem kleinen Kanal zwischen Rinca und Kodé eine Ruhepause
einlegen wollen. Es gibt dort nur eine Mooring-Boje, und an der machen wir fest.
Rinca ist eine bergige und scheinbar oede Insel zwischen Flores und Sumbawa und
Teil des Komodo Nationalparks, Heimat der Komodo-Drachen. Nur Taucher und
Yachties verirren sich hierher.
Die meisten Reisefuehrer neigen etwas zur Uebertreibung, wenn sie die
Attraktionen eines Ortes beschreiben, und unserer sagt, dass man am Strand von
Rinca die Drachen, Hirsche, Makake-Affen und Wildschweine beobachten kann. Und
so ist es, haargenau. Schon als wir festmachen, spazieren ein paar Komodos den
Strand entlang, als sie verschwinden, kommen die
Wildschweine, die Hirsche und die Affen. Ein Spektakel.
Am fruehen Nachmittag paddeln wir im Dinghy an Land. Zuerst sehen wir nichts,
entdecken dann aber einige Drachen im Halbschatten der Baeume, perfekt getarnt.
Wir wagen uns nicht allzu nah ran und koennen auch keine guten Bilder machen,
weil sie total mit der Umgebung verschmelzen. Dann sehen wir, wie uns einer am
Ufer entgegenwatschelt. Wir springen ins Dinghy und lassen uns auf ihn zu
treiben, bis wir nur 4 bis 5 Meter entfernt sind und ihn gut im Bild haben.
Diese Drachen sind eigentlich riesige Echsen, sie werden bis zu 3 Meter lang.
Sie haben enorme, 15 cm lange Klauen, scharfe Zaehne und eine lange gruengelbe
gegabelte Zunge, die sie staendig vorschnellen lassen. Ihre Koepfe sind klein,
ihre Kinnladen aber maechtig; der Hals ist lang und duenn, der Koerper geschuppt
und massiv, die Beine kurz und dick und der Schwanz dick und stark, so dass er
als Waffe benutzt werden kann.
Sie fressen Insekten, Voegel, Fische und auch grosse Tiere wie Wildschweine,
Bueffel und Hirsche, sie koennen eine Ziege ganz verschlingen. Sie lauern ihrer
Beute auf, beissen sie und warten dann darauf, dass die sieben toedlichen
Bakterien in ihrem Speichel ihre Wirkung tun, bis zu zwei Wochen, um sie dann zu
vertilgen. Sie fressen auch Ihresgleichen, weshalb die kleinen Komodos zu ihrer
eigenen Sicherheit fuenf Jahre auf Baeumen leben, bis sie einen Meter gross sind.
Sie greifen auch Menschen an und toeten sie. Ihr Geruchssinn ist sehr
ausgepraegt, sie koennen etwas bis zu 11 Kilometer Entferntes riechen. Auf Rinca
leben etwa 11 000 von ihnen.
Die Drachen am Strand scheinen nicht hungrig zu sein und sind an Menschen
gewoehnt, aber man muss trotzdem staendig auf der Hut sein. Sie erscheinen sehr
plump und langsam, koennen aber grosse Schnelligkeit entwickeln und sind gute
Schwimmer. Es ist schon ein Erlebnis, sie in Freiheit und aus solcher Naehe zu
beobachten.
Nach zwei Tagen machen wir uns auf den Weg nach Bali, am Sonntag, den 7.
September. Wir fahren durch den westlichen Kanal hinaus, Minuten, bevor ein
maechtiger Regenguss ueber dem Ankerplatz niedergeht. Als wir den Selat Sape
zwischen Komodo und Sumbawa durchqueren, werden wir von dem enormen
Gezeitenstrom in diesem Kanal sechs Meilen nach Sueden
abgetrieben. Erst nachdem wir die Suedkueste von Sumbawa erreicht haben, koennen
wir einen steten Westkurs entlang dieser 150 Seemeilen-langen Insel einhalten.
Gegen Mittag des naechsten Tages erreichen wir den Selat Alas zwischen Sumbawa
und Lombok. Und wieder schiebt uns die Stroemung nach Sueden, und wir koennen
unseren Blick nicht vom GPS-Kompass lassen, damit wir nicht ins offene Meer
abgetrieben werden. Aber diese beiden Selats sind nichts gegen den 35-Meilen
Selat Lombok zwischen Lombok und Bali. Inzwischen wissen wir schon ganz gut, wie
wir mit diesen starken Stroemen umzugehen haben und bewegen uns seitlich
vorwaerts, indem wir 40 Grad hoeher steuern als unser eigentlicher Kurs.
Morgens am 9. September sind wir vor der Kueste von Sued-Bali, vollkommen
erschoepft von dem Kampf mit der Stroemung die ganze Nacht hindurch. Wir suchen
die Einfahrt in den Hafen von Benoa und koennen sie nicht finden, es gibt keine
Markierung, alles sieht gleich aus an dieser flachen Kueste. Schliesslich gegen
9 Uhr sehen wir Faehren aus dem Kanal kommen und fahren hinein. Nach ein paar
hundert Metern wimmelt es ploetzlich von Motorbooten Jetskis und Bananenbooten
um uns herum, am Himmel sehen wir Fallschirme und fliegende Luftmatratzen, so
dass wir schon denken, wir spinnen. Fliegende Luftmatratzen sind der letzte
Schrei hier. Sie werden von Motorbooten hochgezogen, mit drei, vier Leuten drauf.
Endlich finden wir auch Balimarina, wo wir an der Nomadess laengsgehen, einer
luxurioesen US Maxi-Rennyacht, und herzlich von den Balimarina-Leuten begruesst
werden. Die Marina ist voellig ausgebucht wegen der ARC-Rallye, aber Napa hat
sein Wort gehalten, der Hafenmeister war auf unser Kommen vorbereitet und hat
eine Loesung gefunden.
J A V A
Yogyakarta
Nachdem wir eine Woche in Balimarina unser Schiff wieder in Ordnung gebracht
haben, neue Gel-Batterien gefunden und installiert, abgeschliffen und lackiert
und die Mastlampen ausgewechselt und viele andere Kleinigkeiten repariert haben,
beschliessen wir, Ferien vom Schiff zu machen und ein paar Tage nach Java zu
fliegen. Wir nehmen das Flugzeug
um 6 Uhr morgens und kommen kurz vor sechs an, Java hat eine Stunde
Zeitunterschied.
Wir bleiben im Fuenf-Sterne-Hotel Melià, das im Stadtzentrum liegt und von dem
aus wir in die Altstadt laufen koennen. Unser feudales Zimmer kostet mit
Fruehstueck nur knapp ueber zwanzig Euros. Yogya, wie es kurz genannt wird,
ist eine quirlige 500 000 Einwohner Stadt (wenn man die Vororte mitzaehlt, hat
es noch viel viel mehr) mit ueber 20 Universitaeten und einer riesigen
Studentenschaft. Das beliebsteste und schnellste Verkehrsmittel sind Motorraeder,
die kreuz und quer durch die Stadt flitzen und alles zuparken, sie stehen in
dichten Reihen vor Geschaeften, auf Buergersteigen, auf der Strasse, so dass man
es als Fussgaenger nicht gerade leicht hat. Der Linksverkehr scheint chaotisch,
Fahrzeuge kommen von rechts und links, von hinten und vorn, haarscharf an einem
vorbei - man muss hier eiserne Nerven haben, wenn man sich in dieses Gewuehl
begibt. Aber wir sehen nirgendwo einen Unfall.
Auf dem Weg zum Kraton, dem Sultanspalast und Herz der Stadt, lernen wir Dibiyo
kennen, der uns zwei Tage
durch die Stadt fuehren wird. Bevor wir uns mit ihm treffen, gucken wir uns
allein den Sultanspalast an. Normalerweise
werden da traditionelle Taenze mit Gamelan-Orchestern aufgefuehrt, aber es ist
Ramadan, der muslimische Fastenmonat,
und daher findet zur Zeit nichts dergleichen statt. Wir schlendern durch den
Park, sehen uns die verschiedenen
Pavillons und Ausstellungen an und machen uns dann mit Dibiyo auf eine
Entdeckungstour durch die aeltesten Bezirke
der Stadt um den Kraton herum. Wir sind heilfroh, ihn gefunden zu haben, denn er
fuehrt uns an Plaetze und in
Gassen, in die wir uns allein nicht gewagt oder die wir nicht gefunden haetten.
Und er verlangt nicht einmal etwas
dafuer.
Der sehr beliebte Sultan lebt immer noch im Kraton und ist auch so etwas wie der
Oberbuergermeister der Stadt. Waehrend
Jakarta das wirtschaftliche und Finanzzentrum von Indonesien ist, ist Yogya
Javas Seele, sagt man. Java ist die
bevoelkerungsreichste indonesische Insel mit 120 Millionen Einwohnern, die
Haelfte der Gesamtbevoelkerung. Yogya ist eine
moderne Stadt, aber in dem grossen aeltesten Distrikt um den Kraton herum
scheint die Zeit stillzustehen. Man hoert
nichts von dem Grossstadtlaerm nur wenige Meter entfernt, die Leute leben ein
ruhiges, beschauliches Leben hier, entweder
in kleinen Haeuschen in engen Gassen voller Blumentoepfe und ohne Autos oder in
breiteren stillen, baumbestandenen
Alleen und Villen in tropischen Gaerten.
Die Altstadt ist aufgeteilt in viele kleine Bezirke, kampung. An manchen
Strassenecken sieht man einen Unterstand mit
einer Trommel, die an einer Schnur von der Decke baumelt. Jeder maennliche
Einwohner muss einmal an bestimmten Tagen nachts
Wache schieben, und wenn er etwas Verdaechtiges bemerkt, mit einem bestimmten
Klopfzeichen die uebrigen Bewohner des
kampung warnen, sei es dass irgendwo ein Feuer ausgebrochen ist oder sich
Gesindel herumtreibt oder was auch immer.
Morgens und nachmittags wechseln sich Maenner und Frauen ab, die Strassen zu
fegen und zu kochen... Das System scheint
sehr erfolgreich zu sein angesichts der sauberen Gassen. Es gibt keine
Verbrechen, keine verschmierten Waende, keine
zerbrochenen Scheiben, die Leute lassen ihre Haeuser offen stehen, und die
Kinder koennen nach Herzenslust herumtollen
und spielen. Jeder passt auf und fuehlt sich verantwortlich.
Wir laufen die dicke weiss gekalkte Stadtmauer entlang, an der man Obstbaeume
aller Art gepflanzt hat, so dass sich
jeder, der hungrig ist, davon nehmen kann. Vor fast allen Haeusern stehen oder
haengen Vogelkaefige mit Singvoegeln,
die fruehmorgens an die frische Luft gebracht werden, damit sie die anderen
Voegel hoeren koennen und zu noch
besserem Singen angespornt werden. Der Vogelmarkt ist voller Leute, die hohe
Summen fuer einen besonders gut
singenden Vogel bieten. Es werden Preise bis zu 20 000 Dollar bezahlt fuer einen
besonders schoenen Hahn oder
praechtigen anderen Vogel. Aber es werden auch Schlangen verkauft, und Kaninchen,
und exotische, vielleicht unter
Artenschutz stehende Tiere... Nahe dem Vogelmarkt ist der Obst- und Gemuesemarkt
mit einer Unzahl von exotischen
Produkten und Herbalisten, die einem eine Mixtur aus Kraeutern gegen jegliche
Krankheit zusammenstellen.
Die Vielfalt der Farben und Gerueche machen einen ganz benommen.
Am Abend, kurz vor Sonnenuntergang, gehen wir in eine sehr enge Gasse, in d